2. Bericht: »Amiga Forever - nach 6 Wochen...« (von John und Judy Ballant) Die Leser von AMIGA aktuell konnten kürzlich einen Artikel lesen, der sich mit der Installation von WinUAE befasste. Ich las ihn ebenfalls und er regte mich dazu an zu versuchen, Amiga aus der Kiste [AIAB.lha = Amiga In A Box; Archiv im Aminet] mal einfach so auf dem nicht vernetzten Probier-PC an meinem Arbeitsplatz einzurichten. Das schien zu funktionieren, also kaufte ich mir die Amiga Forever 4.0 CD und installierte sie auf der Maschine mit P3 1GHz 256MB 30Gig Geforce2 + Soundkarte, die mein Kätzchen mir zum Geburtstag geschenkt hatte. Oh ja, und einen 17-Zoll-Monitor! Unser Amiga-Monitor war aus zweiter Hand, sehr alt, krank, und eines Tages weigerte er sich, etwas anderes darzustellen als eine weiße Linie quer über den Bildschirm. Als ich den Fernseher anschließen wollte, drohte mir Judy mit Scheidung! Nicht viel Auswahl bei einem Aufbau aus CD-32 + SX-1, 10Mb und 3Gig - er hat uns fast 6 Jahre gute Dienste geleistet, aber vielleicht ist doch Amiga Forever das Richtige. Die Installation war im Großen und Ganzen dank des Aakt-Artikels und des Probelaufs auf der Maschine am Arbeitsplatz einfach genug. Das einzige echte Problem bestand im Übertragen der Dateien zum Amiga Forever. Ich hatte von Floppies genug, also probierte ich es damit, mir selbst Dateien zuzumailen (langsamer Upload und langsamer Download, aber es geht), FTP zum Speicherplatz, den mein ISP zur Verfügung stellt (fast eben so langsam, aber es geht) und Amiga Forevers Lösung Seriell nach Seriell (sehr sehr sehr langsam, aber es geht und spart Online-Kosten). Die schlaue Art wäre es, einen Backup der Festplatte auf eine CD-R zu machen (langsam) und sie über das PC-CD-Laufwerk zu laden (schnell). Leider keine Option mit meinem Aufbau! Ich dachte daran, die Amiga-Festplatte zu nehmen und sie in den PC einzusetzen, um sie von da aus zu lesen, aber das geht offensichtlich nicht. Wenn jemand wüsste, wie man ein Amiga-Laufwerk in einem PC lesen kann, ohne *nix zu installieren, dann hätte er den richtigen Weg gefunden (sehr schnell). Eine Anmerkung zu Amiga Forever's serieller Lösung, Amiga Explorer. Man liest, dass man das ohne Monitor erledigen kann, es sei vollständig von der PC-Seite aus durchzuführen. Wirklich wahr, aber verschrottet den Monitor nicht, ehe ihr nicht eine Zeile in die User-Startup eingefügt habt, um den Amiga Explorer bei Startup laufen zu lassen, und startet den Miggy immer als Ersten ... Wie ist es also, wenn man einen Amiga mit 130 MB Speicher auf einem PC hat? Fast-RAM zum Wegschmeißen, aber immer noch nur 8 MB an Chip-RAM. PPaint wird umsonst mit Amiga Forever geliefert, aber trotz 8 MB Chip-RAM sagt es, ein 430-KB-JPEG-Bild - der Scan einer Kreditkarte - sei zu groß zum Laden. PageStream 2.2 lädt klaglos einen 2-MB-Scan - eine Postkarte in Grauskala - und zeigt sie an, es dauert etwa eine Minute. Beim Laden eines 24-MB- Farbscans (DIN-A4-Seite) bleibt der Mauszeiger etwa 15 Minuten "Busy", weitere 15 Minuten werden zur Darstellung benötigt, und das Gleiche passiert bei Größenveränderung. Alte Software läuft gut, aber schwer arbeitende Anwendungsprogramme haben nur 020-Tempo. Die Begrenzung des Chip-Memory kann das Problem sein. Das ist nicht schön für