Messebesuch

Heute möchte ich einen kleinen Bericht meines persönlichen Eindrucks über den Besuch der WOA2001 abgeben. Bitte beachtet, es ist ganz subjectiv mein ureigenster Eindruck, der mit keiner einzigen anderen Meinung übereinstimmen muss.

Jeder der zum Mediapark kam, wusste genau, wohin er sich wenden musste, um die WOA2001 zu finden. Aber andere waren gar nicht erst gebeten, denn es gab keinen Hinweis, kein Täfelchen, kein Plakatchen und noch nicht einmal ein klitzekleiner Flyer, der in Richtung Eingang zeigte. Und dann war beim Eintritt nur der Schriftzug Atari zu sehen und das wirkte doch schon wie ein kleiner Schock. Die beiden jungen Damen an der Kasse beruhigten mich aber und sagten, doch Amiga ist auch hier und zwar im ersten Stock. Wie beruhigend, dass Amiga auch   da ist. Sollte es nicht wieder eine reine Amiga-Messe sein? Ich habe wirklich nichts gegen Atari, die User sind beinahe noch ärmer dran als wir letzten Amiganer. Aber ein großer Boing-Ball hätte doch alles viel mehr freundlicher gestaltet.

Die Messe war meines Erachtens doch recht gut besucht und es gab in meinen Augen drei Highlights: Software, Hardware und Information. Wie, ihr hattet eine andere Aufzählung erwartet, wie etwa: AmigaOS XL, MorphOS, G-REX? In dieser Reihenfolge fehlt aber dann die Karte ISDN-Surfer, der AmiAtlas V6, AmigaFuture und Spiele, die ich aber nicht in Augenschein genommen hatte. Wie ihr an diesen Sätzen schon ersehen könnt, es war für jeden etwas dabei.

Nachdem ich mir so alles angeschaut hatte, hier ein paar Sätze gewechselt, dort ein paar Sätze gewechselt, aber auch längere Gespräche geführt hatte, hatte ich doch ein ganz mulmiges Gefühl in meiner Magengegend. Was ist das Besondere an AmigaOS XL, MorphOS und G-REX? Um es ganz grob und total vereinfacht auszudrücken: Ein Amigafeeling auf PC-Basis. Und jetzt nennt mir bitte nur einen einzigen bekloppten Programmierer, der Programme für PC´s schreibt und diese auch noch für Amiga umsetzt? Seht ihr und da sehe ich momentan die Zukunft des Amigas. Unsere jetzigen Amigas mit oder ohne PPC laufen noch hervorragend mit dem was wir schon längst haben, aber Neues ist nicht mehr in Sicht. Was ist, wenn unsere Maschinen den Geist aufgeben und ersetzt werden müssen? Nach der jetzigen Lage kommen dann die Produkte von Haage&Partner und die Umbauten von bplan zum Tragen.

Neues nicht in Sicht? Falsch. Individual Computers, sprich Jens Schönfeld, hat sich weiterhin den beiden Amigaports gewidmet und nun ISDN-Surfer Zorro vorgestellt. Eine Karte für diejenigen, die einen ISDN Anschluss haben, aber nicht das T-DSL nutzen (dafür wird dann eine Netzwerkkarte genommen). Mit dem ISDN-Surfer geht man auf vollkommen digitalem Weg auf den Datenhighway, denn eine ISDN-Karte erlaubt den direkten Anschluss an den NTBA der Telefongesellschaft. Es ist kein Modem, keine Telefonanlage, und keinen Terminal-Adapter im Signalweg, der die Performance bremsen könnte. Der Amiga ist digital mit der Vermittlungsstelle verbunden! Detailliertere Angaben möchte ich nun hier nicht machen, am besten ist es, direkt auf die Hompage www.jschoenfeld.com zu gehen, und alles im Einzelnen nachzulesen. An neuer Software wurde ganz groß der AmiAtlas V6 angeboten, jetzt von Gerd Frank erstellt (vormals A.Regul). Ich hoffe nur, dass er keinen Schiffbruch erleidet, denn gegen die Routenersteller im Internet muss er dann schon etwas herausragendes vorzeigen. Diese Informationen fehlen leider bisher. Und warum sollte ich 109,- DM ausgeben, wenn ich im Jahr ein bis zweimal eine Route errechnet haben muss?

