<< Inhalt >> Spieleteil Inhalt

7. Oldies but Goldies

---------------------------------------------------------------------------
Elite
---------------------------------------------------------------------------

Wer von den Lesern hatte einen C64 oder Acorn BBC Micro oder TI99 oder...und erinnert sich noch: 1984 (respektive 1985) kam ein Spiel auf den Markt, das eine Revolution im Bereich der Vektorgrafik darstellte: Elite.

Geschrieben von David Braben und Ian Bell, stellte dieses Programm nicht nur eine Sensation im Homecomputer-Grafikbereich dar, es war auch eine programmiertechnische Meisterleistung. In einem unglaublich kleinen Hauptprogramm war ein Spiel versteckt, dessen Spielspaß und -Tiefe Millionen Homecomputer-User nächtelang an den Bildschirm fesselte.

Dabei ist die Geschichte des Spiels recht schnell erzählt:

Der Spieler übernimmt die Rolle eines kleinen Handelskapitäns, der, ausgestattet mit einem ziemlich kleinen Frachtschiff, sein Glück in einem wirklich entlegenen Winkel der Galaxis sucht. Die umliegenden Sonnensysteme sind allesamt nicht besonders aufregend, wenn man von einer Tatsache absieht: Jeder der Sterne in diesem Teil der Galaxis hat aus ungeklärtem Grund jeweils nur einen Planeten!

Das ficht unseren tapferen Handelskapitän aber nicht an, diese Merkwürdigkeit macht ihm das Leben sogar ein wenig einfacher, da er sich nur von einem Planeten je Sonnensystem die Besonderheiten merken muss.

Sinn des Ganzen ist nämlich, wie könnte es anders sein, eine möglichst steile Karriere als Raumschiffkapitän zu machen. Die intergalaktische Raumfahrtorganisation führt über jeden Raumfahrer Buch und stuft ihn, je nach vollbrachten Leistungen und Missetaten, in verschiedene Ränge ein, deren höchster "Elite" ist. Doch bis dahin ist es ein weiter und gefährlicher Weg, denn man ist nicht allein unterwegs im Universum. Da sind die harten, aber fairen Konkurrenten, es gibt Piraten (und natürlich auch Polizei!) und man hat in Gerüchten gehört, dass die gefürchteten Thargoiden nach langer Zeit wieder ihr Unwesen in dieser Galaxis treiben sollen.

Tja, da steht man nun, mit seinem kleinen, aber feinen Raumschiff, und dürstet nach Taten. Schnell erkennt man, dass das eigene Schiff eher spärlich ausgestattet ist und das es noch viel Zubehör dafür zu kaufen gibt. Dumm nur, dass man so wenig Geld hat. Es muss noch einiges an Credits dazukommen, damit man sich allen Komfort für das Schiff leisten kann.

Diese zusätzlichen Credits lassen sich aber auf verhältnismäßig einfachem Weg beschaffen: Man wird zum fliegenden Händler (im wahrsten Sinne des Wortes!). Auf jedem Stützpunkt, der um einen Planeten kreist, kann man die verschiedensten Dinge kaufen und auch verkaufen. Was liegt also näher, als irgendwo in der Umgebung billig einzukaufen und woanders teuer zu verkaufen? Mit ein wenig Glück findet man eine äußerst lukrative Handelsroute, und schon bald hat man genug Credits, um sich gleich ein ganz neues Schiff zu kaufen!

Doch damit nicht genug: Hin und wieder trifft man einen Reisenden, der einem einen "dringenden" Auftrag zur Erfüllung anträgt, natürlich nur gegen ein entsprechendes Salär, versteht sich ;). So ein Auftrag eignet sich vorzüglich dafür, neben Geld auch noch Rangpunkte zu scheffeln, denn meist sind diese Aufträge alles andere als ungefährlich.

Doch wer weiß? Vielleicht liegt einem ein Leben als Pirat doch besser. Kein Problem, ist halt nur ein wenig gefährlicher, schließlich ist die hiesige Polizei nicht auf Fahrrädern unterwegs und die Piloten sind keine blutigen Anfänger...

Soweit ein kleiner Ausschnitt aus der Hintergrundgeschichte zu Elite. Dieser Ausschnitt zeigt bereits, welche unglaubliche Spieltiefe sich dahinter verbirgt. An erster Stelle steht hier wohl das Handelssystem von Elite. Man handelt hier mit den üblichen und bekannten Waren, wie Nahrungsmittel, Computer, Waffen aller Art, Edelsteinen etc. etc. Diese kauft man in einem System ein (billig, versteht sich!) und verkauft sie woanders wieder (muss ich noch was sagen? ;).

Screenshot

Die alten Kämpen werden jetzt schon wieder in Erinnerung schwelgen: Die geradezu gigantische Lose-Blatt-Sammlung mit Preislisten für Elite... es macht nämlich durchaus Sinn, sich die Preise der einzelnen Waren in den einzelnen Systemen zu merken. Die Preise schwanken zwar leicht, aber es gibt auch Schwankungen anderer, größerer Art: Jedes Sonnensystem hat nämlich seine Eigenheiten, die bei der Fauna anfangen und bei der Regierungsform noch nicht aufhören. Jeder dieser Faktoren hat einen Einfluss auf die Preise bestimmter Güter. So sind zum Beispiel Waffen in Systemen sehr gefragt, deren Regierungsform die Anarchie ist (ja, klingt merkwürdig, ist aber so im Spiel beschrieben ;). Systeme, die hochindustrialisiert sind, haben natürlicherweise erhöhten Bedarf an natürlichen Ressourcen wie Früchte, Felle und so weiter. Hier ergeben sich viele Möglichkeiten, das dicke Geld zu verdienen.

