2. Hintergrundbericht: Das Handbuch (von Michael Christoph)

Bereits in der letzten Ausgabe war im Zwischenruf ein recht lustiger,
aber auch interessanter Text veröffentlicht. Sicher hat jeder erraten,
worum es dabei ging: um das leidige Thema Handbuch.

Wird es von den Computerzeitschriften in den Bewertungen immer noch
bemängelt, wenn es fehlt, landet es bei den meisten Benutzern unbeachtet
in einer Ecke. Dabei könnte der Benutzer durchaus Interessantes erfahren.
Aber auch im PC-Markt ist es heutzutage nicht mehr üblich, eine gedruckte
Anleitung beizulegen. Also sollten auch einmal die Redakteure umdenken
und ein "Disketten-Handbuch" gleichwertig beurteilen.

Zwar sollte sich ein Programm immer selbst erklären und intuitiv zu 
bedienen sein, aber nur wenige Programme sind so klein, dass sich dieses 
Ziel erreichen lässt. Oftmals sind bereits die Möglichkeiten des Programms 
so umfangreich, dass diese nur durch das Lesen des Handbuches bekannt 
werden.

Aber bereits die Fähigkeiten der Benutzer werfen scheinbar unüberbrückbare
Konflikte auf. So ist grob zwischen Anfängern (oft auch fehlende Erfahrung
im Umgang mit dem Computer im Allgemeinen), Fortgeschrittenen (für sie ist
lediglich das Produkt neu) und Expertern (sie kennen bereits ähnliche
Produkte) zu unterscheiden.

Während also ein Einsteiger erwartet, dass er jeden einzelnen Maus- und
Tastendruck einzeln erklärt bekommt, erwarten Fortgeschrittene und Experten
lediglich eine schnelle Funktionserklärung zum Produkt. Sie wollen sich
nicht durch zig Zeilen lesen müssen, nur um zu erfahren, wie beispielsweise
neue Daten erfasst werden können.

Ein eigenes Kapitel über die Benutzeroberfläche und deren Bedienung im
Speziellen hilft dem Einsteiger, sich im Programm zurechtzufinden. Hier 
muss noch ausschweifend jeder Maus- und Tastendruck vorgegeben werden.
Ein Trainingsteil kommt dann allen Benutzergruppen zu gute. Dort sollten
anhand verschiedener Szenarien die Bedienung und typische Arbeitsabläufe
erklärt werden. Dabei sollte nur noch beschrieben sein, über welchen
Menüpunkt sich die Funktion auslösen lässt, nicht jedoch, wie ein Menü
ausgewählt wird. 
Ein abschließender Referenzteil hilft, auch später noch durch einfaches
Nachschlagen einzelne Programmfunktionen nachlesen zu können. Hier ist
das Augenmerk auf eine umfangreiche Beschreibung der Funktionalität und
Möglichkeiten zu legen. Verweise auf den Trainingsteil reichen aus, um
die Benutzung der Funktion nachzuschlagen.
Ein Stichwortverzeichnis bzw. Index sollte das Handbuch abschließen, um
schnell die gewünschte Information auffinden zu können.

  Erstellt der Handbuch-Autor ein gutes Handbuch, dann sparen Hunderte
  oder Tausende Benutzer eine Menge Zeit und Nerven!

Umgekehrt muss aber auch gesagt werden, liest jeder Benutzer das Handbuch,
bekommt er/sie einen Überblick über die Fähigkeit des Programms und all
seiner Möglichkeiten. Zusätzlich wird man mit dem neuen Programm schnell
Erfolgserlebnisse erfahren.

In der Regel wird man heute lediglich noch eine gedruckte 
Installationsanleitung vorfinden. Das Handbuch selber liegt dann auf 
Festplatte vor.
Beim Amiga ist dabei das eigene AmigaGuide-Format geeignet, aber auch
immer mehr HTML-Anleitungen sind anzutreffen. Dieses Format ermöglicht
eine bessere Formatierung und auch das direkte Einbinden von Grafiken.
Es erfordert aber auch einen Browser zum Anzeigen.

Auch für ein "digitales Handbuch" gelten dieselben Punkte wie oben 
angesprochen. Zusätzlich besteht noch die Möglichkeit, Verweise als Links
zu realisieren, wodurch mit einem einfachen Mausklick an die Verweisstelle 
gesprungen werden kann. Dabei sollten aber nicht zu viele Links vorhanden 
sein, da sonst der Leser gerne zum "Springen" zwischen den Seiten neigt, 
jedoch nicht mehr den (vollständigen) Inhalt wahrnimmt.

Liegen die Anleitungen (evtl. zusätzlich) im modernen PDF-Format vor,
können sie nicht nur am Bildschirm gelesen werden, sondern auch identisch
ausgedruckt werden.

Verstehen sollte man aber auch im Speziellen die Softwareentwickler im
Amiga-Bereich. Hier wird meist der Autor des Produkts zum Schreiben des
Handbuches herangezogen oder zumindest für ein Funktionsgerüst. 
Gedruckte Handbücher erfordern darüber hinaus das Layouten (Setzen) des
Textes sowie (evtl. mehrere) Probedrucke und auch Korrektuhrlesen erfordert 
seine Zeit. Verständlich, dass bei den geringen Auflagen im Amiga-Markt 
diese Zusatzkosten gerne eingespart werden.
Dagegen wäre auch nichts zu sagen, wenn das Handbuch die oben 
angesprochenen Punkte erfüllen würde. Viele Handbücher enthalten aber 
leider nur das Notwendigste. Und dieses "wenige" ist oft auch noch recht 
technisch (also aus Programmierersicht) geschrieben, was vom Anwender daher
oft nur schwer verstanden wird. Kein Wunder also, wenn dieser lieber die 
Hotline "terrorisiert", als stundenlang das Handbuch zu wälzen. 

Bleibt abschließend also nur noch der Wunsch, dass die Handbücher 
sorgfältig erstellt werden und die Benutzer sie auch lesen.

Michael Christoph <michael@meicky-soft.de>