2. Kurztest: RC-FTPd - »The best ftp server for Amiga«? (von Uwe Pannecke)

Ein FTP-Server auf dem Amiga

1. Markige Sprüche

Ganz "bescheiden" preist Robin Cloutman sein Baby "RC-FTPd" als "The best 
ftp server for Amiga". Markige Sprüche und großspurige Ankündigungen im 
Zusammenhang mit dem Amiga scheinen über die Jahre inflationär zuzunehmen. 
In gleichem Maße wächst offensichtlich auch die Anzahl der Windeier. Ob der 
FTP-Server in die letztere Kategorie gehört oder eher realistisch von 
seinem Autor beschrieben wird, kann in diesem Kurztest sicher nicht 
endgültig geklärt werden. Ob er brauchbar ist, sollte aber allemal 
feststellbar sein.
Getestet wurde RC-FTPd 2.51 auf einem A3000D unter AmigaOS 3.9, 36 MByte 
RAM, MC68040-CPU und einer RetinaZIII mit Picasso96. Als FTP-Clients 
mussten unter Win9x/ME Opera 6 und WS-FTP 5, unter Linux neben wiederum 
Opera 6 KBear, IglooFTP sowie Konqueror und unter QNX PhFTP herhalten. 


2. Systemanforderungen

Der FTP-Server ist sehr bescheiden in seinen Ansprüchen. Neben AmigaOS mit 
Workbench 2.1 und aufwärts benötigt er lediglich 2 MByte RAM und ein 
installiertes MUI 3.8 einschließlich Lamp.mcc, NList.mcc und Textinput.mcc. 
Natürlich sollte auch ein TCP/IP-Stack, wie etwa Miami, AmiTCP oder Genesis 
(eigentlich ja auch nur ein verkleidetes AmiTCP), im AmigaOS implementiert 
sein - es sei denn, Ihr wollt nur mit einem lokalen FTP-Client auf dem 
eigenen Rechner über "localhost" fleißig Daten auf diesem Rechner von einem 
Verzeichnis in ein anderes hin- und herschieben... 


3. Installation

Alle erforderlichen Dateien könnt Ihr als LHA-Pakete aus dem Aminet [1] 
fischen. Für die eigentliche Grundfunktion reicht zwar das Paket 
"rc_ftpd.lha" bereits aus, doch macht der Download der beiden zusätzlichen 
Pakete durchaus Sinn, hat Robin Cloutman doch in "rc_ftpd_cpu.lha" speziell 
für den MC68040 und MC 68060 kompilierte Versionen des Servers und in 
"rc_ftpd_loc.lha" Dokumentation und Lokalisierungsdateien für den Server 
u.a. in deutscher Sprache abgelegt.
Nachdem alle LHA-Pakete in ein gemeinsames Verzeichnis entpackt sind, kann 
bei Bedarf der Installer die Implementierung des Servers einschließlich 
Sprachanpassung vornehmen.

Screenshot:
Screenshot

Ungeduldige können aber bei bereits laufendem TCP/IP-Stack auch aus dem 
Verzeichnis heraus den Server unmittelbar starten. Sollte noch kein TCP/IP-
Stack aktiviert sein, wird sich RC-FTPd über diesen Misstand beschweren. 
Bevor nun der Amiga als Datenquelle dienen kann, muss der Server erst den 
eigenen Wünschen entsprechend konfiguriert werden.


4. Konfiguration

Ein Mausklick auf den "Einstellungen"-Button in der rechten oberen Ecke des 
RC-FTPD-Hauptfensters öffnet das Konfigurationsfenster. Wer bisher noch 
wenig Kontakt mit FTP & Co. hatte, ist spätestens jetzt gut beraten, einen 
tieferen Blick in die Anleitung zu werfen. Alle wesentlichen Details sind 
dort zum Teil mit erklärenden Abbildungen erläutert. 

Doch sind die Ausführungen recht knapp gehalten, und einige Feinheiten 
erschließen sich erst in einem Versuch-Irrtum-Verfahren beim Test der 
einzelnen Einstellungen. Auch weist die deutschsprachige Anleitung im 
AmigaGuide-Format einen Fehler auf: Alle Abbildungen sind mit einem 
falschen Namen eingebunden und können so nicht im Guide angezeigt werden. 
Doch der Fehler lässt sich leicht ausbessern. Entweder, Ihr benennt die 
Bilder im "Docs"-Verzeichnis von "ftpd_xx.iff" in "pic_xx.iff" um, oder Ihr 
ändert die entsprechenden Links in der Amigaguide-Datei 
"ftpd_deutsch.Guide" mit einem beliebigen Editor von beispielsweise 
"pic_Users.iff" in "ftpd_Users.iff" und verfahrt analog mit den restlichen 
Links.

Da der FTP-Server wissen muss, welche User mit welchen Rechten auf die 
bereitgestellten Daten zugreifen dürfen, könnt Ihr neben allgemeinen 
Informationen zum RC-FTPd im Konfigurationsfenster auf sehr komfortable 
Weise ebenjene User mit ihrem Namen und einem Passwort festlegen. Außerdem 
bestimmt Ihr per Mausklick, welcher Gruppe der User angehören soll. 
Insgesamt 16 Gruppen sind möglich, wobei ein User auch mehreren Gruppen 
zugeordnet werden kann. 

