4. Review: The Feeble Files (Floyd)

Diesmal geht es um einen kleinen Kerl, der etwas pummelig ist und nichts 
als Ärger macht (Nein! Nicht ich!): Floyd. Epic Interactive bringen mit 
"The Feeble Files" oder halt "Floyd" in der deutschen Version die 
inoffizielle Fortsetzung von Simon heraus. Natürlich wird die Story nicht 
fortgesetzt, aber Adventure Soft haben es geschafft, mit Floyd einen 
würdigen Nachfolger von Simon zu schaffen. Aber der Reihe nach:
Das Spiel wird in einer schicken DVD-Hülle ausgeliefert. Die Aufmachung ist 
perfekt. Es liegen zwei CDs und ein gedrucktes Handbuch bei. Auf der CD 
befindet sich noch ein Ordner mit der kompletten (englischsprachigen) 
Komplettlösung und zehn Speicherständen der schwierigsten Rätsel. Aber die 
sollte man natürlich nur im Notfall einsetzen.
Die Installation wird bequem per Installer ausgeführt und belegt schlappe 
550 MByte (ohne Spielstände) auf der Festplatte. Man wird am Anfang 
gefragt, welche Sprache man haben will, der Rest funktioniert von allein. 
Achtung: Es wird keine eigene Schublade angelegt, den Feeble-Ordner müßt 
ihr selbst erstellen.
Es ist klar, daß man bei so einer Datenmenge während der Installation schon 
mal einen Kaffee trinken kann. Danach findet ihr aber zwei schicke Icons 
auf eurer Workbench. Einmal die 68k- und die PPC-Version (ja, Clickboom, 
die PPC-Version ist gleich mit dabei. ;-)
Der erste Brüller meinerseits kam, als ich den Icon anklickte (laßt euch 
überraschen). Ohne lange Voreinstellung geht es auch schon los.

Screenshot:
Screenshot

Überblick über die Gemeinde

Dieser kurze und informative Abschnitt ist für alle Bürger gedacht, die 
noch nicht eingehend mit dem Lebensstil vertraut sind, den das Omnibrain 
für sie geschaffen hat. Das Omnibrain erachtet alle Lebensformen als seine 
Bürger, die es liebt und um die es sich kümmert. Dies trifft auch auf die 
nicht assimilierten Bürger von Klasse-B-Planeten zu, die, obwohl sie noch 
nicht zur Gemeinde gehören, nichtsdestotrotz als Konzern-Bürger eingestuft 
werden - ob sie nun wollen oder nicht.
Die klassenlose Gemeinde der Omnibrains ist in Ministerien unterteilt, und 
alle Bürger müssen in einem davon dienen. Als wichtigstes Ministerium gilt 
das Kontrollministerium, welches vom Onmibrain speziell zum Schutz der 
Bürger gegen verräterische Kräfte geschaffen wurde, die von außen 
versuchen, das harmonische Leben der Gemeinde zu stören.
Die Mitglieder dieses Ministeriums werden als Vollstrecker bezeichnet, und 
ihnen muß zu jeder Zeit Gehorsam und Respekt entgegengebracht werden. 
Weitere Ministerien sind das Vernehmungsministerium (verantwortlich für die 
Befragung verdächtiger, subversiver Induvidien), das Forschungsministerium 
(welches mit der verantwortlichen Aufgabe betraut ist, das Leben der Bürger 
durch die Entwicklung immer neuer Bio-Präparate beglückend zu gestalten) 
sowie das Ministerium für galaktische Unsicherheit. Letzterem obliegt es, 
die noch nicht assimilierten Randgebiete der Galaxis zu beobachten und zu 
betreuen.
Denken Sie daran, Bürger: Das Omnibrain ist immer und überall. Zu Ihrer 
eigenen Sicherheit und Ihrem Schutz wacht es über Sie Tag und Nacht und 
hält so alle bösen Einflüsse von Ihnen fern.

