Tests und Erfahrungsberichte
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1. Kleine Helfer für den Amiga-Alltag (von Christian Aichinger)

Aus meinem Fenster mag ich gar nicht sehen, denn was ich da sehe, gefällt
mir nicht. Regen, Nebel, kalter Wind, grauer Himmel - kann es sein, daß es
schon wieder Herbst wird? War da nicht noch was zwischen Frühling und
Herbst? Ich glaube, das muß ich dieses Jahr verpaßt haben ;).

Und damit herzlich Willkommen zur Oktober-Ausgabe der kleinen Helfer!
Diesen Monat gibt es Kurzvorstellungen zu den Programmen "TView",
"BabelDOC" und "FTPMount".

Viel Spaß beim Lesen!


TView:

Der Name ist Programm - um genau zu sein das TV-Programm. Denn genau dafür
wurde TView programmiert. Es liefert dem Amiga-User das tagtägliche
Sendeprogramm der bekanntesten in Deutschland ausgestrahlten Fernsehsender
und ganz nebenbei auch das Ausstrahlungs-Programm fast aller anderen nord-,
west- und südeuropäischen Staaten.

Screenshot:
Screenshot

Alles was dafür benötigt wird, ist ein Amiga mit Internetanschluß und
installiertem MUI. Ach ja, ein TV-Gerät kann auch nicht schaden, obwohl
TView diese "Hardware" nicht zwingend voraussetzt ;).

TView verwendet vier verschiedene Internet-Server, die der Software die
Daten des Fernsehprogramms zur Verfügung stellen. Da wären Dagenstv.com
(für nordeuropäische Staaten wie Dänemark, Schweden, Norwegen und
Finnland), Eurotv.com (für fast alle mittel- und südeuropäischen Länder),
Aftenposten.no (für Norwegen) und tv2.dk (für Dänemark). Osteuropäische
Fernsehsender werden von der Software leider nicht berücksichtigt.

Eine ältere Version von TView kann aus dem Aminet geladen werden. Ich kann
aber jedem Interessierten nur empfehlen, sich neben dieser Version auch das
Update auf Version 1.3.10 von der Homepage zu besorgen, welches dort
fälschlicherweise als V1.3.9 bezeichnet wird.

Die Installation beschränkt sich auf das Entpacken der beiden Archive.
Zuerst wird das Archiv mit der Distribution von TView1.3.2 an einen
beliebigen Platz auf der Festplatte entpackt. Danach wird genauso mit dem
Update-Archiv auf Version 1.3.10 verfahren. Fertig!

Als nächstes kommt die Konfiguration. Diese ist an sich selbsterklärend da
die Benutzeroberfläche größtenteils lokalisiert wurde (schwedisch,
norwegisch, deutsch, finnisch, französisch, dänisch, englisch) und die
meisten Optionen über eine MUI-Bubble-Help verfügen. Falls trotzdem noch
etwas unklar sein sollte, kann die englische Amigaguide-Anleitung zu Rate
gezogen werden. Je nachdem, welcher Nationalität der Anwender angehört,
sollte er sich unter "General" den entsprechenden Fernsehprogramm-Internet-
Server auswählen und danach die über diesen Server verschickten
Fernsehsender-Programme selektieren. Im Grunde genommen ist die grobe
Konfiguration damit schon beendet.

Um das ausgewählte Fernsehprogramm jetzt noch auf den Rechner zu bekommen,
muß eine Internetverbindung hergestellt und über das Menü "Tools/Daten vom
Server herunterladen" eine Verbindung zum Server hergestellt werden. Wenn
alles richtig konfiguriert und eine Verbindung zum Server hergestellt
wurde, fängt TView an, das Fernsehprogramm jedes einzelnen der in den
Voreinstellungen ausgewählten Sender abzufragen. Falls TView schon nach
einem kurzen Augenblick mit der Datenübertragung abbricht, liegt das
meistens an überlasteten Servern. Ein zweiter oder dritter Versuch klappt
in diesem Fall aber garantiert.

Screenshot:
Screenshot

Nachdem die Datenübertragung abgeschlossen wurde, kann TView das
Fernsehprogramm in zwei unterschiedlichen Modi darstellen. Im ersten Modi
werden alle Sendungen dargestellt, die in der aktuellen Stunde laufen. Zum
anderen kann aber auch das komplette Fernsehprogramm eines beliebigen
Senders angezeigt werden.

Ein weiteres nettes Feature ist die Alarm-Funktion. So kann TView veranlaßt
werden zwischen einer und 20 Minuten vor Sendebeginn ein Alarm-Signal
auszugeben oder ein Programm zu starten. Dazu wird nur die entsprechende
Sendung mit der Maus selektiert und das Menü "Tools/Wecker" aufgerufen.

