3. Workshop: Ein Fall für den Hobby-Elektr(on)iker (von Uwe Pannecke)

Ruhig gestellte Lüfter

 
1. Krachmacher im Amiga

Die Lüfter der Amiga-2000/3000/4000-Netzteile laufen standardmäßig mit 
maximaler Drehzahl. Dies sorgt zwar für eine in fast allen Fällen mehr als 
ausreichende Kühlung, verursacht aber oftmals relativ viel Lärm durch 
intensiv rauschende Lüfterräder. Die Strombelastung der Netzteile und eine 
damit verbundene Wärmeentwicklung dürfte in vielen Systemkonfigurationen so 
gering sein, das der Lüfter auch mit einer wesentlich niedrigeren Drehzahl 
eine ausreichende Kühlung aller betreffenden Baugruppen sicherstellen 
würde.
Dies ist der Ansatzpunkt für die nachfolgende Hardwarebastelei:


2. Gegenmittel

Mit Hilfe einer temperaturgeführten elektronischen Lüftersteuerung kann 
das beschriebene akustische Problem relativ kostengünstig, effektiv und 
hörbar entschärft werden. Und neben der ungleich geringeren Lärmbelastung 
wird nebenbei eine Schonung des Lüfters (geringerer Verschleiß der bewegten 
Teile) erreicht.
Verursachen später hinzugefügte Systemerweiterungen eine höhere 
Stromentnahme und damit höhere Wärmeentwicklung im Netzteil, wird dies von 
der Lüftersteuerung automatisch berücksichtigt.
Zwei in den Netzteilen eines Amiga 2000 und eines externen SCSI-Gehäuses 
einer Syquest-Wechselplatte verbaute Lüftersteuerungen haben sich über 
Monate bewährt und als zuverlässig erwiesen.


3. Beschreibung der elektronischen Baugruppe   
  
Um den Aufwand so gering wie möglich zu halten, wurde eine fertige 
Baugruppe aus dem vielen Elektronik-Bastlern Deutschlands wohlbekannten 
ELV-Angebot [1] ausgewählt und in das jeweilige Netzteil eingesetzt. Die 
ELV Elektronik AG liefert mit dem Bausatz "Elektronische Lüftersteuerung" 
neben Leiterplatte und Elektronikteilen eine

Bild:
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detaillierte Funktionsbeschreibung, einschließlich Abbildungen zum 
Stromlauf- und Bestückungsplan der Platine und zur fertig aufgebauten 
Schaltung, sowie eine Stückliste mit. Die verwendete Platine besitzt eine 
Größe von lediglich 41 * 32 mm und lässt sich so auch unter beengten 
Verhältnissen in das Netzteil integrieren.

Kurz zur Funktionsweise der Schaltung:
Im Einschaltmoment ist der Widerstandswert des Temperaturfühlers so gering, 
dass das Lüfterrad steht. Steigt die Temperatur am Fühler auf ca. 45 - 50 
Grad Celsius, läuft das Lüfterrad an und erreicht bei etwa 60 - 65 Grad 
Celsius seine maximale Drehzahl. 


Bild:
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Meist reduziert sich die Drehzahl des Lüfterrades nach Anlauf auf Grund der 
vorhandenen Anlaufschwelle und der einsetzenden Kühlung sogar wieder.
Durch eine gleitende Charakteristik des Nachregelvorgangs wird eine optimal 
auf den Kühlungsbedarf abgestimmte Lüfterdrehzahl erreicht. 
Soweit zum grundsätzlichen Verständnis, für ausführlichere Beschreibungen 
siehe auch die dem Bausatz beigelegten Unterlagen.


4. Einbau der Baugruppe am Beispiel eines A2000-Netzteils

Ist die Platine bestückt und verlötet, kann der Einbau erfolgen. Durch die 
sehr geringen Platinen-Abmessungen der Baugruppe wird die Platine direkt in 
das Netzteil integriert.

ACHTUNG: 
Bei Eingriff in das Netzteil erlischt eine eventuell vorhandene Garantie.
 
Und ein zweites, noch energischeres ACHTUNG: 
Einige Kontakte im Netzteil führen 230V, also während der Bastelarbeiten 
das Netzteil unbedingt stromlos machen!

Deutlich sei auf den (makaberen) Spruch verwiesen:
Was ist schwarz und liegt in der Ecke? Ein Hobby-Elektriker!
Also nochmals: Vorsicht!
 
Für die Befestigung der Platine wurde die rechte Abschirmwand des A2000-
Netzteils (von den Laufwerken aus gesehen) genutzt. 
Der Temperaturfühler wird am Kühlkörper des 5V-Spannungsreglers auf der dem 
Lüfter abgewandten Seite angebracht. So ist einerseits das Element der 
intensivsten Wärmeentwicklung überwacht und andererseits der 
Temperaturfühler nicht dem direkten Luftstrom ausgesetzt. Letzteres 
verhindert so eine Verfälschung des Messergebnisses.  

Die thermische Kopplung von Kühlkörper und Temperaturfühler stellt ein 
Befestigungsblech sicher, welches mit Hilfe einer M3-Schraube in der runden 
Aussparung des Kühlkörpers verankert wird und damit den Fühler an den 
Kühlkörper presst. Wer dieser Art der Befestigung mit Misstrauen 
gegenübersteht, kann auch auf Nummer Sicher gehen und mit ein paar Tropfen 
geeignetem Kleber zusätzlich den Temperaturfühler befestigen.

Für die elektrische Verbindung der Lüftersteuerung mit dem Lüfter selbst 
werden nun die Lüfterzuleitungen aufgetrennt und das vom Lüfter kommende 
rote Leitungsende (der positive Anschluss) mit dem Anschluss "ST3" der 
Steuerungs-Platine sowie das vom Lüfter kommende blaue Leitungsende (der 
negative Anschluss) mit dem Anschluss ST4 auf der Platine verbunden.

-> screenshot "schaltplan.jpg"

Das vom Netzteil zum Lüfter führende rote Leitungsende ist mit dem 
Anschluss "ST1" und das vom Netzteil zum Lüfter führende blaue Leitungsende 
mit dem Anschluss "ST2" auf der Steuerungsplatine zu verbinden.
Damit ist die Integration der elektronischen Lüftersteuerung abgeschlossen. 
Mit einem anschließenden Probelauf nach Komplettierung des Rechners sollte 
die Funktion der Steuerung überprüft werden.


5. Bezugsmöglichkeiten  

Der Komplettbausatz ist bei ELV mit der Artikel-Nr. 68-085-49 und der 
Bezeichnung "Elektronische Lüftersteuerung' für 7,65 Euro online [1] (in 
der Sektion "SHOP" mit dem Suchbegriff '68-085-49' gar nicht zu verfehlen) 
oder per Post [2] erhältlich. 


6. Wichtiger Hinweis

Ein Nachbau und Einsatz der vorgestellten Lüfter-Drehzahlsteuerung erfolgt 
auf eigene Gefahr. Sollten im Zusammenhang mit dem Nachbau oder Einsatz der 
oben vorgestellten Drehzahlsteuerung eines Lüfters Schäden an Personen oder 
Geräten entstehen, lehnt der Autor dieses Beitrags dafür jede Haftung ab. 


[1] www.elv.de 
[2] ELV Elektronik AG, Postfach, 26787 Leer

Uwe Pannecke <Uwe.Pannecke@t-online.de>