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Amiga Arena Interview
Hallo Alfred,kannst Du bitte ein wenig
über Dich und Deinem Amiga Werdegang erzählen? Bald habe ich gemerkt, was der AMIGA für eine fantastische Maschine ist, deren Möglichkeiten alles überstieg, was ich mir damals von einem Computer vorgestellt hatte. Wegen der netten Spiele, waren bald auch meine Kinder von der Maschine begeistert. Dann kamen die ersten, für mich erschwinglichen Beschleuniger. Meine Wahl fiel auf einen Apollo-Beschleuniger mit einem 68020, der auf 28Mhz übertaktet war, und einen beeindruckenden Leistungsschub brachte. Danach kam ein Festplattenkontroller (Combicontroller AT und SCSI) mit einer AT-Festplatte 170MB. Die Verblüffung war riesig, als der AMIGA zum ersten mal von der Festplatte bootete in 5(!) Sekunden ("nacktes" OS2.1). Bald reichte der Platz auf dem Tisch nicht mehr aus, so kam die Entscheidung das ganze in einen Tower zu bauen. Früher hatte ich über viele Jahre schon duch elektronische Basteleien den Umgang mit Leiterplatten und Lötkolben gelernt. Der Umbau war nicht einfach, da es für den AMIGA vorgefertigte Gehäuse nicht gab. Letztendlich hat dann aber doch alles funktioniert. Bald war ich dann auch im Netz. Anfangs noch Mailbox-User mit einem Modem 1200 Bit/s (Telefonkosten je Minute 25 Pf). Sobald das Internet über T-Online zugänglich war, war ich dabei. Ich habe so das Werden dieses Netzes aller Netze in Deutschland für "Otto Normalverbraucher" vom Anfang an miterlebt. Sehr bald hatte ich mit dem AMIGA angefangenm Musik zu machen. Programme, wie MED - Tracker also - haben mir sehr dabei geholfen. MIDI hat mich sehr interessiert, aber ich war zu arm, um mir ein solches Programm zu leisten. Die haben damals sehr viel Geld gekostet (Bars&Pipes1 z.B. 480,-DM). Ich konnte mir aber dann doch ein gebrauchtes MIDI-Programm irgendwann leisten. Zu meiner riesigen Freude bekam ich auch einen Synthesizer (DX11 von YAMAHA) von Freunden geschenkt(!). Auch hatte ich mir das Geld zusammengespart, um Bars&Pipes 1.3 zu kaufen (inzwischen war der Preis auf 390,-DM gesunken). Nun konnte es richtig losgehen. Er fing bald an, selbst (meist in E) zu programmieren. Bald hatte er sich entschlossen Informatiker zu werden. Nun studiert er an der Technischen Uni in Ilmenau. Da er zum "normalen" PC-ler wurde, hat er mir seinen Computer zur Nutzung überlassen. Du entwickelst das Program "Bars&Pipes"
seit Juli 2001 weiter,kannst Du uns bitte erzählen wobei handelt es
sich um "Bars&Pipes"? MIDI: Musical Integrated Digital Interface Bei MIDI-Musik werden keine Töne übertragen, sondern nur Steuerbefehle für einen Tonerzeuger, der Klänge intern gespeichert hat.
Es gab in den 80er und 90er Jahren (und gibt heute noch) auch noch andere Geräte, die über MIDI gesteuert werden konnten.
Bars&Pipes ist in der Lage alle diese Geräte zu synchronisieren und so eine Multimedia-Show zu steuern.
Was hat Dich auf die Idee gebracht
"Bars&Pipes" weiterzuentwickeln? Mitten in der Zeit, in der zwischen AMIGA und Win-PC ein erbitterter ideologischer "Grabenkampf" tobte erschreckte im Oktober 1995 die Bars&Pipes-Nutzergemeinde die Nachricht, daß Blue Ribbon Inc. von Microsoft Inc. aufgekauft wurde. Zum Trost für alle Nutzer wurden aber alle Programme als Freeware ins Netz gestellt. Freeware heißt hier NICHT Public Domain -logisch - die Rechte lagen ja nun bei Microsoft. Außerdem mußte man Mitglied bei Compuserve werden, um überhaupt an die Programme zu kommen. Außerdem gab es keine Anleitung dazu. Ich selbst habe mir damals die Programme von Werner Gusset (in Biel/Schweiz) besorgt, der bis dahin der offizielle Vertreiber von Blue Ribbon Inc. Produkten in Europa war, und auch selbst die deutschen Übersetzungen der Handbücher verfasst hatte. Die Programme waren zwar jetzt kostenfrei, aber die Handbücher nicht. Mit der Übernahme von Blue Ribbon Inc. stoppte natürlich Microsoft die Weiterentwicklung von BarsnPipes.SuperJAM! (die elektronische Begleitband) wurde für den PC (Win 3.1) umgesetzt. Immer wieder haben es die Anwender (ich selbstverständlich auch) bedauert, daß es keine Weiterentwicklung (somit auch keine Fehlerbereinigung) von Bars&Pipes gab. NB: Es ist mir KEIN Computerprogramm bekannt, daß 100% fehlerfrei ist. Es hatte ein Freund aus England bei Microsoft angefragt, ob der Quellcode zu Bar&Pipes zu kaufen sei. Die Antwort war JA (!) für 1.000.000 (eine Million) US$. Damit war selbst AMIGA International überfordert. So war die Zukunft von Bars&Pipes hoffnungslos ... Doch das konnte und durfte doch nicht sein, daß so ein geniales Programm einfach im "Nirwana" verschwindet. Inzwischen hatte ich gelernt in C zu programmieren, und hatte ein Toolset für die hervorragende Soundkarte DB-50XG von YAMAHA geschrieben. So bin ich durch und über Bars&Pipes zum (Hobby)-Programmierer geworden. Wie bist Du an den Source Code gekommen bez.