Screenshot:
Screenshot

Interessante Möglichkeiten werden über den ARexx-Port von TView zugänglich.
Mithilfe der 18 Arexx-Kommandos lassen sich fast alle Funktionen TViews
steuern. Sofern die TV-Daten über den Server "Dagenstv.com" geladen wurden,
kann sogar der ShowView-Code einer Sendung abgefragt werden. Wurde das
Programm über andere Server geladen, versagt dieser Befehl leider.

Autor: Fredrik Söderberg und andere
Aminet: comm/tcp/TView.lha
Programmversion: 1.3.10
Homepage: http://hem.passagen.se/mcdrill/TView.html
Lizenz: Peaceware (siehe Anleitung)


BabelDoc:

Im Internet gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, Texte in eine andere
Sprache übersetzen zulassen. Einer davon ist der kostenlose Übersetzungs-
Service von AltaVista (zu finden unter http://world.altavista.com).

Das Programm BabelDoc nutzt diesen Internet-Service um einzelne Sätze,
kurze Textpassagen oder sogar komplette Textdateien von einer Sprache in
eine andere zu übersetzen. Die unterstützten Sprachen sind, wie das
folgende Bild zeigt, sehr umfangreich.

Screenshot:
Screenshot

Für den Betrieb von BabelDoc wird ein Amiga mit Internet-Anschluß und der
KingCON-Handler (Aminet unter "util/shell/KingCON_1.3.lha") benötigt. Die
Installation als auch Konfiguration von BabelDoc ist recht einfach bzw. so
gut wie gar nicht nötig. Es reicht, wenn BabelDoc an einen beliebigen Platz
auf der Festplatte kopiert wird. Nach dem Start öffnet sich das oben
abgebildete Fenster mit den zur Verfügung stehenden
Übersetzungsmöglichkeiten. Der Anwender muß sich nur noch die gewünschte
Übersetzungsart auswählen und gelangt danach zu einem Requester, der die
Auswahl der Dateneingabe regelt.

Screenshot:
Screenshot

BabelDoc unterstützt dabei folgende Möglichkeiten: Wird der Button "Text"
gewählt, öffnet sich ein kleiner Requester in dem entweder ein Satz oder
nur einzelne Wörter eingegeben werden können. Wird der Button "Kcon"
angeklickt, öffnet BabelDoc eine Kingcon-Konsole, in der ein neuer Text
eingegeben werden kann. Die meiner Meinung nach interessanteste Möglichkeit
erfolgt über den Button "File", denn damit lassen sich komplette
Textdateien beliebiger Größe übersetzen. Nachdem AltaVista mit der
Bearbeitung fertig ist, wird die Übersetzung von BabelDoc automatisch auf
der Festplatte gespeichert.

Allerdings sollte man von der Übersetzungsqualität keine Wunder erwarten.
Hinter dem Übersetzungs-Service von AltaVista stecken auch nur Computer und
die sind bekanntlich dumm. Wer aber mit dem folgendem übersetzten
Textausschnitt aus der englischen BabelDoc-Anleitung etwas anfangen kann,
sollte sich BabelDoc einmal näher ansehen.

»...Was @ # ist $ % BabelDoc?

BabelDoc ist ein Programm, das Ihnen erlaubt, Dokumente oder Textfolgen von
einer Sprache zu anderen über Übersetzungsdienste AltaVistas zu übersetzen.
Es kann vom Werktisch oder vom CLI ausgestoßen werden.  Wenn keine
Parameter von CLI gegeben werden, benimmt sich BabelDoc dasselbe, als ob
ausgestoßen vom Werktisch. Ther sind 3 Inputmodi und sie sind, wie
folgt:...«

Interessant, ein "ausstoßender Werktisch". Was das wohl sein könnte ;)?

Autor: Lorence Lombardo
Aminet: comm/tcp/BabelDoc.lha
Programmversion: 1.7
Homepage:
Lizenz: Freeware


FTPMount:

FTPMount ist ein FTP-Client der etwas anderen Art. Anstatt auf eine eigene
Benutzeroberfläche oder die Shell zusetzen, bindet FTPMount ein neues
"FTP-Laufwerk" in das AmigaOS ein. So wird ein, vom Anwender
konfigurierter, FTP-Server als Unterverzeichnis auf dem neuen Laufwerk
"FTPMount" dargestellt.

