"A3000+, das erste AGA-System"

1990 näherte sich Commodore der Vollendung des ersten großen Upgrades des  Amiga-Chipsatzes. Unter dem Codenamen "Pandora", der später zu "AA" wurde  (wegen des "AAA" Projektes, das schon anlief), würde dieser Chipsatz die  grundlegenden grafischen Fähigkeiten des Amiga beträchtlich verbessern,  während er vollständig auf Register-Ebene kompatibel zu ECS und dem  originalen Amiga-Chipsatz wäre.

Letztlich brauchte Commodore ein Testsystem für diese neuen Chips und so wurde das Projekt natürlich Dave Haynie zugewiesen. Nicht zufrieden mit  der Idee nur einen "AA3000" zu bauen, dachte Dave daran, ein insgesamt  besseres System zu bauen, das den neuen Chipsatz enthält.

Im Februar 1991 bootete der erste A3000+ die Workbench. Die neuen Chips  nutzen das existierende AmigaOS fast problemlos. Zusätzlich zu den AA-Chips, hatte der erste A3000+ einen DSP (Digitalen Signal Prozessor), den AT&T  DSP3210, eingebaut als Localbus Koprozessor. Der DSP3210 und der Amiga  waren eine himmlische Kombination. Der 3210 war lokaler Busmaster, was es erlaubte, Systeme ohne das teure und begrenzte SRAM früherer Entwürfe zu  bauen. Der 3210, getaktet mit 50MHz, erledigte 32-Bit-Fließkommaberechnungen mit 25 MFLOPS (fünfmal schneller als der 68040). AT&T hat ein ein komplettes Multitasking und Multiprozessor DSP-Betriebssystem für den 3210, welches ein beliebiges Mehrzweck-Betriebssystem als Wirt nutzt. Das fast  Echtzeitbetriebssystem des Amiga mit seinem geringen Overhead war ein  perfekter Partner für AT&T's VCOS.

Natürlich werden Prototypen immer Prototypen sein und in der Revision 0 des A3000+ arbeitete der DSP nie. Aber alles andere funktionierte. Für die Revision 1 wurde ein kostspieliges DSP Audiosystem eingebaut, einschließlich Hardware CODECs für 16-Bit Stereo Ein- und Ausgabe mit bis zu 48kHz und  phasenkorrigierender Telekommunikation für V32-Modems.

Nach Revision 1 änderte sich das Management von Commodore Engineering durch den Präsidenten von Commodore International, Mehdi Ali

Der neue Vizepräsident beim Engineering, Bill Sydnes, widersetzte sich dem A3000+ und nahezu jedem anderen Projekt, das zu jener Zeit lief. Dabei ließ er kein gutes Haar an der alten Verwaltung (den Leuten, die Ihnen den A500, A2000 und A3000 brachten). Die endgültige Revision des A3000+ war, wie von  der Verwaltung befohlen, eine beschnittene Version. Ein Mangel in der  speziellen DSP-Unterstützungslogik, der in die neue Architektur des A3000  DMAC-Chips eingebaut war, machte den DSP zum Problem.

Der DSP lebte noch eine Weile weiter (trotz des Managements). Dave Haynie arbeitete auf eigene Zeit an einer Überarbeitung des Systems und an einer Beseitigung weiterer Fehler in der DSP-Hardware. Jeff Porter, einst Direktor von New Product Development und die andere treibende Kraft hinter dem DSP, schaffte es, die Softwareentwicklung in Gang zu halten. Eric Lavitsky,  DSP-Experte, Berater und langjährig stützende Kraft des Amiga, schuf den aktuellen VCOS-Port. Dieser wurde in der Tat vollendet.

Und der DSP hat eine Art von Nachleben. Nachdem Bill Sydnes gefeuert war, übernahm Lew Eggebrecht Commodore Engineering. Obwohl keine  Führungspersönlichkeit, aktivierte Lew eine Reihe von Projekten, die als  wilde Entwicklungen vor Sydnes versteckt werden mussten. Dave hatte eine  DSP-Karte für ZorroIII vorgeschlagen und Lew stellte dafür zwei Ingenieure für die volle Zeit zur Verfügung. Obwohl Commodore die resultierende Karte niemals baute, war das Design fast vollständig und eine Firma lizensierte das Design und baute die Karte, bevor Commodore unterging.