3. Softwaretest: »AFPL Ghostscript 6.50« - Teil 1 (von Uwe Pannecke)
- Amiga-Release 2 von Rüdiger Hanke -
1. Der Interpreter
Ghostscript [1] als plattformübergreifendes Werkzeug für Anzeige, Druck und
Konvertierung von Postscript- und PDF-Dokumenten begleitet bereits seit
Jahren den Amiga-User. Obwohl für andere Betriebssysteme bereits aktuellere
Versionen verfügbar sind, dümpelte im Aminet-Teich immer noch die
zwischenzeitlich etwas angegraute Version 5.10 vor sich hin.
In AMIGA aktuell 10/98 habe ich die Installation und Konfiguration bereits
ausführlich beschrieben. Weshalb also nun an dieser Stelle wieder das Thema
Ghostscript? Soll hier kalter Kaffe aufgewärmt und so dem AMIGA-aktuell-
Magazin zu ein paar Bytes mehr Umfang verholfen werden?
Mitnichten. Denn neben seiner unbestreitbaren Funktionalität schwächelt
Ghostscript 5.10 an einigen Stellen. Ein beim Export von PDF-Dateien
schwerwiegendes Manko: Der Interpreter ist zwar in der Lage, Postscript-
Dateien in PDF-Dokumente zu wandeln, die Ergebnisse konnten jedoch meist
nicht begeistern, da die verwendeten Schriften für die PDF-Datei in Bitmap-
Grafiken gewandelt wurden, so dass einerseits das Dokument ordentlich
aufgebläht wurde und andererseits die Darstellungsqualität der Schriften in
der PDF-Datei oft alles andere als ansehnlich war.
Spätere Versionen des Interpreters wiesen diesen Mangel nicht mehr auf,
waren aber trotz verfügbaren Quellcodes nicht als ausführbares Amiga-
Programm zu haben. Rüdiger Hanke wollte dies nicht einfach so hinnehmen,
schnappte sich den Sourcecode zu Ghostscript 6.50 und passte diesen an das
AmigaOS an [2].
Bei dieser Gelegenheit beseitigte er einige Bugs im Zusammenspiel mit
Grafikkarten und spendierte dem Amiga-Port zusätzlich 16- und 24-Bit-
Rendering in der Bildschirmdarstellung sowie PowerPC-Unterstützung.
Mit Ghostscript 6.50 können nunmehr auch unter dem AmigaOS Fonts als solche
aus den Postscript-Dateien in PDF-Dokumente eingebettet werden. Damit kann
momentan auf dem Amiga Ghostscript wohl als einziges Programm aufwarten.
2. Installation
Selbige gestaltet sich im Gegensatz zur Konfiguration recht einfach. Ihr
benötigt lediglich die auf [2] oder [3] abgelegten Archive GS650-68k.lha
(oder die PowerPC-Variante), GS650-Data.lha und GS650-Fonts.lha.
Screenshot:
Erstellt nun ein Verzeichnis 'Ghostscript' an beliebiger Stelle auf der
Amiga-Festplatte und entpackt den Inhalt der LHA-Archive in die soeben
erstellte 'Ghostscript'-Schublade. Abschließend macht Ihr den Pfad zu den
Programmdaten AmigaOS-weit über ein Assign bekannt. Residiert Ghostscript
beispielsweise unter 'Work:Ghostscript', sorgt in der 'S:user-startup' ein
; BEGIN Ghostscript
Assign Ghostscript: Work:Ghostscript/
; END Ghostscript
mit dem nächsten Start des AmigaOS für die notwendige Zuweisung.
3. Konfiguration
Ähnlich seinem Vorgänger will auch die Version 6.50 mit mehr oder weniger
kryptischen Befehlsfolgen zur Zusammenarbeit überredet werden.
