Der Zwischenruf (von Ralf Driesner)
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Stille Nacht...

Jedes Jahr verfällt die Menschheit in einigen Teilen dieses Planeten zu
dieser Jahreszeit in andächtige Stille. Nein, nicht wegen Weihnachten. Es
ist die Zeit der Sonderzahlungen. Doch schon der erste Blick auf die Lohn-
oder Gehaltsabrechnung lässt die normale Nüchternheit wieder einziehen.
Staat, Rente und Gesundheit fordern ihren Tribut.

Nachdem der erste Schock verarbeitet wurde, werden Pläne geschmiedet, wie
denn jetzt mit dem Geld verfahren werden soll. Sparen? Nö, die Zinsen sind
zu niedrig. Geschenke für die Nichten und Neffen? Blödsinn. Die meisten
Kids laufen eh schon mit Handys 'rum oder sterben tausend Tode an der
Playstation. Der x-te Blumentopf für Muttern? Na ja, ich erinnere mich da
an eine alte Geschichte mit einem vertrockneten Kaktus in ihrer Wohnung...

Dieses Jahr gönn' ich mir angesichts der Krise in der Halbleiterindustrie
einen neuen Rechner. Nachdem von Amiga momentan keine neuen Geräte
produziert werden, werd' ich's mal mit 'nem PC probieren. MAC ist mir zu
teuer.

Die Wahl des Betriebssystems wird da schon schwieriger. Als überzeugter
"Nicht-Windows-überzeugter" Anwender fällt eine Option weg. Linux hört
sich, insbesondere wegen diverser zwischenzeitlicher Hype-Phasen in
deutschen Tageszeitungen und dem Deutschen Bundestag gar nicht so übel an.
Auch AmigaOS - über die kürzlich erschienene CD-Lösung von Haage & Partner
- dürfte sich anbieten.

Trotzdem ist mir sonderbar zumute. Meine kleine beige Lady auf dem
Schreibtisch schaut ziemlich traurig drein und ärgert mich in den letzten
Tagen mit wiederholtem Einfrieren des Bildschirms...Diagnose dauert an. Die
Wüste lebt wohl tatsächlich...

Schon jetzt ist für mich aber klar, dass die kleine Freundin 8 Jahre lang
treue Dienste geleistet hat und auch weiterhin in Betrieb bleibt. Dass ich
trotz der Situation im Amiga-Markt auch heute noch einen prinzipiell
stabilen und gutmütigen Rechner namens A1200 mein Eigen nennen kann, macht
mich stolz.

Aber die Zeit geht voran, und die Technik bleibt auch nicht stehen. Nach
all den Diskussionen in den letzten Monaten über die Themen Amiga, x86, PPC
etc. meine ich, zur weihnachtlichen Zeit ein versöhnliches Wort für die
ganze Amiga-Gemeinde anstimmen zu können.

Amiga ist nicht tot, Amiga lebt...und das in einer auch für die Zukunft
faszinierenden Art und Weise. Auch im nächsten Jahr werden Amiga-User die
besseren Computer-Philosophen sein. Und wenn alles glatt geht, kann
vielleicht auch meine beige Freundin bald wieder mit einem neuen glühenden
Herzen aufwarten.

Ein friedliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2002 wünscht
euch

Ralf Driesner <global-dries@gmx.de>