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2. Softwaretest: Taschenrechnerprogramm CoolCALC v0.1 (von Denis Nikolic)

Laut dem Autor hätte CoolCALC - ein Taschenrechner für die Workbench - beim OS 3.5/3.9 dabei sein müssen. Das besondere an diesem Taschenrechner ist, dass sein Aussehen mit Hilfe von Skins geändert werden kann. Die Skins selbst sind erfreulicherweise ganz normale Bilddateien, so dass sich jeder seinen individuellen Workbench-Rechner leicht erstellen kann. Dies wird auch fast nötig sein, denn dem Programm liegt standardmäßig nur ein Skin bei, sowie eine Art Vorlage, um die Erstellung neuer Skins zu erleichtern. Wer sich dennoch nicht als Pixelkünstler sieht, findet im Aminet diverse weitere Skins, wenn er nach dem Begriff "Cool Calc" sucht.

Screenshot

Wie im obigen Bild ersichtlich, ist der Taschenrechner mehr als doppelt so groß wie das OS-Original, was manche User gar nicht freuen wird. Um so mehr, da weder ein Größengadget vorhanden ist noch der XHelvetica-Font geändert werden kann. Hier sollte der Autor sein Konzept nochmals überdenken.

Nun, Optik ist nicht alles. Schließlich benötigt man einen Taschenrechner zum Rechnen und nicht als Blickfang. Aber auch hier erkennt man bald, wieso das Programm die Versionsnummer 0.1 trägt. Es fehlen z.B. Clipboard- Unterstützung und Papierstreifen, wie es der OS-Taschenrechner bietet. Die Zahleneingabe per Tastatur sowie die Anzeige sind auch etwas gewöhnungsbedürftig. So können z.B. Zahlen wie "1.0e+8" problemlos per Tastatur eingegeben werden, wenn zuvor das Anzeigefeld aktiviert wurde. Sobald jedoch Return zur Ausgabe des Ergebnisses gedrückt wird, ist das Anzeigefeld wieder deaktiviert und das "e" wird vom Programm nicht mehr akzeptiert (die Zahlen und Operanden jedoch sehr wohl!)

Bei aktiviertem Anzeigenfeld kann hingegen so ziemlich alles eingegeben werden - ob sinnvoll oder nicht. Bei falschen Eingaben öffnet sich dann ein Konsolenfenster, welches Parsing-Fehler meldet, die den User wohl kaum interessieren. Bei einem Überlauf öffnet sich hingegen seltsamerweise ein Requester (was den User aber ebenso wenig interessiert). Hier sollte der Autor auf konsequente Rückmeldungen nur im Anzeigenfeld achten, damit nicht zur Maus gegriffen werden muss.

Es ist sehr erfreulich, dass CoolCALC die Resultate um zwei Nachkommastellen genauer als der Workbench-Rechner anzeigt. Bei Berechnungen mit Zwischenwerten muss man jedoch aufpassen! Ein Beispiel: Die Eingabe "10 / 3" liefert "3,333...". Wenn direkt danach "* 3" eingegeben wird, erhält man nicht wie erwartet "10" sondern "9,999...". Dieser Patzer hebt den Vorteil der zwei zusätzlichen Nachkommastellen leider mehr als auf...

Fazit:

Aufgrund der vorliegenden Programmversion wäre eine Wertung etwas unfair. Das Programm steckt in der Tat noch in den Kinderschuhen (allerdings ist die vorliegende Version schon etwa anderthalb Jahre alt, so dass ich nicht weiß, ob das Programm überhaupt noch weiterentwickelt wird). Andererseits ist es höchste Zeit gewesen, dass endlich ein skinfähiger Workbench-Rechner erscheint. Sollten die obigen Kritikpunkte bis zur (möglichen) Version 1.0 behoben sein und das Programm noch ein wenig ausgebaut werden, dann könnte der Original-Taschenrechner im wahrsten Sinne des Wortes "alt aussehen".

Alternativen:

Ein anderer Workbench-Rechner, der skinfähig ist, ist mir bisher nicht bekannt. Wem die Optik aber nicht so wichtig ist, findet im Aminet garantiert den passenden Taschenrechner: Vom einfachen CLI-Rechner bis zum hochgezüchteten Rechenknecht mit Funktionsplotter und allen Extras ist so ziemlich alles vertreten. Um nur einige zu nennen: "TotalCalc" dürfte für Programmierer interessant sein (FLT, DEC, BIN, HEX-Anzeige; logische Verknüpfungen; Zwischenspeicher, LSW, MSW, etc). Oder "Calculator" mit einigen gebräuchlichen Funktionen wie PI, Wurzel, Quadrat sowie Sin, Cos, Tan. Wer einen wissenschaftlichen Taschenrechner benötigt, findet eventuell an "SciCalc" Gefallen. Und wem das immer noch nicht genug ist, dürfte spätestens mit "PSCalc" das richtige zum Austoben gefunden haben.

Zu guter Letzt dürfen sich selbst Programmierer über etliche Sourcecodes über dieses Thema freuen.

Denis Nikolic <d-nis@gmx.net>

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