Im Test
Holy Moses: Master Of Disaster (17:33 / Century Media)
Reunions mögen sich auf den ersten Blick zwar sinnvoll anhören, aber wenn man mal bedenkt, wieviele ehemalige richtig gute Bands nach der Reunion nur
noch Müll zusammen bekommen haben (als Pradebeispiel kann man hier wohl Metal Church anführen), dann kan man 95 % aller Reunions eigentlich für überflüssig
erklären. Auch die Trasher von Holy Moses um Sabrina und Andy Classen (letzterer ist aber nur noch im Hintergrund tätig) meinten, daß eine Reunion sinnvoll
sei und somit dürfen sich jetzt alle Trash Fans über die vorliegende EP "Master Of Disaster" freuen. Zumidnest prinzipiell, ist auch diese EP sicherlich kein
Paradebeispiel für eine wirklich gelungene Reunion. Okay, die fünf Songs sind richtig heavy ausgefallen, treten mächtig Arsch und kommen zudem noch amtlich fett
rüber, aber um Glanztaten handelt es sich dabei nun wirklich nicht. Am ehesten kann man die Klamotten noch mit dem zweiten Album "Finished With The Dogs" (1987)
vergleichen, wenngleich die neuen Songs qualitativ abfallen und damals wohl eher zu den durchschnittlichen Tracks gezählt hätten. Auch das streckenweise
hystersiche Gekreische von Frontfrau Sabrina Classen versprüht heutzutage einfach nicht mehr das Charisma der älteren Platten, die wohl auch wegen des Gesangs
heute Kultstatus genießen. Insgesamt ist "Master Of Disaster" also eher eine absolut durchschnittliche EP geworden, die zum großen Teil von dem Namen lebt und
in der heutigen Veröffentlichungsflut wohl untergehen wird. Ist ohnehin fraglich, wieviele Fans sich eine EP für 20 Märker mit knapp 18 Minuten Spielzeit zulegen
werden. Macht pro Minute fast eine Mark und das ist "Master Of Disaster" einfach nicht wert....
Fazit: 4 von 10 Punkten
Iced Earth: Horror Show (60:25 / Century Media)
Wurden die letzten Alben einiger etablierter Act`s doch (teilweise) zu Recht kritisch aufgenommen - ich denke da z.B. an das nach wie vor aktuelle Helloween Album "The Dark Ride"
oder den aktuellen Megadeth Longplayer "The World Needs A Hero" - so dürfte es bei dem neuen Iced Earth Album "Horror Show" eigentlich keine zwei Meinungen geben.
Die Band um Sänger Matt Barlow und Hauptsongwriter / Vordenker Jon Schaffer hat es nämlich geschafft, die Qualität des starken `98er Outputs "Something Wicked This Way Comes"
beizubehalten und teilweise sogar noch zu steigern. Mir gefällt die europäische Schlagseite der Marke Blind Guardian (hier hatte der Demons & Wizards Abstecher im vergangenen
Jahr wohl deutliche Spuren in Sachen Songwriting hinterlassen), die insbesondere bei Songs wie dem Ohrwurm "Dracula" oder "Damien" deutlich werden, auf jeden Fall hervorragend
und dadurch hat man dem Sound so ganz nebenbei noch den letzten Schliff verpasst. Natürlich ist die Blind Guardian Schlagseite bei weitem nicht so stark, daß man hier von einem
billigen Clone sprechen könnte, denn dafür überwiegenden die grandiosen Jon Schaffer Riffs, die er anscheinend mit Leichtigkeit aus dem Ärmel schüttelt, immer noch zu stark.
Auch ein straighter Banger der Marke "Jekyll & Hyde" würde wohl kaum auf ein Blind Guardian Album passen und lässt eher Erinerrungen an ältere Iced Earth Alben wie "The Dark Saga"
aufkommen. Fans des klassischen Iced Earth Sounds brauchen also beileibe keine Angst vor großen Veränderrungen haben, stehen die typischen Iced Earth Elemente doch nach wie vor
im Vordergrund. Erwähnenswert ist natürlich noch das gelungene Iron Maiden Instrumental Cover "Transsylvania" vom legendären Debutalbum der Eisernen Jungfrauen, welches natürlich
auch ganz gut in das lyrische Konzept - fast jeder Song beschäftig sich mit irgendwelchen Charaktären aus dem Horror Genre - passte. Wer auf klassischen Heavy Metal mit epischer
Schlagseite und Ohrwurmcharakter steht, der kommt an dieser Platte einfach nicht vorbei. Für mich ein richtig
starkes Album, welches wohl zu den Highlights des Jahres 2001 gehören wird! Von "Horror Show" existiert auch eine limitierte Version mit Bonus CD, auf der sich ein interessantes
Interview mit Jon Schaffer befindet. Bei Interesse sollte man als nach dieser Version Ausschau halten.
