Review: Imperium Terranum II

  • Genre: Strategie/Wirtschaftssimulation
  • Mindestanforderung: AGA Amiga, 68020 Prozessor, 2 MB ChipRam,
  • Hersteller: Virtual Worlds
  • Quelle: Aminet
  • Welten-Simulationen im Freeware/Shareware-Bereich in der Machart von Imperium Terranum tragen auf dem Amiga doch eher das Prädikat "Seltenheitswert". Zumal dieser Vertreter seines Genres mit ungewohnt viel Liebe zum Detail ausgearbeitet wurde und jedem angehenden Imperator wenigstens ein paar lange Abende an den Monitor bannen sollte ;-). Kurzgefasst geht es bei IT um den technologischen Aufbau der eigenen Zivilisation (The Human Race) und somit um die Eroberung des Weltraums. Das eigentliche Ziel besteht aber in der Einführung des NewLife-Projektes, dass der eigenen Rasse einen übergang in pure Energie beschert - etwas, womit man Gott verdammt nahe kommen sollte...! Bis dahin ist es aber ein weiter Weg von wissenschaftlichen Errungenschaften.

    Wir forschen uns nach vorne:

    Das "Know How" der Menschheit auf Vordermann zu bringen ist also primärer Sinn. Die Finanzen, die für die Wissenschaftlichen Gross- und Kleinprojekte nötig sind, müssen aber ebenso vorhanden sein - was wiederrum an der Produktivität der Mutter Erde respektive seiner Bewohner liegt. Erfindungen wie die "Wetterstation" oder auch die "sich selbstverwaltende Fabrik" bringen das nötige Cash - das einführen von Projekten wie "Recycling" oder "Fusions-Kraftwerk" dagegen steigert das Wachstum der Menschheit, da die Umwelt entlastet wird. Ohne ein ausreichend finanzielles Polster können sich Grossprojekte wie die "Krebsheilung" oder die "Förderation der Planeten" (die u.a. nötig sind um das Spielziel zu erreichen) Jahrzehnte lang hinziehen. Dumm an der ganzen Sache: Immer nur ein Projekt kann in Angriff genommen werden, weswegen man sich ein strategisches aufbauen zurechtrücken sollte. Wenn z.B. Erfindungen wie der "Hochenergie-Laser" oder der "Impulsantrieb" vernachlässigt werden, kann man bei kriegerischen Auseinandersetzungen schnell mal den kürzeren ziehen. Und die meisten Erfindungen setzen ein Grundwissen vorraus - der Hochenergie-Laser z.B. wird einem auf ewig verborgen bleiben, wenn die Menschheit nicht das Phänomen der Teilchen-Physik entdeckt hat. ;-)

    1900 - The Virgin Unknown:

    Wie gestaltet sich dieser Marathon nun spielerisch ? Nun, wir starten im 20. Jahrhundert und sehen via Vogelperspektive das Sonnensystem. Per Maus kann man sich nun die anderen Planeten anschauen (und schon von vorne herein planen, bei welchen sich im späteren Spielverlauf eine Besiedelung lohnt). Auf Mutter Erde werden sämtliche Projekte, wie die Biosphere 2 oder der Raumdock, realisiert - während die vom Spieler gewählten Forschungen (z.B die für die Raumfahrt dringend nötige Halbleiter oder die Mikrocomputer...) nach einer bestimmten Zeit abgeschlossen sind, und somit weitere Projekte möglich machen. IT läuft Rundenbasierend ab, wobei jede Runde einem Jahr entspricht - nicht selten ist es aber anfänglich der Fall, dass man einfach auf dem Bildschirm die Jahre vorbeifliessen sieht, weil man in einer Warteschleife steckt, da sowohl Projekte im Bau, als auch Forschungen im Gange sind. Einfluss auf die Finanzen nehmen wir im kleinen Optionsmenü, das neben Statistiken, Informationen der Ausserirdischen und Dauer der momentanen Forschung auch das hantieren des Geldes erlaubt. Prozentual kann hier aufgeteilt werden wieviel in die Forschung, dem Geheimdienst (beschafft wichtige Info`s über kriegerische Aktivitäten) oder in die Guthaben-Leiste fliesst. Letzteres darf nicht in einen Minus-Bereich fallen, was aber durchaus passieren kann, da bereits gebaute Raumschiffe am Bargeld zehren. Und je nach Menge der gebauten Schiffe wird der Unterhalt der selbigen fällig.

