4. Oldies but Goldies: »Pirates!«
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"Piraten!" war im 17. Jahrhundert in der karibischen See ein Ausruf, der
Schwierigkeiten der übelsten Art ankündigte. Kein Handelsschiff war sicher
vor den blut- und profitdürstenden Gesellen, die halbnackt, Enterbeile und
Messer schwingend, enterten.
Zu dieser Zeit stand die Karibik zum größten Teil unter spanischem
Einfluss, und die Silber- und Goldvorkommen in Südamerika waren ein
ständiger Zankapfel für die Seefahrernationen Europas. Neben den Spaniern
hatten sich Engländer, Franzosen und die Niederländer in der Karibik
festgesetzt. Im Gefolge der "offiziellen" Truppen kamen jede Menge
heruntergekommene Gestalten, Verbrecher, Verfolgte und abenteuerlustige
Leute in die Karibik.
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"Pirates!" von Microprose nimmt sich dieses Themas an und bringt ein
bisschen Karibik in Form eines Strategiespiels auf unseren Amiga.
Zu Beginn des Spiels ist der Spieler noch ein mittelloser Europa-Flüchtling
auf der Suche nach seinem persönlichen Glück. Er kann unter den vier
hauptsächlich vertretenen Nationalitäten wählen. Diese Wahl macht sich
natürlich auch im Spiel bemerkbar, je nach gewählter Nationalität fällt es
leichter, Matrosen anzuwerben, Kaperbriefe zu bekommen, die Beute teuer zu
verkaufen und noch einiges mehr.
Hat man erst mal ein Schiff und ein paar Leute als Mannschaft, kann es
prinzipiell losgehen. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass die
Mannschaft nicht nur von Luft und Liebe lebt, sondern natürlich futtern und
trinken muss und hin und wieder auch gern mal ein Gelage feiert. Wein, Weib
und Gesang ist die Devise des "ordentlichen" Piraten. Vergisst man diese
Tatsache, kann es schnell dazu kommen, dass die Mannschaft meutert und Ihre
Ablösung als Kapitän fordert. Auch fehlende Beute und monatelange
ereignislose Reisen können Meuterei fördern. Ein paar Mal können Sie das
Ablöse-Gesuch der Mannschaft mit Hilfe des Degens vielleicht ablehnen, aber
ständig geht das nicht gut...
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Man begibt sich also auf die Reise und trifft auf das erste Schiff. Was
tun? Nun, als professioneller Schiffsplünderer sollte man zusehen, diesem
Schiff den Weg abzuschneiden und es zu entern. Natürlich wehrt sich der
Gegner, man sollte also erst mal mit Hilfe der Bordkanonen die gegnerische
Besatzung sturmreif schießen und schließlich entern. Es kann passieren,
dass sich der Kapitän des generischen Schiffs nicht kampflos ergeben will,
und so sind Sie als Kapitän gefordert, den Gegner mit dem Degen zur
Vernunft zu bringen. Ist das geschafft, kann es ans Sichten der Beute
gehen.
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Es ist kaum zu glauben, aber bei den Piraten ging es schon ziemlich
demokratisch zu. Die Beute wurde (meistens) gerecht geteilt, daher muss
natürlich erst einmal festgestellt werden, was der Meute denn so an
Wertsachen ins Netz gegangen ist. Ist das erledigt, geht die Suche nach
Beute weiter.
Man fragt sich jetzt vielleicht, weshalb man sich zu Beginn eine
Nationalität aussuchen musste. Es gibt in diesem Spiel neben der
praktischen auch eine politische Seite. Man kann ab und an einen Gouverneur
besuchen und versuchen, Kaperbriefe zu bekommen, die einem einen
halblegalen Status und politischen Ruf verschaffen können. Man bekommt
meist den Auftrag, die Schiffe einer verfeindeten Nation anzugreifen und
dem "Feind" (meist war das Spanien) möglichst viel Schaden zuzufügen. Ist
man hierbei recht erfolgreich, steigt das Ansehen der eigenen Person in der
"Heimat". Irgendwann bekommt man die Möglichkeit, die Tochter des
Gouverneurs zu ehelichen und den eigenen Stand noch weiter zu erhöhen. Das
hat ganz nebenbei auch Vorzüge im monetären Bereich. Man ist ja schließlich
in die Karibik gekommen, um Reichtum und Ansehen zu erwerben...
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Apropos Reichtum und Ansehen: Ganz in der Manier eines Francis Drake kann
man auch die Städte an der Küste und im Hinterland plündern, sofern die
eigene Mannschaft groß genug und halbwegs guter Laune ist. Sollte man dies
im Auftrag (s)einer Majestät tun, wachsen natürlich auch Ansehen und
Reichtum um einiges mehr.
Der Spieler hat aber ebenso die Möglichkeit, auf Nationalität und
politisches Ansehen zu pfeifen und seinen eigenen Verein aufzumachen. Man
kann auf eigene Rechnung operieren, was manchmal von Vorteil sein kann.
Viele Gouverneure sind nicht besonders ehrlich zu Piraten und kochen hin
und wieder ihr eigenes Süppchen. Manchmal landet der Spieler als Einlage in
diesem, sprich: wird festgenommen und gehenkt.
"Pirates!" ist als Strategiespiel mit offenem Ende und höchster Spieltiefe
bekannt geworden, das auch heute noch seine Fans hat. Ein Blick in diverse
Suchmaschinen des Internets sagt alles. Jede Menge Seiten, die "Pirates!"
zum Thema haben. Wer Interesse an diesem Klassiker der Strategiespiele hat,
sollte sich diese Seiten einmal ansehen. Natürlich ist "Pirates!" auch in
den bekannten Download-Archiven zu finden, so dass man sich diesen
Klassiker auch erspielen kann. Also, den "Jolly Roger" (die Totenkopf-
Flagge, aber die kennt eigentlich jeder, oder?) gehisst und frohen Mutes
auf Beutefang gegangen!
Wolfgang Hosemann <whose@gmx.de>
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