Screenshot:
Screenshot

Die Installation erfolgt mittels des Amiga-Installers und demzufolge recht
schnell und unproblematisch. Alle benötigten Assigns, Handler- und
DOSDriver-Dateien werden automatisch in die richtigen System-Verzeichnisse
kopiert. Einige Beispiel-Konfigurationen und die englische Amigaguide-
Anleitung werden in ein Verzeichnis "FTPMountDir" kopiert, dessen Ort der
Anwender selbst bestimmen kann. Tip am Rande: Wenn der Installer nachfragt,
ob das FTPMount-Laufwerk schon beim Neustart angemeldet werden soll, ist es
besser, die Frage mit "Nein" zu beantworten. Dafür gibt es, zumindest für
Genesis-Besitzer, eine elegantere Möglichkeit, auf die ich am Ende des
Textes eingehen möchte.

Nachdem die Installation bewältigt wurde, muß FTPMount noch konfiguriert
werden. Die Konfiguration ist zwar etwas unorthodox, trotzdem nicht sehr
kompliziert:
Im FTPMountDir-Verzeichnis befindet sich ein Verzeichnis genannt "Hosts".
In diesem Verzeichnis befinden sich weitere Unterverzeichnisse mit den
Pseudo-Namen diverser FTP-Server (z.B. "localhost" für "lokalen FTP-
Zugriff" oder "aminet" für einen Aminet-FTP-Server). Die spezifische
Konfiguration geschieht über die Tooltypes dieser FTP-Server-Verzeichnisse.
Um Zugriff auf einen bestimmten FTP-Server zu erlangen, muß einfach mit der
Workbench-Funktion "neue Schublade anlegen" ein neues Verzeichnis erstellt
werden. In den Tooltype-Einstellungen dieses neuen Verzeichnisses gibt man
dann nur noch ein neues Tooltype "HOST=FTP-Adresse" ein. Um z.B. anonymen
Zugriff auf den Server von Haage & Partner zu bekommen, gibt man dort
"HOST=ftp.haage-partner.com" ein. Um einen autorisierten Zugriff auf z. B.
den FTP-Server der eigenen Homepage zu erlangen, unterstützt FTPMount
weitere Tooltypes wie z.B. "USER" für die Benutzer-Kennung oder "PASSWORD"
bzw. "PASSWORDCRYPT" für ein (verschlüsseltes) Passwort.

Wird nun eine Verbindung zum Internet hergestellt, kann in einer Shell das
FTPMount-Laufwerk ("mount ftp:") angemeldet werden. Eine eleganter
Möglichkeit ist, den TCP/IP-Stack wie Genesis (zu Miami kann ich nichts
sagen) dazu zu veranlassen, nach der Erstellung der Internet-Verbindung,
das FTP-Laufwerk automatisch anzumelden. Genesis bietet dazu in den
"Schnittstellen-Einstellungen" unter dem Reiter "Ereignisse/Online" die
Möglichkeit, Shell-Kommandos auszuführen.

Screenshot:
Screenshot

Dort gibt man einfach 2 neue Befehle ein: Einmal "mount ftp:" um "FTP:"
anzumelden und "cd ftp:" um das FTP-Laufwerk auf der Workbench sichtbar zu
machen. Falls die Internet-Verbindung getrennt und danach wieder
hergestellt werden sollte, gibt es dabei keine Probleme. Fehlerausgaben,
daß "FTP:" schon angemeldet wurde, werden von Genesis verschwiegen.

Um Daten "auf den" oder "von dem" Server zu kopieren kann sich der Anwender
jedes herkömmlichen Weges des AmigaOS-Dateimanagements bedienen. Sowohl der
Weg über Workbench als auch Shell ist problemlos möglich. Datei-Manager wie
Dopus oder ClassAction können auf das FTP-Laufwerk ebenfalls problemlos
zugreifen.

Ein weiteres nützliches Feature ist das Commodity "FTPMount Status", daß
automatisch vom FTP-Handler während der Anmeldung eingebunden wird. Dieses
Commodity dient zur Überwachung der Datenübertragung. In einer Liste werden
alle mit verschiedenen FTP-Servern hergestellte Verbindungen angezeigt.

Screenshot:
Screenshot

Wird auf einen dieser Einträge geklickt wird ein weiteres Fenster geöffnet,
in dem der momentane Zustand der Datenübertragung dargestellt wird. Bei zu
langsamen Übertragungen kann diese auch abgebrochen werden.

Autor: Martin R. Elsner, Thies Wellpott, Evan Scott
Aminet: comm/tcp/ftpmount.lha
Programmversion: 1.3
Homepage: http://www.martin-elsner.de
Lizenz: Freeware


So, das war's mal wieder. Vorschläge, Kritik, Wünsche und Mails sind mir
immer willkommen.

Christian Aichinger <christian@aakt.de>