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Fliegende Bälle im weißen
Schnee
Alle Bilder zum Beitrag mit freundlicher Genehmigung von
Graubünden Ferien.
Hinaus in die blühende Natur und mit einem einzigen kräftigen
und gezielten Schlag gleich das Grün erreichen. Das hört sich auf
Anhieb doch recht gut an für jeden Golfer, doch warum muss das
Grün eigentlich immer grün sein? Muss es eben nicht.
Bislang lagen im Winter die sorgsam und bis ins Detail gepflegten
grünen Golferwiesen wie im Winterschlaf unbenutzt unter dem
weißen Schutzmantel. Doch jetzt ist es vorbei mit der Ruhe, selbst
der Winter kann die verrückten Golfer nicht mehr stoppen: Snow Golfing
ist angesagt.
Mit roter Farbe werden die weißen
Bälle schneetauglich gemacht, warme Kleidung und Handschuhe sollen die
etwas geringeren Temperaturen wie im Sommer ausgleichen.
Ansonsten können nahezu alle Golf-typischen Vorzüge auch in
winterlicher Atmosphäre genutzt werden: Spazieren gehen, frische Luft
atmen und draußen im Grünen (pardon, im Weißen) sein.
Damit der Ball auf dem weichen Untergrund besser rollt, wird der Schnee
zuvor großflächig gewalzt. Der Abschlag erfolgt wie beim
Rasengolf von einem Tee. Immer lustig und nach jedem Schlag erforderlich
ist die Ballsuche, die sich aber recht einfach gestaltet. Selbst wenn der
Ball im Tiefschnee landet, verrät ein tiefes Einschlagsloch dessen
Position... na ja, immer noch besser als im sommerlichen Wassergraben.
Zugegeben, Golfen im weißen Schnee ist schon etwas
gewöhnungsbedürftig und mancher Fundamentalist wird die Nase
rümpfen, aber es ist dennoch echtes Golf und wird nach den gleichen
Regeln wie im Sommer gespielt. Und rein technisch gesehen ist der Schlag
aus einem Schneeloch um einiges schwieriger als von einer ordentlich
gepflegten Golferwiese. Trotzdem sollte man Wintergolf eher als Funsport
sehen und das Ganze nicht allzu ernst nehmen. Winterliche Golfturniere sind
vor allem ein Anlass, um golfbegeisterten Gästen und Einheimischen im
Winterurlaub eine Freude zu machen und die saisonbedingte Winterpause der
Golfer ein wenig zu überbrücken.
Das Mekka der Schneegolfer liegt übrigens
im Schweizer Kanton Graubünden. Jedes Jahr werden dort verschiedene
Golfturniere auf Schnee organisiert, bereits im Januar 1979 wurde im
Engadin das erste winterliche Golfturnier in Europa ausgetragen.
Bemerkenswert auch der Schauplatz dieses ungewöhnlichen Treibens.
Wegen eines im Februar stattfindenden Pferderennens musste der St. Moritzer
See ohnehin gewalzt werden und nachdem das Bootshaus des örtlichen
Segelclubs kurzerhand zum Clubhaus für Golfer umfunktioniert wurde,
stand dem ersten Winter Golf Turnier auf dem gefrorenen See nichts mehr im
Wege.
Sehr zur Freude der Organisatoren nahmen ganze 87 Personen daran teil,
auch an neugierigen (und teilweise kopfschüttelnden) Zuschauern fehlte
es nicht.
Diese sahen gleich im ersten Jahr das erste
"Hole in one", mit einem Schlag vom Abschlag direkt ins Loch - was sich in
den darauffolgenden jährlichen Turnieren bis heute insgesamt noch
sechs Mal wiederholte.
Die kältesten Temperaturen hatte man im zweiten Jahr, damals wurden
auf dem See morgens beim Start der ersten Partie minus 19 Grad gemessen. In
diesem Jahr spielte auch ein damals noch kaum bekannter junger Mann mit,
dem man eine große Karriere voraussagte. Sein Name: Bernhard Langer.
Vom tiefgefrorenen See hinauf ins Hochgebirge. In Leukerbad auf dem
Gemmipass wurde Mitte Februar dieses Jahres in 2350 Metern Höhe die
erste hochalpine Golf-Trophy ausgetragen. Vor der imposanten Kulisse der
Walliseralpen spielten die frostgeschützten Teilnehmer an zwei Tagen
jeweils 9 Löcher, für die Wertung zählte die Summe beider
Resultate.
Zwar kühl da oben, aber nicht cool genug, scheinen die Amerikaner
darüber zu denken und setzen dem europäischen Wintergolfen noch
eins drauf. Schneegolfen? Nur auf Skiern! Unter den Golfverrückten
jedenfalls sind Skigolf-Turniere in den Skigebieten quer durch die USA und
Kanada der absolute Renner. Auch unsere skandinavischen Nachbarn erfreuen
sich der Besonderheiten des winterlichen Golfspiels auf ihre Weise. In
Arvidsjaur im schwedischen Lappland beispielsweise steht an Stelle des
Golfjungen ein echtes Rentier Caddie (kein Witz!) zur Verfügung. Und
sollte das golfbegeisterte Tier das Interesse verlieren, kann die Reise von
Loch zu Loch auch mit einem motorisierten Schneemobil fortgesetzt werden.
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