3. Hintergrund: Nutzung des Euro auf dem Amiga (von Michael Christoph)
Einen Klick entfernt vom Euro im AmigaOS
300 Millionen Menschen in 12 Ländern der Europäischen Union haben seit dem
1. Januar 2002 den Euro als Bargeld in ihren Geldbörsen. Doch schon seit
dem 1. Januar 1999 ist der Euro offizielles Zahlungsmittel, zumindest im
bargeldlosen Zahlungsverkehr. Umfangreiche Informationen zum Euro sind zu
finden auf den Internetseiten der Europäischen Union [1]. Zur Übersicht
seien hier nur die Münzen und Scheine aufgezeigt.
Euro - Münzen:
u nd Euro - Scheine:
Während die Scheine in allen Ländern gleich aussehen, weisen die Münzen
eine landesspezifische Rückseite auf. Trotzdem sind auch diese in allen
Ländern gültig und müssen nicht umgetauscht werden. Die Europäische Union
bezweckt damit eine "sichtbare" Vermischung der Europäer.
Darüber hinaus wird der Euro in vielen Ländern als "Fremdwährung"
akzeptiert und teilweise sogar ohne Umtausch angenommen.
Nach dieser allgemeinen Einführung zum Euro wollen wir uns wieder dem Amiga
zuwenden. Erfreulich ist anzusehen, daß jetzt auch endlich das "Euro-
Update" zum Download [2] bereitsteht. Es bringt den Euro zumindest dem
AmigaOS näher. Wozu das Euro-Update in der Lage ist, was installiert wird
und noch viele Informationen mehr, folgt in den nächsten Passagen dieses
Artikels.
* Euro-Update-Installation
Nachdem das LhA-Archiv geladen und entpackt wurde (z.B. mittels UnArc von
OS 3.9) ist folgendes Fenster auf der Workbench vorzufinden:
In der Workbench Schublade:
Nach einem Doppelklick auf das Install-Icon, wird der InstallerNG
gestartet, wie er auch schon zur Installation von AmigaOS 3.9 zum Einsatz
kam. Links oben wird eine Euro-Grafik angezeigt, während sich rechts unten
das gewohnte Installer-Fenster zeigt. Als erstes ist dabei anzugeben, wie
gut man sich mit dem Amiga auskennt.
Installationsmodus auswählen:
Diese Auswahl hat nämlich entscheidende Auswirkungen auf den weiteren
Verlauf der Installation bzw. die weiteren Rückfragen.
Während bei "Einsteiger" keine weiteren Rückfragen mehr erfolgen, muß als
"Fortgeschrittener" zumindest noch das Systemlaufwerk angegeben werden,
auf dem AmigaOS installiert ist. Als "Experte" hingegen erfolgt keine
Aktion, ohne erst eine Rückfrage inkl. Auswahl der zu installierenden
Komponenten anzuzeigen.
"Einsteiger" können die nachfolgenden Zeilen überspingen.
Alle anderen werden jetzt nach dem Ziellaufwerk befragt. Auf diesem werden
die entsprechenden Systemdateien aktualisiert. Sind mehrere System-
Partitionen vorhanden, z.B. mit unterschiedlichen OS-Versionen, so ist die
Installation für jede einzelne Partition zu wiederholen.
Laufwerk wählen:
"Fortgeschrittene" können die nachfolgenden Zeilen überspringen.
Bleiben nur noch die "Experten" übrig, die sich nichts ungefragt auf ihr
System schaufeln lassen wollen. Sie können in den nachfolgenden drei
Schritten genau festlegen, welche Dateien aktualisiert werden sollen.
Dabei wird als erstes nach den Tastaturbelegungen gefragt (Keymaps).
Zu installierende Tastaturbelegung wählen:
Als nächstes folgen die Systemschriften (Fonts).
Zu installierende Schriften auswählen:
Und zum Schluß kommen noch die Landesbeschreibungen (Country).
Zu installierende Landesbeschreibungen auswählen:
Und damit hätten dann alle Benutzer ihr AmigaOS aktualisiert.
Zur Sicherheit sollte noch ein Reboot vorgenommen werden, damit die neuen
Keymaps und Fonts auch zum Einsatz kommen!
* ISO 8859-15?
Wer die Installationstexte aufmerksam verfolgt und liest, wird bereits
darüber informiert, daß das Euro-Symbol ab sofort (bzw. nach dem Reboot)
über die Tastenkombination "ALT + E" abgerufen werden kann. Diese
Kombination wird auch in der PC-Welt verwendet und ist auf den neueren PC-
Tastaturen auch aufgedruckt. Wie dies nun intern realisiert wird, folgt im
nächsten Abschnitt. Zuerst soll noch auf die, bereits in der Überschrift
genannte, Norm ISO 8859-15 eingegangen werden. Der Amiga verwendet, wie
auch Linux, die ASCII-Code-Zeichensatztabelle 8859-1. In dieser ist genau
festgelegt, welches Zeichen auf welchem ASCII-Code zu finden ist.
