Große Eisberge vom Schelfeis gelöst

Große Eismassen lösen sich vom antarktischen Schelfeis. (Foto: NSIDC)

Große Eismassen sind in den letzten Tagen vom Schelfeis der antarktischen Halbinsel abgebrochen. Forscher machen eine lokale Klimaänderung dafür verantwortlich.

Eisberge mit einer Gesamtfläche von 2600 Quadratkilometern (etwa so groß wie das Saarland) sind vor einigen Tagen vom nördlichen Larsen-Schelfeis der antarktischen Halbinsel abgebrochen. Dies berichtet das Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung unter Hinweis auf aktuelle Satellitendaten. Nach Angaben der Polarforscher begünstigt eine Klimaänderung im Bereich der antarktischen Halbinsel den Eisbruch.

Gestörtes Gleichgewicht

Schelfeise sind auf dem Meer schwimmende Eisplatten, die vom Inlandeis gespeist werden. Sie sind zwischen 200 und 1000 Meter dick und fest mit dem Inlandeis verbunden. Gewöhnlich fließt genauso viel Eis von der Landseite her nach wie durch das Abbrechen (Kalben) von Eisbergen auf der Seeseite verloren geht.

Doch das Larsen-Schelfeis, das sich in einer Bucht auf der Ostseite der antarktischen Halbinsel befindet, wird seit Jahren immer kleiner. Seit 1986 ging die Gesamtfläche von 15.500 Quadratkilometer auf nunmehr 4500 Quadratkilometer zurück. Um diesen Verlust auszugleichen, wäre eine Kälte-Periode von mindestens 500 Jahren notwendig.

Lokale Klimaänderung

Verantwortlich für den drastischen Rückzug ist eine Klimaänderung im Bereich der antarktischen Halbinsel. Die mittlere Sommertemperatur in diesem Gebiet liegt nahe null Grad Celsius. Ein regionaler Temperaturanstieg um etwa zwei Grad ließ während der letzten dreißig Jahre große Mengen Schnee schmelzen. Durch das Schmelzwasser entstehen Risse im Schelfeis, die im Laufe der Jahre wachsen. Die starken Westwinde in dieser Gegend lösen schließlich das Kalben der Eisberge aus.

Das Larsen-Schelfeis ist für die Forschung besonders interessant, weil an ihm erstmals das Schwinden eines Schelfeises detailliert studiert werden kann. So haben Untersuchungen in den letzten Jahren gezeigt, dass die dahinter fest aufliegenden Gletscher ohne vorgelagertes Schelfeis schneller abfließen und so zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen können. Die Eisberge aus dem Schelfeis hingegen lassen den Meeresspiegel nicht steigen, weil schon das Schelfeis im Wasser schwimmt.

Sauerstoff-Mangel im Südlichen Ozean

Mehr als die Hälfte des Tiefenwassers der Weltmeere wird im südlichen Polarmeer aufgefrischt. Doch der ozeanischen «Lunge» droht der Sauerstoff auszugehen. In den Tiefen des Südlichen Ozeans schwindet der Sauerstoff. Das folgern australische Forscher aus Klimasimulationen und Daten zweier Forschungsexpeditionen. Damit droht ausgerechnet der «Lunge» der Weltmeere die Luft auszugehen.

55 Prozent des Tiefenwassers, das die Weltmeere regeneriert, stammt aus dem Südlichen Ozean. Grund genug für die Forschung, dem Meeresgebiet rund um die Antarktis besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Bei zwei Expeditionen des australischen CSIRO (Commonwealth Scientific & Industrial Research Organisation) konnten in den Jahren 1995 und 2001 Daten gesammelt werden, die die Simulationen der Meeresforscher bestätigten.