Seit 1991 gehe ich zur Messe nach Köln (die WOC´s in Frankfiurt und der einmalige Ausrutscher in Neuss rechne ich hier nicht mit) und das jeweils immer am ersten Tag und wenn man dieses Bild dieses Massenandrangs noch vor Augen hat, ist es fast unverständlich, was aus dem Amiga geworden ist. Da ich noch alle alten Messekataloge habe (und dieses Jahr gab es keinen), werde ich versuchen, einen Rückblick zu halten, der selbstverständlich rein subjektiv ausfallen muss. Dabei werde ich wohl vieles vergessen zu erwähnen und manches ganz außen vorlassen, wie das Beschreiben der jeweils aktuellen Spiele.

1991:
Amiga ´91 Köln. Vier Hallen (Halle 5, 6, 7 und 8) waren so voller Stände, dass es unheimlich schwer war, sich in den schmalen Gängen zu bewegen und sich durch die Menschenmassen zu drängeln. Commodore hatte einen sehr großen Stand, sie verkauften aber auch wahnsinnig viel: der neue A500+, das neue OS 2.0 mit ROM-Baustein für A500 und A2000 und für Gespräche blieb fast keine Zeit. Andere Firmen boten Beschleunigerkarten mit dem 68040 für den 2000er für dreieinhalb Tausend Mark an und wenn ich mich jetzt nicht täusche, gab es auch schon die ersten 24-bit Grafikkarten zu sehen. Beim Durchblättern der alten Quittungs-Ordner stellte ich fest, dass ich mir damals auf der Messe das ART-Scan und DPaint IV gekauft hatte. Wie doch die Zeit vergeht.

1992:
Amiga ´92 Köln entwickelte sich besser, als im Vorfeld befürchtet, schließlich gab es ja kurz vorher in Frankfurt die WOC (World of Commodore) und dort sollte eigentlich der Maßstab gesetzt werden, Vorstellung der neuen A600, A1200 und A4000. Trotzdem erschien auch hier in Köln das Kürzel WOC in Verbindung mit Amiga 92. Und der MS-DOS Bereich war schon etwas größer gegenüber dem letzten Jahr. Persönlich fasziniert war ich von der Präsentation des Malprogramms "Brillance", das speziell für die AA entwickelt wurde. Meine Erinnerungen weisen doch schon Lücken auf. In Köln wurde zusätzlich zu den neuen Amigas auch schon der 68060 vorgestellt und ein Schwerpunkt war der Streit zwischen Modula2, AMOS, Oberon und Maxon C++. An der Front Textverarbeitung wollte sich AmiWrite gegen Beckertext3 durchsetzen. Auch gab es schon die erste ISDN-Karte für den A3000 und A4000. Sehr stark ausgeprägt war auch dieses Jahr wieder die Spielefront, nur da hatte ich schon damals keine Ambitionen und so bleibt bei meinem Resümee diese Sparte unberührt.

1993:
Amiga ´93 Köln (WOC) und Computer 93. Es gab sogar drei Embleme, nämlich noch das von World of Games. Das erste was auffiel, war, dass doch nicht mehr soviele Aussteller wie in den Vorjahren da waren, auch der Platz an Hallenfläche war extrem kleiner geworden. An Neuheiten war der CD32 zu kaufen, aber der Messeschwerpunkt lag in diesem Jahr auf dem Grafik- und Videosektor. Auch APC&TCP war erstmals vertreten und stellte neben der Datenbank Databench auch das "werde Bundeskanzler"-Spiel vor. Die PD-Serien fanden reißenden Absatz und es war sehr schwer, an den Stand (Tisch) überhaupt heranzukommen, da doch eine hohe Frequentierung vorlag. IBM war mit einem großen Stand vertreten und versuchte OS/2 bekannt zu machen.