Dabei sind die unteren 128 Zeichen (Code 0-127) in aller Welt identisch und
stammen noch aus den (7 Bit-) Anfängen des Computers. Während die Codes 0
bis 31 als Steuercodes bezeichnet werden, sind ab 32 die "sichtbaren"
Zeichen zu finden. Lediglich 127 ist wieder ein Steuerzeichen, und zwar die
Del-Taste.
ISO 8859 - Basistabelle:
Die oberen 127 Zeichen (Code 128-255) hingegen sind länderspezifisch belegt
worden, wobei wieder die ersten 31 Codes (128-159) für Steuerzeichen
reserviert sind. So finden sich z.B. in anderen Tabellen kein ä, ö oder ü,
wie sie im Deutschen vorkommen. ISO 8859-15 entspricht einer Erweiterung
bzw. Aktualisierung der 8859-1-Tabelle. Dabei wurde das Euro-Zeichen auf
den ASCII-Code 164 genormt, das bisher bereits ein allgemeines
Währungssymbol enthielt, welches aber in der Praxis nicht verwendet wurde.
ISO 8859-1- und -15-Tabelle im Vergleich:
Die anderen länderspezifischen Zeichen aus 8859-15 wurden allerdings nicht
übernommen, so daß man eigentlich von einer 8859-1 mit Euro-Zeichen
sprechen muß.
Windows-User sollten aber nicht darauf vertrauen, daß auch dort das Euro-
Symbol auf 164 zu finden ist. Hier kocht Microsoft wieder mal ein eigenes
Süppchen (ich sage nur Steuercode 128)...
* Wozu Keymaps?
Woher weiß aber nun der Amiga, daß er das Euro-Symbol (bzw. das Zeichen mit
ASCII-Code 164) darstellen soll, wenn die Taste "ALT + E" gedrückt wird?
Dies regeln die sogenannten Keymaps, welche über den Prefs-Einsteller
"Input" festgelegt werden. Für Deutschland und Umgebung wäre das die "d"-
Belegung. Bisher produzierte der Amiga den ASCII-Code 169, was dem
Copyrightsymbol entsprach ((c)). Nach der Update-Installation werden die
Tastenbelegungen von E und Z vertauscht. Das Copyrightzeichen ist also nun
mit "ALZ + Z" erreichbar. Was mir persönlich nicht gefällt, ist auch die
Vertauschung von "ALT + Shift + E und Z". Konnte man doch das Copyright-
Symbol bisher auch mit "ALT + Shift + E" erzeugen.
* Mit KeyComp zur eigenen Tastaturbelegung!
Es wäre aber kein Amiga, wenn dem nicht auch durch den Benutzer beizukommen
wäre! Im Aminet ist hierzu ein kleines Tool, genannt "KeyComp" zu finden
[3]. Es handelt sich zwar nur um ein Shell-Kommando ohne GUI (grafischer
Oberfläche), trotzdem sollte jeder damit zurechtkommen.
Das Archiv enthält zwei Programme. Mit dem ersten, KeyRes, kann eine
existierende Keymap-Datei zur Bearbeitung extrahiert werden, während mit
KeyComp aus dieser Beschreibung wieder eine Keymap-Datei erzeugt wird.
KeyRes erwartet eine Input-Datei und optional eine Output-Datei:
keyres sys:devs/keymaps/d d.kms
Die von KeyRes erzeugte Datei bearbeiten:
Die Datei d.kms kann mit einem beliebigem Texteditor bearbeitet werden. Pro
Taste sind die unterschiedlichen Zeichen angegeben, die je nach gedrückter
Qualifier-Taste angezeigt wird. In der Original-d-Keymap-Datei ist in Zeile
103 die Tastenkombination "ALT + E" zu finden. Dort hat das Euro-Zeichen
seinen neuen Platz. 22 Zeilen tiefer ist dann die Kombination "ALT + Z" zu
finden, auf die das Copyrightsymbol gelegt werden kann.
Mit KeyComp, das wieder eine Input-Datei erwartet, während die Output-Datei
optional ist, wird dann die neue Keymap-Datei generiert:
keycomp d.kms sys:devs/keymaps/d
Danach ist ein Rechnerneustart notwendig, damit die neue Tastaturbelegung
in allen Bereichen aktiv wird. Zum Ausprobieren reicht es aber aus, einfach
ein neues Shell-Fenster zu öffnen.
