2. Erklärung von Eyetech zu den Projekten AmigaOS 4.0 und AmigaOne
Die folgende Pressemeldung wurde von Christoph Gutjahr <C.Gutjahr@gmx.de>
für unseren Partner http://www.amiga-news.de ins Deutsche übersetzt und uns
freundlicherweise für eine Veröffentlichung zur Verfügung gestellt:
»Zur sofortigen Veröffentlichung
Es ist beinahe November und der AmigaOne wird auf der WoA-SE in London,
England am 3. November 2001 erstmals verkauft werden - richtig? Nein, es
tut uns leid, aber der AmigaOne wird nicht vor Neujahr auf den Markt
kommen. Ist das das ultimative Desaster, das jetzt über die Amiga-Gemeinde
hereinbricht? Ist der AmigaOne ein weiterer Boxer? Ist dies das endgültige
Ende des Amigas, so wie wir ihn kennen? Sicher nicht.
Bevor ihr jetzt losrennt und erklärt, dass Nostradamus die ganze Zeit recht
hatte mit seinen Prophezeiungen über den Amiga, nehmt euch bitte ein paar
Minuten Zeit, und lest die Hintergrundgeschichte über das, was wirklich
hinter den Kulissen passiert ist bezüglich der AmigaOne und OS4-Entwicklung
und warum beides - trotz aller Widrigkeiten - bald Wirklichkeit werden
wird.
Amiga Inc. übernahmen die Amiga-Rechte im Dezember 1999, auf dem Höhepunkt
des dot.com-Booms - und Amiga Inc., obwohl selbst keine dot.com-Firma,
waren sehr wohl ein Teil des Neuen Marktes. Sie hatten keine
Schwierigkeiten, erste Kapitalgeber zu finden. Aber als sie ca. 8 Monate
später neues Kapital benötigten - wie bereits in ihrem ursprünglichen
Geschäftsplan vorgesehen - waren IT-Firmen ähnlich angesagt wie britisches
Rindfleisch. Selbst mit den vernünftigsten und konservativen
Geschäftsplänen von bewährten Firmen in der IT-Branche war es nicht
möglich, Kapital in relevanten Größenordnungen aufzutreiben. Darüber hinaus
waren die Risikokapitalgeber nicht nur weiteren Investitionen abgeneigt,
oft mussten sie auch um ihr eigenes Überleben kämpfen (und das schließt
einen von Amigas und TAOs Hauptgeldgebern ein). Und seitdem sind die
Zustände nur noch schlimmer geworden.
Es muss Amiga Inc. hoch angerechnet werden, dass sie es nicht nur geschafft
haben, die letzten 14 Monate von nicht viel mehr, als frischer Luft zu
leben, sondern auch in der Lage waren, Etwas - wenn auch nicht alles - von
dem umzusetzen, was sie sich bezüglich neuer Technologien und wichtiger
Verträge vorgenommen hatten. Bemerkenswerterweise haben sie es sogar
geschafft, einige wichtige neue Investoren an Land zu ziehen - Amigas
Zukunft sieht jetzt sehr positiv aus. Aber um mit so geringen finanziellen
Mitteln zu überleben, musste irgend etwas eingeschränkt werden - im
heutigen finanziellen Klima sind potentielle Investoren nur an sehr
schlanken Firmen interessiert, die mindestens zwanzig Mal nachdenken,
bevor sie irgendeinen Aufwand betreiben. Dieses Etwas war OS 4.0. Und OS
4.0 ist von existentieller Bedeutung für den AmigaOne.
Im Gegensatz zu Amiga ist Eyetech eine privat finanzierte Firma. Das
bedeutet unsere Ressourcen bestehen aus den in der Vergangenheit erzielten
Profiten, und wir sind nicht darauf angewiesen, Geld von
Risikokapitalgebern oder den Aktienmärkten aufzutreiben. Das bedeutet
zwar, dass wir Entscheidungen sehr schnell treffen können, ohne dass
Investoren jede Facette unseres Geschäftes genaustens überprüfen. Der
Nachteil ist aber, dass ein einziger großer Fehler sich für unsere Firma
und unsere Angestellten desaströs auswirken kann. Unsere Investition in
die Entwicklung des AmigaOne war ein kalkuliertes Risiko, aber eines, von
dem wir überzeugt waren, dass es uns mittelfristig adäquate Einkünfte
bringen würde. Es war allerdings abhängig von zwei Faktoren, die sich
beide mehr oder weniger außerhalb unserer Kontrolle befinden. Der erste
war Escenas Fähigkeit, die maßgeschneiderten Chips für den AmigaOne zu
entwickeln. Der andere war Amiga Inc.'s Fähigkeit, OS4.0 zu liefern sobald
die Hardware sich in einem marktreifen Stadium befindet.
