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4. Softwaretest: Dateitool MultiRen v1.45 (von Denis Nikolic)

Das Programm MultiRen von Daniel Westerberg ermöglicht das Umbenennen von Dateien mit Hilfe einer grafischen Oberfläche. Insbesondere bei großer Dateianzahl sollen zeitraubende Änderungen per Hand vermieden und stattdessen automatisiert werden. Dazu werden mehrere Tools bereitgestellt, die jeweils für einen ganz bestimmten Bereich oder für eine spezielle Aufgabe zuständig sind.

MultiRen läuft bereits ab OS 2.04, benötigt MUI 3.8 sowie die ASL-Library. Auch mit UAE funktionierte es einwandfrei. Die Installation ist schnell erledigt, die nur in Englisch verfügbare Anleitung erklärt alle Funktionen ausführlich und verständlich - auch die komplexeren Funktionen kommen dank Beispielen gut rüber.

Das Programm selbst ist "Key-Mail-Ware" wie es der Autor bezeichnet. Bei der Registrierung (sie ist kostenlos; es muss nur der Name angegeben werden) erhält man ein Keyfile, das ca. ein Dutzend "Nervrequester" eliminiert - wobei "Nervrequester" schon fast übertrieben ist, da die erscheinenden Meldungen oft nur Erklärungen bzw. Sicherheitsabfragen vor größeren Aktionen sind, die dann noch abgebrochen werden können.

Beim ersten Start öffnet sich nur das Hauptfenster, in dem alle Dateien, die später umbenannt werden sollen, in einer Liste verwaltet werden. Die Oberfläche mag anfangs vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen, stellt sich aber mit der Zeit als flexibel und wohl durchdacht heraus.

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Als erstes müssen die zu ändernden Dateien zur Liste hinzugefügt werden. MultiRen ist hier extrem flexibel und ermöglicht dies entweder durch Drag&Drop, durch Dateiauswahl (Laden einzelner Dateien oder ganzer Verzeichnisse - auch rekursiv) oder per Import einer Textdatei (z.B. einer Playlist). Außerdem existiert hierfür noch ein internes Dateiformat, falls die Liste zuvor in diesem Format gespeichert wurde. Damit aber nicht genug: Bedingungen bezüglich der Dateilänge können festgelegt werden, um gezielt Dateien herauszufiltern. Auch ".info"-Dateien können optional weggelassen werden, da das Programm diese später (bei Bedarf) automatisch korrekt ändert.

Alle bereits hinzugefügten Dateien können jederzeit gezielt per Mausklick oder über das Menü durch Wahl bestimmter Kriterien von Änderungen ausgeschlossen oder gar aus der Liste entfernt werden. MultiRen zeigt bereits hier seine erstaunlichen Fähigkeiten.

Nun könnte man bereits beginnen, von Hand die Dateinamen oder das Dateikommentar zu ändern, aber das soll ja schließlich das Programm für uns erledigen. Trotzdem ist diese Möglichkeit für individuelle Korrekturen immer noch schneller als per Shell oder Workbench. Das Tolle an MultiRen ist, dass alle Änderungen vorerst zwischengespeichert werden und erst dann durchgeführt werden, wenn eine Schaltfläche, deren Text fett ist, gedrückt wird! Das heißt, nur die Schaltflächen "Rename" und "Undo Rename" führen tatsächlich Änderungen durch, alle anderen Funktionen können gefahrlos ausprobiert und getestet werden.

Die eigentliche Intelligenz von MultiRen liegt in den Tools. Insgesamt sind es sieben Tools, wobei noch zwei weitere für den Im- bzw. Export der Dateiliste hinzukommen. Die Tools können natürlich alle gleichzeitig geöffnet werden und blockieren sich weder gegenseitig noch das Hauptfenster von MultiRen. Folgende Tools stehen zur Verfügung:

Sort:

Mit diesem Tool kann die Dateiliste auf über ein Dutzend Arten sortiert werden und Dank der zusätzlichen Optionen müsste eigentlich jeder zufriedengestellt werden können. Auch das zufällige Vermischen der Liste ist hier möglich, was z.B. für die Erstellung einer Playlist interessant ist.

Weiters kann ein zweites Sortierkriterium angegeben werden, absteigende Sortierung gewählt werden, Berücksichtigung der Groß-/Kleinschreibung und sogar das Überspringen der ersten 0-108 Zeichen bei der Sortierung kann eingestellt werden. Eine weitere interessante Möglichkeit ist das Sortieren nach der Extension (wobei das zweite Sortierkriterium dann leider auch immer nur die Extension und nicht den ganzen Namen heranzieht.)

Da das Tool häufig benötigt wird, kann es praktischerweise auf die am häufigsten benötigten Optionen minimiert werden und so das Fenster immer offen bleiben.

