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Der Zwischenruf (von Ralf Driesner)

Ich bin klein. Mein Herz ist rein.

Es gibt Tage, an denen man die Welt nicht mehr versteht. Der Kaffee ist goldblond, obwohl man sich sicher zu sein scheint, keine Milch in die Brühe geschüttet zu haben. Man findet dünne Fadennudeln in der selbstgebrauten Nudelsuppe, obwohl man dem unerschütterlichen Glauben verfallen war, Makkaroni-Chips in das mit Pulver gefärbte Suppenwasser gegeben zu haben. Und zu guter Letzt liest man, dass ausgerechnet AMIGA ein Gastspiel an einem Microsoft-Messestand haben soll.

Was ist nur los auf dieser kosmischen Kartoffel, in Expertenkreisen auch Erde genannt? Ein Blick aus dem Fenster zeigt noch dasselbe besch...eidene Wetter wie am Vortag. Der Nachbar macht auch noch genauso Radau, wie ich es von ihm gewohnt bin (er beschimpft seinen Hund mit Worten, die wir an dieser Stelle aus Rücksicht auf die katholische Kirche nicht wiederholen wollen). Und das Stadtteil-Werbe-Käseblatt ist - wie immer - ein mit Wasser durchtränkter, trauriger und höchst übelriechender, aus dem Briefkasten halb heraushängender Zellstofflappen.

Der astrologisch beeinflusste Teil meines Großhirns scheint also unbegründet Alarm geschlagen zu haben. Die Mondphase ist ok. Und wir werden auch nicht von Aliens unterminiert. Zum Teil scheinen die aktuellen Ereignisse unter der Karteikarte "Zufall" abgehackt werden zu können.

Die Story mit Microsoft und AMIGA will mir jedoch nicht ganz aus dem Kopf gehen. Welche Strategie steckt dahinter? Nun, es gibt verschiedene Szenarien. Sehen wir uns diese im einzelnen an:

1.

Microsoft will Amiga(-technologie) auf- oder einkaufen. Das meistverkaufte Betriebssystem der Welt soll also ausgerechnet an einer nicht in der Praxis erprobten und bewährten Technik anknüpfen. Milliarden Dollar Forschungsgelder werden ausgegeben, um dann ausgerechnet für 'n Appel und 'n Ei den Kniff der Menschheitsgeschichte in Form von AmigaDE-Technologie zu integrieren? Unwahrscheinlich.

2.

Ein simpler Schreibfehler, der die ganze Amiga-Welt an den Rand des Herz-, Hirn- und Ohrinfarkts führt. An jeder Ecke liegt ein röchelndes Etwas mit einem kleinen BoingBall-Sticker auf der linken Brust. Wie fahrlässig....

3.

Microsoft möchte zeigen, wie einfach multiple Anwendungen und Oberflächen auf seinem neuen PDA-Betriebssystem gehostet werden können. AMIGA möchte zeigen, dass keine Rechnerplattform, auch kein PDA, mehr vor dem AmigaDE sicher ist. Simpel und portabel programmiert. Klein und effizient genug, um es auch den Großen zu zeigen. Clever...!

Der treue Zwischenruf-Leser, an die unverfälschlich einfache Denkweise des Schreibers gewöhnt, wird sicher sofort die richtige Antwort herausgefunden haben. Keine der drei Varianten erscheint sehr realistisch. Obwohl Ziffer 2. gewisse Bezüge zur Realität.....na ja, lassen wir das.

Zunächst ist's wie immer im Leben....David kämpft gegen Goliath. Wir kennen die Zukunft eben nicht. Und wenn sich die beiden ausgetobt haben wird's bei einer Maß Milch so richtig zünftig.

Beim Stichwort Milch fällt mir ein, dass ich die, abgelenkt durch die Köter-Schelte meines Nachbarn, vor dem Kaffe in die Tasse geschüttet habe. Und Makkaroni-Chips stehen zwar auf der Einkaufsliste aber eindeutig nicht im Küchenschrank. Alzheimer sei Dank; die Welt ist doch in Ordnung. Auch wenn das mit diesem pitschnassen Werbeblatt nun nicht unbedingt notwendig gewesen wäre.....

Lebt lang und erfolgreich!

Euer

Ralf Driesner <global-dries@gmx.de>

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