Tests und Erfahrungsberichte
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1. Kleine Helfer für den Amiga-Alltag (von Christian Aichinger)
Herzlich Willkommen zu den Kleinen Helfern im Juni. Diesmal möchte ich euch
die Programme wget, PatchRAM und swfplayer vorstellen.
Viel Spaß beim Lesen!
Wget V1.7:
Neben all dem digitalen Unsinn, den man ständig von diversen Suchmaschinen
angeboten bekommt, soll es ja auch hin und wieder vorkommen, dass man
beim Stöbern im Internet auf interessante Seiten stößt. In so einem Fall
könnte es durchaus passieren, dass der Anwender diese Daten immer schnell
abrufbar haben möchte, auch ohne eine ständige Verbindung zum Internet zu
halten, und damit dem Risiko zu entgehen, aufgrund der nächsten
Telefonrechnung einen Herzinfarkt zu bekommen. ;)
Leider unterstützt kein einziger Amiga-Browser das Abspeichern kompletter
Internet-Seiten (inklusive Unterverzeichnisse, Links und diverse Dateien
wie Archive oder Grafiken), so dass man als Amiga-Anwender auf kleine
Zusatztools wie z.B. Wget zurückgreifen muss. Wget ist ein sogenannter
Robot, der das Internet als auch FTP-Server sogar rekursiv abgrasen kann
und einige nützliche Funktionen, wie z.B. das Abspeichern kompletter
Webseiten auf der Festplatte oder das Suchen nach Dateien mit Hilfe eines
beliebigen Suchmusters, zur Verfügung stellt.
Nachdem das ca. 1.4 MByte große Archiv entpackt wurde, muss das 68k-Binary
"wget" nur noch in ein beliebiges Verzeichnis kopiert werden. Das C-
Verzeichnis der Systempartition dürfte dafür am besten geeignet sein, da
die Bedienung ausschließlich über die Shell und mittels eines fürchterlich
unübersichtlichen, dennoch extrem leistungsfähigen Kommandointerface
erfolgt. Wer die ixemul.library und die ixnet.library noch nicht
installiert hat, sollte dies erst schnell nachholen, denn beide Funktions-
Bibliotheken werden von Wget benötigt.
Eine ungefähre Ahnung, was Wget zu bieten hat, kann der Anwender mit Hilfe
des "--help"-Arguments bekommen. Nachdem ca. fünf Seiten mit Shell-
Kommandos inklusive kurzer englischer Erklärung abgespult wurden, wird so
mancher Anwender erschaudern und verzweifelt die Anleitung suchen. Leider
liegt diese im Amiga-untypischen "man"-Format vor, für das es unter AmigaOS
kaum einen vernünftigen Anzeiger gibt. Eine englische Anleitung für die
aktuellere Version 1.8.1, für die es leider noch keine AmigaOS-Portierung
gibt, kann man aber unter http://www.gnu.org/manual/wget-1.8.1/
runterladen.
Da es schon jede Menge gute Workshops zu Wget gibt, spare ich mir hier
jegliche Einführung in dieses Programm. Einen sehr guten dreiteiligen
Workshop zur Amiga-Version kann der Anwender z.B. in den Ausgaben 03 bis 05
des Online-Mags "Amiga Scene" finden, welche man sich aus dem Aminet (unter
docs/mags/ascene0x.lha - x für die Ausgabe) runterladen kann.
Die Anforderungen an die verwendete Hardware werden leider ebenfalls
nirgends erwähnt. Ein Rechner mit 68020-CPU, 2 MByte freiem RAM und OS 2.0
sollte allerdings vollkommen ausreichen. Dass eine Internetverbindung
benötigt wird, muss ich nicht extra erwähnen. ;) Wenn es beim Start von
Wget Programmabstürze gibt, sollte der Stack-Speicher vor dem
Programmaufruf auf etwa 100-200 KByte erhöht werden. Open-Source-
Portierungen haben sehr oft die Eigenart, extrem viel Stack-Speicher zu
benötigen.
Autor: Diverse (Amiga-Port von "LouiSe")
Aminet: dev/gg/wget-1.7.lha
Programmversion: 1.7
Homepage: http://louise.amiga.hu
Lizenz: GNU General Public Licence
PatchRAM:
So intuitiv AmigaOS auch sein mag, hin und wieder findet man doch ein
paar Merkwürdigkeiten, die jenseits des logischen Menschenverstandes sind.
Eine davon ist mit Sicherheit die RAM-Disk, die jederzeit zu 100% voll ist,
obwohl noch mehr als genug RAM-Speicher frei ist. Für ältere Revisionen des
Amiga-Betriebssystems gibt es gegen dieses Phänomen schon diverse Patch-
Programme, und auch für OS 3.9.2 wurde erst vor kurzem eine entsprechende
Korrektur im Aminet veröffentlicht. Übrigens wird OS 3.9.2 zwingend
vorausgesetzt - ohne das letzte Boinbag 2 läuft nämlich nichts.
