4. Test: Puzzle Bobs
Es muss nicht immer 3D-Grafik und CD-Sound sein. Der Spielspaß ist der
entscheidende Faktor. Ein Spiel, das nach diesem Grundsatz lebt, ist Puzzle
Bobs. Ein Clone der allseits beliebten Spiele wie Puzzle Bobble oder Bust a
move.
Für diejenigen, die sich jetzt immer noch kein Bild machen können: Gleich
kommt eine Erklärung. ;-) Puzzle Bobs erscheint auf einem selbst gebrannten
Rohling ohne Aufkleber. Im Slim-Case steckt ein gedrucktes Titelbild, kein
Booklet, keine Anleitung. Es ist schon schade, dass die Absatzzahlen so
gering sind, dass sogar an solchen Sachen gespart werden muss. Andererseits
habe ich es ja eingangs schon erwähnt: Puzzle Bobs möchte einzig durch das
Spiel bestechen, ohne irgendwelchen Schnickschnack. Das Spiel lässt sich
problemlos per Installer auf die Festplatte bannen. Ab und zu ist es
möglich, dass die Mods nicht mitinstalliert werden, aber dies lässt sich
durch
copy puzzlebobscd:modules woimmer:dasspiel/ist/puzzlebobs/modules
schnell selbst von Hand erledigen.
Aber nun soll es endlich losgehen:
Nun, was soll ich sagen: Das Spiel lief anfangs nicht. Ich bekam nur
Grafikmüll. Toll, dachte ich mir, ganz wunderbar.
Ein kurzer E-Mail-Wechsel mit dem Programmierer brachte die Lösung ans
Licht und hat mich zu einem totalen Fan dieses Spieles gemacht. PuzzleBobs
läuft in der Tat auf nahezu jeder Konfiguration. Möglich wird dies durch
ein spezielles System. Es gibt verschiedene Konfigurationen für alle
möglichen Bildschirmauflösungen. Nun begab es sich, dass für meine Voodoo
noch keine dabei war, aber ich habe jetzt welche, und sie werden bestimmt
bald zum Download angeboten bzw. euch per E-Mail zugeschickt.
Screenshot:
Beim ersten Start muss man den passenden Bildschirmmodus auswählen. Dann
erscheinen die obligatorischen Einblendungen und das Titelbild. Hier kann
man das ganze Spiel seinen Wünschen entsprechend anpassen. Es lassen sich
verschiedene Hintergründe auswählen, und das auch noch an dem bevorzugten
Bildschirmmodus angepasst. Es lassen sich die Samples und die
Hintergrundmusik verändern, und sogar die AI ist auswechselbar. Mit ein
bisschen Geschick lassen sich sogar eigene Hintergründe, Bälle und Levels
kreieren. Und jedes beliebige Mod ist als Hintergrundmusik abspielbar. Da
ist es klar, dass man am Anfang ein bisschen was zu basteln hat, aber das
Ergebnis kann sich sehen lassen (probiert mal den "Pool-Hintergrund"!).
Das Spielprinzip an sich ist relativ einfach: Ihr schießt mit farbigen
Bällen auf solche, die sich auf dem Bildschirm befinden. Ziel ist es, den
Bildschirm komplett leer zu räumen. Dies geht dadurch, dass die Blasen
platzen, sobald sich drei gleichfarbige berühren. Sollten an diesen noch
andere hängen, fallen die natürlich herunter und platzen auch, wenn unter
ihnen kein Ball mehr ist. Das Spielfeld wird mit der Zeit immer kleiner, so
dass der Abstand zwischen den Bällen und dem Boden abnimmt. Irgendwann
berührt also mal ein Ball den Boden, und das Spiel ist aus! Soweit das
ganze Game in Kurzfassung. Natürlich kommen noch so Sachen wie Zeitlimit
hinzu, aber ansonsten ist das Spiel so einfach. Und gerade das macht es ja
so genial. Hinzu kommen noch verschiedene Varianten.
Screenshot:
Am simpelsten ist natürlich das Spiel allein. Die verschiedenen Level
werden abgeräumt, bis irgendwann einmal die Bälle den Boden berühren. Je
schneller man ein Feld abräumt, desto mehr Bonuspunkte bekommt man. Ebenso
gibt es Punkte für alle zerplatzten Bälle. Die Gesamtpunktzahl wird in
einer Highscore-Liste festgehalten (wenn man will). Das alles klingt
simpel, aber versucht es mal: Es macht süchtig!
Richtig interessant wird es natürlich bei zwei Spielern. Hier kann mal
gegen- oder miteinander spielen. Spielt man im Kooperationsmodus, gelten
eigentlich dieselben Regeln wie beim Spiel allein. Versucht das mal.
Gegeneinander wird es dann etwas schwerer. Alle Blasen, die auf der einen
Seite zerplatzen, tauchen auf der anderen Seite wieder auf. Somit wird es
echt kompliziert. Eingangs stellt man die Anzahl der Gewinnsätze ein, und
schon kann es losgehen. Natürlich kann man den zweiten Spieler auch vom
Computer steuern lassen. Hierzu gibt es verschiedene Arten von künstlicher
Intelligenz, und auch der Grundschwierigkeitsgrad ist variabel. Und wer
trotzdem manchmal nicht weiterkommt: Durch Drücken von F10 wird für kurze
Zeit eine Hilfslinie eingeblendet, so dass die Schussbahn genauer
einzustellen ist.
Ein weiteres von meinen Lieblingsfeatures ist der sogenannte "Schlaf-
Modus". Sollte ein Programm im Hintergrund auf einmal aktiv werden, weil
zum Beispiel eine E-Mail gekommen ist oder dergleichen, "schläft" Puzzle
Bobs ein. Alle Soundkanäle werden freigegeben, und es kann sofort auf der
Workbench gearbeitet und später das Spiel genau an dieser Stelle
fortgesetzt werden. Genial.
Screenshot:
Und trotzdem gibt es Leute, die dieses Spiel hassen werden! Nämlich die
Partner der Leute, die wie gebannt vor dem Screen hängen und rufen: "Nur
noch fünf Minuten, Schatz!" Puzzle Bobs macht süchtig. Und dadurch, dass es
wirklich auf fast alle Bedürfnisse zugeschnitten werden kann, kommt jeder
in den Genuss, und es wird auch nicht langweilig. Hoffentlich kommt der
sogenannte GFX-Guide bald auf deutsch. Denn wie gesagt: Es lassen sich auch
Level selbst gestalten, und dies ist die Anleitung dazu. Da die aber auf
englisch ist, habe ich mich noch nicht herangewagt.
Denn hier ist das bisher einzige Manko: Es gibt nur einen Levelset. Dieser
setzt sich zwar aus mehreren Bildschirmen zusammen, aber wenn man mal alle
durchhat, fehlt halt Nachschub. Aber der wird bestimmt bald in Form von
selbstgestalteten Levels kommen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Der Kauf des Spieles lohnt sich für alle, die ein
gutes Gameplay zu schätzen wissen und eh nicht viel von Schlaf oder
zwischenmenschlichen Beziehungen halten (denn davon wird es in nächster
Zeit nicht allzu viel geben). Und wer immer noch nicht sicher ist, kann
sich ja mal das Demo herunterladen.
Aber gerade nach der letzten Preisermäßigung meine ich, dass es schon drin
wäre, den Amiga-Spielemarkt durch den Erwerb dieser Vollversion zu
unterstützen. ;-)
Jürgen Theiner <Juergen.Theiner@t-online.de>
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