2. Workshop: PageStream 4.1 im Einsatz (von Michael Christoph)
Nachdem die neuen Funktionen von PageStream 4.1 noch nirgends nachzulesen
sind (auch das englische Handbuch hat immer noch den Stand 4.0), wollen wir
uns die Funktionen etwas genauer betrachten. Aufgrund der fehlenden
Anleitung beruhen die folgenden Zeilen auf meinen persönlichen Erfahrungen.
* Was gibt es Neues?
Auf eine Vorstellung der neuen Funktionen von PageStream 4.1 und des
Programms selbst werde ich hier verzichten. Sie sind in den verschiedenen
Amiga-Printmedien zu finden. Nur kurz eine Liste der Neuerungen:
- vielfältiger Tabelleneditor
- eingebaute Serienbrieffunktion
- PDF-Export mit Einstellung von Kompression und Kodierung
- Textrahmen mit wählbaren Ecken
- wählbare Spaltenbreite und Innenabstand
- Textauswahl mit Shift+Cursor
- Bewegen von Seiten über Kapitelgrenzen
- Verschieben und Kopieren von Objekten über Seitengrenzen
- Verbesserung der Geschwindigkeit
- und einiges mehr
* Der Tabelleneditor
(Pseudo-)Tabellen konnten bisher auch schon in PageStream erzeugt werden.
Sie setzen sich aber aus einzelnen Linien und den Texten zusammen und waren
dadurch starr und erlaubten keinerlei nachträgliche Änderung (ohne größerem
Aufwand). Der neue Tabelleneditor kann hierbei natürlich glänzen. Er kann
praktisch jede Art von gewünschter Tabelle darstellen.
Icon für neue Tabelle erstellen:
Nach der Auswahl des zutreffenden Icons aus der Toolleiste wird ein Rahmen
aufgezogen, der die Größe der Tabelle festlegt. Standardmäßig mit vier
Spalten und vier Zeilen erzeugt, können beliebig Spalten und Zeilen
hinzugefügt oder entfernt werden. Die Größe der Tabelle ändert sich hierbei
nicht. Nur die Breite bzw. Höhe der Spalten und Zeilen wird angepasst.
Benachtbarte Felder lassen sich verbinden, so dass sie zu einem größeren
Feld werden (z.B. alle Felder der ersten Zeile zu einer langen
Überschriftzeile). Jedes Feld für sich ist ein kleiner Textrahmen, der alle
gewohnten Funktionen zur Verfügung stellt: Schriftart, -größe, Ausrichtung,
Farbe, etc. Des weiteren können auch die Rahmenlinien jedes einzelnen
Feldes unabhängig voneinander gestaltet werden. Vor allem Rahmenstärke,
Muster und Farbe seien hier beispielhaft aufgeführt.
* Mehr als ein Tabelleneditor
Mit der reinen tabellarischen Visualisierung ist das Ende des
Tabelleneditors erreicht, und es beginnen die weiteren Möglichkeiten als
Tabellenkalkulation. Dadurch werden die Tabellen noch flexibler einsetzbar.
Die meisten kennen sicher den Begriff der Tabellenkalkulation von Excel
oder auch TurboCalc am Amiga. PageStream möchte hier keinesfalls in
Konkurrenz zu diesen Produkten treten. Aber die grundlegenden Funktionen
bietet PageStream trotzdem an: Felder adressieren und dynamisch berechnete
Feldinhalte.
Mehr als ein Tabelleneditor:
Die Spalten werden von links beginnend mit A, B, C... benannt, während die
Zeilen von oben beginnend mit 1, 2, 3... gekennzeichnet sind. Das erste
Feld links oben ist also "A1", das Feld rechts davon "B1" und das Feld
unterhalb "A2". Die Summe aus den ersten drei Feldern der ersten Zeile
könnte somit mittels "=A1+B1+C1" gebildet werden. Die Grundrechenarten
stehen hierbei zur Verfügung. Ob es weitere Operatoren und Funktionen gibt,
ist nicht bekannt.
Zahleneingabe nur im Wert-Feld:
Beachtet werden muss, dass auch die Zahlenwerte der Felder nicht direkt in
die Tabelle eingetragen werden dürfen, sondern im Feld "Wert" des
Einstellfensters. Die Eingaben werden dann automatisch auch in der Tabelle
angezeigt, und gleichzeitig werden ggf. die anderen Felder aktualisiert.
Die so erfassten Zahlen können beliebig in der Tabelle bearbeitet und
formatiert werden. Spätestens nach einer Neuberechnung oder
Werteneueingabe, gehen die Formatierungen wieder verloren, und es steht nur
die "nackte" Zahl im Feld. Hier sind noch Verbesserungen für zukünftige
Versionen in Aussicht gestellt worden.
