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Früher oder später kriegen wir euch...
Kaum ein Thema hat die Amiganer in der letzten Woche mehr bewegt als die Ankündigung, daß sich Microsoft für AmigaDE interessiert.
Natürlich kann auch ich bei so einer Sache nicht den Mund halten und muß meinen Senf dazu geben.
Als ich die Nachricht las, wußte ich zuerst einmal wirklich nicht, was ich davon halten soll. Deshalb fing ich erst einmal damit an, mir Gedanken über die Beweggründe von AMIGA, Inc. zu machen. Und die scheinen ja auf der Hand zu liegen: Geld. Nachdem man sich anscheinend mit Nokia einig ist, daß das AmigaDE dort auf den neuen Handys läuft, ist mit Microsoft der nächste große "Partner" gefunden. Aus marktwirtschaftlicher Sicht ist es sicher richtig, sich immer an den Ersten zu orientieren. Und dann sagten mir auch einige Leute, daß sie stolz darauf seien, daß so ein Riese wie MS sich überhaupt mit dem kleinen Zwerg Amiga abgibt. Nun, wie gesagt, im VWL- Unterricht würde ich sagen: gut gemacht!
Trotzdem blutete mir innerlich das Herz. Da habe ich seit über 10 Jahren einen Rechner bei mir, den ich in mühevoller Kleinarbeit (und unter Einsatz beträchtlicher Geldmittel) hege und pflege, während sich mein Bruder jedes Jahr einen neuen Rechner kauft und die alten Teile einfach verscherbelt. Er läuft mit einem Microsoft T-Shirt herum, während ich stolz auf meine Amiga- Socken und den Wintel-Outside-Aufkleber bin. Es tut halt gut, etwas Besonderes zu sein!
Das Problem ist halt folgendes: Natürlich muß AMIGA, Inc. Geld machen, um wettbewerbsfähig zu sein. Und ich glaube, daß es noch nicht einmal die Tatsache ist, daß sie auf dem Microsoft-Stand AmigaDE vorführen, sondern eher die Frage: Ist das überhaupt noch Amiga?
Wie definiert sich Amiga? Ist es Pflicht, daß es eines der "alten" Motherboards sein muß (eventuell halt mit Erweiterungen) oder ist die Plattform komplett egal (eben auch x86 z.B.)? Oder soll es doch eine komplett neue Hardware sein, die sich aber wie seinerseits der Classic- Amiga durch spezifische Merkmale von der Masse abhebt? Oder ist selbst das kein Amiga mehr?
Ich glaube, der Aufruhr geht nicht nur gegen Microsoft (obwohl das an und für sich schon ein guter Grund ist) sondern ist einfach die Art der meisten User, sich mit der Tatsache abzufinden, daß es "den Amiga" auf kurz oder lang nicht mehr gibt. Für mich persönlich ist es halt so, daß das Motherboard, welches seit Jahren für mich den Dienst verrichtet, "mein Amiga" ist. Lösungen wie Amithlon sind halt wirklich gut und helfen wahrscheinlich auch, den Spirit noch ein paar Jahre in die Zukunft zu befördern, aber ich persönlich werde versuchen, den Tag, an dem ich meinem Amiga den Saft abklemmen muß, um irgendeinen neuen Computer (egal was da kommt, egal mit welcher Software) in Betrieb zu nehmen, hinauszuzögern.
Ja, ja, ich weiß. Diese Einstellung verhindert den Fortschritt. Man kann nicht immer am Alten festhalten, man muß auch schon mal loslassen, um neuen Sachen den Einzug zu ermöglichen. So halten viele das OS 4 für absolut überflüssig, weil es keine Innovation darstellt, um neue Kunden zu gewinnen oder gar alte Amiga-User wiederzuholen. Ich persönlich halte dies allerdings für nicht ganz richtig. Ich freue mich auf das neue OS, um noch einmal das letzte aus meinem alten Amiga herauszuholen. Wenn dann irgendwann einmal dieses OS auf einer neuen Plattform läuft, wird mir der Übergang wesentlich leichter fallen. Aber zu diesem Thema gibt es wahrscheinlich zig verschiedene Ansichten, deshalb würde ich mich freuen, wenn ihr uns so viele Mails wie möglich hierzu schickt (aakt@aakt.de) Wie steht ihr zu dem Ganzen?
Lange Tage und angenehme Nächte,
Euer
Jürgen Theiner <juergen.Theiner@t-online.de>