Fazit: 10 von 10 Punkten
Nightwish: Over The Hills And Far Away (48:51 / Drakkar)
Nightwish gehören neben HammerFall wohl zu den Entdeckungen der letzten Jahre und veröffentlichen mit "Over The Hills And Far Away" nun ein Album bestehend aus Live Tracks, neuen
Songs und jeweils einer Coverversion und Neueinspielung. Das ganze hört sich zwar zunächst arg nach Geldmacherrei an, aber ich kann alle Fans schon jetzt beruhigen:
"Over The Hills And Far Away" ist ein Album geworden, das den hohen Qualitäten, die mit dem Namen Nightwish verbunden sind, entsprechend ausgefallen ist. Die Gary Moore Coverversion
und gleichzeitiger Opener / Namensgeber "Over The Hills And Far Away" ist einfach nur genial und mitreißend ausgefallen und geht schon - ähnlich wie das Original - nach dem ersten
Hören nicht mehr aus den Ohren raus. Die beiden neuen Kompositionen "10th Man Down" (straighter Rocker) und "Away" sind zwar nicht herausragend, aber auch beileibe nicht
schlecht, wenngleich ich anmerken muss, daß die Ballade "Away" nicht an das Niveau von anderen Nightwish Balladen heranreicht. Tja, und dann wäre
da noch die Neueinspielung von "Astral Romance", welcher im Original auf dem `97er Debutalbum "Angels Fall First" zu finden war, der in der aktuellen Version - auch bedingt
durch die verbesserte Produktion - weitaus besser zu gefallen weiß, als das Original. Abgerundet wird das ganze dann noch von 6 Live Tracks von den letzten beiden Alben
"Wishmaster" und "Oceanborn", die ohnehin zu überzeugen wissen und soundtechnisch auch oberamtlich daherkommen - letzteres mag daran liegen, daß selbige Tracks auch auf
der neuen DVD "From Wishes To Eternity" zu finden sind und gerade deswegen höchsten Ansprüchen genügen müssen. Für Fans der Band ist diese Scheibe also eine ganz tolle
Sache, die die Wartezeit bis zum nächsten regulären Studioalbum angenehm verkürzt. Neueinsteiger sollten aber eher mit dem für meinen Geschmack stärksten Nightwish Album
"Oceanborn" anfangen und sich dann bei Gefallen "Wishmaster" sowie diese Compilation zulegen. Trotzdem eine ohne Frage gute Platte, in die man als Nightwish Fan ohne zu zögern
sein Geld investieren kann.
Fazit: 8 von 10 Punkten
Steel Attack: Fall Into Madness (45:49 / AFM)
Ein Glück, daß der ziemlich billige Bandname (und das noch billigere Logo!) zwar Rückschlüsse über die musikalische Ausrichtung, aber keine über die Qualitäten dieser Band
zulässt - denn die Band hat bei weitem mehr drauf, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Okay, nicht jeder dürfte heutzutage Luftsprünge machen, wenn er eine weitere Band
hört, die sich dem melodischen Power Metal der Marke old-Helloween verschrieben hat, aber Steel Attack sind dann doch besser, als viele ihrer Mitstreiter. Die neun Tracks
brezeln ziemlich ordentlich rein, egal ob es sich um stampfenden Nummern der Marke "The Beast" und "Holy Swordsmen" oder speedigere Tracks wie etwa den Opener
"Fall Into Madness", "Guardians" (kein Helloween Cover!) oder das für meinen Geschmak stärkste Stück "Clearing The Mind" handelt. War der Vorgänger "Where Mankind Falls" noch
etwas blutleer und zu durchschnittlich ausgefallen, haben Steel Attack am Songwriting gearbeitet und präsentieren uns einen Longplayer, der nicht nur vor Spielfreude so strotzt,
sondern auch richtig begeistern kann. Originalität kann und darf man hier zwar nicht erwarten - Helloween sind hier natürlich allgegenwärtig und auch Stratovarius, Gamma Ray und
HammerFall Trademarks schimmern an jeder Ecke durch -, aber selbst das grandiose HammerFall Debut "Glory To The Brave" (1997), welches man mitlerweile wohl zu den Meilensteinen
der `90er Jahre zählen darf, konnte auch "nur" damit glänzen, alte Sounds in ein modernes Gewand zu packen. Insofern kann fehlende Originalität keine wirklich große Kritik an diesem
Album sein, welches einfach nur Spaß vermitteln will und dies auch ohne Probleme schafft. Wer also auf Ohrwurmdurchsetzten melodischen Power Metal steht und die "Keeper...