Screenshot:
Screenshot

Die eigentlichen Zugriffsrechte auf die Dateien werden durch sogenannte 
Gruppen bestimmt. Indem Ihr nun die User den gewünschten Gruppen zuordnet, 
bestimmt Ihr damit gleichzeitig auch deren Rechte. 

Welche Zugriffsrechte die Gruppen auf Dateien haben, klärt der 
Konfigurationspunkt "Gruppen". Dort legt Ihr unter "Pfad" das Verzeichnis 
auf dem Server fest, welches Dateien zur Verfügung stellen soll, der 
Eintrag unter "Alias" gaukelt dem FTP-Client einen Verzeichnisnamen vor, in 
dem er die abgelegten Dateien vorfinden wird. 

Screenshot:
Screenshot
 
Im Screenshot ist beispielsweise zu sehen, dass die Daten eigentlich unter 
"Work2:Daten" liegen, für den FTP-User erscheinen sie aber unter "/pub".
Bei der Rechtevergabe ist es etwa möglich, einem User lediglich Leserechte 
einzuräumen oder ihm bei Bedarf auch zusätzlich Schreibrechte zu gewähren. 
Ein weiterer Knopf bestimmt, ob darüber hinaus auch Dateien auf dem Server 
gelöscht werden dürfen, ein letzter Knopf legt fest, ob der User auch in 
eventuell vorhandenen Unterverzeichnissen abtauchen darf.
Die Zugriffssteuerung für ein Datei-Verzeichnis kann gleichzeitig mehrere 
(im Extremfall alle 16) Gruppen mit jeweils unterschiedlichen Rechten 
berücksichtigen.

Die mit weißer Schrift hervorgehobenen Konfigurationspunkte "Getrennt", 
"Grüße", "Willkommen" und "Tschüß" geben Euch die Möglichkeit, bei 
bestimmten Interaktionen der Clients mit dem Server dem FTP-Client eine aus 
Eurer Sicht passende Nachricht zu übermitteln. Eine nette Zugabe, um den 
User beispielsweise über den Serverzustand oder eine erfolgreiche Einwahl 
zu informieren. Doch sollte man bei der inhaltlichen Gestaltung der 
Mitteilungen berücksichtigen, dass nicht jeder FTP-Client diese Nachrichten 
auch darstellt.  

Das Hauptfenster bietet als unteren Abschluss mit einem alternierenden 
Schalter die Möglichkeit, den Server gezielt online zu schalten oder auch 
zu deaktivieren, ohne das Programm selbst beenden zu müssen.


5. Einsatz

RC-FTPd erwies sich im Testeinsatz als leistungsfähiger FTP-Server mit 
einer sehr komfortabel konfigurier- und bedienbaren Oberfläche. Im gesamten 
Testzeitraum arbeitete er ohne jeden Absturz. Alle vorhandenen FTP-Clients, 
bis auf eine Ausnahme, fanden mit dem Server eine gemeinsame Sprache.

Screenshot:
Screenshot

Lediglich IglooFTP baute zwar eine Verbindung zum Server auf, stellt die 
Verzeichnisse jedoch in zerstückelter Form dar, ein gezielter Zugriff auf 
einzelne Dateien war nicht möglich. Da alle anderen Clients mit RC-FTPd 
zusammenarbeiteten, wird die Ursache für die Disharmonie zwischen IglooFTP 
und dem Server wohl eher beim Client zu suchen sein. 

Im RC-FTPd-Hauptfenster kann die Aktivität aller eingeloggten User 
anschaulich mitverfolgt werden. Ein einblendbares Statistikfenster bietet 
zusätzliche Informationen über den Serverbetrieb.

Screenshot:
Screenshot


6. Fazit
 
Ob RC-FTPd nun wirklich der beste FTP-Server auf dem Amiga ist, darüber 
lässt sich sicher streiten. Auf jeden Fall ist er ein interessantes und 
leistungsfähiges Stück Software. Hinzu kommt, dass ein mitgeliefertes 
Keyfile für die Versionen 2.x eine kostenlose und zeitlich unbegrenzte 
Nutzung aller Programmfunktionen der Shareware ermöglicht. 
Wer auf der Suche nach einem gleichermaßen komfortablen und 
praxistauglichen FTP-Server für den Amiga ist, sollte sich unbedingt einmal 
Robin Cloutmans [2] Programm näher anschauen.
Und da der Autor nach eigenen Aussagen emsig am Nachfolger arbeitet, darf 
man schon gespannt sein auf RC-FTPd 3.0.  


[1] http://ftp.uni-paderborn.de/aminet/aminet/comm/tcp/rc_ftpd_xx.lha 
[2] E-Mail: rycochet@rycochet.demon.co.uk

Uwe Pannecke <Uwe.Pannecke@t-online.de>