    The First Man On Mars:

    Nachdem die Forschung soweit fortgeschritten ist, dass der Bau des ersten bemannten Raumschiffes möglich ist (eine nahezu in sich zusammfallende Wostok ;-)), ist endlich der umliegende Weltraum nicht länger unantastbar. Bereits dann können die Schiffe (und natürlich auch die stärker bewaffneten, die die Terraner im laufe der Zeit realisieren) zum Schutze der Erde im Orbit ihre Runden drehen oder sich samt einer Siedler-Einheit zu einem anderen Planeten begeben, um ihn zu besiedeln. Hier empfiehlt es sich, die Planeten vorher nach ihrer Besiedelbarkeit (=Produktivität=Geld) und dem Wassergehalt zu prüfen. Hat man als Beispiel den Planeten Mars unter seine Fittiche gebracht, gilt es neben dem aufbau der Biosphäre, der Industrialisierung und der Infrastruktur auch dafür zu sorgen, dass (der ziemlich trocken daherkommende) Bruder Mars ausreichend mit Wasser versorgt wird. Auch hierfür eignen sich schnell vorankommende Raumschiffe bestens.

    The Enemy Is Out There:

    Nachdem sich die Terraner im Sonnensystem richtig breit gemacht haben, dauert es auch in der Regel nicht lange bis die ersten Besucher mit mächtig kriegerischen Absichten uns an`s Eingemachte wollen. Während Mutter Erde aufgrund technologischer Fortgeschrittenheit immer oberste Priorität sein sollte, dass es zu schützen gilt, machen Rassen wie z .B. "Kleganer", "Remalonen" oder "Feragis" auch nicht davor halt, sich noch im aufbau befindliche Planeten anzueignen. Hier kommt es vor allen Dingen auf die Terranische Abwehr im Orbit drauf an diese Heimaten zu Verteidigen. Man kann sich aber auch die Mühe machen eine gesammte Raumschiff-Flotte zusammenzustellen, um sie dann dem Angreifer entgegen zu werfen - Denn dem Spieler steht es letztendlich frei, Schiffe frei nach Schnauze im All zu postieren. Kommt es zu einer Konfrontation ist der Spieler nicht in der Lage einzugreifen. Wahlweise, je nach Einstellung der Optionen, kann man sich den Kampf betrachten (zwei Raumschiffe flitzen über den Bildschirm und versuchen ein gegenseitiges Ausschalten) oder man sieht einfach nur ein Raumschiff auf der Sternenkarte verpuffen. Das ganze läuft nach einem Wahrscheinlichkeits-Prinzip ab...WAHRSCHEINLICH hat eine kleine Patronenbestückte Wostok nicht den Hauch einer Chance gegen eine mit Phaserbank ausgerüstete Voyager der neusten Generation...! :-) Obwohl: Wunder gibt es immer wieder ! Den einzigen Einfluss, den man bei solchen Kämpfen nehmen kann, ist die Möglichkeit bei stärkeren Schiffen Energie auf die Waffen oder Schilde zu lenken. So kann selbst ein Unterlegenes Terranisches Schiff noch ordentlich Schaden anrichten - auch wenn die Schilde dann bereits bei einem anhauchen in sich zusammenbrechen... ;-)

    Augen- und Ohrenschmaus ?

