Gasfäden


Aufnahme der Galaxie NGC 891 (Foto: Nasa/CXC/SAO)
Das Chandra-Weltraumteleskop hat ein gigantisches intergalaktisches Netz aus heißem Gas und Dunkler Materie entdeckt, in dem die meiste Materie des Universum gefangen sein soll. Nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa liegt das bis zu fünf Millionen Grad Celsius heiße Gas wie Frühnebel in intergalaktischen Gräben, die von der Schwerkraft geformt werden. Die Entdeckung, die frühere Beobachtungen im ultravioletten Licht bestätigt und erweitert, soll den Astronomen helfen, die Entwicklung des Universums während der vergangenen zehn Milliarden Jahre besser zu verstehen, und sie möglicherweise auf die Spur der nach wie vor mysteriösen Dunklen Materie führen.

Riesiges System in der kosmischen Landschaft
Das von Chandra entdeckte Gasnetz ist der Nasa zufolge Teil eines riesigen Systems, das die kosmische Landschaft bildet. Eine solche Struktur war von Theorien vorhergesagt worden, entzog sich bisher aber weitgehend der Beobachtung. In den ersten Jahrmilliarden nach dem Urknall sollen sich demnach etwa 20 Prozent der Materie im Universum unter dem Einfluss der Schwerkraft zusammengeballt haben, um die noch heute existierenden riesigen Haufen von Galaxien zu bilden. Das Alter des Universums wird gegenwärtig auf etwa 14 Milliarden Jahre geschätzt.


Röntgenstrahlung passiert eine Gaswolke
(Grafik: Nasa/CXC/SAO)
Faserartiges Netz verbindet Galaxienhaufen
Die restliche normale Materie und die bisher erst indirekt nachgewiesene Dunkle Materie sollen den Theorien zufolge ein gigantisches faserartiges Netz geformt haben, das die Galaxienhaufen verbindet und so heiß ist, dass es für Infrarot- und Radioteleskope sowie für optische Instrumente unsichtbar ist. Stattdessen soll es im energiereicheren Röntgenlicht leuchten. Mit dem Röntgensatelliten Chandra wurden die Forscher nun fündig.

Mehr Masse als alle Sterne zusammen
"Wir hatten von der Urknalltheorie und den Beobachtungen des frühen Universums her den starken Verdacht, dass das Gas existiert; aber wie ein Tarnkappenbomber hatte es sich bisher der Entdeckung entzogen", erklärte Claude Canizares vom Massachusetts Institut für Technologie (MIT), der zu einem von vier unabhängigen Teams gehört, die ihre Beobachtungen im "Astrophysical Journal" veröffentlichen. Allein das heiße Gas soll mehr Masse enthalten als alle Sterne des Universums zusammen.

Ursprung der Dunklen Materie gesucht
Das Gasnetz kann den Wissenschaftlern helfen, die noch massereichere Komponente der Dunklen Materie aufzuspüren. Die Dunkle Materie, die den größten Teil der Masse im Universum ausmachen soll, hat sich bisher erst durch ihre Schwerkraft verraten. Direkt beobachten lässt sie sich bislang nicht. Die Entdeckung des heißen Gasnetzes könnte Astronomen einmal ermöglichen, die Verteilung der Dunklen Materie zu kartieren und möglicherweise ihren Ursprung zu enträtseln, glaubt die Nasa.

Quelle des Artikels: www.karriere.t-online.de

Autor:   Wolf Zimmer E-Mail: wolf@wozim.de Homepage: http://www.wozim.de