Screenshot:
Screenshot

Lobet und preiset das Omnibrain

Soviel die Einleitung im Handbuch (verspricht ja schon einigen Spaß), 
wenden wir uns nun dem Spiel zu. Nach dem obligatorischen Einblenden der 
Logos startet das Intro. Ein genialer Film (komplett deutsch!) führt uns in 
das Geschehen ein und zeigt uns, dass Floyd oben genannte Bestimmungen 
nicht so ganz beherzigt. Allein im Intro verstößt er gegen fünf 
Vorschriften!
Bei Feeble Files handelt es sich um ein Point-and-Click-Adventure im Stil 
von Monkey Islands oder eben Simon. Im Gegensatz zu den genannten Spielen 
fällt auf, daß am unteren Ende die Inventarleiste sowie die Verben (Geh, 
nimm, benutze...) fehlen. Statt dessen blickt man auf ein fantastisches 
640*480-Fullscreen-Hintergrundbild. Es ist zum größten Teil animiert, und 
die Geräuschkulisse fügt sich optimal in das Gesamtbild ein. Ebenso ist der 
Übergang zwischen Filmen und Spiel fließend, so daß auch Zuschauern ein 
Riesenspaß geboten wird. Aber wie steuere ich jetzt Floyd (Feeble) durch 
die über 80, zum Teil scrollbaren Locations, um hinter das Geheimnis um die 
Rebellion gegen Omnibrain zu kommen?
Ich denke mal, die beste Methode ist es, den ersten Teil einmal gemeinsam 
durchzuspielen. Wer also Wert darauf legt, das Spiel hundertprozentig 
allein durchzuzocken, sollte direkt zum Fazit springen.
Wir befinden uns im Ministerium für galaktische Unsicherheit. Der erste 
Blick führt uns zuerst ins "Oracle", eine Datenbank und 
Objektverwaltungssystem. Dies ist das Herzstück des Spiels. Von jeder 
Location aus kann man dorthin gelangen, indem man das Zeichen oben links 
anklickt.
Hier sieht man das vorhandene Inventar, man kann speichern, laden oder das 
Spiel verlassen. Es gibt eine Enzyklopädie über alles, was man wissen 
sollte, sie wird automatisch fortgeführt. Eine Statistik zählt alle in der 
Mission gebrochenen Vorgaben auf (wie gesagt: jetzt schon fünf). Der 
wichtigste Knopf ist der SET-Knopf. Gerade Anfängern empfehle ich, hier die 
Objektbezeichnung einzuschalten. Fährt man mit dem Mauszeiger (der Hand) 
über ein "aktives" Objekt, wird die Bezeichnung angegeben. Standardmäßig 
ist dies nicht der Fall. Für Adventureneulinge läßt sich hier auch die 
sogenannte INFO-Funktion aktivieren mit der man sehen kann, was als 
nächstes gemacht werden muß (in diesem Fall: von der Station herunterkommen 
- aber wie, ohne Fahrzeug?). Wir verlassen das ORACLE und schauen uns mal 
um. Es ist kein Gegenstand aktiv, also gehen wir ins Haus. Dafür bewegen 
wir den Zeiger auf die Tür und drücken die linke Maustaste. Floyd geht in 
diese Richtung, in diesem Fall also ins Gebäude.
Wow. Wie cool der animiert ist, und selbst in der 68k-Version ziemlich 
ruckelfrei. Sobald unser Held durch die Tür tritt, beginnt ein kleiner 
Film, der zeigt, wie kaputt alles ist. Wie eingangs schon erwähnt, sieht 
das alles wirklich spitze aus. Und vor allen Dingen: komplett deutsche 
Sprachausgabe in Topqualität! Aber zurück zum Geschehen - als erstes fällt 
wahrscheinlich jedem die Puppe ins Auge. Die will ich mir mal näher 
anschauen. Mit dem Mauszeiger darüberfahren, rechte Maustaste drücken, und 
die Hände verwandeln sich in ein Auge  mit Lupe. Linke Maustaste gedrückt, 
schon erfahren wir, daß es sich um Floyds liebstes Souvenir handelt. Also 
schnell eingesteckt: rechte Maustaste zweimal drücken, und sie verwandelt 
sich in eine nehmende Hand. So funktioniert das ganze also! Durch Drücken 
der rechten Maustaste wird der Zeiger so verwandelt, daß er die benötigten 
Aktionen darstellt, einfach passende auswählen und mit der linken Taste 
ausführen.
Also wird als nächstes der "Anrufbeantworter" abgerufen. Hier zeigt sich 
schon die gehörige Portion Humor, die in den Dialogen steckt und Dank der 
deutschen Sprachausgabe auch vollends zur Geltung kommt. "Bürger, du hast 
drei Nachrichten. Sage START zum Abhören, ansonsten sage STOPP. " - "Man, 
du brauchst dringend ein Update." - "Entschuldigung, ich habe nicht 
verstanden. Sage START zum Abhören, ansonsten..." - "S T A R T!". In dieser 
Art sind viele der Dialoge. Echt witzig. Im übrigen sind zwei der 
Nachrichten von deiner Mutter (Schuldgefühle) und eine vom Händler, der dir 
sagt, daß dein Motorrad heute geliefert wird. Und in der Tat: Sobald du 
nach draußen kommst, steht dort dein Flitzer. Du kannst hier weg! NEIN. So 
einfach ist Feeble Files wirklich nicht. In dem Schrank findest du einen 
Helm, aber selbst das ist nur die halbe Miete - du brauchst eine 
Motorradjacke. Aber beim besten Willen ist keine zu finden. Stopp. Deine 
Puppe hat eine. Mmmmmh.
Und jetzt kommt eines der ersten Rätsel. Wir schauen uns den Teleporter 
einmal genauer an (Icon mit Lupe): Kaputt. Er könnte die Moleküle ganz 
schön durcheinanderbringen. Aber ein Versuch ist es wert. Ich gehe ins 
ORACLE und klicke mit rechts solange auf die Puppe, bis der Mauszeiger sich 
in eine Hand mit zwei Bällen (benutze mit) verwandelt. Nachdem ich dies mit 
links bestätige, verwandelt er sich in ein Fragezeichen. Ich verlasse das 
ORACLE und klicke mit dem Fragezeichenmauspointer auf den Teleporter. 
Voila! Feeble legt die Puppe darauf, schaltet an, und die Puppe vergrößert 
sich. Ich nehme die Jacke, die die Puppe trägt und die Puppe selbst in mein 
Gepäck. Ab jetzt ist es nur noch Formsache. Im ORACLE benutzt man die Jacke 
(Hand mit einem Ball). Feeble zieht sie an, und dann fliegt man weg. 
(Benutze Motorrad). So, ab jetzt seid ihr am Zug, ich will ja auch nicht 
alles allein machen. Aber ihr merkt, daß die Steuerung zwar am Anfang etwas 
Übung benötigt, man dann aber sehr schnell damit zurecht kommt.

