Europa

Obwohl Europa und Asien tektonisch einen Erdteil bilden, hat man auf Grund seiner historischen Bedeutung Europa als selbstständigen Erdteil betrachtet und wie ich einmal in der Schule gelernt hatte, verlief die Grenze zwischen Europa und Asien entlang des Ural-Gebirges, des Ural-Flusses, durch das Kaspische Meer, entlang der Manytschniederung zum Asowschen Meer, durch das Schwarze Meer, Bosporus, Marmarameer und die Dardanellen ins Mittelmeer. Diese Grenze wird sich wohl zwangläufig verschieben, wenn die Türkei mit seinem Beitrittsantrag zur EU trotz seines 95%igen asiatischen Landesanteils durchkommt.

Wie komme ich eigentlich auf die Idee, hierüber nochmals nachzudenken? Dieser Tage bekam ich nämlich vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung die eben erschienene Broschüre "Die Europäische Union" zugesandt. Da ist zu Beginn die nachfolgende Zeichnung mit der Überschrift: Die Mitgliedsstaaten abgedruckt.

MitgliedststaatenHier ist gravierend zu ersehen, wie die 15 Mitgliedsstaaten der EU einen geballten Block innerhalb von Europa darstellen. Ein echtes Ost-West Gefälle. Oder sollte man West-Ost Gefälle sagen? Um dieses Ungleichgewicht aufzuheben, wird derzeit mit 12 beitragswilligen europäischen Staaten verhandelt. Übrigens wie ich gerade die Karte nochmals betrachte, musste ich feststellen, dass ich den Namen von Weißrussland vergessen habe einzusetzen.

Um auf die Frage nochmals zurückzukommen. Als ich die Broschüre in der Hand hielt, kam es mir so vor, als wenn ich mein ganzes Leben nochmals Revue passieren ließe. Schließlich begleitet mich die europäische Einigung seit meiner frühesten Jugend. Genau genommen seit 50 Jahren und damals war ich 11. In der Broschüre sind die Stationen auch tabellarisch aufgelistet.

1951
  Der Weg zur Europäischen Union hat begonnen. In Paris wird die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) gegründet. Mitgliedstaaten sind: Belgien, die Bundestrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande. Im Gründungsvertrag heißt es, die sechs Staaten sind entschlossen, "durch die Errichtung einer wirtschaftlichen Gemeinschaft den ersten Grundstein für eine weitere und vertiefte Gemeinschaft unter Völkern zu legen, die lange Zeit durch blutige Auseinandersetzungen entzweit waren".
 
1957
  Die sechs EGKS-Staaten gründen in Rom die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM). In der EWG wurde die gemeinsame Politik vom Bereich Kohle und Stahl auf weitere Bereiche der Wirtschaft ausgedehnt, z.B. auf die Landwirtschaft, die Fischerei, das Verkehrswesen, das Wettbewerbsrecht, den Außenhandel. Die Mitgliedstaaten beschließen, innerhalb von 12 Jahren einen gemeinsamen Markt zu bilden.
 
1968
  Die EWG hat die Zollunion vollendet: Seither sind Importe und Exporte zwischen EWG-Staaten zollfrei.
 
1972
  Die EWG-Staaten beschließen, auf weiteren Gebieten der Politik zusammenzuarbeiten: Energiepolitik, Regionalpolitik, Umweltpolitik.
 
1973
  Aus sechs werden neun: Dänemark, Irland und Großbritannien treten den Europäischen Gemeinschaften bei.
 
1979
  Zum ersten Mal werden die Abgeordneten des Europäischen Parlaments direkt von den Wahlberechtigten in den neun Staaten der Gemeinschaft gewählt.
 
1981
  Von nun an sind es zehn: Griechenland tritt bei.
 
1986
  Portugal und Spanien werden Mitglied. Im gleichen Jahr beschließen die Mitgliedstaaten eine erste umfassende Änderung der Gründungsverträge, die "Einheitliche Europäische Akte".
 
1992
  Die zwölf Statten unterzeichnen in Maastrich den "Vertrag über die Europäische Union". Sie erweiterten die bestehenden Verträge um die Wirtschafts- und Währungsunion und die Bereiche der Politik, in denen sie zusammenarbeiten. Hinzu kommen jetzt: Bildung, Kultur, Gesundheitswesen, Verbraucherschutz, Industrie, Entwicklungshilfe, Außen- und Sicherheitspolitik, Justiz, Inneres.
 
1993
  Der Binnenmarkt ist seit dem 1.Januar 1993 verwirklicht.
 
1995
  Drei weitere Staaten sind beigetreten: Finnland, Österreich und Schweden.
 
1997
  Auf dem Gipfeltreffen in Amsterdam im Juni werden umfassende Änderungen der bestehenden Verträge ("Amsterdamer Vertrag") und zur Währungsunion der Satbilitäts- und Wachstumspakt verabschiedet.
 
1999
  Am 1.Januar hat die Europäische Währungsunion in elf Staaten der EU begonnen. Der Europäische Rat von Berlin beschließt die Agenda 2000.
 
2000
  Der Europäische Rat beschließt in Feira (Portugal), dass Griechenland zum 1.Januar 2001 in die Währungsunion aufgenommen wird. Auf dem EU-Gipfel in Nizza (Dezember) werden zur inneren Reform der EU weitere Vertragsänderungen beschlossen und die Grundrechtecharta deklariert.
 
2002
  Am 1.Januar kommt der Euro als Bargeld.

Wie ihr nun sehen respektive lesen konntet, habe ich mich nur auf die Meilensteine der Entwicklung konzentriert und gestrafft dargestellt. Und von all den Punkten sehe ich nicht den kommenden Euro als bisherigen Höhepunkt, sondern die Deklaration der Grundrechtecharta mit seinen 54 Artikeln innerhalb der sieben Kapitel.

Autor:   Wolf Zimmer E-Mail: wolf@wozim.de Homepage: http://www.wozim.de