wie kam der Kontakt zu "Todor Fay" zustande? Die e-mail Adresse von Todor Fay hatte ich dann rein zufällig bei einem meiner Streifzüge im Netz gefunden. Auf meine Anfrage um die oben genannte Erlaubnis, hat er mir sehr freundlich und umfassend geantwortet. Doch der Quelltext blieb mir (uns) versagt.... :-(( Wie groß war dann die Freude, als Todor Fay uns (die Newsgroup "barsnpipes" bei groups.yahoo.com) Ende November 2000 ganz überraschend mitteilte: (sinngemäß) "... also Freunde, so kann das nicht weitergehen.Gibt es unter Euch Freiwillige,die bereit wären, an einer Veröffentlichung des Quelltextes von Bars&Pipes mitzuarbeiten?" Da war ich einer der ersten, die eine Rückmeldung machten. Insgesamt sind es wohl 8 Programmierer auf der ganzen Welt gewesen, denen Todor Fay am 4.12.2000 dann den Quelltext von Bars&Pipes2.5cbeta (nicht die letzte offizielle Ausgabe von Bars&Pipes Pro 2.5b) schickte. Ich war erstaunt; der gesamte Quelltext war nicht größer als 2,5 MB und bestand aus 136 Dateien. Damals war die Freude darüber bei mir so groß, daß ich mich sofort in die Arbeit stürtzte. Inzwischen war ich Invalidenrentner geworden, und habe dadurch relativ viel Zeit, ja ich möchte sagen, die Arbeit an Bars&Pipes ist nun mein Lebensinhalt geworden. Ich hatte (damals) keine Ahnung, worauf ich mich eingelassen hatte. Erst ca. 6 Monate später war der teilweise unvollständige, teilweise fehlerhafte Code dieser Ausgabe dann soweit gebracht (inclusive der Quelltexte der Tools, Accessories und Libraries), daß man sofort ohne Probleme ein lauffähiges Bars&Pipes daraus kompilieren konnte. Mitte Mai 2001 hat dann Todor Fay die offizielle Ausgabe des Quelltextes authorisiert. Liegt das Copyright jetzt bei
Dir?
Für die Nutzung des Quellcodes hat Microsoft Einschränkungen gemacht:
Ich meine dies alles hat seine Berechtigung. Denn mit diesem Quelltext gibt Blue Ribbon Inc. seine (berechtigt) lang gehüteten Geheimnisse preis. Die Programmierer von Blue Ribbon Inc. (vor allem Todor Fay) haben mit Bars&Pipes ein unglaublich geniales Programmierkonzept entworfen. Ein Programm mit dieser Funktionsvielfalt,seiner genialen PlugIn-Schnittstelle (mit der es beinahe beliebig erweiterbar ist) würdeauf einem Win98-PC ganz sicher 8-10MB groß sein, und würde Unmengen an Resourcen benutzen. Zeitweise war ich der einzige Programmierer auf der ganzen Welt,der effektiv an Bars&Pipes weitergearbeitet hat. Um die Nähe zu dem originalen Bars&Pipes zu zeigen und doch klarzustellen, daß die Weiterentwicklung eine neue "Entwicklungslinie" ist, habe ich den Namen zu: BarsnPipes New geändert. Ich hatte auch ein eigenes Copyright angebracht. Nun hat sich aber gezeigt, daß durch mein "Vorpreschen" einige von denen, die auch den Quelltext bekommen haben, sich nicht mehr trauten irgend etwas selbst anzugreifen, damit am Ende nicht 7 verschiedene Bars&Pipes auf dem Markt sind. Besonders Richard Hagen aus Australien ist es zu verdanken, der seinen eigenen Computer als Server zur Verfügung stellte, daß nun ein zentraler "Software-Sammelpunkt" weltweit existiert, wo alle Entwickler mitarbeiten können. Nach dem Aufbau dieses "CVS"-Systems, habe ich mein Copyright wieder entfernt,arbeite aber kontinuierlich weiter. Das Tempo hängt immer ein wenig davon ab, was ich zu leisten imstande bin, und was die Nutzer für Wünsche haben. Was zeichnet den Amiga heute noch aus um mit
Ihm Musik zu erstellen?