Leute, die einen beschleunigten Amiga gewöhnt sind. Und man weiß ja, dass gerade um die Ecke, nur einen Tastendruck <ALT-TAB> entfernt, eine schnelle Maschine ist, auf der der Emulator läuft. Und da gibt es eine freies Malprogramm, dass dem 600 x 600 dpi-Scanner beigelegt wurde, als beim Kauf über Preis und Zusatzspeicher verhandelt wurde. Scanstudio lädt den 24-MB-Scan in weniger als 15 Sekunden. Judy und ich hingen sehr an dem Amiga-Schreibprogrammen, die wir 1988 mit unserem A500 bekommen hatten. Ich verwendete Scribble, ein echte Antiquität, für meine Sachen. Bei Amiga Forever entdeckte ich, dass das Anklicken der Einstell-Requester von Scribble zu einem Crash führte. Die Programmierer müssen die Kurven extrem scharf gekratzt haben, was zwar beim echten Amiga mit OS3.1 noch nicht auffiel, aber mit Amiga Forever ist Scribble nicht zu gebrauchen. Judy schreibt viel mehr als ich, und sie hat immer das doch schon etwas alte KindWords3 verwendet. Haupt-Anreiz ist der Schnelldruck - der Text wird dem Drucker übergeben, der es mit seinem internen Font druckt. Amiga Forever hat keine Druckereinstellung, man muss sich seine eigene Routine zusammenbasteln. Mit <ALT-TAB> muss man hinüber zur Windows-Seite wechseln und dort ein neues Verzeichnis "AmigaSpool" im Stamm-Verzeichnis anlegen. Wenn man dann von Amiga Forever aus drucken will, wird der Job in dieses Verzeichnis umgeleitet. Dann muss man wieder mit <ALT-TAB> rüber gehen und die Batchdatei, die Amiga Forever dahin gesandt hat, starten, um die Geschichte zu drucken. Die Batchdatei gibt aber eine Fehlermeldung aus und verweigert die Arbeit. Auf der Webseite von Cloanto findet man die Lösung: Die Batchdatei ist im Amiga-Textformat gespeichert, sie muss erst erneut im PC-Textformat gespeichert werden. Wir haben das getan und es hat funktioniert. Aber ich habe mir nicht die Mühe gemacht, Judy überhaupt zu erzählen, dass es so geht, denn sie verwendet es sowieso nicht. Drüben bei Windows gibt es einfache Textverarbeitungen, die aus dem Menü heraus drucken. Judy ist nicht mehr bei Amiga. Ich verwende das mitgelieferte TurboText für einige Dinge und natürlich YAM. Aber ich habe auch die freie Windows-Version von StarOffice von Sun (90 MByte...) heruntergeladen, welches PageStream auf Amiga Forever doch alt aussehen lässt. Wem das als Download zu viel erscheint, der sollte es sich im Geschäft auf CD für 99 australische Dollar ($Aus1 = US50c) besorgen, oder er sollte die Augen offen halten, vielleicht findet er es auf der Coverdisk eines PC-Magazins. Text und Grafik sind also nicht mehr bei Amiga. Wie steht es mit dem Internet? Auf den Maschinen im Geschäft ist Outlook Express die einzige Wahl, und ich kann es nicht leiden. Und ich mag auch nicht all diese Outlook-E-Mail-Viren, die heute so beliebt sind. YAM läuft wie geschmiert mit Amiga Forever, und ich lasse mich von den gelegentlichen Holperern beim Herunterladen nicht aus der Ruhe bringen, vor allem, weil ich befürchte, dass sie durch die miserable Telefonleitung verursacht werden, die in die neue Wohnung führt, in die wir kürzlich eingezogen sind. Wenn ADSL jemals billig genug wird, wird dieses Problem auch gelöst sein. Browser habe ich beiseite geschoben. Ich hatte Voyager auf dem Amiga, aber mit IE im Geschäft habe ich endlich