"Andere, wirklich coole Projekte"
Es gibt in der Amiga-Gemeinde ein generelles Gefühl, daß die
Ingenieursteams bei Commodore Jahre damit verbrachten, wirklich aufregende,
neue Sachen zu entwickeln, nur damit das Marketing diese an den hintersten
Rand der Produktion stellen konnte. Dies passierte auch gelegentlich; der
"A3000+" ist ein gutes
Beispiel dafür. Was allerdings öfter passierte waren Projekte, die nebenher
liefen (wilde Projekte, wenn man so will) und wirklich cool waren, aber
leider nicht sehr weit gediehen, wegen wechselnder Unterstützung durch das
Management, der verfügbaren Geldmittel und der Menge der "produktiven
Freizeit", die dem Projektinhaber zur Verfügung standen.
Einige der über die Jahre weniger erfolgreichen Projekte von Dave Haynie
schlossen ein:
| A2630 |
Diese Karte schaffte immerhin den Weg in die Produktion. Sechs Monate
war sie eine wilde Arbeit und wurde fast über Nacht zu einem realen
Produkt. |
| BIGRAM |
Eine 16MB-Karte für die A2630. Zwei wurden davon gebaut. Hey, 1988
waren 16MB eine Menge Speicher. |
| FASTRAM |
Eine 8MB-Karte mit FastPage-Unterstützung für die A2630. Allerdings war
es ein wenig zu komplex, dies in PAL-Logik mit der nötigen Geschwindigkeit
zu realisieren. Dennoch war es eine gute Designaufgabe. |
| BIGRAMZ3 |
Diese Karte war von Null bis fertig in zwei Wochen realisiert als
ZorroIII-Designbeispiel für die 1991 Entwicklerkonferenz. Dies ist eine
64MB ZorroIII Speicherkarte, die den ZorroIII-Burst unterstützt. Die
Geschwindigkeit beträgt über 80% der Geschwindigkeit des Speichers am
lokalen Bus. Dies ist ein beeindruckender Wert, wenn man die alles andere
als idealen Bedingungen der ZorroIII-Schnittstelle der A3000-Architektur
bedenkt. Vier von diesen Karten existieren. |
| A2631 |
Trotz des A3000 verkaufte Commodore immernoch viele A2500/030er, was
schon seltsam genug war. Mancheiner wollte wohl das größere Gehäuse des
A2000. Jeder A2500 kriegte dazu noch eine A2630 und eine A2091-Karte. Eines
Freitags, bei Bier und mexikanischem Essen, hatten Dave Haynie und Greg
Berlin die Idee, daß dies angesichts der Architektur des A3000 dämlich war.
In der nächsten Woche also dachte sich Dave einen Ersatz auf Basis der
A3000-Architektur aus, den wir A2631 nannten. Dies war eine A2000
CPU-Sockelkarte mit Buster, RAMSEY, dem DMAC und dem SCSI-Chip, 68030 und
68882. Sie kostete weniger als die A2630, bot HochgeschwindigkeitsSCSI und
konnte 16MB Ram aufnehmen. Das Management war nicht interessiert, obwohl
diese Karte Geld gespart hätte. Zwei Prototypen wurden gebaut. |
| Gemini |
Dies war eine Multiprozessorkarte, die dazu gebaut wurde, um die
Fähigkeiten des LevelII-Busters (ab Revision 8) zu testen und zu belasten.
Das Problem, wenn man seinen eigenen Erweiterungsbus erfindet, ist, daß man
alles dafür auch selber bauen muß. So bot diese Karte etwas Interessantes;
sie hatte zwei 68030er, jeder mit 4MB Ram und unabhängigem Zugriff auf
ZorroIII. Zwei wurden gebaut, aber die Mittel für das Projekt wurden noch
vor der Fehlersuche gestrichen. Wäre diese Karte fertig entwickelt worden,
hätte man mit ihrer Hilfe den Buster-Chip vor der ersten Auslieferung des
A4000 vollständig fehlerbereinigen können. |
| Acutiator |
Nur auf dem Papier bestehend, war Acutiator ein Versuch, ein völlig
neues Design für die Systemarchitektur zu schaffen, als Ersatz für die
A3000-Architektur, die in allen A3000 und A4000 genutzt wird. Das Ziel war
eine kostengünstige, aber leistungsfähige Architektur, auf der man alle
Systeme vom Mittelklassegerät (zwischen A1200 und A4000) bis zum
Profisystem, wie es bis dahin nicht existiert, aufbauen konnte. Haynie
entwarf ursprünglich einen "Amiga Modular Interconnect"-Bus, übernahm dann
aber den sehr ähnlichen PCI-Bus, nachdem dieser vorgestellt wurde. Die
Hauptidee war ein "hochgradig modulares" Amiga-System, indem das Design des
Systemboards unabhängig von der CPU und den grafischen Subsystem war. Ein
wenig Designarbeit wurde hierin investiert, jedoch wurde das Projekt
größtenteils vom Management ignoriert. |
| SCARAB |
Die SCARAB-Karte (die letzte Arbeit Haynies für Commodore) war der
Versuch, eine Hochleistungsgrafikkarte mit Standard-SVGA-Chips aufzubauen.
Die Karte hatte einen lokalen PCI-Bus, der eine Brücke zu ZorroIII und dem
Videosteckplatz besaß. Mit der Videosteckplatzschnittstelle konnte die
Grafik der Amiga-Chips in Echtzeit konvertiert werden zu den PCI-Zyklen,
die den SVGA-Grafikspeicher in einem durch die SCARAB-Register
kontrollierten Fenster schrieben. Letzendlich war dies programmierbarer
Flickerfixer, der mit jeder Wiederholfrequenz umgehen konnte. Die Karte
konnte auch "hybride" Grafikmodi unterstützen, in denen die Amiga-Chips
immer noch genutzt wurden, aber in einem sehr langsamen Scanmodus, so daß
sie 1024x768 in 8 Bit in Slowscan ausgeben konnten, was durch SCARAB zu
72Hz noninterlaced konvertiert würde (dies ist etwas ähnlich "Hedley
Hires", eine simple Ergänzung des Amiga-Betriebssystems). RTG-Treiber
würden direkt die Karte über ZorroIII betreffen. Viel Designarbeit wurde
hierin investiert, aber es deutlich klar, daß kein Geld mehr übrig war, um
noch eine dieser Karten zu bauen.
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