" Alben von Helloween nur auf Knien aus dem Schrank holt, um diese zum x-ten male zu hören, der wird auch "Fall Into Madness" schon nach dem ersten Durchlauf mögen. Gefällt mir auf
jeden Fall besser, als so manch andere Band, die sich lieber "weiterentwickelt" hat und dabei nur noch gequirlte Kacke von sich gibt. Kaufempfehlung!
Fazit: 8 von 10 Punkten
Stratovarius: Intermission (67:26 / Nuclear Blast)
Wenn es eine Band gibt, die sich eine Auszeit verdient hat, dann sind es unter Garantie die Sympathiebolzen Stratovarius, die seid 1994 eigentlich jedes Jahr ein neues Album vorgelegt
haben und anschließend auch noch ausgiebige Tourneen absolviert haben. Das dieses Tempo irgendwann mal an den Kräften zehren würde, liegt auf der Hand und somit ist die Entscheidung
der Band, eine kleine Pause einzulegen allemal richtig. Um den Fans den vorläufigen Abschied etwas einfacher zu machen wurde mit "Intermission" noch kurzerhand ein neues Release
herausgebracht, auf dem sich nicht nur B-Seiten, Japan Bonus Tracks, Coverversionen und 2 Liveaufnahmen befinden, sondern sich auch 4 neue Kompositionen die Ehre geben. Alos eine
bunte Mischung aus verschiedenen Sachen, wobei insbesondere die neuen Tracks für den Fan interessant sein dürften: "Will My Soul Ever Rest In Peace?" sowie "Falling Into Fantasy"
sind zwei balladeske Stücke, die qualitativ aber genauso wie der typische Stratovarius Banger "The Curtains Are Falling"
ein wenig abfallen und mit dem hervorragendem Material des letzten Albums "Infinite" nicht so ganz mithalten können. Bei dem
vierten neuen Stück namens "Requiem" handelt es sich lediglich um ein Instrumental, das bisher bei Live Konzerten immer als Intro
hergehalten hat und somit eher als Bonus aufzufassen ist. Die restliche Spielzeit teilen sich die beiden Coverversionen
"Kill The King" (Rainbow) und "Bloodstone" (Judas Priest) (die allerdings auch schon auf den entsprechenden Tribute Alben
vertreten waren), nette Live Versionen von "Hunting High And Low" und "I Surrender" (Russ Ballard Cover) sowie diverse Single B-Seiten, Japan / Frankreich Bonus Tracks und Limited
Edition Bonus Tracks. Wer über die Jahre hinweg ein Fan von Stratovarius war, der wird ohne Frage viele dieser Raritäten schon kennen, zumal der Track
"Cold Winter Nights" schon auf der europäischen Version von "Destiny" zu finden war. Nichtdestotrotz handelt es sich bei diesen gesammelten Tracks um durchweg gutes Material, auch
wenn ein Großteil der Songs sehr ruhig und gemäßigt ausfällt und "Intermission" damit einen stark balladesken Charakter verleihen. Anyway: Fans der Band greifen sich "Intermission"
gefälligst ab (die ganz harten Supporter sollten sich die "Limited Edition" zulegen, in der noch eine Bonus CD mit der Demoversion von "Freedom" vorhanden ist), stellt es doch einen
würdigen (vorläufigen) Abschied einer der angesagtesten Melodic Power Metal Bands dar. Und mehr soll "Intermission" ja auch nicht sein....
