Abschließend
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Der falsche Weg (von Christian Aichinger)

Eigentlich will ich nicht! Nein, ich mag kein Schlusswort schreiben. Warum?
Weil sich in einigen Teilen der Amiga-Fangemeinde ein derart sturer
Fanatismus entwickelt hat, daß die Folge auf eine persönliche Einschätzung
der Amiga-Situation eine verbale und anonyme "Lynchjustiz" in einem
beliebigen Amiga-Forum im Internet sein kann. Langsam bekomme ich das
Gefühl, daß einigen Amiga-Fans die lange Isolation vom technologischen
Fortschritt gar nicht gut getan hat. Werden in einer Mailingliste oder
einem Forum Zweifel angemeldet und mit konkreten Argumenten untermauert,
daß eine Entwicklung des zukünftigen AmigaOS exklusiv für PowerPC-Hardware
nur geringe Zukunftschancen haben könnte...allein diese Aussage scheint
für einige Verfechter des PowerPC-Lagers ein persönlicher Angriff zu sein,
der zumeist mit Äußerungen gekontert wird, die schon weit unterhalb der
Gürtellinie liegen. Tja, Amiga-Fans "kämpfen" mit harten Bandagen und viele
zudem mit Scheuklappen. Wenn die Argumente fehlen, gibt es nur noch verbale
Tiefschläge, mit denen die eigene Meinung verteidigt werden kann.

AmigaOS auf x86? Das ist Ketzerei! Zumindest denken so einige Amiga-Fans,
die sich selbst als gebrannte Kinder bezeichnen und "Wintel" für
Teufelszeug halten. Nun ja, wer nicht in der Lage ist, einen PC korrekt zu
konfigurieren (sei es aus Unwissenheit oder den eingeschränkten
administrativen Befugnissen) schiebt dies allzu gern auf die verwendete
Plattform (ich spreche aus eigener Erfahrung ;-) ). Dass so ein PC aber
sehr leicht selbst zusammengebaut werden kann, da alle Teile genormt und
überall erhältlich sind und außerdem der hart umkämpfte x86-Markt den
Hardwarehersteller zu Bestleistungen in Sachen Leistungsfähigkeit,
Verfügbarkeit und Preis zwingt, wird dabei aber gerne verschwiegen. Ja, ich
frage mich wirklich, wozu ich überhaupt eine eigene Plattform für den
Bestandteil des Amigas, der mir am meisten bedeutet - dem AmigaOS -
benötige? Wäre die Zeit und das Geld in der Weiterentwicklung und Anpassung
des AmigaOS an x86-CPUs nicht wesentlich besser aufgehoben? Muß wirklich
eine Plattform aus dem Boden gestampft werden, die mit dem Erscheinen fast
schon wieder veraltet und zu allem Überfluß alles andere als preiswert ist?
Ist es nicht egal, welches "Herz" in einem Computer schlägt, so lange es
den heutigen Ansprüchen völlig genügt?

Schauen wir uns doch mal die beiden zukünftigen Amiga-Plattformen an:
Pegasos als auch AmigaONE verfügen über AGP-, USB-, PCI- und IDE-
Schnittstellen, an denen selbstverständlich wieder herkömmliche Peripherie,
ihre Arbeit erledigen soll. Sogar der Formfaktor des Mainboards ist
standardisiert - denn als ATX ausgelegt und somit in fast beliebigen
Computergehäusen einsetzbar. Nur ein kleines letztes Detail unterscheiden
diese beiden Plattformen vom sogenannten Industriestandard: die CPU!

Anstatt auf das bestmögliche Ergebnis des freien x86-Marktes (Intel, AMD
und diverse andere Hersteller) zu setzen, verschreiben sich Amiga-User
lieber dem Wohlwollen des PowerPC-Kartells von IBM und Motorola? Für mich
ist dieser Schritt ein Widerspruch zur Individualität des Amigas und seiner
Anhänger. Ein großer Fehler ist dieser Weg allemal, da mit einer
ausreichend großen Anzahl abgesetzter AmigaOS-Systeme, die eine
Wiederbelebung des Softwaremarktes zur Folge hätte, nicht gerechnet werden
kann. Nun, sei es drum. Ich zumindest habe die Hoffnung auf ein völlig
plattformunabhängiges AmigaDE, das meiner Meinung nach ein Konzept mit
wesentlich besseren Karten darstellt und das vor allem die Fehde unter den
Amiga-Anwendern endlich beenden würde, noch nicht aufgegeben.


Bis zur nächsten Ausgabe,

Euer

Christian Aichinger