5. Preview: Software Tycoon

Es ist das Jahr 1980. Die Computerspielefirmen schießen wie Pilze aus dem 
Boden. Um sich einen Teil des Kuchen zu sichern, entschließen Sie sich, 
eine Softwarefirma zu gründen. Anfänglich nur mit wenig Kapital und einem 
kleinen Team entwickeln sie dann Ihre ersten Spiele. Die Konkurrenz wird 
von Jahr zu Jahr immer stärker, so dass Ihnen nichts anderes übrig bleibt, 
als Ihr Team mit Programmierern, Grafikern und Musikern zu vergrößern. 
Gutes Personal ist jedoch nur mit Glück zu finden.
Die Spiele werden immer besser und die Ansprüche der Spieler an Grafik und 
Sound wächst. Haben Sie das Wissen, um gute Spiele zu entwickeln, und sind 
Sie raffiniert genug, um Ihre Konkurrenz auszuschalten, oder verstauben 
Ihre Spiele in den Regalen der Läden?

Screenshot:
Screenshot

Soviel zu der "Hintergrundstory". Bei Software Tycoon handelt es sich um 
eine Wirtschaftssimulation. Dieses Genre feierte mit Hits wie Pizza 
Connection, MAG, Der Produzent und Software Manager (ein Spiel mit 
demselben Hintergrund wie Software Tycoon) große Erfolge. Nachdem Epic 
Interactive für die Bereiche RTS (Earth2140) und Adventure (The Feeble 
Files, Simon II) bereits Tophits geliefert haben, versuchen sie dies mit 
Software Tycoon im Genre der Simulation. Und ich als Tester muss zum ersten
Mal in meinem Leben ein Spiel selbst produzieren um dann nach wochenlanger 
Arbeit in einer Spielezeitschrift eine vernichtende Kritik zu lesen. ;-( 
Das Leben ist eines der härtesten!

Aber immer der Reihe nach: Dieser Test richtet sich an die Besitzer von 
HighEnd-Amigas, denn Software Tycoon wird aller Voraussicht nach für diese 
erscheinen. Und auch eine Grafikkarte wird Pflicht sein. Nach der 
Installation und dem Doppelklick auf das coole ST-GlowIcon muss man erst 
einmal einen passenden 800*600*8-Bildschirmmodus auswählen. "8 Bit?" wird 
sich nun der Kenner der PC-Version fragen. Dort war das Spiel doch mit 
16Bit-Grafiken eine wahre Augenweide. Nun, ich war selbst Betatester und 
muss leider sagen: Die 16Bit-Version war wirklich unspielbar. Aber wenn 
alles gut läuft, wird es für die neuen Amigas eine 16Bit-Version geben.

Nach dem obligatorischen Einblenden der Logos kann man nun zwischen einer 
englischen und deutschen Version wählen. Danach gibt es noch die 
Möglichkeit, Sound/Musik auszustellen oder ein bereits gespeichertes Spiel 
zu laden. Wir starten komplett neu:
Zuerst suchen wir uns einen (möglichst originellen Namen) aus, wählen ein 
Firmenlogo und den gewünschten Schwierigkeitsgrad (leicht, mittel oder 
schwer). Dann kann es losgehen. Es gibt viele verschiedene Missionen, von 
denen anfänglich aber nicht alle verfügbar sind. Wir haben die Wahl 
zwischen "Der Einstieg" (erhöhen Sie Ihr Kapital innerhalb von zwei Jahren 
auf 500.000 $) oder "Der erste Erfolg" (produzieren sie innerhalb von drei 
Jahren ein Spiel mit einer Gesamtspaßwertung von mindestens 80%). Wer kein 
Freund von festen Regeln ist, kann das "freie Spiel" wählen. Hier hat man 
ein Startkapital von 200.000 $ und bis 2005 Zeit. Was man da macht, bleibt 
einem selbst überlassen.

