<< Inhalt >> Testberichte Inhalt

Tests und Erfahrungsberichte

1. Kleine Helfer für den Amiga-Alltag (von Christian Aichinger)

Willkommen zu den "Kleinen Helfern" im März. Bin ich eigentlich der Einzige, dem aufgefallen ist, daß die Aminet-Uploads immer weniger und unregelmäßiger ausfallen? Ich hoffe doch, daß sich diese Situation in den nächsten Monaten wieder bessert. Nichtsdestotrotz gibt es diesmal Reviews über die Utilities PC2Am und PS3Mrec.

Viel Spaß beim Lesen!

PC2Am:

Wenn man sich mal so die Preise und Verfügbarkeit von Netzwerkkarten für Amiga-Rechner anschaut, wird es so manchem Anwender, der seinen Amiga mit einem PC vernetzen möchte oder muß, ganz kalt und heiß. Abgesehen davon, ist wohl die komplizierte Konfiguration von Samba und TCP/IP nichts für jedermann. Dasselbe dürfte sich auch Michal Kara, der Autor von PC2AM, gedacht haben und hat daraufhin begonnen, ein Softwaresystem zu programmieren, um Amiga-Rechner auf einfachste Weise und mit Hilfe der seriellen oder parallelen Schnittstelle mit dem PC zu verbandeln.

Es wird also nichts weiter als ein serielles oder paralleles Nullmodemkabel benötigt, das bei jedem PC-Händler für ca. 10 EUR zu bekommen ist. Technisch ambitionierte und besonders sparsame Anwender dürfen sich sogar am Zusammenbau eines eigenen parallelen Kabels versuchen. Die genaue Pinbelegung wird in der englischsprachigen AmigaGuide-Anleitung beschrieben. Der Amiga benötigt desweiteren mindestens Kickstart 2.0. Auf dem PC wird ein MS-DOS 6.0 kompatibles Betriebssystem benötigt.

Was macht PC2Am nun eigentlich? PC2Am ist eine Art Gerätetreiber/Dateisystem, das den PC unter AmigaOS wie eine eigene Festplatte einbindet. Der Amiga fungiert hier sozusagen als Master und der PC als Slave (also so, wie sich das auch gehört ;-)). PC-Laufwerke wie A:, C: und E: werden unter AmigaOS als Unterverzeichnisse des PC-Laufwerks dargestellt.

Screenshot

Die Installation und Konfiguration der benötigten Dateien und Treiber erfolgt für jeden Rechner getrennt. Die etwas umfangreichere Installation und Konfiguration auf der Amiga-Seite wird komplett durch ein sehr komfortables Installerscript geregelt. Der Anwender muß nur angeben, ob beide Rechner über die parallele oder die serielle Schnittstelle miteinander verbunden sind, alle anderen Optionen sind auf Standardwerte eingestellt, die nur in den seltensten Fällen geändert werden müssen.

Falls ein serielles Nullmodemkabel verwendet wird, muß zusätzlich noch der Treiber und die entsprechende Unit für die Schnittstelle oder Schnittstellenkarte ausgewählt werden. Auf einem Amiga, an dem nur die originale Schnittstelle zur Verfügung steht, muß das serial.device ausgewählt werden. Falls eine MultifaceCard 3 verwendet wird, handelt es sich dabei um das duart.device und bei einer Silversurfer um das silversurfer.device oder hypercom1.device. Näheres zu den Gerätetreibern einer Schnittstellenkarte kann der (hoffentlich) beiliegenden Anleitung entnommen werden.

Bei Verwendung der parallelen Schnittstelle hat man leider keine weiteren Optionen, denn es wird nur der serienmäßig eingebaute Parallelport des Amigas unterstützt. So kommt man leider nicht in den Genuß, auf die höhere und zuverlässigere parallele Schnittstelle einer Hypercom oder MFC3 zurückzugreifen.

Falls zu einem späteren Zeitpunkt die Verbindung zwischen Amiga und PC geändert werden soll (z.B. von seriell auf parallel oder umgedreht), kann sich der Anwender einfach wieder dem Installerscript "ConfigPC" bedienen. Es wird also zu keinem Zeitpunkt vom Anwender erwartet, daß er "per Hand" den DOS-Driver-Eintrag ändern muß.

