Die haben die Jungs um die beiden Köpfe der Band, Lionel Hicks (Drums) und Tony Ritchie (Bass), nicht nur hinsichtlich der bisherigen Meinung der Leute zur aktuellen Platte Perfect Balance. Wie einige von Euch wissen dürften, hat sich seit der ersten Scheibe der Briten einiges in stilistischer Hinsicht getan. Startete man unter der Regie von Tony noch als AOR-Act haben sich immer mehr härtere und auch progressivere Elemente eingeschlichen, die bei erwähntem vierten Output nun absolut in bester Harmonie nebeneinander stehen.
Allein der Titel des Albums war schon ein Ansporn für uns, alles so homogen und kompakt wie möglich zu machen, beginnt Tony das Gespräch. Das neue Material sollte alles, was Balance Of Power ausmacht, unter einen Hut bringen. Die Leuten mochten zwar die letzte Scheibe Ten More Tales, aber man sollte nie einfach nur immer wie gewohnt weiter machen. Wir vertreten einerseits nach wie vor die selbe musikalische Linie, aber gerade an den Steigerungen, den Höhepunkten der Songs haben wir viel herumgefeilt. Es hat sich entwickelt. Ganz nach dem Motto `To be continued', haha.
Mit dem Side-Projekt USM gingen mehrere Mitglieder der Band zusammen an eine weitere Sache heran, die in etwa den selben Zielen entsprach.
Mit USM wollten wir eine Art Mitte schaffen zwischen der ersten Scheibe von Balance Of Power und Ten More Tales, die doch sehr proggig angehaucht war. Zudem werde ich ehrlich gesagt doof, wenn ich auf Dauer immer nur an der selben Sache herumdoktor. Ich war zwar auf den beiden letzten Scheiben in erster Linie nur ins Songwriting integriert, nachdem ich bei dem Erstling noch mit den Gitarren und dem Gesang herumgeschlagen habe. Nun bin ich eben als Basser bei Lionel und den Jungs dabei. Doch wie gesagt, ich war stets in die Sache involviert. Das nächste war auch immer das ewige CD-aufnehmen - Konzerte - CD - Konzerte..... irgendwann hat man einen Knoten im Kopf.
Och, den kriegt man nicht nur von Musikmachen und auf der Bühne rumhampeln. Auffällig an der neuen Platte ist, daß sich gleich am Anfang absolut klasse Songs befinden. Sicher verständlich, denn würde man die schwächeren, wobei man im Fall von Perfect Balance davon eigentlich nicht sprechen kann, Tracks zu Beginn loslassen... naja, ein Testhörer hätte nicht so seinen Spaß daran.
Das ist immer eine Wissenschaft für sich. Bei einer Konzeptplatte ist die Reihenfolge der Songs klar, wenn es sich aber nur um einzelne Songs handelt, tut man sich mit dieser Entscheidung schon mal schwer. Aber sicher: Man muß zum einen sehen, daß die Platte ein gutes Auf und Nieder hat und nicht schnelle Songs am Stück und irgendwann alle Balladen kommen zum Beispiel. Zum anderen sollte man auch versuchen, den Hörer von Anfang an einzufangen.
Und nun zum anfänglich leicht angedeutet Thema: Bei Veröffentlichung der ersten Platte hatte wohl noch niemand mit dieser soundtechnischen Entwicklung gerechnet. Außer Tony.
Ich hatte diese Vision von vornherein. Für mich war klar, daß sich diese Band recht schnell weiterentwickeln würde und auch der Sound härter und abwechslungsreicher werden würde. Dennoch sind wichtige alte' Elemente, wie eben die Keyboards und auch der volle Sound geblieben. Das Debut zeigt auch noch einige andere Mitglieder in der Band und es gesellten sich im Laufe der Zeit auch immer mehr Einflüsse zur ursprünglichen Stilistik. Andererseits behält man sicher auch seine Idole bei. Auch wenn man selbst bereits die Möglichkeit hat, CDs aufzunehmen, motivieren einen die eigenen Helden immer wieder aufs Neue. Das kann einen enorm helfen, sich nicht zu schnell auszuruhen und zu bequem zu werden. Sich an diese Motivation zu erinnern und sie sich wieder in die Hütte zu holen, versetzt einen nicht selten einen kräftigen Tritt.
Während sich Balance Of Power mit jeder einzelnen Scheibe deutlich und auch für Nasenbären erkennbar weiterentwickelten, brauchen manch andere Combos schon allein drei Alben, um auch nur einen kleinen Schritt weiterzukommen.
Nun, ich denke, daß es sicher auch von der Persönlichkeit eines Musikers und der Chemie innerhalb einer Band abhängt, wie schnell sich dieser Reifeprozeß einstellt. Wenn man in dieser Richtung keinen Ehrgeiz hat, sondern mit dem, was man tut, zufrieden ist, dauert es eben länger, da sich das musikalische Wachsen dann auch dem natürlichen Reifen der jeweiligen Persönlichkeit anpaßt.
Jeder nach seiner Fasson. Gute Mucke kann so oder so dabei herauskommen. Einen kleinen Tipp von Tony gibt es allerdings noch. Oder besser gesagt: Ein Beispiel, das vielleicht ab und an mal zu bedenken wäre:
Es bringt absolut nichts, einen Song mit auf die Scheibe zu nehmen, wenn man sich nicht so ganz sicher ist, daß er was taugt. Nur um einer vollen CD wegen muß sowas echt nicht sein. Niemand schreibt nur Bomber, aber wenn wir Zweifel an einem Stück haben, lassen wir es bleiben.
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