Auf diese Weise können natürlich auch andere Tasten verändert und nach
eigenen Vorlieben belegt werden.
Einen Mangel an KeyComp mußte ich auf meinem System allerdings feststellen.
Es funktioniert nicht unter meiner Version von AmigaOS 3.9. Ob das nur an
meiner Version liegt oder generell ein Problem ist, kann ich nicht sagen.
* Weitere Schriftarten am Amiga
Und jetzt wird das Euro-Symbol auch sichtbar - durch die Fonts (Schriften).
Die Fonts sind beim Amiga im Systemverzeichnis in der Schublade "Fonts" zu
finden (zumindest bei allen Benutzern, die dies nicht umkonfiguriert
haben). Dabei existiert jeweils ein Verzeichnis, in dem die Schriftgrößen
abgelegt sind, und eine Verwaltungsdatei mit der Endung ".font".
Interessant sind die Dateien in den Schubladen, z.B. "courier/12". Die
Fonts kann man sich als großes Blatt Papier mit 255 nummerierten Kästchen
vorstellen. In jedem Kästchen ist die Grafik eines Zeichens untergebracht.
Wird nun "ALT + E" gedrückt, so übersetzen dies die Keymaps in den ASCII-
Code 164, und der Amiga holt sich das 164ste Zeichen aus der Fonts-Tabelle
und "pinselt" es auf den Bildschirm.
Damit sollte dann aber auch jedem verständlich sein, daß das Euro-Symbol
nur mit den aktualisierten System-Schriften funktioniert. Die von AWeb
installierten Größen 30 der Schriftart courier beispielsweise enthalten
kein Euro-Symbol. Besonders ärgerlich ist dabei, daß auch die AGFA-
Compugraphic-Schriften (CGTimes, CGTriumvirate und LetterGothic) nicht
aktualisiert wurden. Dies dürfte aber mit den abgelaufenen Lizenzen an den
Schriften zusammenhängen.
Eine durchaus als legal anzusehende Möglichkeit wäre, nur die Differenzen
zu veröffentlichen (z.B. mittels des SAS-Tools scompare zum Erzeugen und
spatch zum Einmischen der Änderungen vom Benutzer). Dadurch würden keine
"geschützten" Dateien verbreitet. Vielleicht findet sich ja noch jemand,
der sich diese Mühe macht.
Neben den Bitmap- und Compugraphic-Schriften kann der Amiga aber auch noch
TrueType darstellen, zumindest wenn die ttf.library installiert ist. Manche
Programme, z.B. AmigaWriter, unterstützten die TrueType-Fonts auch direkt.
Diese aus der Windows-Welt stammenden Schriften sind auf vielen CDs und
Onlineseiten zu finden. Entsprechend groß ist aber auch die Bandbreite an
Qualität!
Problematisch ist allerdings, daß in den TrueType-Schriften das Euro-Symbol
teilweise auf dem Steuercode 128 zu finden ist - nennen wir es mal
"Microsoft-Norm". Da es sich hierbei um ein Steuerzeichen handelt, kann es
nicht direkt eingegeben werden.
Desweiteren gibt es noch TrueType-Fonts in Unicode, bei welchen das Euro-
Zeichen in Tabelle 1252 auf Buchstabe 8364 zu finden ist.
Eine weitere Schriftfamilie ist PostScript von Adobe, die beim Amiga aber
praktisch kaum eine Rolle spielt. Sie ist vor allem im DTP-Bereich sehr
verbreitet und wird daher auch in PageStream direkt unterstützt. Vor allem,
wenn Druckvorlagen für ein Kopierstudio erstellt werden sollen, eignen sich
die PostScript-Fonts sehr gut. Eine korrekte Umwandlung der Compugraphic-
Fonts in eine Postscript-Datei hat, zumindest bei mir, PageStream noch
nicht geschafft.
* Neue Schriften braucht der Amiga
Eine qualitativ hochwertige Schrift-CD hat Haage & Partner für 49 EUR in
seinem Sortiment. Die "Mega Font Euro Edition"-CD [4] enthält 5000
Schriften, jeweils in den Formaten TrueType und PostScript, welche alle über
ein zur Schrift passendes Euro-Symbol verfügen.
MegaFont CD:
Auf der Herstellerseite von freefont.de findet sich auch eine sogenannte
"Starter Edition" mit 50 Schriften. Dieses Archiv [5] mit 16.6 MByte Umfang
kann sich jeder Interessierte herunterladen, um sich so von der Qualität
der Schriften zu überzeugen.
