7. AmigaOS vs. Amiga Anywhere vs. MorphOS: Das meinen die Spielehersteller Da bekommen wir Zocker nun quasi drei Systeme, die wir zukünftig zum Spielen nutzen könnten, wenn es denn bloß Spiele dafür gäbe. Wir haben uns bei diversen Spieleherstellern einmal umgehört und sie zu dem Thema gefragt... Paul Burkey, bekannt durch z.B. "Foundation" oder die Portierung von "Simon The Sorcerer 2", ist es prinzipiell egal, für welches System er seine Spiele schreibt. Er richtet sich da einfach nach den Wünschen der Anwender. Seine Programmentwicklung nutzt eine Software-Abstraktions- Schicht und erlaubt grundsätzlich die Portierung auf beliebige Systeme - solange die nötige Hardwareleistung vorhanden ist. Zum Thema AmigaOS vs. MorphOS möchte er sich nicht äußern, da ihm eine entsprechende Informationsgrundlage fehlt. Ähnlich sieht es auch James Daniels, Autor des preisgekrönten Spiels "Payback". Zum Thema AmigaOS vs. MorphOS möchte er sich nicht äußern, da es von einigen Leuten sehr emotional angegangen wird und er sich nicht in Debatten verstricken möchte. Das Amiga Anywhere passt seiner Ansicht nach nicht in diese Liste, da es seines Wissens nach mit dem AmigaOS verschmolzen werden soll. Steffen Häuser gesteht, dass er hinsichtlich der Betriebssystemfrage natürlich nicht neutral ist, er aber seine ehrliche Meinung kundtun möchte. Seiner Ansicht nach ist AmigaOS 4 der einzige zukunftsträchtige Weg für Amiga-Spiele. Sollte sich OS4 gut verkaufen, wären sogar "OS4 only"-Spiele interessant, sofern es PPC-Spiele betrifft. Konkret sieht er bei OS4 folgende Gründe, warum es für Spiele geeignet ist: * zeitgemäße APIs, die den Spieleentwickler unterstützen, z.B. ein Lowlevel-3D-API, MesaGL und AmigaInput * Unterstützung leistungsfähiger Hardware Außerdem sei der Name "Amiga" immer noch eine Art Zugpferd und AmigaOne, und AmigaOS 4 ernten auch außerhalb der Amiga-Gemeinde Interesse. Er rechnet damit, dass einige ehemalige Amiga-User zurückkommen werden. Wichtig wäre auch, dass der AmigaOne eine von professioneller Hand entwickelte Hardware ist, die garantiert kommt. Bezüglich MorphOS hat er neben politischen Interessen auch technische Kritikpunkte. Im Fall der Spieleprogrammierung seien dies schlichtweg fehlende APIs, die die Hersteller bei der Erstellung unterstützen. Am schmerzlichsten sei dies sicherlich im 3D-Bereich. Zum Amiga Anywhere gibt Steffen zu bedenken, dass er sich mit der Thematik noch nicht eingehend befasst hätte. Die Entwicklung an sich, besonders im PDA-Bereich, fände er aber sehr interessant. Michael Garlich von Titan Computer sieht das ganze ein wenig anders. Man habe sich auf MorphOS konzentriert, weil es derzeit schon auf der neuen Hardware lauffähig sei und man einen ausgezeichneten Developer-Support genieße. Von AMIGA, Inc. habe man hingegen zum AmigaOS 4 bisher nicht die geringsten Informationen erhalten. Hinsichtlich des Amiga Anywhere denkt er, dass es im PDA-Bereich besser aufgehoben ist als im Desktop-Markt. Titan Computer bezweifle, dass es jemals den Weg zu einem Desktop-OS finden werde. Dennoch habe man bisher bereits drei Spiele dafür herausgegeben. Timo Kloss von Inutilis hätte es hingegen am liebsten, wenn das Amiga Anywhere zu einem eigenständigen Betriebssystem entwickelt würde, das eine AmigaOS-Emulation enthält. Es wäre eine Chance, Altlasten loszuwerden und das gute Grundkonzept zur Geltung zu bringen. OS4 hält er für eine gute Weiterentwicklung, er vermisse aber die Innovation. Dem Plan, später das Amiga Anywhere zu integrieren, steht er sehr skeptisch gegenüber. Es sei zu vermuten, dass dadurch die Kompaktheit und Übersichtlichkeit verloren gehe. Mit MorphOS habe er sich nicht näher beschäftigt, und deshalb möchte er sich nicht dazu äußern. Hätte er einen "kompatiblen Rechner", würde Timo vermutlich für das Amiga Anywhere entwickeln, eher noch als für AmigaOS 4. Da er aber nur einen 68k-Amiga habe, erübrige sich die Frage. Dennoch werde "Ermentrud" auch auf dem Amiga Anywhere laufen, da Computer City die Adventure-Engine "Inga" portiere. Last but not least die Meinung von Stefan Schulze (Dreamworlds): Zum AmigaOS 4 denkt er, dass es durch den "bekannten" Namen einen leichten Vorteil hätte, es im Endeffekt aber mangels Interesse seitens Nicht-Amiga- Usern und der Treiber-Problematik zum Scheitern verurteilt sei. MorphOS war seiner Meinung nach bereits tot, als es angefangen wurde - aus denselben Gründen. Außerdem fehle hier der Namensvorteil, der nicht durch ausreichend Marketing wettgemacht werde. Einzig dem Amiga Anywhere gibt er eine kleine Chance, wenn die Programme wirklich den PDA- und Desktop-Markt abdeckten. Im Endeffekt sei aber zu vermuten, dass es nie interessante Software geben werde. In der nächsten Ausgabe werdet ihr noch weitere Meinungen finden können. Oliver Tacke <oliver@aakt.de> |