Internet-Banking geschafft. Und Voyager müsste auf Amiga Forever in einem Hardfile laufen. Ich bin einfach zu faul, um heraus zu bekommen, wie ich einen Browser installieren soll, der doch nicht tut, was ich will, wenn nur einen <ALT-TAB>-Tastendruck weit weg IE schon installiert ist und der viel mehr kann (mein Mitgefühl gilt Matt Sealey). Die meisten Leute haben ein paar Amiga-Spiele, mit denen sie ihren Spaß hatten, wie werden die also unter Amiga Forever laufen? Nun, Freecell für den Amiga ist der Windows-Version meilenweit voraus und läuft fröhlich auf Amiga Forever. Aber dann sieht es trübe aus. Zum Beispiel Judys Lieblingsspiel: Diamond Caves. Die Grafik bricht bei Amiga Forever auseinander. Aber kein Problem, der Autor hat eine Windows-Version herausgegeben (und dazu ein paar Gruppen mehr mit Leveln, die wir noch nicht hatten), welches traumhaft auf der Grafikkarte läuft. Judy ist glücklich. Ich mag Deluxe Galaga, das Sprite-Erkennung verwendet, und das wird nur recht wacklig von Amiga Forever unterstützt. Auch gut, der Autor entwickelt gerade eine spielbare Windows-Version, aber, wie gesagt, noch in Entwicklung. Wir spielen das Kartenspiel Bridge. Die Entwicklung der Bridge-Programme für den Amiga hörten 1991 mit einem halbherzigen Versuch im Aminet auf. Ganz gut in einige Punkten, aber nicht in anderen, wie zum Beispiel Online- Spiel. Auch hier kein Problem, gleich hinter der <ALT-TAB>-Taste ist ein für unsere Zwecke fast perfektes PC-Bridge-Programm. Und dann entdeckt man die "Back to the Roots"-Website. Alle diese alten Amiga-Spiele stehen bereit zum Download und zum Start. Auch die Mame- Webseiten bieten einiges an Ablenkung. Die ganzen Arkade-Spiele, die man so gern hat. Und man findet auch die Gebrauchtwaren-Läden für PC-Spiele mit alle Sorten von anderen billigen Spielen, die man ausprobieren kann. Joysticks funktionieren mit Amiga Forever, aber PC-Joysticks sind aus Tradition analog. Analoge Joysticks sind gut für Flugsimulatoren, aber kaum geeignet für Arkade-Spiele im Amiga-Stil. Ein paar Deutsche haben dieses Problem gemeistert und den PC-Competitor gebaut, einen Adapter für 40 US- Dollar, mit dem man einen Amiga-Joystick in einen PC stöpseln kann. Wie gut für uns - wir haben eine Schachtel mit 5 neuen Speedkings im Schrank stehen. Aminet-CDs arbeiten mit dem Emulator zusammen, man muss nur ein Assign setzen, wenn man die Find-Funktion anwendet. Und Amiga Forever enthält Directory Opus. Dopus hat mich schon mehrfach vor dem Ausflippen gerettet, besonders, weil es einen vom Amiga Forever auf die Windows-Seite bringen kann. Windows Explorer ist ein hoffnungsloser Fall für die Sachen, die man mit DOpus leicht machen kann. GPSoft hat das offenbar erkannt, denn DOpus 5.0 für Windows wurde gerade veröffentlicht... Also, Amiga forever [für immer]? Einige Amiga-Programme starten durch mit fliegenden Fahnen, aber gibt es genug, um uns von der viel weiteren Welt von Windows fern zu halten? Wenn man für immer bei Amiga bleiben will, braucht man zwei vernetzte Maschinen: Einen beschleunigten Amiga und einen schnellen PC. Man muss sich an zwei Tastaturen gewöhnen, weil man von einem Rechner zum anderen hüpfen muss. Ein PC mit Amiga Forever schafft das nicht! John and Judy Ballant <jballant@smartchat.net.au> |