AMIGA-aktuell-Forum
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In dieser Rubrik sind die - bei den meisten anderen Magazinen getrennt
geführten - Rubriken "Leserbriefe", "Kleinanzeigen", und "Problemecke"
zusammengefasst.

Wenn ihr einen Beitrag habt, schreibt bitte an:

        Carsten Schröder
        Helmoltstraße 10
        37081 Göttingen

E-Mail: aakt@gmx.de


1. Die Frage des Monats - wir möchten eure Meinung erfahren

Jeden Monat stellen wir euch in dieser Rubrik eine Amiga-bezogene Frage
oder machen eine provokante Bemerkung (die übrigens nicht unbedingt unsere
Meinung wiedergeben muss), in der Hoffnung, dass ihr euch möglichst
zahlreich mit Kommentaren zu Wort meldet. Wir werden eure Beiträge in der
jeweils folgenden Ausgabe veröffentlichen. Schickt sie an aakt@gmx.de


Die Frage des letzten Monats lautete:

»Sollten nach einem Erscheinen von AmigaOS 4 und MorphOS die 
Softwareentwickler ihre Programme in dem jeweiligen nativen PPC-Code der 
beiden Betriebssysteme schreiben oder, um die Softwarekompatibilität 
untereinander und auch mit AmigaOS3.x-Rechnern (also beispielsweise 
Amithlon) zu gewährleisten, 68k-Code verwenden?«


Achim Stegemann schreibt:

»Für die diesmalige Frage des Monats möchte ich als Programmentwickler
antworten:

Für mich steht für ein Programm erst einmal die Lauffähigkeit unter OS 3.9 
(68k und PPC/WarpOS) im Vordergrund. Dies sichert mir auf jeden Fall eine 
Kompatibilität zu Amithlon, QNX-AmigaXL, WinUAE und eventuell auch AmigaOS
4.0.
Ich selbst programmiere ausschließlich mit StormC V3, so dass die
genannten Kompatibilitäten erfüllt sind.

Für MorphOS zu schreiben, lehne ich ab. Dies hat mehrere Gründe:

* Ich bekomme MorphOS mit meinem A4000T (CyberstormPPC) nicht zum Laufen 
  (lief früher mal auf einem A4000D).
* Nur der GCC- bzw. der vbcc-Compiler sind momentan in der Lage, MorphOS-
  Code zu erzeugen. Ich lehne aber beide Compiler für mich ab, da ich mich 
  nicht mit den Eigenarten eines jeden Compilers herumschlagen will. Das 
  macht die Programmierung nur komplizierter.
* Es gibt keine Garantie dafür, dass MorphOS jemals legalen Status erhalten
  wird (siehe Streitigkeiten von AMIGA, Inc. vs. MorphOS/bplan).
* MorphOS ist in der momentanen Betaversion zu instabil, zu fehlerhaft und
  zu sehr limitiert, um damit ernsthafte große Projekte durchzuziehen, die 
  vom OS alles abverlangen.

Gerade im Hinblick auf die enorme Leistungsfähigkeit von Amithlon ist es 
gerade jetzt wieder interessant geworden, auch 68k-Code bei ehemals 
langsamen Programmen zu kompilieren. Ich selbst musste fasziniert und
zugleich schockiert mit ansehen, wie auf einem 1,6-GHz-Athlon 68k-Programme
unter Amithlon doppelt so schnell liefen wie das PPC-Pendant auf einem
A4000 mit CyberstormPPC!

Ich selbst gebe den AmigaOne- und Pegasos-Boards nur eine geringe 
Verkaufschance. Wenn Amithlon unter der bald zu erwartenden Version 2 seine 
Kompatibilität und Geschwindigkeit noch einmal steigern kann, so wird es zu 
einer ernsthaften Konkurrenz zu den neuen Boards. Da kann dann auch ein OS 
4 nicht weiterhelfen. Denn es besteht hier schnell die Gefahr, dass selbst 
ein G3-Prozessor irgendwann von einem PC mit entsprechender Taktrate 
abgehängt wird. Und der Preis von Amithlon im Vergleich zu AmigaOne/Pegasos 
spricht für sich.
OS 4 hat nur eine Chance, wenn es wirklich ECHTE Neuerungen zum OS 3.9 
bringt und nicht nur ein optisch aufgepäppeltes PPC-natives OS 3.9 ist.

Fazit: Ich selbst werde weiter auf der Schiene OS 3.9 mit 68k/PPC fahren. 
OS4-Code wird es für mich nur geben, wenn ich mir dafür keinen neuen 
Compiler kaufen muss. MorphOS-Code kommt für mich nicht in Frage.«


Thorsten Mampel favorisiert PPC-Code: 

»Warum sollte ich mir einen PPC-Rechner kaufen, wenn dieser nur mit 
angezogener Handbremse Programme über einen Emulator ablaufen lässt. Gerade 
Programme, bei denen Geschwindigkeit wichtig ist (Videoplayer, MP3-
Konverter, Spiele), müssen nativ laufen.

