Review: Juwelen des Lichts

  • Genre: Rollenspiel
  • Mindestanforderung: Any Amiga, 1 MB Ram
  • Hersteller: M.Lampe & R.Müller
  • Quelle: Aminet
  • Ja, das Aminet hat für die Rollenspielsüchtigen unter uns schon so einige Schmankerl parat. Neben dem Alltime-Klassiker "Moria" gehören Spiele wie "Zangband/Angband", oder auch das hier vorgestellte "Juwelen des Lichts", zu den besten ihres Faches. Und eines haben all diese Rollenspiele gemeinsam: Eine relativ schlichte grafische Aufmachung, die den kommerziellen Konkurrenten (Ambermoon, DSA) noch nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen kann. Für viele Grund genug solchen Produkten keine weitere Beachtung zu schenken...too bad - denn das auch solche Vertreter einen potentiellen Suchtfaktor mit sich bringen entgeht den meisten somit.

    In "Juwelen des Lichts" geht man als angehender Abenteurer der Sage nach, dass diese Juwele, diese Relikte aus der Vergangenheit noch Existent sind. Denn ein zusammenführen aller 7 würde wieder das herbeiführen, wonach sich die Einwohner Cordovans so hingebungsvoll sehnen: Frieden ! Kein Monster hätte den hauch einer Überlebenschance, wenn die Magie der Juwelen wieder zur geltung kommen würde und alle bösen Kreaturen auf Cordovan elendig krepieren müssten. It`s Magic - aber leider gilt dieser Schatz schon seit längeren als verschollen (bzw gestohlen, nämlich von einem dieser Ultra-Bösen Zauberer). Es ist also die Aufgabe des Spielers Gerüchten nachzugehen und ausschau nach den Juwelen zu halten - auf das wieder Frieden in das von Monstern und Mutanten geplagte Land einkehren möge...

    Die ersten Rundgänge in der Hauptstadt, wo das Abenteuer beginnt, machen es deutlich: JDL ist stark an "Das Schwarze Auge" angelehnt. Die Erschaffung Fünf Charaktäre (Krieger, Zwerge, Elfen...u.s.w. mit Werten wie Klugheit, Mut, Kraft...) - der Besuch in der Gilde - und das hantieren mit den Attacke- und Paradewerten (die je nach getragener Waffe variieren) lassen darauf schliessen, dass die beiden Autoren begeisterte DSA-Spieler sind. Auch die Tatsache, dass das Spiel alles andere als linear abläuft weckt erinnerungen. So weiss man z.B anfangs gar nicht was man tun soll und streunt einfach ein wenig durch die Gegend (respektive stattet einigen Bewohnern einen Besuch ab). Einige kleinere Aufgaben gibt es bereits in der Hauptstadt zu erledigen, nur wollen diese erstmal gefunden werden. Es spricht z.B. nichts dagegen dem König mal einen Besuch abzustatten. :-) Jedes der unzähligen Städte in Cordovan besitzt eine Gilde, wo man die einzigste möglichkeit den Spielstand zu sichern, in anspruch nehmen kann - und natürlich noch Tempel / Tavernen / Waffenläden u.a. ! Bei letzteren ist die Auswahl leider meist die gleiche - aber bis man erstmal alle Waffen, Schilde und Rüstungen, die diese Läden zu bieten haben, ausprobiert hat vergeht schon einiges an Zeit.

    Nach dem ersten notdürftigen Ausrüsten der Partymembers (gerade mal eine magere Sozialhilfe in Händen - was soll man sich da auch gross leisten ? ;-)) kann man sich auch schon in die ersten Aufgaben stürzen, um Erfahrungspunkte einzuheimsen. Zwar wird man auch schon in unregelmässigen Abständen beim Stadtrundgang angegriffen - die grossen Gegner jedoch warten in den tiefen Dungeons, in düsteren Katakomben oder geheimnisvollen Tempeln auf uns.

    Kommt es zum unausweichlichen Handgemenge, schaltet der Screen automatisch in den Kampfmodus. Dort bewegen wir Rundenbasierend unsere Figuren per Cursortasten auf dem Feld, um sie optimal für den Kampf zu positionieren. Fernkampfwaffen können hier ebenso zum Einsatz kommen wie Zaubersprüche - jedoch kann man dabei (im gegensatz zur Nahkampfwaffe) genug Abstand zum Gegner nehmen. Ein grosser Attackewert erhöht die Chance auf einen Treffer - ein guter Paradewert dagegen lässt einen Schwerthieb des Gegners durch die Luft (anstatt durch die Haut einer unserer Helden) zischen. Beim gelingen einer Attacke richtet sich der Schaden natürlich nach der benutzen Waffe. Kriegt irgendwer ein`s auf die Mütze, kann die getragene Rüstung einiges kompensieren. Der Vorteil dieses Kampfsystems ist auch gleichzeitig der Nachteil (je nach Auge des Betrachters): Es ist sehr langatmig ! Es passiert nicht selten, dass sich ein (etwas schwierigerer Kampf) mal eine Viertelstunde hinzieht. Für die einen ist es Spannung pur - für die anderen dagegen die längste SchnarchPraline der...ähm...! Auch hier werden die Erinnerungen an das Computerspiel DSA wach, das ein ebensolches Kampfszenario bietet. "Hack&Slay"-Verfahren (wie bei Dungeon Master oder der Beholder-Trilogie) dürfen hier mit der Lupe gesucht werden.