    Natürlich gibt es noch zahlreiche Katastrophen/Ereignisse, die den Spielverlauf beeinflussen. Kriege werden erklärt - Bündnisse mit anderen Zivilisationen geschlossen - Verhandlungen führen zu Frieden - Wurmlöcher tauchen wie aus dem Nichts auf - U.S.W. ! Wichtig wäre es noch zu erwähnen, das man gegnerische Planeten in anderen Galaxien erobern kann...Aber auf all diese (spielerisch abwechslungsreichen) Kleinigkeiten möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen, sondern verweise lieber auf das Spiel selbst. Ein Augen- und Ohrenschmaus ist Imperium Terranum 2 aber mitnichten ! Wer also Grafikorgien bei der Eroberung des Weltraums erwartet, der wird eine ziemliche enttäuschung erleben müssen. Zweckmässig ist die InGame-Grafik, aber mehr auch nicht. Die kleineren Action-Sequenzen, die einem beim Flug durch ein Wurmloch (In Pseudo-3D a la Space Harrier) oder der Eroberung eines fremden Planeten (Shoot or Loose...) begegnen (und die man Wahlweise selbst bewerkstelligen darf) zaubern allerhöchstens ein flüchtiges bemitleidenswertes lächeln in`s Gesicht. Nett sind die Grafiken, die (mehr oder weniger) das veranschaulichen was man gerade erforscht hat - aber auch hier hat man schon weitaus besseres bei Freeware-Produkten sehen dürfen. Der Sound ? Die paar wenigen verteilten Musikstücke sind mehr als nur belanglos - ganz zu schweigen von den Soundeffekten, die man gerne (auch um nicht schon nach 2 Wochen zum Hörgerät greifen zu müssen) ganz leise stellt. Da brummen die Raumschiffe, da piepsen die Laser, da schüttelt sich der Tester... ;-)

    Empfehlenswert !

    Imperium Terranum II lebt eindeutig vom durchaus faszinierendem Gameplay, dass mit einer komfortablen (Maus/Tastatur) Steuerung daherkommt, und nicht den Tabellenwahn einer allzu komplexen Wirtschaftssimulation vorzuweisen hat. Schnell hat man eine gewisse Strategie entwickelt, um das Weltall Terranisch zu gestalten - und ist begierig darauf alles erforscht zu haben. Der Krieg zwischen den Zivilisationen ist ein weiterer faszinierender Aspekt bei IT. Oder gibt es etwas schöneres, als wenn der Erzfeind mit einer kleinen Armada anrückt um Mutter Erde auszulöschen...nicht ahnend, dass seine Viertklassigen Starwing`s sich schon bald gegen unsere Erstklassigen Warbird`s behaupten müssen :-) ! Aber dies hat leider Seltenheitswert, und somit komme ich zum einzigen Haken an dem Gameplay: Der Schwierigkeitsgrad ! Manchmal läuft es darauf hinaus, dass eine Rasse die Terraner mit einer übermächtigen Kriegsmaschinerie überrollt - ganz Überaschend und unerwartet - während die eigene Rasse Technologisch noch nicht fortgeschritten genug ist um dieser Übermacht Herr zu werden. Und nur ein Planet, dessen Orbit vor lauter Verteidigungsschiffen aus allen Nähten platzt, hat dann eine minimale Überlebenschance. ;-)

    Aber sei`s drum ; Wer die Herausforderung im All sucht, der sollte sich Imperium Terranum 2 unbedingt einmal anschauen. Für Science Fiction Fans ist diese kleine Softwareperle ohnehin ein muss - sofern man abstriche in Grafik/Sound gerne mal in kauf nimmt. Der Spielspass zählt, und davon hat dieses Spiel reichlich zu bieten !

  • Imperium Terranum II:
  • Grafik: Ausreichend
  • Musik/Sound: Mangelhaft
  • Langzeitmotivation: Gut

  • Rainer "The Machine" Thieke