Die Installation auf dem PC erfolgt ähnlich unkompliziert. In der PC2AM- Distribution befindet sich ein Unterverzeichnis namens "PutToPC", in dem sich sämtliche auf der PC-Seite benötigte Dateien befinden. Dieses Verzeichnis muß einfach auf eine PC-formatierte Diskette und danach auf die Festplatte des PCs kopiert werden. Die Konfiguration erfolgt mit dem DOS- Programm "PC2AMCFG.EXE", das sich in dieser Schublade befindet.

Dieses Programm erkundigt sich beim Anwender, ob es sich um eine serielle oder parallele Verbindung handelt. Im Fall einer seriellen Verbindung muß zusätzlich der Port (möglich sind COM1 bis COM4), die Baud-Rate (diese muß mit der auf der Amiga-Seite gewählten Geschwindigkeit übereinstimmen) und ein Interrupt (PC2AM selektiert automatisch den Default-Interrupt) angegeben werden. Falls eine parallele Verbindung besteht, muß noch der parallele Port (LPT1 oder LPT2) und die Art des verwendeten Kabels (siehe oben) angegeben werden.

Screenshot

Nachdem die Konfiguration auch auf dem PC erledigt wurde, kann es losgehen. Zuerst muß das Client-Programm auf dem PC gestartet werden. PC2Am liefert dazu mehrere Versionen mit. PC2AMDEB.EXE ist eine Debug-Version, die im normalen Betrieb nicht zum Einsatz kommen sollte. Die Version PC2AMRES.EXE wird resident unter MS-DOS eingebunden - die aktuelle Konsole wird also für weitere Eingaben nicht blockiert. Allerdings sollte der Anwender davon absehen, dieses Programm unter irgendeiner Windows-Version zu verwenden. Dieses Programm ist nur korrekt funktionsfähig, wenn es unter einer echten DOS-Umgebung gestartet wird.

Im Normalfall sollte das Programm PC2AMIGA.EXE Verwendung finden. Dieses kann sowohl unter MS-DOS als auch jeglicher Windows-Version (dann allerdings in einer DOS-Box) verwendet werden. Kommt eine Windows-9x- Version zum Einsatz, werden auf der Amiga-Seite auch lange Dateinamen zur Verfügung gestellt. Unter Windows 3.x muß unbedingt darauf geachtet werden, daß das Fenster der DOS-Box in jedem Fall aktiviert bleibt. Falls nicht, kann es zu erheblichen Störungen und Fehlern bei der Datenübertragung kommen. Unter Windows 9x ist dies nicht mehr der Fall, allerdings sollte in den Programmeigenschaften von PC2AMIGA die Leerlaufaktivität auf "Hoch" eingestellt werden.

Nachdem nun der Client auf dem PC läuft, kann auf der Amiga-Seite das PC- Laufwerk angemeldet werden. Dazu wird entweder der DOS-Driver "PC" doppelt angeklickt oder in einer Shell das Kommando "mount pc:" eingegeben. Nach einer kurzen Wartezeit wird ein neues Laufwerk "PC" auf der Workbench dargestellt und der Datenaustausch kann erfolgen. Mit dem Commodity "PC2Amiga", das automatisch nach der Anmeldung in das Amiga-System eingebunden wird, kann sich der Anwender über den Verlauf und etwaige Übertragungsfehler auf dem laufenden halten.

Screenshot

Die Übertragungsgeschwindigkeit hängt von den verwendeten Rechner- Konfigurationen und der Vernetzungsart ab. Die Verbindung über die serielle Schnittstelle ist naturgemäß um einiges langsamer als die über die parallele. Nähere Auskünfte über die Übertragungsgeschwindigkeiten von Amiga zum PC und umgekehrt können mit dem Amiga-Shell-Programm "PC2AmSpeed" ermittelt werden, das der PC2Am-Distribution beiliegt.

Desweiteren möchte ich noch darauf hinweisen, daß auf der Homepage eine etwas aktuellere Version (V3.09c) von PC2Am zum Download bereitsteht. Falls es also mit der Version 3.08 aus dem Aminet Probleme und Übertragungsfehler geben sollte, kann der Anwender auch mit dieser Version sein Glück versuchen.