    Die Helden steigen nicht automatisch auf in`s nächste Level, wenn eine bestimmte Zahl an Erfahrunspunkten eingeheimst wurde, sondern müssen sich schon auf den Weg in die Stadt machen, wo ein paar der Ältesten den Weg ebnen. Beim Aufstieg entscheidet der Spieler was sich ändert: Jeweils die Lebenspunkte ODER Magiepunkte dürfen steigen (diese Qual der Wahl hat man nur bei einem Magiebegabten Charakter) sowie ein anstieg bei einem der Fähigkeitswerte. Schliesslich noch ein dazuaddierter Punkt beim Attacke oder Paradewert und schon kann`s weitergehen ... z.B durch die Wildnis, wenn man von den Städten mal genug haben sollte. Auch hier gibt es in den Wäldern, Wüsten, Gebirgen und Sümpfen einiges zu entdecken.

    Neben den vielen kleinen Hütten, die man desöfteren am Wegesrand vorfindet (dort "hagelt`s" Informationen evtl. Aufträge) gibt es auch in den leeren Bauten der Städte manchmal die eine oder andere Überraschung in Form von Schätzen, Gegnern oder sonstigem.

    Technik & Fazit !

    Well - "Juwelen des Lichts" hat bei mir (wie ihr anhand der Screenshots sehen könnt) einen kleinen grafischen Fehler. So wird an Stelle der Gruppe, des Sprites (was auch immer man NORMALERWEISE sieht) in der Stadt und in der Wildnis nur ein undefinierbares etwas angezeigt, dass ich dann durch die Gegend steuern darf. ;-) Dieses störende Etwas (das mich in der Stadt eher an einen Mückenschwarm und in der Wildnis an einen riesiegen roten Blutklecks erinnert) soll aber hier nicht in die Beurteilung einfliessen. :-) Die Grafik ist mit viel Liebe zum Detail gepixelt worden, was man auch an den vielen Gegnern erkennen kann. Mitnichten ist sie mit dem Kaliber eines Ambermoon zu vergleichen, aber für Freeware- Verhältnisse ist sie sehr angenehm. Was fehlt sind animierte Sprites - das würde die Sache doch erheblich aufwerten. Der Sound beschränkt sich leider auf ein paar vereinzelte Soundeffekte (ein Hüsteln und Rattern beim Waffenladen, ein Plätschern in den Katakomben...) und kann deswegen nicht als ausreichend angesehen werden. Aber dies ist ohnehin ein Spiel, dass nicht ohne Heavy Metal-Background auskommen sollte ;-), weswegen man die Aktivboxen ruhig auf stumm stellen kann ! Die Steuerung läuft komplett über die Tastatur und ist wie bei vielen Freeware-Genrevertretern gewöhnungsbedürftig. Zwar wurde die Maus stellenweise involviert - aber das ist beim besten Willen nicht der Rede wert...! Kommen wir zum eigentlichen positiven, das man JDL abgewinnen kann: dem Gameplay ! Rollenspieler, die kein grosses grafisches drumherum benötigen um in eine Fantasywelt abzutauchen werden auch an JDL Spass haben. Zu Gefallen weiss der Kampfmodus (aber dies ist wirklich Geschmackssache), das hantieren mit den Waffen, die komplexen Örtlichkeiten, die vielen Aufgaben die es zu bewerkstelligen gilt, der Aufbau der zahlreichen Dungeons und auch das Automapping ! Aber wo viel Licht, da auch viel Schatten...! Als äusserst negativ empfinde ich das einheimsen von Erfahrungspunkten: Nur derjenige, der den Gegner letztendlich tötet, kassiert diese imaginäre Trophäe - alle anderen (auch diejenigen die den Gegner verletzt haben) schauen in die Röhre. Hier wird partu nichts geteilt ;-( - und ein Charakter, der einfach schwach mit der Waffe ist hat hier schnell mal das nachsehen (man denke an einen Magier, dem die Magiepunkte fehlen und er somit notgedrungen zum Dolch greifen muss, um auch noch etwas vom Experience-Kuchen abzubekommen). Sehr störend ist auch, dass eine Spielstandsspeicherung nur bei der Gilde in den Städten möglich ist. Wenn einem nach 2 Stunden im tiefsten Dungeon urplötzlich das zeitliche segnet, endet diese Katastrophe schnell mal in tiefster Frustration. Wirklich schwierig dann noch genung Motivation aufzubringen - und der Monitor darf dann auch gerne mal bluten, wenn man wie wild auf ihn einschlägt ! :-) Auch würde ich mir ein wenig mehr Hintergrundinformationen zu den einzelnen Missionen wünschen...allzuviel Lesestoff hat JDL nun wirklich nicht zu bieten, womit das meiste sich in der Fantasie des Spielers abspielt.

    Es gibt noch zahlreiche andere kleinere (positive als auch negative) Details, die es über JDL zu berichten gäbe. Alles in allem bleibt aber ein Spiel, dass, sieht man über die Mängel hinweg, fesselt und ansprechend ist. Wohl gemerkt: Nicht für die grosse Masse der Spieler höchst interessant - sondern eher eine Gaudi für Extrem-Rollenspieler ! Die Mehrheit wird dann doch lieber zu Amberstar/Moon und Co. greifen wollen...alleine schon der Technik halber.

    Nun, soviel dazu...ich für meinen Teil werd` jetzt erstmal eine Runde weiter diesem Hardcore-Dungeon meinen Besuch abstatten. ;-) And my Sword is by my side...

  • Juwelen des Lichts:
  • Grafik: Befriedigend
  • Musik/Sound: Mangelhaft
  • Langzeitmotivation: Befriedigend

  • Rainer "The Machine" Thieke