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1991 brachte Imageworks eines meiner absoluten Lieblingsspiele für den Amiga heraus: Mega Lo Mania, programmiert von Sensible Software, brachte mich dazu, ganze Tage und Nächte vor dem Rechner zu verbringen und alles um mich herum zu vergessen. Liebevoll gepixelte Grafiken, atmosphärische Musikstücke, glasklare Sprachausgabe und nicht zuletzt das süchtig machende Spielprinzip hatten mich in ihren Bann gezogen. Ich entwickelte mich innerhalb von wenigen Tagen zum "Megalomanic".
Die Story:
Die Hintergrundgeschichte ist zugegebenermaßen etwas wüst: Es geht darum, dass vier Möchtegern-Götter um ihre Beförderung als ewige Gottheit spielen. Dieses Spiel nennt sich nun Mega lo Mania und wird in der "gigantischen Glaskugel an der Spitze des Universums, in der alle neuen Planeten geschaffen und betreut werden" ausgetragen. Mhm, ich frage mich gerade, welche Drogen solche Hintergrund-Stories verursachen? ;-) Egal, die Rolle eines dieser Semi-Götter übernimmt der Spieler.
Das Spiel:
Mega lo Mania ist ein Echtzeit-Strategiespiel, in dem neue Technologien entdeckt, Bodenschätze ab- und Gebäude (Mine, Labor, Fabrik, etc.) aufgebaut werden müssen, um letztendlich bewaffnete Einheiten, Verteidigungsvorrichtungen oder Reparatureinheiten zu kreieren, mit deren Hilfe alle anderen Computergegner ausgelöscht werden müssen.
Das Spiel besteht aus insgesamt zehn zeitlichen Epochen (Epoche = Level). Angefangen von der Steinzeit, über das Mittelalter bis zur Gegenwart und Zukunft ist so ziemlich alles vertreten und durch das sich ständig wandelnde Waffenarsenal als auch die unterschiedlichen Architekturen in jeder Epoche durchweg spannend.
Jede dieser Epochen, ausgenommen der letzten, wird aus 3 Inseln gebildet, die vom Spieler allesamt erobert werden müssen, um das Passwort für die nachfolgende Epoche zu bekommen.
Die letzte Epoche bildet eine Ausnahme, doch dazu mehr, weiter unten im Text.
Eine Insel besteht aus verschieden vielen Feldern, die entweder der Spieler oder die Gegner erobern können, um dort weitere Bodenschätze abzubauen und folglich mehr bewaffnete Einheiten zu erstellen.
Wurden alle Gegner auf einer Insel vernichtet, hat man die Insel erobert und kann das Spiel auf einer weiteren Insel fortsetzen, solange bis alle Inseln einer Epoche erobert wurden.
Alle die oben genannten Tätigkeiten müssen mit der größtmöglichen Geschwindigkeit ausgeführt werden, um gegenüber den Computergegnern (also den anderen Gott-Anwärtern) immer einen technologischen als auch - in Sachen "Waffenarsenal" - quantitativen Vorsprung zu haben. Die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung, des Abbaus von Bodenschätzen als auch der Produktion von Gegenständen wird durch die Größe der eingesetzten Bevölkerung bestimmt. 100 Menschen bekommt jeder Spieler pro Epoche gratis.
Man kann nun Teile des Bevölkerungs-Reservoirs auf einer Insel einsetzen, um diese zu erobern. Wurden zum Beispiel 20 Menschen auf eine Insel gesetzt, können 5 Menschen auf dieser Insel neue Technologien entdecken und weitere 5 irgendwelche Bodenschätze abbauen. Haben die restlichen 10 Menschen nichts weiter zu tun, fangen sie an, sich zu vermehren. Die daraus resultierenden Nachkommen können nun wieder an der Entdeckung neuer Technologien, zur Bewachung des eigenen Gebäudes, der Produktion, zum Abbau von Bodenschätzen oder der Eroberung leerer oder feindlicher Felder eingesetzt werden.
Beteiligen sich mehrere Computergegner am Kampf um eine Insel, kann man versuchen, mit diesen ein Bündnis einzugehen. Natürlich können sich auch die Computergegner gegen den Spieler verbünden, was den Sieg nicht gerade vereinfacht. Wurde eine Insel erobert, verbleibt die dort eingesetzte Bevölkerung inklusive deren Nachkommen auf dieser, und man muss für die nächste Insel wieder auf sein Bevölkerungs-Reservoire zugreifen. Wurden aber für eine gesamte Epoche beispielsweise nur 60 Menschen benötigt (z.B. 20 Menschen pro Insel), werden die restlichen 40 in der nächsten Epoche zu den geschenkten 100 dazu addiert. Der Spieler hat dann also 140 Menschen zur Verfügung, um die nächste Epoche (oder die nächsten 3 Inseln) zu meistern. Man sollte also durchaus mit den pro Insel eingesetzten Menschen knausern, da spätere Epochen teilweise enorme Mengen "Manpower" benötigen. Wird der Spieler auf einer Insel geschlagen, kann der Kampf um dieselbe Insel so oft wiederholt werden, bis sie endgültig erobert wurde.
