"Die Wache am Sterbebett"
'Die Wache am Sterbebett' und andere Geschichten digitaler Besorgnis Blicken wir zurück auf den April 1994. Jeder war besorgt über die weitere Existenz von Commodore. Ich war weg und führte Gespräche wegen neuer Jobs in Texas. So kam ich zum ersten Mal in der Woche am Dienstag, den 26. April 1994 wieder rein. Gerüchte kursierten über Entlassungen in den nächsten Tagen. Für uns in der Entwicklung war das ein klares Zeichen für den Anfang vom Ende. Als ich also am Mittwoch aufwachte, nicht wissend, ob ich am nächsten Tag noch eine Arbeit hätte, zu der ich gehen könnte, dachte ich daran, Commodore auf Video zu verewigen. Alles in allem, diese ganze Amigasache, die weit jenseits von Commodore ablief, die Amiga-Gemeinde, nahezu alle meine aktiven Beziehungen und auf irgendeine Art die letzte Spur der wahren Kleincomputer-Industrie; einst voller Aufregung und neuer Ideen, aber zu dieser Zeit eher darum besorgt, veraltete "Das Beste der 70er, so lange man UNIX nicht berücksichtigt"-Computer zu verewigen und wieder zu erschaffen. Es war eine dieser Ideen, über die man denkt "Hey, wär' das nicht cool!", die man dann aber wieder aufgibt, sobald sich erste Hindernisse auftun. Also fing ich an, was aufzunehmen. Glücklicherweise hatte ich drei Akkus für meinen Sony TR-7 8mm Camcorder, frisch geladen nach meiner Reise nach Texas. Und glücklicherweise gab's im "K-Mart" 8mm Leerkasetten. Also ging ich zu Commodore und begann meinen Rundgang durch das Gebäude. Ziemlich schnell wurde klar, daß die Entlassungen liefen. Insgesamt dreißig Leute wurden entlassen. Ich war einer der "noch Beschäftigten", aber es war weniger klar, wer die Glücklicheren waren. Zur Mittagszeit gingen wir zu unserem Mexikaner "Margarita's" für eine letzte große Entlassungsparty. Dort wurden viele Dinge über das Management von Commodore gesagt, von denen einige auch auf dem Band landeten. Auf diesem Treffen erzählte mir Randell Jsup von einer "Deathbed Vigil" (Wache am Sterbebett)-Party, die er und Bryce Nesbitt am Samstag schmeißen. Als Commodore die Firma Amiga kaufte, feierten die Jungs der originalen Amiga Company in Los Gatos, Kalifornien, eine "Amiga Wake" (Amiga erwache) Party. Dies erwies sich als zu früh, wenn man darauf technisch korrekt zurückblickt; Randell wollte nicht denselben Fehler machen. Also filmte ich die Party, auf der allerlei coole Dinge stattfanden: Interviews, Geschichten von den goldenen und nicht-so-goldenen Jahren von Commodore-Amiga, eine Verbrennung des L.B.M.-Bildnis (einige bringen dies mit Ex-Commodore-Präsident Mehdi Ali in Verbindung), das Zerschmettern von Tastaturen, den "Chicken Lips Blues" (vorgetragen von Mike Rivers) und andere großartige Ereignisse. Einige seltsame Geschehnisse nach der Party wurden auch noch bei Commodore gefilmt. Nachdem dies getan war, muß ich rauskriegen, was ich mit diesen vier bis fünf Stunden Video tun sollte. Ich entschied mich, ein verkaufbares Videoband herzustellen, auf dem ich versuche, ein bißchen vom "Was lief falsch" zu erzählen, zusammen mit den Possen, der Besorgnis, der Information und der Entleerung des Inneren zu dieser Zeit. Mir wurde klar, daß ich auf dem Band ein kleines Stück dieser wahnsinnigen Sache haben wollte, mit der ich es zehn Jahre zu tun hatte, und ich dachte, daß die Fans des Amiga vielleicht auch einen Blick darauf werfen wollen. Also begann ich meinen ersten wirklichen Film zu machen. Und auf diesem Weg entschied ich mich, wissen zu wollen: Gibt es Desktop Video wirklich ? Ich habe mich nie mit Videosachen bei Commodore beschäftigt. Also wollte ich wissen, ob ein Videoanfänger sich einfach mit seinem Camcorder, Video, einem Amiga, einigen Zusätzen und der richtigen Software hinsetzen kann und daraus ein gutes Video macht. Also stellte ich mein System zusammen, das aus den folgenden Sachen bestand:
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