Mit Supreme Majesty ist die melodische Metal-Szene wieder um eine Hoffnung reicher. Mit ihrer Mixtur aus manchen Pretty Maids-Anleihen und dezenten bombastischen Elementen reihen sich die jungen Skandinavier zudem auch nicht einfach in der Serie gesichtsloser Acts ein, die einer wieder andere klingen. Noch bevor ich außer "Hallo" was anderes in den Telefonhörer texten kann, blubbert Basser Daniel Andersson auch schon drauf los:
Ich möchte gleich mal alle Leute einladen, auf unsere Homepage zu gucken: www.suprememajesty.com . Dort befinden sich unter anderem auch diverse Soundfiles, auch falls sich jemand nach Lesen der Reviews nicht ganz schlüssig ist. Diese Stücke beinhalten nicht nur aktuelles Material, sondern auch Songs unserer ersten Mini-CD, die man außerhalb von Schweden kaum mehr bekommen kann. Ich hab selbst grad noch mal eine Kopie. Unser damaliges Label Loud`n Proud ging pleite.... tja, insofern wird das Scheibchen nicht mehr nachgepreßt.
In diesem Bankrott sieht Daniel aber auch einen großen Vorteil für die Band.
Dadurch hatten wir auch die Chance, an ein anderes Label zu kommen, und mit Massacre und dem, was nun für *Tales Of A Tragic Kingdom* passiert, sind wir total glücklich. Man muß die Aufmerksamkeit der Leute auf sich lenken.
Leider besteht so gut wie keine Möglichkeit mehr, von der Homepage der Band abgesehen, das neue Material mit den älteren Sachen zu vergleichen. Aber das erledigt an dieser Stelle eben Daniel schnell.
"Tales..." ist schlicht in jeder Hinsicht besser: Das Songwriting, die Umsetzung aber auch die Produktion. All diese Aspekte sind gleich wichtig, wenn eine Platte unterm Strich passen soll. Der Vergleich mit manchen Elementen von Pretty Maids ist gar nicht so weit hergeholt, es ist sicher eine Combo, die uns beeinflußt hat. Allerdings wollten wir auch gewisse Trademarks der ´80er Hardrockszene weiterführen. Europe zum Beispiel. Das alles sollte einen Mix aus Heavy Metal, `80er-Elementen und eigenem Kopf werden. Eine Art "New meets Old". Es wurden schon einige Stimmen laut, die uns mit Pretty Maids vergleichen, doch hat uns noch niemand als Kopie bezeichnet. Es fielen lediglich Aussagen wie daß wir manche Ähnlichkeiten bezüglich der Dynamik hätten.
Die Operation, aus bekannten Sächelchen etwas Neues zu kreiern, war also erfolgreich. Und ein Vergleich mit Ronny Atkins und Ken Hammer ist sicher nicht das Schlechteste.
Es standen noch einige Ideen mehr im Raum, die allerdings, gesamt gesehen, nicht so recht zu Supreme Majesty gepaßt hätten. Wir nehmen unsere Ideen immer gleich auf und zu Hause ziehen wir uns dann die Tapes rein. So merkt man doch relativ schnell, ob etwas zur Band paßt, oder nicht. Und die Parts, die uns nicht vom Hocker reißen, werden dann eben ausgetauscht. Mich würde es freuen, wenn sich die Hardrock- und die Metal-Szene noch ein Stückchen näher kommen würden. Man kann aus beiden Richtungen Elemente einfügen. Zum Beispiel Double-Bass: Wir haben es lediglich verwendet, um die Dynamik der Songs an manchen Stellen zu steigern. Ich finde, man muß nicht den ganzen Track hindurch poltern.
Wie war. Davon kann vor allem unser Markus ein Lied singen, der bei anhaltenden Passagen dieser Richtung eiskalt die Flucht ergreift. So hat jeder seine Vorlieben. Auf die Frage, welches bisher die wichtigste Station für die Supreme Majesty war, nennt Daniel vor allem Sänger Joakim Olson.
Wir dachten uns nach dem Weggang von Rickard Larsson wirklich nicht, einen geeigneten Mann in der näheren Umgebung finden zu können. Einen, der bereits vorhandenes Material entsprechend auf die Kette bekommt, aber auch eine eigene Note hat. Aber es hat sich doch alles sehr schnell und einfach ergeben.
So manchen dürfte es recht schwer fallen, einen richtigen Höhepunkt aus der Platte zu filtern, also einen Song, der meilenweit über allen anderen steht. Dafür ist die Scheibe in ihrer Gesamtheit einfach zu gut.
Mir selbst gefallen auch alle Songs auf der Scheibe (Wäre ja auch schlimm, wenn nicht - Anmerkung von Kilian Servais), Let It Go ist aber schon einer meiner Faves. Man sollte nicht mit einem Stück ins Studio zum Aufnehmen latschen, wenn einem der Track eigentlich gar nicht gefällt. Was die Band betrifft, herrscht bei uns allerdings das Mehrheitsprinzip: Wenn alle auf eine Nummer stehen und nur einer sich nicht damit anfreunden kann, wird das Teil trotzdem gespielt. Das funktioniert sehr gut und natürlich diskutieren wir solche Sachlagen auch vorher. Manchmal geht es einem als Musiker genauso wie manchmal als Hörer: Zu Beginn mag man einen Song oder einen Part nicht und nach gewisser Zeit freundet man sich damit an oder frißt einen richtigen Narren dran.
Interview: Eva Marie Uebelhack