Ziel:
Das Spielziel ist die Eroberung der letzten Insel "Mega lo Mania". Diese Insel ist die einzige, die es in der 10. und damit letzten Epoche gibt. Um allerdings überhaupt auf dieser Insel spielen zu dürfen, muss in vorherigen Epochen ein Teil der Bevölkerung für diesen letzten Kampf reserviert werden. Dies geschieht, indem die Bevölkerung auf einem Spielfeld kurzerhand eingefroren wird. Besitzt der Spieler z.B. auf einer Insel mehrere Spielfelder, und ist der Feind gnadenlos unterlegen, kann ein Spielfeld in einen Gefrierschrank verwandelt werden.
Spieler als auch Gegner können dann nichts mehr mit diesem "Gefrierschrank- Spielfeld" anfangen. Es kann weder erobert noch vernichtet werden. Voraussetzung ist allerdings, dass sich auf dem entsprechenden Spielfeld keine weiteren Technologien mehr entwickeln lassen und dass das Einfrieren durch die möglichen Technologien der zeitlichen Epoche überhaupt gewährleistet ist. Für einen Neandertaler oder Ritter dürfte Kryotechnik wohl kaum ein Begriff sein. ;-) So ist es erst ab etwa der 6. oder 7. Epoche überhaupt möglich, Kämpfer für Mega lo Mania zu bunkern. Auf Mega lo Mania selbst können keine weiteren Technologien mehr entwickelt werden. Jeder Kämpfer erhält eine kleine Laserpistole, mit der er gegen den Feind antreten muss. Wenn der Spieler Glück hatte, haben die Computergegner in früheren Epochen "vergessen", Kämpfer für die letzte Insel zu reservieren, und Mega lo Mania fällt widerstandslos in die Hände des Spielers.
Systemvoraussetzungen/Installation:
Das Spiel wurde für die damals üblichen Rechner entwickelt, auf zwei kopiergeschützten Trackloader-Disketten ausgeliefert und hat demzufolge gewisse Probleme mit "modernen" Amigas. Die originale Diskettenversion lässt sich mit Einschränkungen auf einem Amiga mit OCS und 512 KByte Chip- RAM spielen. Auf einem 1MByte-OCS-Rechner können zusätzliche Soundeffekte verwendet werden. Eine Festplatteninstallation ist aufgrund des Disketten- Trackloaders nicht ohne weiteres möglich. Auch eine Sicherungskopie der beiden Originaldisketten ist ohne zusätzliche Hardware unmöglich. Unter [1] lässt sich aber ein WHDLoad-Installer downloaden, der es ermöglicht, Mega lo Mania auf Festplatte zu installieren. Allerdings benötigt man dafür einen Amiga, der kein Problem mit Trackloader-Disketten hat, sprich: Ein A1200 aus Escom-Produktion ohne entsprechenden Floppyfix ist für die Installation ungeeignet. Wurde die Hürde der Festplatteninstallation gemeistert, kann das nun auf Festplatte gespeicherte "MegaLoMania"- Verzeichnis auch unter WinUAE verwendet werden. Wichtig bei Verwendung unter WinUAE ist, dass die Amiga-Soundemulation eingeschaltet ist. Ist sie es nicht, bleibt das Spiel kurz nach dem Intro hängen. Dank WHDLoad kann das Spiel dann aber immer noch mit einem entsprechenden Quit-Key restlos aus dem Speicher entfernt werden. Die WHDLoad-Version benötigt mindestens 1 MByte Chip-RAM. Mega Lo Mania wurde übrigens auch in einer Version für Atari ST und MS-DOS-PCs veröffentlicht.
Bezugsquelle:
Aufgrund des Alters wird man Mega lo Mania nur noch auf dem Flohmarkt oder bei diversen Internet-Auktionshäusern finden. Sicherlich lässt sich auch auf einschlägigen "Abandonware"-Seiten eine entsprechende Version finden, doch dürfte das nicht legal sein, da mir bisher noch keine Information zu Ohren gekommen ist, dass Mega lo Mania von Imageworks oder Sensible Software zum kostenlosen Download freigegeben wurde. Ach, und meine deutsche Original-Version ist übrigens unverkäuflich. ;-)
Christian Aichinger <christian@aakt.de>