Tests und Erfahrungsberichte
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1. Kleine Helfer für den Amiga-Alltag (von Christian Aichinger)

Der große Vorteil einer Plattform mit einem eher dürftigen kommerziellen
Softwareangebot ist der Anreiz für freie Entwickler und Fans, dieses Manko
durch Eigenkreationen auszumerzen. Sicherlich ist das einer der Gründe für 
die vielen und zum Teil sehr speziellen Anwendungen, die dem Amiga-Anwender 
zumeist kostenlos oder als preisgünstige Shareware zur Verfügung stehen. 
Wer mir nicht glaubt, kann sich anhand der Kurzvorstellungen zu DepthMenu, 
HideIt, RndWBPix und SysPic selbst davon überzeugen. ;-)

Viel Spaß beim Lesen!


DepthMenu:

DepthMenu ist mal wieder einer der "kleinen Helfer", der die Workbench um 
einige Funktionen bereichert, die man nach gewisser Zeit gar nicht mehr 
vermissen möchte. Man stelle sich vor, auf der (wie immer viel zu kleinen)
Workbench-Oberfläche tummeln sich einige Dutzend geöffnete Fenster, und das 
gerade benötigte Programm befindet sich ausgerechnet in dem Fenster, das 
von mehreren anderen Fenstern verdeckt wird. Um nun an das Programm 
heranzukommen, müssen vorher bekanntermaßen erst alle überlagernden Fenster 
in den Hintergrund geklickt, verschoben oder minimiert werden, bis das 
gesuchte Programm-Icon endlich sichtbar wird - zuweilen eine nervtötende 
Angelegenheit!

Das Commodity "DepthMenu" erleichtert dem Anwender diese Aufgabe ungemein, 
indem es dem "DepthGadget", also dem äußersten, rechts oben liegenden 
Fenster-Knopf, ein Popup-Menü verpasst. Sobald der Anwender mit der rechten 
Maustaste auf diesen Knopf klickt, öffnet sich ein Menü, in dem sämtliche 
zur Zeit dargestellte Fenster aufgelistet werden.

Screenshot:
Screenshot

Der Anwender kann sich nun in dieser Liste das gesuchte Fenster auswählen, 
und nach einem Klick auf den entsprechenden Listeneintrag bringt DepthMenu 
das gesuchte Fenster automatisch in den Vordergrund. Aber auch Amiga-
Bildschirme bekommen eine vergleichbare Funktion spendiert. Klickt der 
Anwender in das DepthGadget eines Bildschirms, wird daraufhin eine Liste 
mit den geöffneten Bildschirmen angezeigt. Ein Klick auf den entsprechenden 
Eintrag bringt daraufhin den virtuellen auf den realen Bildschirm. Leider 
wird das Auswahlmenü für Bildschirme nur dargestellt, wenn der 
entsprechende Bildschirm auch über ein DepthGadget verfügt. Besonders 
ärgerlich ist dieser Umstand bei Verwendung einer Workbench "ohne 
Titelleiste" (ab OS 3.5). Ein weiterer kleiner Fehler, der mir aufgefallen 
ist: Sollte das von DepthMenu generierte Pulldown-Menü größer als der 
Bildschirm werden, wird der untere Teil der Liste einfach abgeschnitten, 
anstatt z.B. seitlich fortgeführt zu werden. Das dürfte allerdings nur in 
den seltensten Fällen vorkommen, da wohl kaum jemand so viele Fenster auf 
einmal geöffnet hat. Die Systemstabilität leidet unter diesem Effekt 
ebenfalls nicht.

Die Installation wird mit Hilfe eines Installer-Skripts erledigt. 
Voraussetzung für den Betrieb ist ein Amiga mit OS 3.0 und die 
popupmenu.library. Diese kann im Aminet (http://ftp.uni-
paderborn.de/aminetbin/find?PopupMenu.library) oder unter 
http://www.boing.nu/pm heruntergeladen werden. Mit Hilfe des zur 
popupmenu.library gehörenden Voreinstellerprogramms kann das "Look&Feel" 
der Popup-Menüs an den eigenen Geschmack angepasst werden. Die 
Konfiguration von DepthMenu erfolgt mit Hilfe von Piktogramm-Tooltypes. 
Diese werden in der englischen AmigaGuide-Anleitung ausführlich erklärt.

Autor: Arkadiusz Wahlig
Aminet: util/cdity/Depthmenu.lha
Programmversion: 2.36
Homepage: http://www.depthmenu.prv.pl
Lizenz: Freeware


HideIt:

HideIt ist ein Steganographie-Programm für Amiga-Computer. "Steganographie" 
hat übrigens nichts mit "Schnelltippen" zu tun, sondern bedeutet, 
Informationen oder Daten mit Hilfe anderer Daten zu verstecken (das Wort 
"Steganographie" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "verdecktes 
Schreiben"). HideIt verwendet zum Verstecken von Informationen 
unkomprimierte 24-Bit-IFF-Grafiken. Es bietet dafür eine einfach zu 
bedienende und deutsch lokalisierte Benutzeroberfläche und kommt weiterhin 
in Versionen für 68000- und 68020-CPUs daher.

