3. Workshop: AFPL Ghostscript 6.50 - Teil 2 (von Uwe Pannecke)
Crash-Kurs durch die Ghostscript-Untiefen
1. Der Zug der (Amiga-) Zeit
Obwohl am Ende des ersten Teils in der Februarausgabe 2002 bereits für das
nachfolgende März-Magazin dieses Jahres angekündigt, ließ die
Fertigstellung der Fortsetzung doch noch einige Monate auf sich warten.
Damit reiht sich dieser Workshop in das allgemeine Gebaren rund um den
Amiga nahtlos ein und gehört dennoch trotz seiner dreimonatigen Verspätung
zu den blitzschnellen Veröffentlichungen auf dem Amiga-Markt... Damit genug
der Rechtfertigungsversuche.
Tauchen wir lieber ein in die kryptische, aber dennoch interessante
Ghostscript-Welt. Wie bereits im ersten Teil, muss auch für alle
nachfolgenden Ausführungen als Versuchskaninchen wieder das Amiga-Release 2
des Interpreters von Rüdiger Hanke [1] herhalten. Wir gehen deshalb davon
aus, Ghostscript entsprechend des ersten Teiles installiert in eurem Amiga-
System vorzufinden.
2. Jammertal
So leistungsfähig der freie Postscript-Interpreter auch ist, so spröde
zeigt er sich in der Bedienung. Keine grafische Oberfläche verwöhnt den
Amiganer, Ghostscript besteht auf Tuchfühlung, beinahe hautengen Kontakt
über die Kommandozeile. Auch wenn dem Maus-Fetischisten bei dieser Aussicht
die Haare zu Berge stehen sollten, kann so doch die Shell wieder einmal
ihre Daseinsberechtigung unter Beweis stellen. Und dem Amiganer bietet sich
eine gute Gelegenheit, mit dem Traktieren der Tastatur zumindest kurzzeitig
Ablenkung finden und seinen Geist über das Jammertal der aktuellen Amiga-
Situation erheben zu können.
3. Geborgen in der Muschel
Auch wenn wir den gesamten zweiten Teil des Workshops in der Shell
verbringen, lässt sich mit dem dargelegten am Ende des Kurses (vielleicht
noch in diesem Jahr ;) ) recht einfach eine mausgesteuerte Bedienung des
Interpreters selbst zusammenbasteln.
Doch jetzt ab in die schützende Hülle der Shell:
3.1 Geisterbeschwörung
Mit "CD Ghostscript:" landen wir umgehend im Heimatverzeichnis des
Postscript-Interpreters. Bevor wir den dienstbaren Geist aus seiner Flasche
entlassen, müssen wir ihm ausreichend Bewegungsfreiheit verschaffen. Die
Kommandofolge "Stack 200000" setzt den Stapelspeicher auf die erforderliche
Höhe und beugt unvermittelten Abstürzen des Programms vor. Wir bitten
Ghostscript mit "gs --help", sich uns vorzustellen.
Screenshot:
Neben seinem Namen, der Version und seinen Schöpfern verrät uns der
Interpreter einiges über seine Bedienung, indem er uns die prinzipiellen
Aufrufoptionen mitteilt. Anschließend kann er es sich nicht verkneifen, mit
seinen erstaunlichen Fähigkeiten zu protzen, und teilt uns unter "Available
devices" die ihm zur Verfügung stehenden 'Geräte' oder Treiber für die
Manipulation der Postscript- oder PDF-Dateien mit.
Eine wichtige Information steckt im unteren Drittel der Fensterausgabe: Mit
den Angaben hinter "Search path" informiert uns das Programm, wo es nach
Initialisierungsdateien und Schriften für die Interpretation der
übergebenen Dateien suchen wird. In der Standard-Installation wird
Ghostscript die passenden Daten in den Verzeichnissen "Ghostscript:lib"
und "Ghostscript:fonts" finden. Solltet ihr zusätzliche Schriften oder
spezielle Initialisierungsdateien in separaten Verzeichnissen abgelegt
haben (oder später einmal ablegen), könnt ihr mit "SetEnv GS_LIB
Pfadangabe(n)" diese dem Interpreter bekannt machen.
