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Amiga Arena Interview
| Entwickler: |
Gods & IRIS |
| Software: |
D.I.S.C. |
| Homepage: |
www.idf.net/gods |
| Email: |
zerox@post.com |
Hallo Frode, kannst Du uns bitte etwas
über Dich und Deinen Amiga-Hintergrund erzählen?
Hallo Olaf, natürlich kann ich. Ich bin 28 Jahre alt und lebe im
Südwesten Norwegens in einer Stadt namens Stavanger. Meine Ausbildung
hat nichts mit dem Amiga noch anderen Computern zu tun, da ich ein "Anwalt"
bin (Jura-Studium) und heutzutage an Steuerangelegenheiten arbeite.
Nachdem ich einige Jahre einen alten Commodore 64 hatte, kaufte ich 1987
schließlich einen Amiga 500. Und tja... Ich liebte die Maschine und
nach einiger Zeit als Spiele-Verrückter, begann ich etwas kreativ zu
werden und trat der "Szene" bei. Der Rest ist wirklich Geschichte... In der
Szene werde ich Zerox genannt.
Der Einstieg:
Wie kamst Du in die "Szene"?
Als ich einige fantastische Spiele auf dem Amiga spielte, begann ich mit
einigen Freunden und anderen innerhalb und außerhalb Norwegens zu
tauschen. Dann kam ich mit der Cracker-Szene in Berührung, da mir
manche Leute Spiele schickten, die keine Originale sondern von bestimmten
Gruppen gecrackt waren. Die hatten am Anfang ihr eigenes Intro
eingefügt. Zwischen den Spielen schickten mir manche Leute auch Demos.
Ich fand sie interessant und wurde neugierig, also nahm ich mit einigen
Szenern Kontakt auf, die ihre Adressen in diese Produktionen eingefügt
hatten. Ich begann Demos, Intros, Mags usw. zu tauschen und schloss mich
damals im Januar 1989 meiner ersten internationalen Amiga-Gruppe namens
Argon an. Mehr Gruppen folgten, wie Beastie Boys, Mega Menace, IRIS, und
seit 1994 bin ich Mitglied von Gods.
Was unterscheidet einen "Szener" von einem
nicht-"Szener"?
Der Unterschied ist nicht unbedingt so groß, aber ein Szener ist
gewöhnlich Teil einer Gruppe und leistet bestimmte Beiträge in
Form von kreativer Arbeit wie Demos, Intros, Mags, Slideshows, Musikdiscs
usw. Er ist z.B. mehr daran interessiert etwas zu schaffen statt einfach
nur Benutzer von Spielen oder Utilities zu sein. Dann widerum spielen auch
Szener Spiele und nutzen verschiedene Software. Und auch nicht-Szener
können kreativ sein und Dinge machen, aber normalerweise keine Demos
und Intros usw. für die kleine Gemeinschaft namens Szene. Bede Gruppen
haben die Liebe zum Amiga gemeinsam...
Wie kam es zur Geburt von
D.I.S.C.?
Das D.I.S.C.-Projekt wurde mitte 1989 von einem Haufen engagierter Szener
begonnen, von denen oft als dem 'Salat-Team' gesprochen wird. Die Absicht
war, 'ein Magazin für jeden Computerfreak zu machen, nicht nur die,
die sich selbst großartig finden', wie die Schöpfer uns
erzählten. Ich persönlich trat dem Team nicht vor 1992/93 bei,
als ich das Projekt übernahm und Hauptredakteur wurde. Das war
ziemlich schwer, da die meisten alten Team-Mitglieder die Szene verlassen
hatten, und wir außer Artikeln auch weder Code noch Grafik und Musik
hatten.
Kannst Du mir sagen, worum es bei D.I.S.C.
geht?
D.I.S.C. steht für Digitaler Informations-Service für
Computerfrekas, und unser Ziel ist, sehr informativ über was in der
Amiga-Szene vor sich geht zu sein. Wir versuchen, die neuesten
Szene-Nachrichten abzudecken, die neuesten Amiga-Nachrichten, die aktivsten
Gruppen und Personen, Produktionen und mehr.
Seit wann existiert D.I.S.C.?
Die erste Ausgabe wurde am 10.01.90 nach einer internen Sitzung, die vom
3.-7. Januar gehalten wurde, veröffentlicht. Das Einzigartige an
D.I.S.C. war, dass das Magazin von so vielen verschiedenen Leuten und
Gruppen kreiert wurde. D.I.S.C. hatte weder einen Hauptredakteur noch eine
Gruppe hinter der Produktion, und das war tatsächlich die Stärke
dieses legendären Diskmags. Natürlich waren manche Leute
wichtiger als andere, und wir arbeiteten hart daran, dieses Team zusammen
zu halten. Jedenfalls wird D.I.S.C. als digitales Magazin jetzt schon seit
über 12 Jahren veröffentlicht...
Welche Software verwendet Ihr für die
Entwicklung von D.I.S.C.?
