6. Oldies but Goldies: Mega lo Mania (von Christian Aichinger)

1991 brachte Imageworks eines meiner absoluten Lieblingsspiele für den 
Amiga heraus: Mega Lo Mania, programmiert von Sensible Software, brachte 
mich dazu, ganze Tage und Nächte vor dem Rechner zu verbringen und alles um 
mich herum zu vergessen. Liebevoll gepixelte Grafiken, atmosphärische 
Musikstücke, glasklare Sprachausgabe und nicht zuletzt das süchtig machende 
Spielprinzip hatten mich in ihren Bann gezogen. Ich entwickelte mich 
innerhalb von wenigen Tagen zum "Megalomanic".

Screenshot:
Screenshot


Die Story:

Die Hintergrundgeschichte ist zugegebenermaßen etwas wüst: Es geht darum, 
dass vier Möchtegern-Götter um ihre Beförderung als ewige Gottheit spielen. 
Dieses Spiel nennt sich nun Mega lo Mania und wird in der "gigantischen 
Glaskugel an der Spitze des Universums, in der alle neuen Planeten 
geschaffen und betreut werden" ausgetragen. Mhm, ich frage mich gerade, 
welche Drogen solche Hintergrund-Stories verursachen? ;-) Egal, die Rolle 
eines dieser Semi-Götter übernimmt der Spieler.


Das Spiel:

Mega lo Mania ist ein Echtzeit-Strategiespiel, in dem neue Technologien 
entdeckt, Bodenschätze ab- und Gebäude (Mine, Labor, Fabrik, etc.) 
aufgebaut werden müssen, um letztendlich bewaffnete Einheiten, 
Verteidigungsvorrichtungen oder Reparatureinheiten zu kreieren, mit deren 
Hilfe alle anderen Computergegner ausgelöscht werden müssen.

Das Spiel besteht aus insgesamt zehn zeitlichen Epochen (Epoche = Level). 
Angefangen von der Steinzeit, über das Mittelalter bis zur Gegenwart und 
Zukunft ist so ziemlich alles vertreten und durch das sich ständig 
wandelnde Waffenarsenal als auch die unterschiedlichen Architekturen in 
jeder Epoche durchweg spannend.

Jede dieser Epochen, ausgenommen der letzten, wird aus 3 Inseln gebildet, 
die vom Spieler allesamt erobert werden müssen, um das Passwort für die 
nachfolgende Epoche zu bekommen.

Die letzte Epoche bildet eine Ausnahme, doch dazu mehr, weiter unten im 
Text.

Eine Insel besteht aus verschieden vielen Feldern, die entweder der Spieler 
oder die Gegner erobern können, um dort weitere Bodenschätze abzubauen und 
folglich mehr bewaffnete Einheiten zu erstellen.

Screenshot:
Screenshot

Wurden alle Gegner auf einer Insel vernichtet, hat man die Insel erobert 
und kann das Spiel auf einer weiteren Insel fortsetzen, solange bis alle 
Inseln einer Epoche erobert wurden.

Alle die oben genannten Tätigkeiten müssen mit der größtmöglichen 
Geschwindigkeit ausgeführt werden, um gegenüber den Computergegnern (also 
den anderen Gott-Anwärtern) immer einen technologischen als auch - in 
Sachen "Waffenarsenal" - quantitativen Vorsprung zu haben. Die 
Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung, des Abbaus von 
Bodenschätzen als auch der Produktion von Gegenständen wird durch die Größe 
der eingesetzten Bevölkerung bestimmt. 100 Menschen bekommt jeder Spieler 
pro Epoche gratis.

Man kann nun Teile des Bevölkerungs-Reservoirs auf einer Insel einsetzen, 
um diese zu erobern. Wurden zum Beispiel 20 Menschen auf eine Insel 
gesetzt, können 5 Menschen auf dieser Insel neue Technologien entdecken und 
weitere 5 irgendwelche Bodenschätze abbauen. Haben die restlichen 10 
Menschen nichts weiter zu tun, fangen sie an, sich zu vermehren. Die daraus 
resultierenden Nachkommen können nun wieder an der Entdeckung neuer 
Technologien, zur Bewachung des eigenen Gebäudes, der Produktion, zum Abbau 
von Bodenschätzen oder der Eroberung leerer oder feindlicher Felder 
eingesetzt werden.

Beteiligen sich mehrere Computergegner am Kampf um eine Insel, kann man 
versuchen, mit diesen ein Bündnis einzugehen. Natürlich können sich auch 
die Computergegner gegen den Spieler verbünden, was den Sieg nicht gerade
vereinfacht. Wurde eine Insel erobert, verbleibt die dort eingesetzte 
Bevölkerung inklusive deren Nachkommen auf dieser, und man muss für die 
nächste Insel wieder auf sein Bevölkerungs-Reservoire zugreifen. Wurden 
aber für eine gesamte Epoche beispielsweise nur 60 Menschen benötigt (z.B. 
20 Menschen pro Insel), werden die restlichen 40 in der nächsten Epoche zu 
den geschenkten 100 dazu addiert. Der Spieler hat dann also 140 Menschen 
zur Verfügung, um die nächste Epoche (oder die nächsten 3 Inseln) zu 
meistern. Man sollte also durchaus mit den pro Insel eingesetzten Menschen 
knausern, da spätere Epochen teilweise enorme Mengen "Manpower" benötigen. 
Wird der Spieler auf einer Insel geschlagen, kann der Kampf um dieselbe 
Insel so oft wiederholt werden, bis sie endgültig erobert wurde.


