Abschließend
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Moderne Amiga-Zeiten - oder: 1 + 1 = 0 (von Carsten Schröder)

Wir befinden uns in einer schnelllebigen Welt: So plötzlich, wie im Februar 
die öffentliche Diskussion um AMIGA und Microsoft aufgeflammt ist, so 
unvermittelt war sie Mitte März auch schon wieder passé. Grund dafür war 
natürlich nicht, dass sich die User in dieser Frage mit einem Mal einig 
geworden wären - die "Diskutanten" hatten vielmehr ein besseres Thema 
gefunden: Den AmigaOne alias AmigaOne.5 alias AmigaOneG3-SE. Denn das 
angekündigte PowerPC-Mainboard, welches vom Distributor Eyetech innerhalb 
von drei Tagen mit ebenso vielen unterschiedlichen Namen tituliert wurde 
(möglicherweise ein Fall für das Guinness-Buch der Rekorde), scheint nun 
tatsächlich fertiggestellt zu sein. Ja, es geschehen offenbar doch noch 
Wunder...
Jetzt wartet Eyetech eigenen Angaben zufolge nur noch auf das AmigaOS 4.0. 
Bleibt zu hoffen, dass die Amiga-Welt in diesem Zusammenhang nicht noch 
eine böse Überraschung erlebt. Denn bislang ist von der PowerPC-Version des 
Amiga-Betriebssystems noch nichts Greifbares zu sehen, nicht einmal 
Screenshots - die soll es angeblich spätestens Mitte April geben.
Selbst wenn die Entwicklung des AmigaOS 4.0 bereits weit vorangeschritten 
ist, so besteht dennoch die Gefahr, dass unvorhergesehene Probleme die 
Veröffentlichung noch einmal wesentlich verzögern. Dass Hyperion-Chef Ben 
Hermans zwar eigenen Angaben zufolge stark mit einem Erscheinen im Mai 
rechnet, aber sofort hinzufügt, dass die Entwicklungsdauer einer neuen 
Software schwer vorhersagbar ist, klingt für mich wie ein Versprechen mit 
eingebauter Im-Voraus-Entschuldigung, für den Fall, dass der Termin doch 
wieder nicht eingehalten werden kann.
Nicht viel besser sieht es jedoch auf der anderen Seite der PowerPC-"Front" 
aus. Denn dort mangelt es zwar nicht am Betriebssystem (immerhin ist 
MorphOS ja nachweislich lauffähig, wenn auch unter Verwendung Copyright-
geschützter AmigaOS-Bestandteile), dafür lässt jedoch die Hardware 
(Pegasos) noch immer auf sich warten. Wenn man bplan Glauben schenkt, wird 
sich das Mitte Mai definitiv ändern - doch ich frage mich, wie es dem 
Unternehmen möglich ist, eine solche Terminankündigung vorzunehmen. Denn 
wenn es derzeit irgendeinen Grund dafür gibt, dass Pegasos jetzt noch nicht 
ausgeliefert werden kann - so ist ja ganz offensichtlich die Sachlage -, 
dann kann auf keinen Fall mit vollkommener Sicherheit vorhergesagt werden, 
dass dieser Grund sechs Wochen später nicht mehr existiert. Somit heißt es 
im Fall von Pegasos auch weiterhin: Abwarten und Tee trinken.
Derzeit erleben wir also die paradoxe Situation, dass sowohl ein Amiga-
PowerPC-Mainboard (eben AmigaOneG3-SE) als auch ein Amiga-kompatibles und 
(zumindest in Teilen) PowerPC-natives Betriebssystem (MorphOS) existieren, 
welche jedoch nicht zueinander kompatibel sind - obwohl dies technisch 
zweifellos recht schnell zu ändern wäre. Da sich nicht abschätzen lässt, 
wie lange dieser Zustand noch anhält, wäre es das Beste, wenn sich die 
beiden Seiten, Eyetech sowie Ralph Schmidt/Frank Mariak, aufeinander 
zubewegen und für Kompatibilität ihrer Projekte zueinander sorgen würden. 
Denn den allermeisten Anhängern des Amiga-PowerPC-Weges ist es im Grunde 
genommen egal, ob ihre Hardware AmigaOne oder Pegasos und ihr 
Betriebssystem AmigaOS oder MorphOS heißt - entscheidend ist, dass die 
Kombination sie zufriedenstellt.
Für die User würde die Möglichkeit, Hardware und Betriebssystem beliebig zu 
kombinieren, so wie es im x86-Bereich gang und gäbe ist, ohnehin den 
Optimalfall darstellen - aber ob es wirklich so kommt, darf angesichts der 
mangelnden Kooperationsbereitschaft vieler Firmen im Amiga-Bereich wohl 
bezweifelt werden: Zwar hat AMIGA, Inc. angekündigt, dass das AmigaOS 4.0 
auch auf Pegasos und anderer PowerPC-Hardware laufen soll - MorphOS dagegen 
wird nach derzeitigem Stand der Dinge (zumindest offiziell) ausschließlich 
zu dem bplan-Mainboard kompatibel sein.
Mich erinnert das frappierend an die Monopolstrategie Apples, welche zum 
Ziel hat, andere Hardwarehersteller daran zu hindern, MacOS-kompatible 
Computer auf den Markt zu bringen. Ob ein solcher Weg allerdings auch im 
winzigen Amiga-Bereich Erfolg haben kann, halte ich für äußerst fraglich.


Damit bis zur nächsten Ausgabe,

euer

Carsten Schröder