«Nach unseren Klimasimulationen nimmt der Sauerstoffgehalt in Tiefen zwischen 500 und 2500 Metern kontinuierlich ab», so Richard Matear vom CSIRO. «Die Ergebnisse der beiden Expeditionen untermauern diese Vorhersage.» Nach Ansicht der Wissenschaftler schwindet der Sauerstoff, weil immer weniger sauerstoffreiches Wasser in den Ozean gelangt.

Über die Auswirkungen des Sauerstoffschwunds auf die maritime Tier- und Pflanzenwelt können die Forscher noch keine Aussagen machen. Entsprechende Untersuchungen stehen noch aus.

Ozonloch durch Vulkanausbrüche

Neue Computer-Berechnungen lassen befürchten, dass auch über dem Nordpol ein Ozonloch entsteht. Forscher machen vor allem Vulkanausbrüche dafür verantwortlich.

Vulkanausbrüche könnten in naher Zukunft ein Ozonloch über dem Nordpol verursachen. Das ist das Ergebnis einer Studie von US-Wissenschaftlern in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift «Proceedings of the National Academy of Science». Die Forscher befürchten, dass das Ozonloch über der Arktis in spätestens dreißig Jahren ähnlich groß sein könnte wie über dem Südpol.

Wolken aus Schwefelsäure

Seit 1980 beobachten Wissenschaftler eine je nach Jahreszeit unterschiedlich stark ausgeprägte Schädigung der Ozonschicht über dem Südpol. Ein vergleichbares Ozonloch über dem Nordpol wurde bislang noch nicht gemessen. Bei der Auswertung von Satellitendaten und Luftaufnahmen vom Nordpol stießen Azadeh Tabazadeh und seine Kollegen vom «Nasa Ames Research Center» jetzt auf Hinweise, die eine ähnliche Entwicklung auch für die arktische Ozonschicht befürchten lassen.

«Innerhalb der nächsten dreißig Jahre wird es wahrscheinlich ein 'vulkanisches Ozonloch' über der Arktis geben», so Tabazadeh. Schuld daran sind Schwefelteilchen, die bei Vulkanausbrüchen in die Atmosphäre geschleudert werden. In großer Höhe formieren sie sich zu Wolken aus Schwefelsäure, die an der Ozonschicht nagen. Unterstützt werden sie in ihrem Zerstörungswerk durch so genannte «Polare Stratosphärische Wolken» aus Salpetersäure und Wasser, die sich bei besonderer Kälte in der Atmosphäre bilden.

«Wenn starke vulkanische Aktivität und besonders kalte arktische Winter zusammenkommen, müssen wir mit einem arktischen Ozonloch rechnen», so Tabazadeh. Besonders schwefelreiche Eruptionen wie der Ausbruch des philippinischen Vulkans Pinatubo 1991 haben die Ozonschicht über beiden Polen bereits in der Vergangenheit geschädigt.

«Das Material aus einem Vulkanausbruch verbreitet sich weltweit», erläutert der Wissenschaftler. «Bei Computersimulationen der Pinatubo-Eruption verteilten sich die Emissionen innerhalb weniger Monate bis in die Stratosphäre über dem Nordpol.» Nach der Pinatubo-Explosion verzeichneten Nasa-Satelliten steigenden Ozonverlust auch über der Arktis.

Auch das schnelle Anwachsen des antarktischen Ozonlochs in den frühen achtziger Jahren wurde durch Vulkanausbrüche begünstigt. Bis zu 70 Prozent des Ozonverlustes führen die Forscher auf vulkanische Emissionen zurück. Womit der Einfluss des Menschen auf die Schädigung der Ozonschicht jedoch nicht unbedingt kleingerechnet werden soll. «Der steigende Ozonverlust über beiden Polen beruht auf einer Kombination von Vulkanausbrüchen und klimatischen Veränderungen», so Tabazadeh. Und letztere, darauf deuten viele Daten der letzten Jahre hin, werden entscheidend vom Menschen beeinflusst.

Autor:   Wolf Zimmer E-Mail: wolf@wozim.de Homepage: http://www.wozim.de