Ziel:

Das Spielziel ist die Eroberung der letzten Insel "Mega lo Mania". Diese 
Insel ist die einzige, die es in der 10. und damit letzten Epoche gibt. Um 
allerdings überhaupt auf dieser Insel spielen zu dürfen, muss in vorherigen 
Epochen ein Teil der Bevölkerung für diesen letzten Kampf reserviert 
werden. Dies geschieht, indem die Bevölkerung auf einem Spielfeld 
kurzerhand eingefroren wird. Besitzt der Spieler z.B. auf einer Insel 
mehrere Spielfelder, und ist der Feind gnadenlos unterlegen, kann ein 
Spielfeld in einen Gefrierschrank verwandelt werden.
Spieler als auch Gegner können dann nichts mehr mit diesem "Gefrierschrank-
Spielfeld" anfangen. Es kann weder erobert noch vernichtet werden. 
Voraussetzung ist allerdings, dass sich auf dem entsprechenden Spielfeld
keine weiteren Technologien mehr entwickeln lassen und dass das Einfrieren 
durch die möglichen Technologien der zeitlichen Epoche überhaupt 
gewährleistet ist. Für einen Neandertaler oder Ritter dürfte Kryotechnik 
wohl kaum ein Begriff sein. ;-) So ist es erst ab etwa der 6. oder 7. 
Epoche überhaupt möglich, Kämpfer für Mega lo Mania zu bunkern. Auf Mega lo 
Mania selbst können keine weiteren Technologien mehr entwickelt werden. 
Jeder Kämpfer erhält eine kleine Laserpistole, mit der er gegen den Feind 
antreten muss. Wenn der Spieler Glück hatte, haben die Computergegner in 
früheren Epochen "vergessen", Kämpfer für die letzte Insel zu reservieren, 
und Mega lo Mania fällt widerstandslos in die Hände des Spielers.


Systemvoraussetzungen/Installation:

Das Spiel wurde für die damals üblichen Rechner entwickelt, auf zwei 
kopiergeschützten Trackloader-Disketten ausgeliefert und hat demzufolge 
gewisse Probleme mit "modernen" Amigas. Die originale Diskettenversion 
lässt sich mit Einschränkungen auf einem Amiga mit OCS und 512 KByte Chip-
RAM spielen. Auf einem 1MByte-OCS-Rechner können zusätzliche Soundeffekte 
verwendet werden. Eine Festplatteninstallation ist aufgrund des Disketten-
Trackloaders nicht ohne weiteres möglich. Auch eine Sicherungskopie der 
beiden Originaldisketten ist ohne zusätzliche Hardware unmöglich. Unter [1] 
lässt sich aber ein WHDLoad-Installer downloaden, der es ermöglicht, Mega 
lo Mania auf Festplatte zu installieren. Allerdings benötigt man dafür 
einen Amiga, der kein Problem mit Trackloader-Disketten hat, sprich: Ein 
A1200 aus Escom-Produktion ohne entsprechenden Floppyfix ist für die 
Installation ungeeignet. Wurde die Hürde der Festplatteninstallation 
gemeistert, kann das nun auf Festplatte gespeicherte "MegaLoMania"-
Verzeichnis auch unter WinUAE verwendet werden. Wichtig bei Verwendung 
unter WinUAE ist, dass die Amiga-Soundemulation eingeschaltet ist. Ist sie 
es nicht, bleibt das Spiel kurz nach dem Intro hängen. Dank WHDLoad kann 
das Spiel dann aber immer noch mit einem entsprechenden Quit-Key restlos 
aus dem Speicher entfernt werden. Die WHDLoad-Version benötigt mindestens 1 
MByte Chip-RAM. Mega Lo Mania wurde übrigens auch in einer Version für 
Atari ST und MS-DOS-PCs veröffentlicht.


Bezugsquelle:

Aufgrund des Alters wird man Mega lo Mania nur noch auf dem Flohmarkt oder 
bei diversen Internet-Auktionshäusern finden. Sicherlich lässt sich auch 
auf einschlägigen "Abandonware"-Seiten eine entsprechende Version finden, 
doch dürfte das nicht legal sein, da mir bisher noch keine Information zu 
Ohren gekommen ist, dass Mega lo Mania von Imageworks oder Sensible 
Software zum kostenlosen Download freigegeben wurde. Ach, und meine 
deutsche Original-Version ist übrigens unverkäuflich. ;-)

[1] http://www.whdload.de

Christian Aichinger <christian@aakt.de>