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FileCleaner:

Hiermit können unerwünschte Zeichen im Dateinamen, wie z.B. Leerzeichen, Underscores, "*", "?", etc. entfernt oder durch andere Zeichen ersetzt werden. Ebenso können z.B. bei durchnummerierten Dateien alle führenden Nullen beseitigt oder die Groß-/Kleinschreibung auf verschiedene Arten korrigiert werden. Auch mehrfach vorkommende Zeichen wie z.B. "Test----1" können zu "Test-1" mit nur einem Klick vereinfacht werden.

Im Prinzip kann hiermit jedes beliebige Zeichen gezielt entfernt oder durch ein Leerzeichen bzw. Underscore ersetzt werden. Leider kann jedoch kein eigenes Zeichen angegeben werden, mit dem es ersetzt werden soll.

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Adaptor:

Der Adaptor ermöglicht es Dateinamen auf eine bestimmte Anzahl von Zeichen zurechtzustutzen bzw. zu erweitern. Hierbei wird aber nicht einfach der Dateiname abgeschnitten, um die gewünschte Länge zu erreichen, sondern es wird versucht überflüssige Stellen/Zeichen zuerst zu entfernen. Dasselbe gilt beim Erweitern von Dateinamen - z.B. wird aus "Test1und2.txt" der Dateiname "Test_1_und_2.txt". Der Adaptor geht also recht clever an die Sache ran und hat bei den Tests positiv überrascht.

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Extension Editor:

Dieses Tool ist, wie der Name bereits verrät, speziell für die Dateierweiterungen zuständig. So können Erweiterungen hinzugefügt oder entfernt werden, an den Anfang oder das Ende des Namens gehängt oder einfach nur korrigiert werden (z.B. ".jpeg" zu ".jpg"). Auch die Groß- /Kleinschreibung der Extensions kann mit diesem Tool vereinheitlicht werden.

Natürlich können auch eigene Dateierweiterungen in die Liste hinzugefügt oder bestehende entfernt werden.

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RenPlacer:

Dieses Tool (mit dem etwas seltsamen Namen) ist wahrscheinlich das mächtigste und auch interessanteste von allen. Es dient zum Ändern, Ersetzen und Suchen. Hierbei können sowohl im zu suchenden als auch im zu ersetzenden Textfeld die Platzhalter "*" und "?" verwendet werden. Die sehr praktische Infobox über den Eingabefeldern gibt Hinweise und zeigt auch an, ob die Eingabe gültig ist.

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Die Suchfunktion hat leider einen großen Schwachpunkt. Sie kann nur nach dem neuen oder alten Dateinamen oder dem Dateikommentar suchen, jedoch nicht nach dem Pfad oder nach Dateinamen mit einer bestimmten Länge etc. Es existiert im MultiRen-Hauptfenster zwar noch eine andere Suchfunktion, aber die ist noch unflexibler. Schade.

Beim Ersetzen werden den Platzhaltern Nummern oder Buchstaben zugewiesen. Dadurch werden auch komplizierte Änderungen und z.B. Umschichtungen innerhalb des Dateinamens möglich. Auf jeden Fall sollte man sich hierzu die Anleitung kurz durchlesen, um die Möglichkeiten optimal ausnützen zu können. Dort erfährt man auch, was die beiden Schaltflächen "Rename" und "Replace" unterscheidet. ;-)

Plugins im Zusammenhang mit den Platzhaltern eröffnen neue - nahezu geniale - Möglichkeiten in MultiRen. Plugins lesen verschiedene Informationen aus Dateien und liefern diese an die Tools zurück. So existiert z.B. ein Plugin für Bilder, welches das Dateiformat, die Breite, Höhe und Tiefe des Bildes ermittelt und zurückgibt. Jedem dieser Parameter wird ein eigener Platzhalter zugewiesen, der im RenPlacer-Tool verwendet werden kann, um daraus ein Kommentar oder den Dateinamen selbst zu generieren!

Ein Beispiel:

Meine Digitalkamera bezeichnet alle Bilder als "DSCxxxxx.yyy", wobei "x" eine laufende Nummer und "y" das Format ist. Dem Bilder-Plugin weise ich die Platzhalter "B" für die Bildbreite, "H" für die Höhe und "T" für den Dateityp zu. Im RenPlacer gebe ich in das Suchen-Feld "*1" ein (beliebig) und im Ersetzen-Feld z.B. "Partyfoto_*Bx*H.*T". Damit wird z.B. aus der Datei "DSC00014.JPG" der Name "Partyfoto_1280x960.jpg".

Neben dem Bild-Plugin stehen noch zwei Plugins für die ID-Tags in MP3- Dateien und ein Plugin für IFF-Samples bereit. Einer größeren Aufräumaktion der MP3-Sammlung steht also nichts mehr im Wege...