Die Starter Edition:
* EuroCalc
Wer einen kleinen Währungsrechner für den Amiga sucht, dem kann ich auf
meine Homepage [6] bzw. die Amiga-Magazin-CD 2/3-2002 verweisen. Dort ist
das Programm EuroCalc zu finden. Es zeigt den eingegebenen Wert jeweils
in den 12 anderen Landeswährungen an.
Interessierte finden außerdem den Sourcecode hierzu auf der Developer-CD
2.1 im Verzeichnis "ADCD_2.1:NDK/NDK_3.5/Tools/ReActor/Examples/EuroCalc/".
EuroCalc Währungsrechner:
* Der Euro in der Software
Obwohl dem Euro ein Chaos bei der Einführung vorausgesagt wurde, hat sich
nichts davon bewahrheitet. Die Bürger kommen mittlerweile mit dem Euro
recht gut zurecht und bald wird auch keiner mehr von DM oder DM-Beträgen in
der Praxis oder der Software sprechen.
Betrachtet man so manches Programm, wird dabei nicht einmal eine Währung
angezeigt, war doch immer klar, daß Beträge in DM ausgewiesen waren. Mit
gleicher Selbstverständlichkeit kann man nun davon ausgehen, daß ab sofort
alle Beträge als Euro zu werten sind - der gültigen Basiswährung eben.
Wenn es möglich ist, muß auch nur das "DM" gegen ein "EUR" getauscht
werden. Das kann von der Software (auch ohne eventuell angepasste Fonts)
dargestellt und gedruckt werden.
Ist die Währung fest einprogrammiert, können erfahrene Anwender auch mit
einem Hex-Editor auf Suche gehen. Problematisch könnte es allerdings
werden, da normalerweise nur zwei Stellen vorgesehen sind, aber EUR(O) mit
drei Zeichen abgekürzt wird. Verwendet das Programm allerdings eine
Standard-Systemschrift, kann auch das Euro-Zeichen selbst (und ein
folgendes Leerzeichen) eingesetzt werden.
Schwieriger wird es mit alten Daten (z.B. Benzinkostenverwaltung). Hier ist
es am einfachsten, ein neues Projekt zu beginnen. Wenn man unbedingt noch
die alten Daten direkt mit den neuen vergleichen will, wird man nicht um
die mühselige Arbeit herumkommen, jeden einzelnen Eintrag von Hand
umzurechnen und einzugeben. EuroCalc ist hierbei eine mögliche Hilfe.
Findige Programmierer können dieses Vorgang aber auch automatisieren und
direkt die gespeicherten Datenbestände manipulieren.
* Schwarz auf weiß
Wäre abschließend nur noch das Problem mit dem Drucker anzugehen. Das Euro-
Zeichen soll schließlich auch auf dem Papier herauskommen. Bereitet das
gewählte Programm die Druckausgabe selbst auf und wird das Euro-Zeichen am
Bildschirm dargestellt, kommt es auch am Drucker heraus. In diesem Fall
wird nämlich die ganze Seite als "Grafik" an den Drucker geschickt.
Etwas anderes ist es, wenn z.B. reiner Text direkt gedruckt wird, wie es
bei (einfachen) Texteditoren der Fall ist. Dann kommen i.d.R. die
druckereigenen Schriften zum Einsatz. Und ob diese bereits über ein Euro-
Symbol verfügen, lässt sich am einfachsten durch Probieren ermitteln.
Teilweise bieten die Hersteller auch Patches oder neue ROM-Bausteine für
den Drucker an. Ein Blick auf die Homepage des Druckerherstellers oder
Nachfrage bringen hier Klarheit.
* Der Härtetest zum Schluß
Nachdem jetzt unterschiedliche Aspekte des Euro genauer beleuchtet wurden,
abschließen noch der "Härtetest":
¤
Wer jetzt kein Euro-Zeichen sieht, hat das Euro-Update noch nicht
installiert oder verwendet keine Systemschrift zur Anzeige dieses Textes!
Sollten noch Fragen vorhanden sein, kann sich jeder gern per Mail an
mich persönlich wenden!
[1] Europäische Union
http://europa.eu.int/euro/html/home3.html?lang=3
[2] Euro-Update
http://www.haage-partner.de/aos39/Euro-Update.lha
[3] KeyComp
ftp://de.aminet.net/pub/aminet/util/cli/KeyComp.lha
[4] Mega Font Euro Edition
http://www.haage-partner.com/products/megafonts_d.htm
[5] MegaFont "Starter Edition" [zip-Archiv]
http://www.softspace.de/down/megastar.exe
[6] EuroCalc
http://www.meicky-soft.de/abin/eurocalc.html
Michael Christoph <michael@meicky-soft.de>
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