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Der Euro zum 2ten

PRO CONTRA
Artikel und Bild aus TOMORROW 22/23 2001

Wirtschaftspublizist Wolfhart Berg

Der Euro kommt Deutschland gerade recht - als Rettungsanker, Auffangbecken, Hoffnungsschimmer. Denn hohe Inflationsraten, traurige Arbeitslosenzahlen und düsteres BIP-Wachstum lassen die Deutschland AG 2001 als Schlusslicht in der EU-Staatenfamilie schlecht aussehen. Die einstige Wirtschaftswunder Lokomotive steht nicht mehr unter Dampf. Da hilft auch keine Gold-Deckung. Da kann nur der Euro neue Schubkraft geben. Die D-Mark-Scheine waren in den letzten drei Jahren sowieso nur noch Papiertiger eines festgezurrten Eurokurses. Erarbeitet wird die Härte einer Währung, ob sie nun DM oder Euro heißt, nur durch harte Arbeit, kreative Ideen und Patentrezepte, EU-Länder wie Holland, Irland oder Spanien helfen uns da auf die Sprünge. Der neue Währungsraum bringt außerdem kostensparendeVorteile: kein Devisenumtausch mehr, billigere Auslandsreisen; Kalkulationssicherheit für Export-Betriebe; durch die Preistransparenz können Verbraucher die Konkurrenz preiswert vergleichen! Das neue Euroland der 300 Millionen Europäer wird durch das neue Geld (ohne Währungsreform!) eine unüberhörbare Stimme bei G7 und Internationalem Währungsfonds. Der Euro wird stärker, weil attraktiver: Argentinien nimmt ihn in den Währungskorb, die Schweiz will ihn in jedem Urlaubsort als Zahlungsmittel akzeptieren, Osteuropa und Türkei handeln ihn jetzt schon als Zweitwährung. Und dem Dollar wird er ebenbürtiger Partner. Nach der Katastrophe von New York senkten Greenspan und Duisenberg den Leitzins im Parallelschwung. Der Euro wird erwachsen.

Wirtschaftspublizist Paul C.Martin

Jede Währung ist so gut wie das, womit sie gedeckt ist: Die D-Mark war durch beste Sicherheiten gedeckt. 70% davon: Pfandbriefe und Bankschuldverschreibungen. Dafür hafteten Grund und Boden und die stocksoliden deutschen Banken. 25% waren Staatsanleihen, der Rest Handelswechsel, dafür standen Weltfirmen wie Siemens oder BMW gerade. Im Euro-System ist die Bundesbank nur eine von vielen Notenbanken, die Geld ausgeben dürfen. Andere können Geld gegen Schulden von Staaten ausgeben, die viel höher verschuldet sind als Deutschland. Diese Deckung ist nichts wert.

Außerdem dürfen diese Notenbanken Euros gegen Papiere rausrücken, die Banken im Staatsbesitz fabrizieren. Das hat zur Folge, dass sich Staaten in Geldnot bei ihren Notenbanken direkt "bedienen" können. Sogar gegen Aktien dürfen Euros ausgegeben werden! Wie die stürzen, weiß man. Entsprechend schwach wird der Euro sein, dem wir nicht mehr ansehen, ob er von der guten Bundesbank oder von einer Hallodri-Notenbank kommt. Und noch etwas stört mich am Euro: Er kann von den Regierungen mehrheitlich für "nicht konvertierbar" erklärt werden, die EZB muss dazu nur angehört werden, hat aber keine Macht, es zu verhindern. "Nicht konvertierbar" heißt: Euros können nicht in Dollar, Yen oder Franken transferiert werden wie heute die DM. Europa kann sich von der Welt abkoppeln. Eine solche "Binnenwährung" hatten wir schon mal zwischen Weltwirtschaftskrise und Währungsreform. Der große Liberale Ludwig Erhard warf sie dann auf den Müll der Geschichte.

 
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Autor:   Wolf Zimmer E-Mail: wolf@wozim.de Homepage: http://www.wozim.de