Normalerweise sollte man denken, dass wir eine Menge verschiedener Software
bräuchten, um D.I.S.C. herzustellen, und das ist auch wahr. Aber wir
müssen z.B. den Code nicht für jede Ausgabe assemblieren, darum
ist für mich nicht länger notwendig, Asm-Pro zu verwenden.
Stattdessen verwende ich ein speziell gemachtes Editor-Tool vom Coder von
D.I.S.C.. Natürlich brauche ich auch ein normales Texteditor-Programm,
und die meisten Programme sind dafür geeignet. Ich brauche auch ein
Grafikprogramm, aber nicht alle sind geeignet, da ich eins brauche, das
verschiedene Formate konvertieren kann, besonders nach GIF. Dann brauche
ich einen Musik-Konverter, ich verwende da TrackerPacker. Ich brauche auch
einen Komprimierer, da verwende ich Stone Cruncher.
Wie im Einzelnen wird D.I.S.C.
hergestellt?
Zuallererst müssen mich genug Leute mit Fragen nach einer neuen
Ausgabe quälen. Dann frage ich die andere Person im Hapt-Team,
Darkhawk, ob er auch eine neue Ausgabe machen möchte. Dann fangen wir
an, nach ein paar Ideen zu suchen und bitten ein paar der anderen in
unserem Redaktionsteam, auch zu schreiben. Wir bitten den Coder um einen
aktualisierten Quellcode, ein paar Grafiker um mehr Bilder und Cliparts und
ein paar Musiker um ein paar neue Songs. Dann recherchieren wir und
schreiben unsere Artikel, und ich versuche, alles mit dem Spezial-Editor in
D.I.S.C. einzubauen.
Ich mache die Anpassungen und Konvertierungen der neuen Grafiken und
Musik und beginne mit dem Einfügen der Artikel.
Ich brauche diese Artikel nicht zu formatieren, weil die Source das
alles fixt. Aber ich muss eine Menge Sachen mit dem Editortool machen. Ich
muss eine Seite nach der anderen in das Magazin einpassen. Ich muss den
Text dort einfügen, wo ich ihn haben will, und dann auch noch die
Grafiken, Seite für Seite. So ist das ein sehr zeitraubendes
Geschäft, da ich jeden Artikel gern mit jeder Menge Bildern bestimmter
Produktionen und Leute illustriere. Gewöhnlich füge ich auch noch
eine Menge versteckter Links auf verschiedene Sachen ein.
Gibt es noch genug "Input" aus der "Szene", um
ein Magazin wie D.I.S.C. mit Artikeln zu füllen?
Nicht wirklich. Die Szene wird heutzutage ziemlich klein, und wir haben
nicht mehr als 4 Magazine übrig. Vom Inhalt her ist D.I.S.C.
normalerweise das Größte (mit Ausnahem von Party-Ausgaben), und
es gibt einfach nicht mehr genug freischaffende Redaktuere um uns zu
unterstützen, und die meinsten Szener werden heutzutage ziemlich faul.
Darum muss das DISC-Team das Magazin selbst füllen und interessante
Sachen finden, über die man schreiben kann. Trotzdem gibt es noch
über genügend Produktionen und Ereignisse zu berichten...
Steht Ihr unter dem Druck, nicht "Lame" sein zu
dürfen, d.h. müsst Ihr qualitativ hochwertige Artikel von Szenern
haben, um akzeptiert zu werden?
Das kann ich nicht sagen. Die Qualität der Amiga-Magazine hat in den
letzten Jahren sehr nachgelassen, will sagen sie waren um 1995 herum viel
besser. Heutzutage scheint es den Szenern ziemlich egal zu sein was
geschrieben wird, sie sind mehr am Layout und Code interessiert. Darum
fühle ich mich nicht mehr unter Druck, mein allerbestes zu geben, wenn
es um Artikelleistung geht.
Dürfen auch nicht-"Szener" Artikel
für Euch schreiben?
Ja, natürlich. Das Wichtige ist, worüber sie schreiben. Die
Artikel sollten für den normalen Leser etwas von Interesse sein. Also
natürlich bevorzugen wir strikte Szene-Artikel (über Gruppen,
Leute, Parties usw.), aber auch jede Art von Amiga-bezogenen Themen ist
seht willkommen. Über Spiele, Software, Hardware und mehr... und
gelegentlich etwas reine Unterhaltung. Aber wir versuchen, keine reinen
Füller aufzunehmen, und Zeug, das man leicht an tausend Orten im
Internet findet... über Filme, Bücher, CDs, normale Ereignisse
usw., da es in D.I.S.C. um den Amiga und die Amiga-Szene geht.
Über die "Szene"
Inwieweit hat sich die Amiga-"Szene"
geändert?