* Serienbrief an alle
Die Möglichkeiten des Serienbriefes sollen anhand einer Einladungskarte
vorgestellt werden. Diese Funktion ermöglicht es sehr flexibel, dass die
Einladung nur noch einmal verfasst werden muss und an viele verschiedene
Personen geschickt werden kann. Das geht jetzt natürlich auch schon, wenn
die Einladung allgemeingültig verfasst wird und die Anschrift nur auf dem
Kuvert steht. Wir wollen allerdings persönlicher werden. Die Vorgehensweise
lässt sich in drei Schritte aufteilen:
- Erster Schritt: Erstellen der Einladung
- Zweiter Schritt: Erfassen der Empfänger
- Dritter Schritt: Drucken der Einladungen
Der erste Schritt stellt nichts Neues für Benutzer von PageStream dar, bis
auf einen Punkt: Es dürfen keine persönlichen Anreden enthalten sein und
auch keine Adressen. Allerdings sind Platzhalter für diese Teile
vorzusehen, in die PageStream beim Druck dann selbständig die Texte
einfügt. Platzhalter sind zuerst mittels "Typographie/Einfügen/Variabler
Text" zu definieren.
Platzhalter definieren:
Über dieses Fenster kann auch ein Eintrag ausgewählt werden, der im Text
eingesetzt wird. Beim Definieren des Platzhalters ist diesem ein Name zu
verpassen (der natürlich eindeutig sein muss und selbsterklärend sein
sollte), und zusätzlich kann auch gleich ein Pseudotext hinterlegt werden,
der dann am Bildschirm angezeigt wird. Ich empfehle hier die Notation
"{feldbezeichner}". Also wenn das Feld den Namen des Empfängers enthalten
soll und mit "name" bezeichnet wird, ist der Text "{name}". Am Bildschirm
wird dann an der entsprechenden Stelle "{name}" angezeigt. Beim späteren
Druck setzt hier PageStream den tatsächlichen Namen aus der
Serienbriefdatei ein und layoutet ggf. neu.
Die Einladungskarte am Bildschirm:
Nehmen wir jetzt an, die Einladung enthält folgende Platzhalter:
- Name
- Anschrift
- PLZ und Wohnort
- Persönliche Anrede
Dann muss unsere Datei auch diese vier Informationen zu jeder Person
enthalten. Dabei spielt es keine Rolle, in welcher Reihenfolge diese Daten
eingetragen sind. Sie müssen nur in der gesamten Datei einheitlich sein.
Die vier Teiltexte sind mittels <TAB> voneinander abzugrenzen, die
einzelnen Personen durch <RETURN>, also je Person eine neue Zeile.
Der Dateiinhalt könnte für zwei Personen so aussehen:
Michael Christoph<TAB>Irring, Passauer Straße 8<TAB>94113
Tiefenbach<TAB>Hallo Michael<RETURN>
Carsten Schröder<TAB>Helmoltstraße 10<TAB>37081 Göttingen<TAB>Hi
Carsten<RETURN>
Wer diese Daten bereits in einem Adressbuch (natürlich im Computer) stehen
hat, kann diese oft auch direkt exportieren. Dabei spielt es keine Rolle,
wenn mehr Daten exportiert werden. Wichtig ist nur, dass die Felder mit
<TAB> getrennt werden und je Person nur eine Zeile geschrieben wird.
Die Felder sind mit TAB zu trennen:
Nach diesem Schritt kommen wir auch schon zum Letzten, dem Drucken. Im
neuen Druckerdialog gibt es jetzt eine vierte Karteikarte, die alle
Einstellungen bezüglich des Serienbriefes enthält.
Druckeinstellungen für den Serienbrief:
Zuerst muss das gleichnamige Kästchen abgehakt werden. Dann erst kann
rechts daneben die vorher erstellte Datei mit den Namen und Anschriften
ausgewählt werden. Daraufhin wird der Scroller mit mehreren Zeilen gefüllt
werden. Je Zeile ist ein Feld der Datei vorhanden (die komplette erste
Zeile der Datei). Nun muss nur noch aus dem unteren Listenfeld der passende
Platzhalter zugeordnet werden. Enthält die Datei auch Felder, die nicht
gedruckt werden sollen, sind diese mit "<skip>" zu versehen. Falls nur eine
einzige Zeile angezeigt wird, wurden die Felder in der Datei vermutlich
nicht mit <TAB> getrennt. Zu beachten ist, dass einige Editoren die Tabs
sofort in Leerzeichen umwandeln (ggf. mittels "type <dateiname> opt h" oder
einem Hexeditor kontrollieren, ob die Zwischenräume der einzelnen Felder
mit dem Wert 0x09 belegt ist). Ein 0x20 hingegen steht für das normale
Leerzeichen und wäre falsch!
Damit wären dann auch schon alle Einstellungen getroffen, und der Druck
kann erfolgen. Der Vollständigkeit halber sei aber auch noch erwähnt, dass
nicht alle Einladungen auf einmal gedruckt werden müssen. PageStream
erlaubt einen frei wählbaren Bereich, z.B. die ersten zehn Einladungen.
Dazu ist unter Datensätze bei "erster" 1 und bei "letzter" 10 einzutragen.
Sollen in einem zweiten Durchgang dann alle restlichen Einladungen gedruckt
werden, ist "erster" auf 11 zu setzen und "letzter" ganz einfach
freizulassen.
Das fertige Druckergebnis in MultiView:
Mit diesen Worten wünsche ich allen Lesern freudiges Probieren.
Michael Christoph <michael@meicky-soft.de>
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