Grundsätzlich hat sich gegenüber 5.10 jedoch nicht viel geändert, so dass
Ihr die in AMIGA aktuell 10/98 aufgeführten Skripte vom Grundsatz her
übernehmen könnt. Detaillierte Anweisungen findet Ihr in der mitgelieferten
englischsprachigen Dokumentation. Einen einfachen Einstieg in die passende
Konfiguration bietet Euch nach wie vor ein LHA-Archiv [4], das Manfred
Tremmel, einigen sicher durch MT-Rechnung bekannt, zusammengestellt hat.
Auch wenn das Paket ursprünglich für die Installation von Ghostscript 5.10
gedacht war, greifen Euch die in der 'GSZusatz'-Schublade abgelegten
Skripte außerordentlich hilfreich unter die Arme. Da alle Skripte mit einem
Icon versehen sind, stehen diverse Ghostscript-Funktionen zur Druck- und
Bildschirmausgabe auf Mausklick zur Verfügung.
Lediglich eine Änderung ist in allen Skripten zuvor erforderlich: Die
eingetragene Stackgröße reicht für Ghostscript 6.50 nicht mehr aus. Hier
solltet Ihr den Wert entsprechend Rüdiger Hankes Empfehlung von 32768 auf
200000 erhöhen.
Screenshot:
Sollte wider Erwarten Ghostscript dennoch abstürzen, könnte eine weitere
Stackerhöhung für Besserung sorgen.
Die Skript-Dateien lassen sich auch vorzüglich als Vorlage für den eigenen
Wünschen angepaßte Steuerungsanweisungen benutzen. Dazu in der nächsten
Ausgabe mehr.
Wollt Ihr die Postscript-Dateien vorrangig auf dem Bildschirm betrachten,
empfiehlt Rüdiger Hanke die 68k-Version des Interpreters, da der PPC-Port
durch die Kontext-Switches deutlich an Performance einbüßt.
Interessant für alle Turboprint-Benutzer: Der Dokumentation des
Programmpaketes liegt eine Beschreibung für die Ansteuerung des
'turboprint'-Devices bei.
4. Encrypted PDF
Wer diverse Dokumente im PDF-Format mittels Ghostscript oder anderen
geeigneten Viewern wie etwa APDF betrachtet, wird hin und wieder auch auf
Vertreter stoßen, die sich sehr bedeckt zeigen und von ihrem Inhalt nichts
preisgeben wollen. Die Aminet-Versionen sowohl von APDF als auch
Ghostscript sind nicht in der Lage, solche verschlüsselten Dateien zu
öffnen. Zwar ist es technisch ein Kinderspiel, die Programme mit den
entsprechenden Fähigkeiten auszustatten, US-Exportbeschränkungen stehen dem
jedoch entgegen.
In anderen Ländern bestehen diese Einschränkungen jedoch nicht, und so ist
Abhilfe möglich - ein Grund weniger für Enttäuschung. Auf [5] stellt
Geoffrey Keating eine erweiterte 'pdf_sec.ps'-Datei zur Verfügung, die auch
die Darstellung solch verschlüsselter PDF-Dokumente ermöglicht. Kopiert die
für Ghostscript 4.02 oder höher vorgesehene 'pdf_sec.ps' über die bereits
im 'Ghostscript:lib/'-Verzeichnis befindliche. Ab sofort können auch
Anleitungen im PDF-Format wie etwa das Cinema4D-XL-Handbuch auf der Heft-CD
der AmigaPlus 08/98 oder die AmigaOS-XL-Anleitung unter dem AmigaOS
angezeigt und ausgedruckt werden.
Screenshot:
[1] http://www.cs.wisc.edu/~ghost/
[2] http://www.muenster.de/~tomjoad/
[3] im Aminet unter /gfx/conv/GS650-xxx.lha
[4] im Aminet unter /gfx/show/GS510-Install.lha und auf Aminet CD 26
[5] http://members.ozemail.com.au/~geoffk/pdfencrypt/
Uwe Pannecke <Uwe.Pannecke@t-online.de>
|