Kleinere Tools, bei denen die Geschwindigkeit nicht so wichtig ist, können 
ja weiterhin in 68K-Code geschrieben werden.

Denkbar wären auch verschiedene Version für alle Prozessoren, damit eine 
möglichst große Anwenderzahl erreicht wird. Amithlon darf hier aber nicht 
bevorzugt werden. Es ist ein Emulator und nichts weiter. Es ist o.k., um 
noch einzelne Anwender bei der Stange zu halten. Ich persönlich werde nach 
den vorliegenden Informationen auf OS 4 setzen und wünsche mir daher zuerst 
hierfür Programme.«


Wolfgang Bonk plädiert für die 68k-Kompatibilität:

»Nach dem Erscheinen von AmigaOS 4 würde ich es begrüßen, wenn die 
Softwarekompatibilität gewahrt würde und besonders der 68k-Programmcode bei 
der Entwicklung von neuen Programmen zur Anwendung käme.
Sollte dies nicht geschehen, können viele Besitzer des A4000-68060/50 mit 
OS 3.9 diesen einmotten und als Museumsstück für die Nachwelt aufheben.
Wahrscheinlich hat sowieso jeder zweite Amiga-Benutzer bereits einen PC 
neben der Amiga stehen oder ist komplett umgestiegen.«


Walter Jäckel ist anderer Meinung:

»Wenn es nach mir ginge, würde nur AmigaOS 4.0 auf den Markt kommen und 
dann natürlich nur Software auf PPC- und AmigaOS4.0-Basis programmiert 
werden!
MorphOS braucht sowieso keiner, und der 680x0er hat schon längst das 
Rentenalter erreicht. Wir müssen auch etwas mit der Zeit gehen, das heißt: 
Alle Spiele und Programme sollten auf dem PPC laufen, wer jetzt noch 
Programme für den 680x0er haben will, der will wohl auch noch in einer 
Höhle wohnen!«


Wolf Zimmer zieht einen Vergleich zwischen Amiga und VW Käfer:

»Es ist doch wirklich nicht mehr wegzudiskutieren, dass der Amiga-Markt
wirklich ein winziger Nischenmarkt geworden ist. Und das auch nur, weil ein
paar "verrückte" Enthusiasten (so wie ich) am ach so geliebten Amiga
festhalten. Um diesen winzigen Bereich nicht noch weiter zu stückeln, ist
es doch nicht Aufgabe von Softwareentwicklern ein "Sicherungsband" zu
weben, sondern hier sollten sich schon die Hardwareentwickler
zusammensetzen, sich absprechen und an einem Strang ziehen.

An der Entwicklung ist auch der User nicht ganz von Schuld freizusprechen.
Wenn ein Besitzer eines VW-Käfers sich modern im Verkehr bewegen will, hat
er sich auch ein zeitgemäßes Modell des Golfs oder eine Nummer größer 
zugelegt. Aber wenn er in seinem Käfer sitzt, träumt er vielleicht 
manchmal, dass sein Käfer auch ein Herby sein möge, damit er fliegen, sich 
mit ihm unterhalten oder ansonsten gewaltig auffallen kann. Wenn die Ampel 
aber auf Grün schaltet, legt er den ersten Gang ein und fährt ganz normal 
los und pflegt seine 34 PS. Ihm würde aber nie im Traum einfallen, einen 
Beatle zu kaufen, um das Käferfeeling zu behalten, aber mit Intensität 
einen Boxermotor verlangen, damit der Beetle auch Käfer bleibt. Das sollten 
sich die Amiga-Besitzer hinter die Ohren schreiben, wenn sie nach moderner
Technik verlangen.«


Jürgen Sperling ist sich nicht sicher, welches der vielversprechendste Weg 
ist:

»Sobald ein neues Programm nur für ein Betriebssystem (AmigaOS 3.x, AmigaOS 
4 oder MorphOS) entwickelt wird, ist die Spaltung da.
Also für das alte Betriebssystem (OS 3.x) entwickeln? Das ist auch nicht 
die Lösung.
Doch was ist die Lösung? Ich weiß es auch nicht. Ich programmiere (leider) 
nicht, daher weiß ich auch nicht, ob es möglich ist, ein Programm einmal zu 
schreiben und vielleicht für drei Betriebssysteme zu kompilieren. Aber wenn 
es das gäbe, wäre ja auch die Frage des Monats überflüssig.
Wenn aber die neuen Maschinen und damit ihre Betriebssysteme sehr schnell
sind, dann sollte alles in 68k-Programmcode geschrieben werden und damit
allen zugänglich sein.
Aber auch das wird niemandem so richtig gefallen, denn dann laufen die 
neuen nur mit Halbgas.
Das ist eine richtige Zwickmühle!
Was ist nun zu tun? 
Entwickelt für das neue AmigaOS 4 und denkt an den Anwender mit dem 
Classic-Betriebssystem, denn ich glaube, das ergibt die größte
Anwenderschaft.«


Nun zur aktuellen Frage des Monats:

»Was erwartest du dir von der Aachener Amiga-Messe im Dezember? Wirst du 
sie besuchen?«

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