Hier kommt übrigens eine weitere programmtechnische Besonderheit von Elite ins Spiel: Es bietet eine unglaubliche Anzahl von Planeten, verteilt über mehrere Galaxien, die alle unterschiedliche Merkmale haben. Es gibt also reichlich zu handeln!

Die nächste Möglichkeit, Geld zu verdienen, ist eher spärlich gesät: Ab und an wird man nach der Landung in einer Station von einem Reisenden oder einem Regierungsbeauftragten angesprochen, der einem einen Auftrag anbietet. Es handelt sich dabei um die verschiedensten Missionen. Angefangen von einem einfachen Termingütertransport über die Suche nach einem bestimmten Gegenstand bis zum gefährlichen Geheimauftrag ist alles dabei. Nach Erfüllung des Auftrages bekommt man den vereinbarten Lohn und, je nach dem ob der Auftrag mit Raumkämpfen verbunden war oder nicht, kann auch noch eine höhere Rangeinstufung dazu kommen.

Zu guter Letzt gibt es noch die Möglichkeit, sich als Pirat zu versuchen. Auch hier kann man gut Geld verdienen, indem man unvorsichtige Händler im Raumkampf besiegt und die verwertbaren Überreste des Raumschiffs einsammelt. Mit ein bisschen Glück ist eine Rettungskapsel mit dem unglücklichen Raumfahrer darin unter den Trümmern. Sklaven sind auf vielen Welten sehr gefragt...

Damit sind wir dann auch beim Rangsystem von Elite. Neben der Notwendigkeit des Geldverdienens gibt es ja noch das Streben nach Ruhm und Ehre (oder nach Furcht und Unehre, wenn man sein Leben als Pirat leben will ;). Wie bereits erwähnt, wird der Spieler im Verlauf des Spiels bewertet, nämlich nach fliegerischem Können und Gesetzestreue. Je mehr Piraten oder andere Angreifer man besiegt, desto höher wird man eingestuft. Diese Rangstufen laufen von "Harmlos" über "Gefährlich" bis "Elite" (mit ein paar Stufen dazwischen). Zusätzlich wird in die Bewertung die Zeit eingerechnet, die man bis zum Sieg über den Gegner benötigt. Der Spieler wird im Laufe des Spiels nämlich feststellen, dass unter den Piraten und vor allem den Thargoiden ziemlich harte Brocken sind, die man nur schwer knacken kann. Je schneller man diese besiegt (und damit vom fliegerischen Können her besser als diese ist), desto mehr Rangpunkte erhält man. Allerdings ist das Programm so gemein (oder so klug), die Rangpunkte im Laufe des Spiels immer stärker nach der Zeit bis zum Sieg und der Klassifizierung des Gegners zu vergeben, so dass ab einem bestimmten Level es nicht mehr ausreicht, möglichst viele (einfache ;)) Gegner zu besiegen.

Das Rechtssystem von Elite ist dagegen relativ einfach gestrickt: Greift man ein Raumschiff an, dass nicht erkennbar ein Pirat ist oder einen selbst nicht angegriffen hat, verstößt man gegen geltendes Recht, was auch im Strafregister festgehalten wird. Genauso wird es gehalten, wenn man Waren in ein Sonnensystem einführt, die laut Preisliste illegal sind. Je nach Anzahl und Höhe der Verstöße kann es einem dann recht schnell passieren, dass man in einem Sonnensystem gleich von der Polizei angegriffen wird, statt von Piraten ;)

Ein Wort zu den Thargoiden: Nach einhelliger Meinung vieler altgedienter Elite-Kämpfer sind diese außergalaktischen Wesen die härtesten Gegner, die man in Elite zu Gesicht bekommt (mit einer Ausnahme, die hier aber nicht verraten wird ;).

Sie treten eher selten auf, dann aber in Gruppen und immer mit einem großen Mutterschiff, dass man nur mit den größeren Geschützen kleinkriegt. Eine kleine Gemeinheit diesbezüglich ist im Programm eingebaut: Ab und an versagt das Hypersprung-System des eigenen Raumschiffs und bringt einen in eine Art Raumblase, wo sich häufig Thargoiden versteckt halten. Man kann sich vorstellen, dass gerade Anfänger hier oft scheitern, die Profis es dagegen darauf anlegen, einen missglückten Hypersprung zu machen...

An der Länge des Artikels merkt man es vielleicht schon: ein wahrer Klassiker. Und jeder darf ihn selbst testen oder wiederentdecken, denn er ist frei erhältlich auf der Website des Programmierers Ian Bell [1].

[1] http://www.iancgbell.clara.net/elite/

Oliver Tacke <oliver@aakt.de>

<< >>