3.2 Dokumentenschau
Eine zentrale Aufgabe Ghostscripts ist die Präsentation von Postscript- und
PDF-Dateien. Wollt ihr als Ausgabegerät den Workbench-Bildschirm nutzen,
reicht es völlig aus, dem Programm lediglich den Dateinamen einschließlich
komplettem Pfad zu übergeben. Im "Examples"-Verzeichnis finden wir eine
Reihe gut geeigneter Dateien für unsere Tests.
Die Eingabe "gs examples/tiger.ps" präsentiert nach kurzer Zeit den
wohlbekannten Tigerkopf in einem Workbench-Fenster.
Wird wie im gerade angeführten Fall kein Device explizit an Ghostscript
übermittelt, verwendet das Programm das "amiga"-Gerät und damit die
Workbench als Ausgabemedium. Das gleiche Ergebnis hätte die Eingabe
"gs sDEVICE=amiga examples/tiger.ps" verursacht. Und mit letzterem wird
auch der Weg aufgezeigt, alle weiteren unterstützen Ausgabegeräte
einzubinden. So sorgt etwa "gs sDEVICE=amiga_custom examples/tiger.ps" für
die Nutzung eines eigenen Bildschirms, der über einen Bildschirm-Requester
aus der vorhandenen Palette ausgewählt werden kann.
Screenshot:
Wollt ihr bei der Bildschirmausgabe die Größe des Fensters definieren,
stehen euch die Optionen "-dDEVICEWIDTH=Wert1" für die Bildschirmbreite und
"-dDEVICEHEIGHT=Wert2" für die Bildschirmhöhe zur Verfügung. Alternativ
kann der Schreibfaule auch "-gWert1xWert2" verwenden. Mit "gs sDEVICE=amiga
-dDEVICEHEIGHT=640 -dDEVICEWIDTH=480 examples/tiger.ps" etwa ist die
maximale Fenstergröße auf der Workbench mit 640x480 Pixel festgelegt.
Da die Seitengröße im Dokument nicht automatisch an die Fenstergröße
angepasst wird, ist bei Beschränkung der Fenstergröße in vielen Fällen nur
noch ein Teil des Seiteninhalts zu sehen. Dem könnt ihr in diesem und
ähnlich gelagerten Fällen mit einer Vorgabe zur darzustellenden Auflösung
begegnen. Die Option "-dDEVICEXRESOLUTION=WertX" legt die horizontale
Geräteauflösung und "-dDEVICEYRESOLUTION=WertY" entsprechend die vertikale
Auflösung fest. Wieder haben Schreibfaule Glück: Die Optionen lassen sich
mit "-rWertXxWertY" deutlich abgekürzt gleichberechtigt verwenden.
Wird lediglich mit einem Wert die Auflösung bestimmt, bleiben auf jeden
Fall die Proportionen der ursprünglichen Seite erhalten.
Screenshot:
Mit entsprechend gewählten Werten könnt ihr natürlich auch die
Seitenproportionen nach euren Wünschen beinahe beliebig verzerren. Dies
gilt gleichermaßen für die Druckausgabe.
Apropos Druckausgabe: Wer die Datei lieber Schwarz auf Weiß oder gar farbig
in den Händen halten möchte, kann aus einer ganzen Reihe von Druckgeräten
auswählen. Da wäre zuallererst das Device "amiga_printer" zu nennen, das
für eine Ausgabe über den eingestellten Workbench-Druckertreiber zuständig
ist. Darüber hinaus stehen diverse Laser- und Deskjet-Treiber als
dienstbare Gerätetreiber parat. Und alle Turboprint-Freunde werden sich
über einen eigens für das Druckprogramm mitgelieferten Treiber
einschließlich Dokumentation freuen.
4. Eine endlose Geschichte
Im nächsten Teil, diesmal tatsächlich auch in der nächsten AMIGA-aktuell-
Ausgabe, wenden wir uns u.a. den Konvertierungsmöglichkeiten des
Interpreters zu.
[1] im Aminet unter /gfx/conv/GS650-xxx.lha
Uwe Pannecke <Uwe.Pannecke@t-online.de>
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