5. Nachbetrachtung zu Payback
Da sage noch jemand, der Amiga hätte keine Neuentwicklungen mehr auf dem
Spielemarkt vorzuweisen. Payback beweist das Gegenteil! Das Spiel beglückte
die Käuferschaft zwar schon 2001, aber zahlreiche Updates mit gravierenden
Neuerungen rechtfertigen doch einen zweiten Blick darauf.
Bei Payback handelt es sich um ein Spiel im Stil von "Grand Theft Auto"
(GTA), bei dem man in die Rolle eines Ganoven schlüpfen darf. Man blickt
von oben auf das Geschehen und steuert seine Figur durch eine Stadt, immer
auf der Suche nach einem Auftrag. Die erhält man, wenn man sich zu einem
klingelnden Telefon begibt. Mal soll man Autos klauen, mal darf man die
böse Konkurrenz ausschalten, mal einfach auch in Schumis Fußstapfen treten
und ein Rennen fahren. Für erfüllte Aufträge gibt es dann Punkte, von denen
man eine bestimmte Anzahl benötigt, um in die nächste Stadt zu gelangen.
Damit das ganze nicht zu einfach wird, wer hätte es gedacht, heftet sich
die Polizei früher oder später an unsere Fersen und verfolgt uns. Flüchten
kann man entweder zu Fuß oder mit einem der zahlreichen Autos, denen man
sich zwischendurch bemächtigen kann. Flotte Flitzer findet man darunter
genauso wie Eiswagen, Tanklaster oder auch Busse.
Wer aber gar nicht an Flucht denken mag, der darf unterwegs diverse Waffen
einsammeln, mit denen man den Ordnungshütern (und natürlich allen und allem
anderen) einheizen kann. Die Palette reicht da von Pistolen über
Schrotgewehre und Flammenwerfer bis hin zu Raketenwerfern und Handgranaten.
Wer es jedoch übertreibt, der ist schnell der meistgesuchteste Mann auf
seiner Insel und muss überall mit Straßensperren rechnen. Wird man dann
erwischt oder segnet gar das Zeitliche, dann ist eines der Leben futsch.
Im Gegensatz zum "Vater" GTA gibt es aber auch einige Unterschiede. Bei
Payback gibt es zum Beispiel nicht nur Autos zu stehlen, sondern abhängig
vom Level auch Boote und Hubschrauber. Das "Gesucht"-System ist auch ein
wenig anders. Während man bei GTA ständig auf der Fahndungsliste steht,
wenn man ein gewisses Maß an Straftaten begangen hat, verliert die Polizei
bei Payback das Interesse, wenn man sich lange genug verstecken kann.
Neben der besseren Grafik gibt es bei Payback dann aber auch noch diverse
Nettigkeiten, die man bei der "Vorlage" nicht findet. Allen voran zu nennen
ist der Mehrspieler-Modus, bei dem man sich per Splitscreen gegenseitig
beharken darf (eine Internet- bzw. Netzwerkversion ist leider nicht
geplant). Außerdem darf man seine Schandtaten sogar aufzeichnen und für die
Nachwelt festhalten.
Wem die mitgelieferten Stadtkarten auf Dauer zu langweilig werden, findet
auf der Website des Programmierers [1], James Daniels, zahlreiche weitere,
allerdings bisher nur für den Mehrspieler- bzw. Verwüstungs-Modus.
Falls jemand immer noch nicht genug hat, kann er sich auch mit dem
Mapeditor eigene Spielplätze schaffen. Möglich sind dabei natürlich auch
die bei GTA nicht vorhandenen Nacht- und Schneelevel, auch
Einzelspielerkarten mit Aufträgen sind möglich!!! Hilfestellung bekommt man
dazu über eine Maiilingliste [2].
Soweit so gut, das alles galt auch für die Urversion von Payback. Die
Updates haben aber kleine bis große Neuerungen gebracht. Die Spielfigur hat
z.B. gelernt, automatisch auf die Fahrerseite zu gehen, wenn man sich ein
Vehikel ausborgen will. Vorher musste man das selbst erledigen.
Außerdem lässt sich nun die Belegung von Tastatur, Joystick oder Joypad
(auch Playstation-Pads werden über einen Adapter unterstützt) frei nach
eigenen Wünschen ändern. Kleine Goodies sind auch entflammbare Gebäude oder
schreiende Passagiere von gekaperten Bussen.
Mit Update 4 begannen dann die wirklichen Einschnitte, allen voran die nun
vorhandene Unterstützung des PowerPC. Höhere Auflösungen sind damit auch
kein Problem mehr. Eingebaut wurde auch Gourard Shading, das die Optik
merklich verbessert hat.
Besonders hervorzuheben ist außerdem der "Rotating Mode". Normalerweise ist
es so, dass die Karte fixiert ist und sich die Spielfigur darauf bewegt.
Bei diesem optionalen Modus ist es aber so, dass die Spielfigur immer "nach
oben" schaut, sich dafür aber die Karte dreht und man abhängig von der
Geschwindigkeit mal von direkt oben, mal aber auch von schräg hinten auf
die Szenerie blickt. Das ganze muss man aber in Aktion gesehen haben, macht
sich wirklich gut. Nötig dafür ist aber eine 3D-Karte mit Warp3D oder ein
PowerPC-Prozessor.
Es wird übrigens auch noch mindestens ein achtes Update geben, das neben
verbesserter Warp3D-Unterstützung auch noch andere neue Features bringen
soll.
Nicht umsonst ist Payback in mehreren Umfragen Spiel des Jahres 2001
geworden, es ist wirklich grandios und niemand dürfte den Kauf bereuen!
Schade, dass die Verkaufszahlen dennoch nicht zufriedenstellend sind.
Vielleicht ändert sich das ja mit der angekündigten AmigaAnywhere-Version,
die vom Programmierer voraussichtlich im April oder Mai fertiggestellt
wird. Im Gegensatz zur AmigaOS-Version wird diese statt 8Bit-Grafiken
16Bit-Grafiken verwenden und außerdem einen netten Kamera-Schüttel-Effekt
beinhalten. Es wird damit möglich sein, unterwegs auf seinem PDA seine
Bekannten zu beeindrucken, aber auch auf dem Desktop, sofern die
AmigaAnywhere-Software Standard-Auflösungen wie z.B. 800x600 unterstützt.
Seitens Payback gibt es da keine Beschränkungen auf PDA-Screen-Größe.
Bleibt zu hoffen, dass AmigaOS 4 genug Anhänger finden wird, denn James
Daniels ist nicht nur vom AmigaAnywhere angetan, sondern blickt unserem
langersehnten neuen Betriebssystem auch positiv entgegen. Vielleicht gibt
es dann noch viele Updates für Payback, die das Gute noch besser machen.
Mehr Informationen findet man auf der Website von Apex-Designs oder auch
auf der deutschsprachigen Website von Amigalien [3].
Abschließend noch einmal: definitiv kaufenswert!
[1] http://www.apex-designs.net
[2] http://groups.yahoo.com/group/amiga_payback/
[3] http://www.amiga-payback.de.vu/
Oliver Tacke <oliver@aakt.de>
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