Ich selbst arbeite mit 32 MB Fast-Ram un einer 3,2 GB Festplatte. Beides wird im Normalfall nur zu 50% genutzt. (NB: Win98 fängt bei 32 MB RAM gerade erst an, vernünftig zu arbeiten,da läuft aber noch kein anderes Programm.) Ich habe Kontakt zu BarsnPipes Nutzern auf der ganzen Welt.Viele haben mir schon geschrieben, daß BarsnPipes für sie der einzige Grund ist, beim AMIGA zu bleiben. Amiga und MIDI ist meines Erachtens eine der wenigen bekannten Stärken des Amigas, was denkst Du wieso konnte sich der Amiga bei Musikern nicht gegenüber dem Atari,trotz des damals besseren Soundchips behaupten? Der Grund war eindeutig, daß der Atari mit einem eingebauten MIDI-Interface ausgeliefert wurde, daß man sich (damals) beim AMIGA erst für teures Geld extra kaufen mußte. So haben die MIDI-Programmierer (z.B. Steinberg) den Atari als Ziel ausgeguckt. Wer nutzt heute noch den Amiga für Musik
bzw. worin siehts Du den Vorteil von Amiga und
"Bars&Pipes"? Die einfache Bedienungs-Oberfläche von Bars&Pipes und der geniale Track-Editor sind die Stärken des Programmes. Beispiele: Ein Track ist wie eine Spur in einer Mehrspurbandmaschine. Jeder Track hat einen Eingang (links) einen Sequencerteil (in der Mitte wo sich die aufgenommenen Daten befinden) und einen Ausgang (rechts).
Links fließen die "Events" hinein, in der Mitte werden sie aufgenommen, und rechts fließen sie wieder heraus. Um Events zu verändern (z.B. alle sollen lauter werden) nimmt man ein entsprechendes Werkzeug (Tool) aus der Werzeugkiste (Toolbox) mit der Maus und läßt es auf der entsprechenden Pipeline fallen. Alle Events die durch die Pipeline fließen, müssen durch das Tool hindurch und werden nach Wusch (einstellbar) verändert. Dies ist nur ein ganz kleines Beispiel der gigantischen Funktionsfülle von Bars&Pipes. Ich habe eine eigene Anleitung für Bars&Pipes Professional 2.5b geschrieben.Dazu habe ich ALLE(!) Funktionen des Programmes getestet. Insgesamt hat es etwa ein ganzes Jahr gedauert, diese Anleitung fertig zu stellen. Gibt es noch Alternative Programme zu
"Bars&Pipes"? Der "Normal"-Anwender, dürfte das Programm kaum längere Zeit benutzen. Besonders schwer ist es, direkt an die Daten ("Events") heranzukommen. Dafür hat Bars&Pipes einen ganz hervorragenden Editor,der nach dem WYSIWYG Prinzip arbeitet. Da ist ein Stift zum Einzeichnen neuer Events, ein Zauberstab zum Verändern, ein Radierer zum Löschen, eine Hand zum Verschieben und und und ... Würdest Du "Bars&Pipes" auch
Einsteigern empfehlen oder richtet es sich mehr an Profis? Welche Software verwendest Du zum
Entwickeln? Als Kompiler dient mir SAS/C V.6.68 Was können wir von zukünftigen
Versionen erwarten? Sehr erfolgversprechend ist die ttrender.library V.3.1 von Grzegorz Kraszewski (krashan@matay.pl) Wird es möglich sein ein "Glow Icon"
Design zu erstellen? Welches Betriebssystem wirst Du zukünftig
unterstützen?
Was sind die Gründe um dieses OS zu
unterstüzen? So kann man sagen BarsnPipes New läuft auf allen AMIGAS ab OS2.1, mit ECS, AGA oder Grafikkarte. Welche Möglichkeiten vermisst Du am
AmigaOS für die Entwicklung? Welche Möglichkeiten wünschst Du Dir
für die Entwicklung am Amiga? Am AMIGA ein Programm zu entwickeln, ist reine Freude, will man es vergleichen mit der Entwicklung am PC (wo ich mal reingeschnuppert habe). Die Sprache C ist zwar dieselbe, aber die Möglichkeiten für Entwickler sind auf dem AMIGA einfacher und überschaubarer. Am Ende kommen gute, schnelle und kleine(!) Programme heraus. Verlierst Du nicht den Spass und das Interesse
am Programmieren wenn Du die geringe Resonanz siehst, die aus dem kleinen
Amiga-Markt erhältst? Glaubst Du an ein Comeback von
Amiga? Das ist kein Pessimismus, sondern Realismus. Die Zeiten sind halt vorbei, als der AMIGA DER Computer war. Seien wir mal ehrlich, wie müßte denn ein AMIGA aussehen, der mithalten könnte?
So dürfte es wohl am sinnvollsten sein selbstbewußt eine (wenn auch kleine) Marktlücke zu füllen. Es dürfte nur für Leute, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, nicht möglich sein, allein für den AMIGA zu arbeiten. Deine letzten Worte an die
Leser? Ich bleibe dabei .... ;-)) -- © Amiga Arena 07/2002 -- |
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