Fazit: ---
Voice: Golden Signs (59:42 / AFM)
Waren schon die beiden Vorgänger "Prediction" (welches zunächst nur als Eigenpressung veröffentlicht wurde und mitlerweile via AFM Records rereleast wurde) sowie "Trapped In Anguish"
beileibe nicht von Pappe, so haben Voice nun mit "Golden Signs" ihr wohl bisher ausgereiftestes Werk vorgelegt. Stilistisch bewegt man sich nach wie vor im melodischen Power Metal
Sound und lockert diesen zudem mit starken Bombast Elementen sowie vereinzelten progressiven Parts amtlich auf, so daß hier nicht permanent Vergleiche mit HammerFall & Co. aufkommen, sondern
man der Band auch soetwas wie Eigenständigkeit attestieren kann. Schon der Opener "Golden Signs" fegt mit seinem mitreißenden Ohrwurm Chorus alles weg und auch die beiden nachfolgenden
Tracks, die jeweils eine Spielzeit von über 6 Minuten haben und somit ordentlich Platz für ausgedehnte Soli und progressive Elemente bieten, "Days Of Trust" und "On My Way"
(hier kann man latente Stratovarius Einflüsse ausmachen) wissen zu gefallen. Dazu gibt es mit "The Last Dance" auch noch eine nette Ballade sowie mit der Neueinspielung von "The Prediction"
auch noch ein kleines Bonbon für alle äteren Fans der Band, wobei hier die progressiven Elemente etwas stärker zum Zuge kommen und diesen Track somit etwas herausragen lassen, was aber
keineswegs negativ gemeint ist - vielmehr gehört "The Prediction" zu einem der stärksten Stücke auf dieser abwechselungsreichen Platte, die übrigens von Stefan Schwarzmann (Accept / U.D.O., Running Wild)
an den Drums eingezimmert wurde. Das ganze ist zudem amtlich und fett produziert, so daß Power Metal Fans hier eigentlich auf ihre vollen Kosten kommen sollten. Abzüge gibt es lediglich für das etwas
schwächere "The Last Dance" sowie das zu platte "Deadly Embrace", wobei diese den positiven Gesamteindruck von "Golden Signs" auch nur unwesentlich schmälern können. Eine ohne Frage starke
Platte, die man nicht links liegen lassen sollte!
Fazit: 8 von 10 Punkten
Wayne: Metal Church (39:06 / Nuclear Blast)
Okay, ziemlich dreist ist es schon das legendäre Metal Church Logo sowie eine moderne Kopie des Covers des kultigen Metal Church Debutalbums zu nehmen und das ganze dann auch noch mit "Metal Church"
zu betiteln. Immerhin handelt es sich bei Wayne um eine fast komplett neue Band, wenn man mal von Gitarrist Craig Wells und Namensgeber David Wayne absieht, der ja seinerzeit mit Metal Church absolute
Göttergaben ablieferte. Was das Logo und das Marschall-Cover versprechen, kann allerdings auch die Musik halten: Der Opener "The Choice" erinnert ziemlich stark an den Song "Metal Church" und auch Songs wie
"The Hammer Will Fall" oder "Ballad For Marianne" hätten durchaus auf Metal Church Alben der Marke "The Dark" stehen können. Hinzu kommen mit den beiden geilen Uptempo Nummern "Burning At The Stake" und
"Nightmare - Part II" zwei Songs, die auch auf den Metal Church Alben zu absoluten Highlights gezählt hätten. Die abschließende Mountain Coverversion "Mississippi Queen" rundet die Scheibe zudem perfekt
ab, auch wenn sich mit "DSD" ein arg durchschnittlicher Song auf die Platte eingeschlichen hat. Macht aber im Grunde auch nichts, denn "Metal Church" ist immer noch ein bärenstarkes Album geworden, welches
sich in dieser Form wohl viele Metal Church Fans das verkorkste Metal Church `99er Reunionalbum "Masterpeace" gewünscht hätten. Klar, so etwas wie Originalität kann man mit diesem Longplayer einfach zu
keinster Weise in Verbindung bringen, aber so ein richtig schönes Old School Metal Album wie das vorliegende kann auch absolut begeistern. Wer also den Metal Church Sound nach "Masterpeace" tot glaubte
(was er nach diesem Totalausfall wohl auch ohne Frage war!), der kann sich nun voller Freude Wayne`s "Metal Church" Album reinpfeiffen und in Gedanken in den seligen `80ern schwelgen. Für Metal Church
Fanatiker ist dieses Teil einfach nur Pflicht und sollte sofort blind abgegriffen werden - und mal im Ernst: Wer vergöttert die alten Metal Church Alben heutzutage nicht?
Fazit: 9 von 10 Punkten