1994:
Computer 94, Amiga ´94 (WOC), World of Games. Der Besucherstrom hatte wieder zugelegt, schließlich wollte wohl jeder wissen, was ist wirklich mit Commodore los. Und es war das Jahr, an dem ich meine ersten CD´s kaufte, sogar mit Autogramm von Fred Fish. Die Aminet3 und 4 gab es für je 19,- DM, Preise, die man sich ein halbes Jahr vorher noch nicht vorstellen konnte. Zusätzlich erwarb ich aber doch sehr viel Software, wie Maxon Cinema 4D, FinalWriter, FinalCopy, DirOpus, TurboPrint, verschiedene Grafiksammlungen und und und. Dieses Jahr war echt teuer. Natürlich schaute ich mir auch den RISC 600 von Acorn an, konnte mich aber doch nicht dafür begeistern.

1995:
Computer 95 (dieses Mal ohne weitere Namens-Zusätze), aber Halle 10 und 11 waren geblieben. Immer noch hieß es die größte Amiga-Messe, aber die Großzahl der DOS-Stände war nicht mehr zu übersehen. Aber was waren meine Highlights? Ich weiß es einfach nicht mehr. Ach doch, es war das Jahr, wo ich beim Einkauf am meisten handeln konnte und die meisten Rabatte bekam. Und es kommt mir im Rückblick so vor, dass in diesem Jahr viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Entertainment (RTL-Nacht) aufgefahren wurde. Welche Anstrengung diese Messe für die Aussteller bedeutete, sieht man daran, dass Village Tronik sich einen Rolls-Royce als Besprechungsraum in die Halle stellte. Und Petro Tyschtschenko versprach den Amiga der Zukunft mit Power-PC-Processor in absehbarer Zeit.

1996:
Computer 96, die große Consumermesse in Halle 10 (Halle 11 war kurzfristig weggefallen). Dieses Mal aber mit etwas weniger DOS-Anteil und diese an den Wänden der Halle entlang. Das war das Jahr, als ich mir die PicassoIV kaufte. Ansonsten sah es mit Hardware gar nicht mehr so üppig aus. Der Konkurs von Commodore machte sich doch bemerkbar. Aber es waren die ersten Karten mit PPC-Prozessoren bei Phase-5 zu sehen.

1997:
Computer 97, die weltgrößte Amigamesse. Die erste Neuigkeit am zweiten Tag: Amiga gehört jetzt Gateway 2000. Und zum zweiten: Es wurde das OS 3.5 für das Frühjahr angekündigt. Auf der Messe stellte proDAT das pOS, DCE den Amiga 5000 vor und bei Micronik gab es den A1500 PPC zu sehen. Ebenfalls neu war AmigaFuture (11), Gekauft habe ich es aber nicht, der Zusatz: "Supergeile Vollversion Trapped" stieß mich vom Wortlaut ab. Dafür legte ich mir aber ArtEffect 2.5 und DirOpus Magellan zu.

1998:
Computer 98. Was es nicht gab: OS 3.5 und alle hatten doch so gehofft, dass etwas daraus wird. Dafür machte der DAUG (selbsternanntes Sprachrohr aller Computerclubs) sehr viel Wirbel und verteilte zigtausende Flyers zum Unterschreiben. Und was ist daraus geworden? Im Gegensatz zu den bisherigen Jahren konnte man ab Nachmittag an den meisten Ständen ausgedehnte Gespräche führen. Highlights? Entschuldigt bitte, aber mir sind keine aufgefallen. Meine einzige größere Ausgabe war der Abschluss eines Abos für amigaOS.

1999:
Computer 99, Home Electronics World 99. OS 3.5 war doch nun da. Ansonsten gab es bestimmt manch Neues, nur ich habe es leider nicht gesehen. Das Einzige, was ich mir erworben hatte, war ScanQuix 5 und was mir gefallen hatte, war das ReproStudioNG von Titan Computer.

2000:
WOA 2000, World of Amiga, die erste reine Amigamesse seit Jahren. Und nicht mehr auf dem Kölner Messegelände. sondern in dem neu errichteten Mediapark (früher einmal ein Güterbahnhofsgelände). Im Mittelpunkt stand wohl AmigaOS 3.9 und die wohlformulierten Statements von Fleecy Moss ohne etwas Neues zu verraten. Nichts zu sehen war irgendetwas von AmigaOne oder AmigaDE. Das fand ich sehr schade. Ansonsten hatte ich den Eindruck, dass überall Ausverkauf geübt wurde.

Autor:   Wolf Zimmer E-Mail: wolf@wozim.de Homepage: http://www.wozim.de