Mit Finn Zierler, Gitarrist und Kopf von Beyond Twilight, hat man das Glück, einen richtig herzigen Interview-Partner am Telefon zu haben, der zwar eine Menge zu erzählen hat, dabei aber nicht wie so manche Südländer textet bis der andere Kopfaua kriegt. Und es ist einfach immer wieder nett, wenn sich jemand fast wie ein kleines Kind freuen kann. Zumal über Dinge, die eigentlich für einen Normalsterblichen selbstverständlich sind. So ist Finn total angetan vom bisherigen Erfolg der aktuellen Scheibe *The Devil's Hall Of Fame* - obwohl man angesichts der genialen Songs eigentlich damit rechnen könnte. Aber anscheinend ist das berstende Selbstbewußtsein anderen Künstler überlassen, egal welche Gülle sie produzieren.
Bereits vor dem Release haben mir die Leute Löcher in den Bauch gefragt, weil sie da und dort bereits von der Scheibe erfahren oder drüber gelesen hatten. Es scheint sich also auch bezahlt zu machen, daß Beyond Twilight so ziemlich ganz anders strukturiert ist als viele andere Combos. Wobei ich jetzt hier nichts bewerten will. The Devil's Hall... ist ein sehr vielschichtiges Konzeptalbum, für das ich selbst keine Schublade finde. Es handelt von einem Jungen, der feststellt, eine Art Chip im Gehirn zu haben. Es gehen natürlich im Laufe der Zeit auch immer wieder Informationen verloren, manches wird gelöscht oder funktioniert nicht. Er macht sich auf Suche nach seiner Vergangenheit, den verlorenen Puzzle-Teilchen, der großen Liebe, findet aber am Ende nur seine eigene Art von Tod.
Erinnert ein wenig an Soul Doctor´s Jörg Deisingers Kurzgeschichte, in der eine junge Frau stirbt. Allerdings nicht im herkömmlichen Sinne, sondern mehr in Richtung Neu-Anfang. Manchmal fragt man sich allerdings schon, wie manche Künstler auf die Ideen zu ihren Texten und Geschichten kommen. So mancher Psycho-Analytiker hätte daran mindestens genauso seine Freude wie am Traumdeuten. Vielleicht liegt es auch nur daran, daß sich Künstler, die ihre Sache wirklich mit dem Herz und Tiefe betreiben, einfach offener in emotionaler Hinsicht sein müssen, Gefühle besser reflektieren und einfangen können. Wahre Werte bieten in solchen Fällen immer wieder Querverweise Richtung Glaube, der Weg dorthin eine Menge Psychologie und die Art und Weise der Umsetzung kann schon mal sehr philosophisch anmuten. Ist also die Beschäftigung mit einem dieser Themen alleine überhaupt möglich?
Ob Religion Philosophie ist oder umgekehrt... schwierige Frage. Ich bin der Meinung, daß beides gleiche Aspekte beinhaltet und sich auch durch angeeignetes Wissen aus beiderlei Richtungen, als auch der Psychologie, ein besseres Verständnis für alles, was in der Welt passiert, entwickelt. Zudem lassen sich auch Dinge aus Glaubensrichtungen besser erklären. Die Wahrheit liegt in uns, doch die Suche danach kann sehr zerstörerisch werden, wenn man zu tief abdriftet. Die Fragen werden immer mehr, immer tiefer. Das Ergebnis kann supergut ausfallen oder erschreckend. Das hängt allerdings auch von der persönlichen Einstellung eines jeden selbst ab. Es kostet auf jeden Fall viel Kraft, sich all diesen Dingen zu stellen. Die Story der CD hatte ich erst in Buchform, habe sie dann aber mit Jorn für die Platte ausgearbeitet. Der Bezug zur Realität in dieser Geschichte liegt darin, daß viele Menschen echt wie ferngesteuert durchs Leben laufen. Durch die Verbindung von Realität und Fiktion wird die Geschichte hoffentlich auch gut funktionieren. Ich hacke gern in den Gehirnen anderer herum (ah ja...; Kilian) ich finde das sehr interessant. Die Gedankengänge mancher Leute verstehen zu wollen, ist eine Herausforderung.