Screenshot:
Screenshot

Was soll ich sagen? Epic Interactive haben es geschafft und Simon II 
(übrigens auch von Epic ;-) ) vom Thron gestoßen. Und alle übrigen 
Adventures gleich mit. Jetzt höre ich die Nightlong-Generation aufstöhnen. 
Gut, die Grafiken von Nightlong sind in der Tat hochwertiger, aber dafür 
muß man sich auch auf einem 68k-Rechner mit einem kleinen Fenster 
zufriedengeben und für eine PPC-Version extra in die Tasche greifen. Und 
witziger finde ich nun wirklich Floyd. Ich gebe zu, da kann man sich 
streiten, also einigen wir uns zwischen den beiden auf ein Unentschieden. 
Aber Floyd (The Feeble Files) lohnt sich allemal. Und nicht nur für Leute, 
die Monkey Island, Simon und Co. nächtelang gezockt haben (die kommen 
sowieso nicht um Feeble herum), sondern für alle, die mal wieder ein 
richtig gelungenes Stück Software in den Händen halten wollen. Und der 
Support ist auch klasse. In meiner Version ließen sich die Videosequenzen 
nicht beenden. Ich habe Thomas Steiding von Epic daraufhin angemailt, und 
der teilte mir mit, daß ein Patch hierfür schon in der Mache ist (ich habe 
eine erste Betaversion des Patches - es geht!). Aber nun muß ich Schluß 
machen, meine Grafikkarte lechzt nach den schönen Bildern, und meine Boxen 
freuen sich auf den tollen Sound und die wahnsinnige Sprachausgabe. Einzig 
mein Hirn ist an manchen Stellen etwas überfordert, aber für diejenigen, 
die absolut nicht weiterwissen, gibt es ja auch noch die Hilfefunktion 
(Infos zur weiteren Vorgehensweise), zehn Spielstände der schwierigsten 
Rätsel (natürlich gelöst) sowie eine Komplettlösung (nur englisch - hurra, 
ich habe etwas Negatives gefunden). Also über Motivationsprobleme kann sich 
niemand beschweren. Zumal es immer witzige Einfälle wie Zwischenspiele, 
Cutscenes und Sachen wie Personenwechsel gibt. Da spielt man dann zum 
Beispiel noch einen  Roboter und kann mit F7 zwischen den Charakteren 
wechseln. Knifflig. Ihr seht: der Kauf lohnt sich. Und an alle 
Softwarepiraten ein mahnendes: Bürger, denken Sie immer daran: Das 
Omnibrain ist immer und überall!

Screenshot:
Screenshot

Jürgen Theiner <Juergen.Theiner@t-online.de>