Screenshot:
Screenshot

Worum es sich bei den zu versteckenden Daten handelt, spielt keine Rolle. 
Das können Texte, Grafiken, Audio-Dateien oder x-beliebige andere 
Informationen sein. Zu beachten ist nur der Umfang der zu versteckenden 
Informationen, der von der Auflösung der Grafikdatei abhängig ist. Die 
dafür zweckmäßige Berechnungsformel wird in der deutschen AmigaGuide-
Anleitung erklärt. Zur Not weist HideIt auf eine eventuelle Übergröße der 
zu versteckenden Daten hin.
Wichtig: Da HideIt keinerlei Passwort-Abfragen oder Verschlüsselungen 
vornimmt (HideIt versteckt die Informationen ja nur) sollten heikle Daten 
vor dem Verstecken zusätzlich mit einem starken Kryptographie-Programm (wie 
z.B. PGP) kodiert werden. Auch sollte unbedingt davon abgesehen werden, die 
resultierenden und doch recht umfangreichen Ziel-Bilder in ein 
verlustbehaftetes Grafikformat (z.B. JPEG) zu konvertieren, sonst
verabschieden sich die versteckten Informationen nach einer solchen 
Konvertierung ins Nirvana.

Da HideIt auf keinerlei zusätzliche System-Libraries oder Schriftsätze 
zugreift, ist die Installation ein Kinderspiel. Das Archiv muss einfach an 
einen beliebigen Platz auf der Festplatte entpackt werden. Zu den 
Systemvoraussetzungen schweigt sich die Anleitung aus. Ein "nackter" Amiga 
1200 sollte allerdings für kleinere "Versteckspiele" ausreichen. Leider ist 
das Programm nicht komplett fontsensitiv. Wer einen Proportional-Font mit 
mehr als 8 Punkten als "Standardschrift des Systems" verwendet, bekommt 
ziemlich vermurkste Programmausgaben.

Nachtrag: Im Aminet ist gerade die neue V1.20 erschienen. Wer Probleme mit 
der V1.15 hat, schaut sich am besten mal die neue Version an oder schreibt 
dem Autor einfach eine E-Mail.

Autor: Uwe Hösel
Aminet: gfx/misc/HideIt_115.lha
Programmversion: 1.15
Homepage: 
Lizenz: freely distributable


RndWBPix:

"Nicht wirklich nützlich aber witzig!" - das wäre wohl zu RndWBPix zu sagen 
;-). Wie der Name schon fast erahnen lässt, dient RndWBPix ("random 
workbench pictures") dazu, die grafische Aufmachung der Workbench 
aufzupeppen. Dazu wird nach jedem Reset, Neustart oder einer frei 
einstellbaren Zeit ein neues Hintergrundbild für Workbench-Screen, 
Workbench-Fenster und/oder die Verzeichnisfenster auswählt. Vor der 
Installation sollte man sich also erst mal auf die Suche nach ein paar gut 
aussehenden Texturen oder Bildern für die Workbench machen. Wer jetzt nicht 
so recht weiß, wo er beginnen soll, kann sich z.B. Cojos Pattern (im Aminet 
unter pix/back/cojos_patts.lha) downloaden und diese in ein neues 
Verzeichnis entpacken.

Die Installation ist schnell erledigt. Das Archiv wird entpackt und das 
Shell-Programm "RndWBPix" ins "C:"-Verzeichnis kopiert. Als nächstes muss 
sich der Anwender mit Hilfe eines Texteditors in die Tiefen der Startup-
Sequence herab begeben. Dort sollte man die Zeile "C:IPrefs" suchen und vor 
diesem Eintrag die folgende neue Zeile einfügen:

C:RndWBPix <Pfad zu Bilder-Verzeichnis> [RP] [RP]

Anstatt "<Pfad zu Bilder-Verzeichnis>" muss der Verzeichnis-Pfad zu den 
gesammelten oder selbst erstellten Workbench-Hintergründen angegeben 
werden. Das "[RP]" muss so stehen bleiben (inklusive der eckigen Klammern 
"[" und "]"). Was "[RP]" bedeutet und welche Optionen RndWBPix noch zur 
Verfügung stellt, kann dem deutschen AmigaGuide-Dokument entnommen werden. 
Nebenbei bemerkt ist es egal, in welchem Format die Hintergrundbilder 
vorliegen, sofern ein entsprechender Datatype auf dem System installiert 
wurde.


