Review: Aqua

Review: Aqua


Adventures haben auf dem Amiga eine lange Tradition, auch wenn bei weitem nicht mehr so viele Games aus diesem Genre erscheinen, wie noch vor einigen Jahren. Mit "Aqua" aus dem Hause Emerald Images ist nun ein neues Game erschienen. Mal sehen, ob Adventure süchtige Amiganer damit ordentlichen Nachschub für ihren geliebten Rechner bekommen.

Obligatorisches

Wie so viele aktuelle Games auf dem Amiga kommt auch Aqua auf einer selbstgebrannten, mit knapp 170 MB belegten CD Rom daher - unnötig zu erwähnen, dass sowohl das Cover als auch der Backdrop lediglich ausgedruckt wurden. Na ja, auch wenn professionelle Spiele anders aussehen, wollen wir uns hier nicht mit Nebensächtlichkeiten aufhalten und gehen somit gleich zu den Anforderrungen über:

Grafikkarten werden via Picasso96 / CyberGFX natürlich auch unterstützt, auch wenn das Spiel keinen direkten Gebrauch davon macht. Es läuft zwar, aber 16-bit Screens und ähnliche Spielereien bleiben leider aussen vor. Somit sollten diese Anforderrungen eigentlich keinen User davon abhalten, Aqua zum laufen zu bewegen. Eine Installation auf Festplatte ist zwar machbar, aber nicht zwingend nötig.

Die Story

Eigentlich ist die Story ziemlich - na ja - einfach konstruiert und dient nur als Mittel zum Zweck: So verschwindet bei schwerem Unwetter eine Ölstation auf mysteriöse Art und Weise. Die Hauptfigur - der Spieler - hört von diesem Unfall und macht sich völlig uneigennützig auf die Suche nach wertvollen Überresten der Ölstation und mietet sich dafür ein entsprechendes Unterseebot an. Tja, und damit darf der Spieler dann seine Reise in die Tiefen des Meeres beginnen. Eigentlich ziemlich langweilig, oder? Insofern kann man sich auch den "Genuss" des kurzen Intro`s spaaren, welches diese Story wiedergibt. Die grafische Qualität ist dabei recht schwach ausgefallen (Vergleiche mit anderen Plattformen verbieten sich von alleine) und auch die Auflösung ist viel zu gering - ganz zu schweigen von der pixeligen Darstellung....

Die Technik

Gesteuert wird Aqua bequem per Maus. Der Spieler verfolgt das Spielgeschehen aus der Ich-Perspektive und sieht damit immer genau das, was die Hauptfigur sieht. Dabei wird - ähnlich wie bei Myst - ständig zwischen den verschiedenen Bildschirmen umgeschaltet und Aktionen können mittels einem Click auf den Mauszeiger einfach ausgeführt werden. Eine Liste mit Verben wie bei den alten Lucasfilm Adventures gibt es bei Aqua nicht, was den Schwierigkeitsgrad ein wenig vereinfacht. Alles in allem eine praktische Lösung für ein Adventure.

Überhaupt nicht zufrieden bin ich hingegen mit der grafischen Qualität dieses Spiels. So wirkt die Grafik - die man am besten in einem High Res-ähnlichem Modus bestaunt - im gesamten Spiel einfach zu detaillos und farbenarm und erinnert mich eher an das eine oder andere gehobenere Sharewarespiel als ein kommerzielles Adventure. Mir ist zwar durchaus bewusst, dass man nicht jedes Spiel auf dem Amiga heutzutage mit PC Spielen vergleichen kann, aber dennoch sollten auch Amiga Spiele im Jahre 2001 ein gewisses Mass an grafischer Qualität zu bieten haben. Vergleiche mit "Myst" verbieten sich ebenso wie mit den detallierten Grafiken des Klassikers "Hexuma" (kennt den noch jemand??). Ähnliche Tatsachen lassen sich auch beim Sound feststellen: Nette Ansätze, aber insgesamt alles etwas zu unausgereift bzw. unprofessionell für ein kommerzielles Spiel. Das mag aber alles auch daran liegen, dass es sich bei Aqua um ein 2-Mann Projekt gehandelt hat und dadurch zwangsweise nicht alles so elegant aussehen kann, wie bei Games auf anderen Plattformen.

Der Schwierigkeitsgrad ist an sich recht angemessen und wenn man sich von den grafischen Schwachstellen nicht abhalten lässt, Aqua zu spielen, kann man durchaus in diese Welt abtauchen. Die Rätsel sind allesamt auf jeden Fall zu knacken, auch wenn einige schwierige Kopfnüsse dabei sind. Anyway, erfahrene Adventure Fans werden die Rätsel wohl eher nebenbei lösen und die Handlung als "nett, aber eher unspektakulär" bezeichnen. Da der Schwierigkeitsgrad aber immer fair ist, kommt sogar soetwas wie Langzeitmotivation auf, was insbesondere bei Adventures vom klaren Vorteil ist.


Fazit

Wie bei so vielen neueren Amiga Spielen merkt man auch "Aqua" zu deutlich an, dass es sich um ein Projekt einer Hobby Softwareschmiede und keinesfalls um das Ergebniss eines großen Softwarehauses handelt. Das ist zwar schade, aber leider nicht ändern. Wer die daraus resultierenden Mängel - hier sei insbesondere die Grafik genannt - übersehen kann und dem Adventure Genre ansonsten auch nicht abgeneigt gegenübersteht, kann der Demoversion (Aminet) ja mal einen Testdurchlauf unterziehen. Blind zugreifen würde ich bei Aqua jedenfalls nicht, auch wenn der Verkaufspreis mit 39 DM dann doch wieder sehr human angesetzt wurde und das Spiel somit nur ein wenig teurer geworden ist als einige Sharewarespiele.....

Kilian "The Bruce" Servais