Während viele diese Gabe zu ihrem Vorteil ausnutzen und durch das Erkennen der Wünsche und Bedürfnisse anderer hier den Hebel ansetzen, ist Finn aber mehr der gutmütige Vertreter, der sich mit solchen Aktionen wohl mehr das Benehmen anderer erklären will. Aber bleiben wir mal beim Hirnhacken:
Gedanken und Gefühle anderer zum Thema zu machen ist, wie gesagt, interessant, kann aber auch nach hinten losgehen. Denk` nur mal an die Klonerei. Auf eine Art kopiert man ein menschliches Gehirn, seinen Körper - doch in einem Menschen steckt wesentlich mehr.
Was mittlerweile sogar wissenschaftlich bewiesen scheint. So haben einige Profis zwischen Gehirnrinde und Schädeldecke etwas gefunden, was sie selbst nicht genauer benennen können. Es handelt sich nicht um Nervenzellen oder dergleichen, allerdings ist erwiesen, daß von dort aus der menschliche Wille und einiges mehr gesteuert wird. Es sieht also ganz so aus, als hätte man die Seele gefunden. Laut Informationen soll einer der Professoren gemeint haben, wer noch nicht gebetet hat, sollte sich mal langsam aber sicher dran machen.
Man sieht einem Menschen nicht an, was ihn im steckt. Man kann es zum Teil fühlen, aber das ist nicht jedermanns Sache. Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, doch viele Menschen sind zu stolz, daß auch glauben zu wollen. Sie denken allen Ernstes, wir wären die Krone der Schöpfung und über uns stünde nichts mehr.
Also, wenn die Menschheit das Beste sein soll, was das Universum zu bieten hat, dann danke.
Ich finde schon, daß man hin und wieder Zeichen erhält, daß es noch mehr gibt als unser Sinne erfassen können. Doch viele sehen diese Zeichen entweder nicht oder verstehen sie nicht. Und erklären kann man sich solche Situationen erst recht nicht. Ich finde es sehr schade, daß viele derart eindimensional denken, grübelt Finn, der die gesamte Platte übrigens auf einem Trip durch die Wüste im Kopf (!!) geschrieben und sie erst zu Hause musikalisch umgesetzt hat. Oftmals ist man auch der Meinung, sich selbst ganz genau zu kennen, doch in Extremsituationen ist man nicht selten von sich selbst überrascht oder fühlt sich vor den Kopf gestoßen. Man kann durch solche Extremsituationen lernen und sie auch selbst zu diesem Zweck wählen. Meine Reise durch Afrika war eine solche Sache für mich. Dieses Erlebnis, das Alleinsein, hat mich viel gelehrt. Wenn der Alltagsstreß von einem abfällt, entwickelt sich wieder ein Sinn für tiefere Dinge. Das Problem ist nur, daß die meisten selten die Zeit finden, mal anzuhalten und die Gedanken auf Reise gehen zu lassen. Warum sind soviele Menschen Single? Nicht selten, weil sie sehr egoistisch sind. Menschen sind eigentlich ein sozialer Haufen mit sozialen Bindungen. Aber die Entwicklung geht in eine andere Richtung. Bevor man andere kritisiert, sie unter Druck setzt oder fordert, sollte man bei sich selbst anfangen. Man sollte in den Spiegel schauen und dieser Nase im Spiegel auftragen, neu anzufangen, Dinge zu überdenken. Und vielleicht sollte manch einer auch mal schnallen, daß man erst vor der eigenen Tür kehren sollte, bevor man stets andere für jedes Scheitern verantwortlich macht.
Zurück zur Hauptseite