Screenshot:
Screenshot

Das Spielprinzip ist relativ leicht: Man hat ein Büro und eine 
Entwicklungsabteilung. Es wird ein Konzept erstellt, Leute engagiert und 
das Konzept umgesetzt. Natürlich kann man auch Filmlizenzen erwerben, die 
in das Spiel einfließen. Auch der technische Entwicklungsstand ändert sich 
mit der Zeit. In einer Forschungsabteilung kann man immer neue Genres, 
Grafik- und Soundmöglichkeiten sowie Programmierungstechniken erforschen 
(kostet natürlich Zeit und Geld). Hat man dann ein Spiel fertig, sucht man 
sich eine Verpackung aus und produziert ein paar tausend Stück. Dann bringt 
man das Spiel in Umlauf und hofft, dass es viele Leute kaufen und auch die 
unverschämten Spieletester vielleicht ein positives Urteil zustandebringen. 
Zur Not gibt es noch die Möglichkeit, durch Werbekampagnen den Verkauf 
anzukurbeln. Von dem verdienten Geld produziert man dann ein neues 
(besseres?) Spiel, und so weiter und so fort, bis entweder das Missionsziel 
erfüllt oder die Zeit abgelaufen ist. Die Konkurrenz in Form von zwei 
weiteren Softwareschmieden machen dies natürlich nicht gerade leichter. Aus 
diesem Grund kann man bei der Mafia verschiedene Sabotageaktionen in 
Auftrag geben. Das klingt relativ simpel, ist aber in der Praxis gar nicht 
so einfach. Mein erster Versuch endete damit, dass ich nach einem Jahr 
schon Pleite war. :)

Technisch funktioniert das ganze so, dass man seine Spielfigur durch eine 
schön gestaltete vertikal scrollende Stadt bewegt. Vom Büro zum 
Softwareladen, zum Labor und wieder zurück. Auch laufen hier die 
potenziellen Käufer eurer Spiele herum, es lohnt sich also schon mal, diese 
auf ihre Wünsche hin zu befragen. Durch die 800*600-Auflösung ist die 
Grafik wirklich sehr detailreich, und auch die 8Bit-Auflösung tut dem 
ganzen keinen großen Abbruch, ganz im Gegenteil: Einige Grafiken wurden im 
Vergleich zur PC-Version sogar aufgewertet. Wirtschaftssimulationen haben 
ja an sich den Ruf, irgendwann einmal langweilig zu sein. Was mache ich
zum Beispiel, während ein Spiel gerade entwickelt wird? Nun, zum einen sind 
die Grafiken wirklich so gut, dass sich ein "Spaziergang" in der Stadt 
immer mal lohnt. Aber es wurden auch einige ziemlich coole Gags eingebaut. 
So gibt es immer mal wieder Ereignisse, die einen schmunzeln lassen 
(versucht zum Beispiel mal den Colaautomaten im Bürogebäude: Man hört ein
paar kräftige Schlucke und ein lautes Rülpsen! Aber auch die Tatsache, dass 
man die Pause durch den Starkstromschalter der Stadt aktiviert, hat was für 
sich). Einzig die auf Dauer etwas nervende Hintergrundmusik ist dem Thema 
"keine Langeweile" nicht gerade dienlich, aber die lässt sich ja abstellen. 
;-)

Screenshot:
Screenshot

Das ist ja mal wieder ein Hammer, was Epic Interactive hier abliefern. 
Gerade die Tatsache, dass das Spiel so schnell verfügbar sein wird 
(wahrscheinlich werden wir in den Sommerferien schon fleißig Spiele 
entwickeln können), spricht für deren Konzept, PC-Spiele zu konvertieren 
anstatt aufwendige Eigenproduktionen zu entwickeln. Software Tycoon ist 
aber auch genau die richtige Mischung zwischen knallharter 
Wirtschaftssimulation und Adventure. Der Spaß kommt nicht zu kurz, und 
durch die vielen verschiedenen Missionen kommt auch so schnell keine 
Langeweile auf.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Einsatz lohnt und dieses Spiel nicht 
(so wie mein erstes) in den Regalen vergammelt. 

Jürgen Theiner <Juergen.Theiner@t-online.de>