Autor: Michal Kara 
Aminet: comm/misc/PC2Am308.lha 
Programmversion: 3.08 
Homepage: http://k332.feld.cvut.cz/~lemming/ 
Lizenz: Freeware 
  

PS3Mrec:

Wer hatte noch nie den Wunsch, die Protracker-Module aus der "guten alten Zeit" endlich anstatt nur über Paula auch mal auf dem CD- oder MP3-Player abzuspielen? Die erste Frage, die man sich nun stellt, ist, wie man denn ein Tracker-Modul in ein für das Brennerprogramm oder den MP3-Encoder akzeptables Format bringen kann. Meistens müssen die Ausgangsdaten wenigstens als WAV- oder AIFF-Datei vorliegen, dazu auch noch mit einer Frequenz von 44.1 KHz und unter 16 Bit Sampleauflösung läuft im Allgemeinen sowieso nichts. Wenn man dann auch noch das Pech hat, daß die Audiospuren des Moduls so unglücklich arrangiert wurden, daß vielleicht die Basedrums und Hihats die ganze Zeit auf der linken Kopfhörerseite zu hören sind, die Synthies und Pianos dafür auf der rechten Seite, kann man von einem "Musikgenuß" sowieso nicht reden.

Die Lösung für diese Probleme ist das kleine Shell-Programm PS3Mrec. Ursprünglich als Konverter für ScreamTracker-Module (S3M) konzipiert, kann dieses Programm auch Protracker, Digibooster, Fasttracker (I und II) und Multitracker-Module in 8SVX-, AIFF- und WAVE-Samples konvertieren, die dann z.B. mit einem Sample-Editor weiterverarbeitet oder direkt an einen MP3- Encoder oder ein Brennerprogramm übergeben werden können.

Die Voraussetzungen für den Betrieb an den verwendeten Amiga sind einfach gesagt jede Menge freier Speicherplatz auf der Festplatte. Eine Minute eines Samples in CD-Qualität (d.h. 16 Bit, 44100 Hz, Stereo) benötigen ca. 10 MB Festplattenspeicher. Das Programm soll laut Anleitung sogar ab Kickstart 1.1 funktionieren, was ich aber nicht ausprobiert habe. XPK- komprimierte Module kann PS3Mrec selbständig wieder entpacken, sofern das XPK-System auf dem Rechner installiert wurde. Die Anforderungen sind moderat - es werden etwa 2 bis 3 MB freies RAM benötigt.

Die Installation beschränkt sich auf das Entpacken des Archivs. Das Programm PS3Mrec muß danach nur noch an einen beliebigen Platz auf der Festplatte kopiert werden. Die recht knappe, englische Anleitung beschreibt die Benutzung und alle Parameter recht ausführlich.

Interessant sind die verschiedenen Render-Modi von PS3Mrec. So kann z.B. der Surround-Effekt eines Moduls wesentlich beeinflußt werden. Sollten etwa, wie oben erwähnt, die Audiospuren eines Moduls sehr ungünstig arrangiert worden sein, kann man mittels eines Surround-Rendering-Modus und dem PAN-Parameter dafür sorgen, daß die unterschiedlichen Spuren bis zu einem gewissen Grad ineinander gemixt werden, so daß später auf dem Kopfhörer oder der Stereoanlage davon nichts mehr zu hören ist. Außerdem kann der Lautstärke-Pegel eines Moduls zusätzlich erhöht werden, damit leise Passagen oder Bässe besser herausgestellt werden. Die Ausgabefrequenz kann beliebig geändert werden. So sind Frequenzen von 5 bis 60 KHz für das resultierende Sample möglich. Während der Konvertierung wird in der Shell das aktuelle Modulpattern, die verbleibende Abspielzeit des Moduls und der belegte Speicherplatz ausgegeben. Abgebrochen werden kann die Konvertierung jederzeit mit Ctrl+C.

Screenshot


Autor: K-P Koljonen 
Aminet: music/misc/ps3mrec.lha 
Programmversion: 2.1 
Homepage:  
Lizenz: Freeware 
  

Das war's für diesen Monat. Wer Fehler findet, Vorschläge hat oder Kritik loswerden möchte, schickt mir eine Mail.

Christian Aichinger <christian@aakt.de>

<< >>