Für Programmierer stehen eine zusätzliche Plugin-Anleitung und auch Templates (in C und AmigaE) bereit, um eigene Plugins zu entwickeln.

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Numberer:

Dieses Tool ermöglicht es, Dateinamen in aufsteigender Reihenfolge zu nummerieren bzw. eine bereits vorhandene Nummerierung wieder zu entfernen. Auch an das nachträgliche Korrigieren der führenden Nullen wurde gedacht. Wie bei allen Tools sind auch hier etliche Einstellmöglichkeiten vorhanden. So kann z.B. eine binäre, hexadezimale oder sogar alphabetische Nummerierung am Anfang bzw. Ende des Dateinamens oder der Erweiterung durchgeführt werden. Soll der alte Name ganz verworfen werden, kann hier auch ein sog. "Base filename" definiert werden, der dann stattdessen benutzt wird.

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Comment Tool:

Dieses Tool widmet sich den Dateikommentaren, wobei die Schaltfläche "Set Comments" (mit fettem Text) zu beachten ist - die Änderungen werden beim Anklicken sofort durchgeführt!

Auch hier gibt es interessante Möglichkeiten, besonders die Einstellung "Custom", mit der z.B. das Datum, Zeit, Pfad, alter Dateiname etc. automatisch eingefügt werden können. Da diese Optionen z.T. auch für den Dateinamen selbst zu gebrauchen wäre, kann man hier auch per Mausklick alle Dateinamen und Dateikommentare gegeneinander austauschen.

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Dies waren die wichtigsten Tools. Die vielen anderen Funktionen wie Im- /Export, automatisches Erkennen und Korrigieren von Duplikaten, der Substitute-Generator und einige interessante Menüpunkte wären ebenso erwähnenswert, jedoch sollte ich doch langsam zum Schluss kommen, oder? ;-)

Zuvor möchte ich aber noch einige - wenn auch nur kleine - Schwachpunkte und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen. Das erste ist die etwas seltsame Tab-Ordnung in den meisten Fenstern. Manche Felder werden einfach ausgelassen oder die Reihenfolge scheint irgendwie unlogisch zu sein. Im Hauptfenster würde ich mir mehr Möglichkeiten zur Steuerung der Auswahl (der markierten Elemente) wünschen. Es existieren zwar viele Menüpunkte für Dateien mit bestimmtem Status (Enabled, Changed, Failed etc.) aber leider kaum brauchbare, die auf die Auswahl selbst angewendet werden können. Ein weiterer Nachteil ist, dass man keine Verzeichnisse modifizieren kann. MultiRen ist wirklich nur zum Umbenennen von Dateien gedacht.

Praktisch wäre auch eine Liste mit den zuletzt bearbeiteten Verzeichnissen (z.B. als Menüpunkte), damit nicht bei jedem Start zuerst die gewünschten Ordner gesucht werden müssen. Auch sehr hilfreich wäre ein Tool, mit dem man zwei Dateinamen im gleichen Verzeichnis gegeneinander austauschen könnte, ohne vorher eine der beiden Dateien von Hand umbenennen zu müssen.

Zu guter Letzt möchte ich nicht verschweigen, dass ich einige Enforcer-Hits mit der NList.mcc (V 19.97) hatte, was jedoch meiner Meinung nach nicht an MultiRen sondern an MUI selbst lag. Eine neuere Version der NList.mcc (es müsste eine existieren) konnte ich auf die Schnelle im Aminet leider nicht finden.

Testurteil:

Daniel Westerberg hat mit MultiRen ein geniales Programm geschaffen, das kaum Wünsche offen lässt. Das Programm bietet so viele Möglichkeiten, dass man kaum jemals ein anderes Tool zum Umbenennen von Dateien benötigen wird. Vor allem die Plugins eröffnen sehr interessante Möglichkeiten. Grobe Fehler oder Probleme sind während der Tests keine aufgetreten und die Undo- Funktion stellte den Originalzustand fehlerfrei wieder her. Damit gehört MultiRen unbedingt auf die Festplatte, zumal es völlig kostenlos ist.

Alternativen:

Ein weiteres Programm dieser Art ist mir nicht bekannt - selbst bei anderen Plattformen nicht. Rename-Utilities für die Shell gibt es hingegen zuhauf, etwa ARename, DlxRename oder mrename. Für Interessierte möchte ich jedoch besonders "Case" erwähnen, das sehr viele Optionen bietet und eine besonders interessante Anleitung besitzt. Es werden nämlich alle (zum damaligen Zeitpunkt) verfügbaren Rename-Utilities aufgelistet und deren Möglichkeiten kurz beschrieben, was mir hier die Vorstellung weiterer Alternativen erspart. ;-)

Link: www.OnyxSoft.nu

Denis Nikolic <d-nis@ping.at>

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