Es ist offensichtlich, dass die Szene in den letzten 5 Jahren oder so sehr
geschrumpft ist, oder tatsächlich begann das bereits damals 1994/95
als AGA übernahm. Viele Leute habe nie auf AGA aufgerüstet, und
immer weniger Szener haben weiter aufgerüstet. Wenn sie die
Produktionen nicht mehr ansehen können, hören die meisten Leute
einfach auf. Natürlich werden auch viel weniger Produktionen
veröffentlicht, aber heutzutage findet man nicht so viele "schlechte"
Produktionen... und die meisten Produktionen werden heutzutage auf den
verschiedenen Parties veröffentlicht. Besonders auf den großen
Parties. Es ist auch eine Tatsache, dass die Szener heutzutage viel
älter sind, und die meisten sind schon eine ganze Weile Szener, da es
nicht viele Newcomer gibt.
Gibt es noch das "Elite"-Denken unter den
"Szene"-Mitgliedern?
Nicht so sehr wie in der Vergangenheit, aber es gibt immer noch ein paar
die denken sie seien viel besser als der Rest. Ich glaube man wird diese
Leute nie los, aber im allgemeinen sind sie heutzutage viel weniger
arrogant.
Was glaubst Du, wie "aktiv" die "Szene"
ist?
Wenn wir uns die Zahlen ansehen, sind früher viel mehr Produktionen
veröffentlicht worden. Aber heutzutage sind die Gruppen, die noch am
Leben sind, ziemlich aktiv. Also könnte man sagen, dass wir im
Vergleich zu früher mehr Produktionen pro Szener kriegen... ;-)
Trotzdem, viele Leute werden müde und werden immer weniger
aktiv...
Lebt die Amiga-"Szene" nur von ihrer
Vergangenheit, oder bilden sich neue Gruppen mit
Nachwuchskünstlern?
Traurigerweise gibt es in der Szene nicht viele Newcomer. Von den meisten
Leuten hat man schon eine ganze Weile gehört, aber hin und wieder
tauchen ein paar neue auf. Ein paar neue Gruppen bilden sich, aber
hauptsächlich von Szenern, die schon eine Weile da sind.
Ist es für einen nicht-"Szener"
überhaupt möglich, sich in diesem Teil der Amiga-Kultur zurecht
zu finden?
Ja, es ist natürlich möglich, der "Szene" beizutreten.
Tatsächlich würde ich sogar sagen, dass es heute einfacher ist
als früher, da ich sicher bin, dass es genug freundliche Leute gibt,
einem in die Szene hinein zu helfen. Und da die Szene verzweifelt neue
Gesichter braucht, würde ich jedem raten, es zu versuchen... :-)
Haben Slogans wie "Friendship rules" noch
Geltung? Ich meine, stehen die Leute noch per Post in Kontakt
(Swapping)?
Die Swapping-Szene ist praktisch tot. Es gibt aber noch ein paar Leute, die
Slow-Swapping betreiben, aber E-Mailen/Internet sind so viel schneller. Auf
jeden Fall ist Freundschaft heutzutage in der Szene viel wichtiger als je
zuvor. Und ja, es gibt noch Gruppen, die "Friendship" in ihren Slogans
haben. IRIS z.B. haben den Slogan "When It Comes To Friendship!",
hihi...
Wie, glaubst Du, wird sich die Amiga-Szene in
Zukunft entwickeln?
Das ist sehr schwer vorherzusagen, aber ich bin wirklich nicht zu
optimistisch. Die Szene hat sich jetzt etwas stabilisiert, aber wir werden
immer älter und darum sinkt unsere Produktivität, da die meisten
Leute auch Beruf, Freundin usw. haben. Jedes Mal, wenn wir unsere Sachen
aufrüsten, verlassen mehr Szener die Szene. Normalerweise brauchst Du
einen 060, um die verschiedenen Classic Amiga-Produktionen anzusehen, un
nun mit den PPC-Boards reicht das nicht mehr. Auf der diesjährigen
Mekka-Symposium-Party z.B. brauchte fast die Hälfte der Beiträge
zum Ausführen einen PPC. Und ich denke, mit dem neuen AmigaOne wird
die Szene noch mehr gespalten, und deshalb weniger Szener. Aber hoffentlich
irre ich mich, und durch die neue Hardund Software werden mehr Szener von
der Amiga-Szene angezogen.
Deine letzten Worte an die
Leser?
Unterstützt die Amiga-Gemeinschaft, weil Ihr wisst, man kann keiner
besseren Gemeinschaft angehören. Ob Ihr User oder Szener seid ist
nicht wichtig. Aber wenn Ihr nicht wisst, worum es in der Szene
überhaupt geht, dann schnuppert mal rein, ich bin sicher, es wird Euch
gefallen. Es gibt überall jede Menge Amiga-Prduktionen zum
Herunterladen. Ihr könnt natürlich auch ein oder zwei Ausgaben
von D.I.S.C. herunterladen... Falls Ihr Euch nicht wirklich für die
Szene begeistern könnt, aber Deutsch könnt und den Amiga liebt,
seht zu, dass Ihr das Printmagazin AMIGAplus in die Finger bekommt!
Zuguterletzt möchte ich Euch nur noch einen großartigen Sommer
wünschen...
-- © Amiga Arena 07/2002 --
(aus dem Englischen von Christian Busse)
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