Nachdem das Archiv entpackt wurde, muss zuerst das "AmigaOS ROM Update"
"auseinandergenommen" werden. Das dafür benötigte Programm "ExtractModule"
befindet sich in der PatchRAM-Distribution. In einer Shell gibt man dazu
das Kommando...
ExtractModule from "Devs:AmigaOS ROM Update" module 17 to ram:Ram-Handler
...ein, und in der RAM-Disk erscheint eine neue Datei namens "Ram-Handler",
welche nun mit...
spatch -oram:Ram-Handler.new -pRam-Handler.pch RAM:Ram-Handler
...gepatcht wird. Wenn keine Fehlermeldungen ausgegeben wurden, befindet
sich der neue Ram-Handler in der RAM-Disk und trägt den Namen "Ram-
Handler.new". Diese Datei muss jetzt mit...
copy xRam:Ram-Handler.new l:Ram-Handler
...nach "L:" kopiert werden. Zum Abschluss muss die Startup-Sequence noch
etwas modifiziert werden, damit Setpatch nicht mehr den Ram-Handler aus dem
ROM-Update lädt, sondern das gepatchte Modul, das sich jetzt in "L:"
befindet: Vor der Zeile, in der Setpatch aufgerufen wird, muss die neue
Zeile...
LoadModule L:Ram-Handler NOREBOOT
...eingetragen und der Setpatch-Aufruf folgendermaßen modifiziert werden:
SetPatch SKIPROMMODULES ram-handler >NIL:
Nachdem die geänderte Startup-Sequence gespeichert wurde, muss noch das
Programm "LoadModule" in das "C:"-Verzeichnis kopiert werden.
So, wenn das erledigt wäre, wird der Rechner ausgeschaltet(!) und dann neu
gestartet. Ist die Workbench wieder geladen, hat die RAM-Disk die Größe,
die man von ihr auch erwarten würde. ;)
Screenshot:
Die kurze englische Anleitung beschreibt übrigens noch eine weitere
Möglichkeit, wie man PatchRAM ins System einbinden kann.
Autor: Thomas Richter
Aminet: util/boot/patchram.lha
Programmversion: 2.01
Homepage:
Lizenz: THOR-Software Licence
swfplayer:
In den Genuss von Flash-Animationen auf Internet-Seiten kommen zur Zeit nur
Anwender von Voyager. Für alle anderen Amiga-Browser wird leider kein
entsprechendes Plugin zur Verfügung gestellt. Um auch mit Browsern wie AWeb
und IBrowse solche Animationen anzeigen zu können, benötigt man das externe
Programm swfplayer. swfplayer ist eigentlich nur ein kleines Shell-
Programm, welches auch "solo" zur Anzeige von auf Festplatte gespeicherten
Animationen verwendet werden kann. Der Player öffnet dazu ein neues Fenster
auf der Workbench und spielt den Film in diesem Fenster ab. Der Nachteil
bei Verwendung als Plugin für AWeb bzw. IBrowse liegt auf der Hand: Das
Layout von Flash-animierten Seiten leidet unter dieser Darstellungsform.
Zudem unterstützt der Player auch keine Features wie Streaming Audio, Anti-
Aliasing und noch einige andere Dinge.
Die Installation ist schnell erledigt. Dazu wird das Archiv entpackt, das
ausführbare Programm "swfplayer" in das "C"-Verzeichnis der Bootpartition
kopiert und die Mime-Einstellungen des Browsers ergänzt. Unter AWeb zum
Beispiel öffnet man dazu die Browser-Einstellungen und den dort zu
findenden Reiter "5 Anzeiger". Mit einem Klick auf "Neu" wird ein neuer Typ
erstellt, der mit den folgenden Parametern definiert werden muss:
Typ: application "/" x-shockwave-flash
Erweiterung: swf
Aktion: Ext. Programm (E)
Name: c:swfplayer
Argumente: %f
Nachdem die neuen Mime-Einstellungen gespeichert wurden, kann AWeb nun auch
Flash-Animationen abspielen.
Screenshot:
Nun ja, das sieht zwar nicht besonders toll aus aber in der Not frisst der
Teufel bekanntlich Fliegen. ;) Für den Betrieb von swfplayer wird ein Amiga
mit 68020-CPU, FPU und AmigaOS 3.0 benötigt. Ein schnellerer Amiga mit
Grafikkarte ist allerdings sehr zu empfehlen.
Autor: Olivier Debon (Amiga-Port von Paul Hill)
Aminet:
Programmversion: 1.1
Homepage: http://www.lagernet.clara.co.uk/main.html
Lizenz: GNU General Public Licence
So das war's mal wieder. Ich möchte mich noch bei den Teilnehmern der
AMIGA-aktuell-Mailingliste für die Hilfe zu swfplayer und allen Lesern, die
mir E-Mails geschickt haben, für die Vorschläge bedanken.
Christian Aichinger <christian@aakt.de>
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