Für den Betrieb von RndWBPix wird ein Amiga mit OS 3.0 oder höher benötigt. 
Der IPrefs-Ersatz "FastIPrefs" (Aminet: util/boot/FastIPrefs4035.lha) wird 
ebenfalls unterstützt und ermöglicht es, die Hintergrundbilder auch 
"zentriert" oder "angepasst" darzustellen. RndWBPix funktioniert übrigens 
auch problemlos unter OS 3.9.

Autor: Stephan Rupprecht
Aminet: util/wb/Rndwbpix.lha
Programmversion: 39.7
Homepage: http://stephan.2xs.de
Lizenz: Freeware


SysPic:

Dass das AmigaOS ein sehr ressourcenschonendes und effizientes 
Betriebssystem ist, weiß eigentlich jeder, der sich schon mal etwas näher 
mit der Amiga-Materie beschäftigt hat. Aber warum selbst unter AmigaOS 3.9 
noch immer kein Boot-Logo Verwendung findet, fragen sich sicherlich so 
einige Anwender. Nun, wie ich finde, hat sich ein modernes OS gefälligst 
während des Startens beim Anwender zu melden. Da könnte ja am Ende 
(aufgrund der Ähnlichkeit einiger umgebauter Amigas mit PCs) sonst was für 
ein Zombie-OS auftauchen. ;-)

Wer sich selbst und anderen Amiga-Usern diese Überraschung ersparen möchte,
sollte sich das schon etwas ältere Programm SysPic anschauen, denn damit 
kann man sich sein eigenes Bootlogo - und das sogar mit Sound-
Unterstützung - zusammenbasteln.  Im Verzeichnis "Demos" werden einige 
Beispiele mitgeliefert, wie ein richtig cooles Boot-Logo auszusehen hat. 
Diese kann der Anwender sogar vor der eigentlichen Installation von SysPic 
bestaunen. Das SysPic-Archiv muss dazu nur in ein beliebiges Verzeichnis 
entpackt werden. 

Screenshot:
Screenshot

Die Installation ist unterteilt in zwei Schritte. Zuerst müssen alle 
benötigten Tools und Libraries auf die System-Partition kopiert werden. Das 
kann entweder "per Hand" oder mit dem mitgelieferten Installer-Skript 
erledigt werden. Danach wird in der Startup-Sequence nach "SetPatch" der 
Programmaufruf für SysPic eingetragen. Wie das genau geht und welche 
Optionen SysPic bietet, wird in der englischen AmigaGuide-Anleitung 
haarklein erklärt.

Wichtig für Grafikkartenbesitzer und CyberGraphX-Nutzer: Da zu diesem 
Zeitpunkt noch keine Grafikkartentreiber geladen wurden, sollten die 
betreffenden User bei ihren Boot-Bildern auf die Beschränkungen des 
verwendeten Amiga-Chipsatzes aufpassen oder den SysPic-Eintrag erst nach 
Einbinden der Monitortreiber starten. CyberGraphX-Anwender sollten des 
weiteren darauf achten, den Tooltype-Eintrag "BOOTLOGO" im Monitortreiber 
ihrer Grafikkarte (z.B. "Devs:Monitors/PicassoII") auf "0" (Null) zu 
setzen, damit sich die Bootlogos von CyberGraphX und SysPic nicht in die 
Quere kommen. Picasso96-Anwender sind davon nicht betroffen, da dieses RTG-
Treibersystem kein eigenes Bootlogo anzeigt.

Leider hat SysPic aufgrund des Alters ein kleines Problem, die AmigaOS-
Revision unter OS 3.5 und 3.9 herauszufinden. Nun ja, das Programm stammt 
aus dem Jahr 1996 - also kein Wunder, zu der Zeit besaß ja Escom noch die 
Amiga-Rechte. ;-)
Nichtsdestotrotz funktioniert SysPic auch unter OS 3.9.2 (abgesehen von den
genannten Problemen) fehlerfrei. Zum Betrieb der Software wird ein Amiga 
mit OS 3.0 benötigt. Für Amigas mit 68020-CPU und höher wird eine 
optimierte Programmversion mitgeliefert. Das Installer-Skript 
berücksichtigt dabei automatisch die zu installierende Version.

Autor: Grzegorz Calkowski
Aminet: util/boot/Syspic400free.lha
Programmversion: 4.00
Homepage: http://www.calkowski.net/amiga  (zur Zeit "under construction")
Lizenz: GNU Public Licence


So, ich hoffe, diesmal war wieder etwas Interessantes für jeden dabei. Wer 
ein paar nützliche Tools kennt, seine Meinung loswerden oder 
Verbesserungsvorschläge machen möchte, schickt mir bitte eine E-Mail.

Christian Aichinger <aichi@gmx.de>