Es ist wahr, dass wir anfangs einige Schwierigkeiten mit der
Hardwareentwicklung hatten. Dabei ging es hauptsächlich um das
Platinenlayout des AmigaOne, das zwar streng genommen nicht zu Escenas
Spezialgebiet gehört, das aber so sehr mit dem Chipdesign zusammenhing,
dass es sowohl kontraproduktiv als auch teuer gewesen wäre, dies einem
weiteren Entwickler zu übergeben. Und wenn wir bereits beim Thema sind,
wieso haben wir beschlossen, dass ein selbst entwickelter Chipsatz
notwendig ist? Dafür gab es, und gibt es immer noch, drei gewichtige
Gründe.
o Es waren keine passenden PPC North/Southbridges in kleinen
Kontingenten (weniger als 100.000 Einheiten) verfügbar, als wir das
Projekt starteten.
o Solche Chipsätze, selbst wenn sie verfügbar sind, haben einen
Produktionszyklus von einigen Monaten, bevor sie abgelöst werden. Das
hätte jedes Design mit kleinen Stückzahlen, das auf solchen Chips
basiert hätte, bereits zu veralteter Technologie gemacht, bevor es
überhaupt fertiggestellt gewesen wäre.
o Ohne eine komplette Überarbeitung des AmigaOS - statt der
schrittweisen Portierung die Bestandteil der OS4.x-Strategie ist -
ist die Möglichkeit, den klassischen Amiga-Chipsatz anzusprechen
essentiell, und kein kommerzieller Chipsatz hätte diese Möglichkeit
geboten.
Die Implementierung dieser Dinge war ebenfalls sehr komplex, aber sie
basiert auf bereits getesteten Modulen, die den Kern von Escenas Erfahrung
bilden.
Wie auch immer, im Mai dieses Jahres wurde deutlich, dass Amiga Inc. es
sich nicht leisten konnte, seinen Vertragspartnern die vorgesehenen - und
zugesicherten - Beträge für die Entwicklung von OS4 zu bezahlen. Es gab
immer noch große Hoffnungen, dass jeden Moment Kapital hereinkommen muss,
aber Risikokapitalgeber machen keinen schnellen oder leichtfertigen
Investitionen angesichts des Zusammenbruchs des neuen Marktes.
Ohne einen garantierten Veröffentlichungstermin (für OS4.0, Anm. d. Übers.)
haben wir, Eyetech, die Entwicklung des AmigaOne vorübergehend gestoppt, um
die Wiederaufnahme der OS4-Entwicklung abzuwarten. Escena haben in der
Zwischenzeit einige "mission-critical" (und weitaus besser bezahlte)
Auftragsarbeiten für international bekannte "Blue Chip"-Firmen übernommen.
Seitdem haben wir mit Amiga Inc. zusammen hart gearbeitet, um nach einer
praktikablen Lösung für die Entwicklung von OS4 zu suchen. Nach vielen
Monaten und mehr als eine paar Sackgassen haben wir endlich eine
Vereinbarung zwischen uns, Amiga Inc. und Hyperion ausgearbeitet. Diese
ermöglicht die sofortige Wiederaufnahme der Entwicklung von OS4 - und zwar
ohne initiale Kosten für Amiga Inc. - während sie Amiga Inc. erlaubt, auf
der Arbeit, die für OS4.0 geleistet wird, aufzusetzen und OS 4.2 und
spätere Versionen zu entwickeln. Außerdem wird ein Pfad für den AmigaOne
garantiert, der die Fertigstellung der Entwicklung und schlussendlich die
Produktion erlaubt. Die Vereinbarung garantiert auch eine weitergehende
Entwicklung des Betriebssystems für den AmigaOne, nach OS4.0. Und als ein
Teil der Vereinbarung wird Hyperion OS 4.0 auch für die CyberstomPPC-
Beschleunigerkarten für den A3/4000 anbieten, das ist wohl die beste
Nachricht des Jahres für alle Eigentümer von solchen "Big Box"-Amigas.
Natürlich entwickeln Hyperion OS 4.0 nicht alleine, stattdessen führen sie
ein Konsortium von bekannten und respektierten Amiga-Entwicklern an, zu
dem Haage & Partner, das Picasso96 Team, Matay, Olaf Barthel und viele
andere gehören.
Aber die beste Nachricht von allen ist, dass diese Vereinbarung - die
endlich und unwiderruflich den zukünftigen Pfad für alle Classic-Amiga-
Besitzer festlegen wird - an diesem Wochenende auf der WoA-SE am 3.
November in London unterzeichnet werden wird. Es hat viele Stunden der
Verhandlungen gebraucht, aber jetzt ist alles festgelegt, die letzte große
Hürde vor dem Next-Generation-Amiga wurde übersprungen. Alle Parteien
arbeiten jetzt ein weiteres Mal hart, um sicherzustellen, dass OS4.0 und
der AmigaOne zusammen Anfang des nächsten Jahres veröffentlicht werden
können.
Danke für Ihre Geduld und Ihr Verständnis
Alan M Redhouse
Managing Director, Eyetech Group Ltd.«
Das englischsprachige Original der Eyetech-Erklärung ist auf
http://www.eyetech.co.uk/addbar.php?Address=/NEWS/AMIGA001.HTM zu finden.
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