Zwar ist die aktuelle Platte, Stovepipe, der amerikanischen Antwort auf Motörhead nur via Mailorder vorerst erhältlich, doch sollte einem das nicht davon abhalten, schnell zuzugreifen, denn der kleine, quirlige Musiker mit den großen Ideen bietet wirklich alles, was man sich von ehrlicher Heavy Mucke im traditionellen Sinne wünscht. Und stellt man ihm auch nur eine Frage, hat man schon den passenden Start für ein langes, gutes und informatives Gespräch.
Man trifft nicht oft Leute, die alle Elemente von verschiedenen Sounds in der Musik erkennen können. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was in den Köpfen mancher Bands vorgeht, wenn sie sich ans Songwriting machen. Vielleicht merken manche gar nicht, daß sie kaum über den Tellerrand gucken. Für mich ist einzig wichtig, daß eine Platte, die ich mir anhöre, auch gut kickt und mich zum Mitwackeln bringt. Ich bin immer noch ein großer Metal-Fan und wenn mir etwas nicht gefällt, hole ich mit eine andere CD, haha. Ich bin mir sicher, ein wahrer Metalfan weiß, welche Band ehrlich ist und welche nicht. Darum ist Amerika in dieser Hinsicht auch nicht so beliebt.
Sagt´s und lacht. Recht unkonventionell war der Entstehungsprozeß dieser Scheibe: Gemischt am Computer....
Ja, ich habe mit einem Pentium I mit 100 KHZ (werden wohl eher 100 MhZ gewesen sein... - Anmerkung von Kilian Servais) und nur 64 MB Arbeitsspeicher gearbeitet. Und ich muß mich ganz dick bei drei Leuten bedanken: Das Programm, das ich nutze, heißt "N-Track" (gibt´s unter www.fasoft.com) und kostet gerade mal 30 Dollar. Der Name des Programmierers ist Flavio Antolini. Der Gebrauch der Software ist superleicht und hat es mir sehr einfach gemacht, die Ideen in meinem Kopf exakt zu verwirklichen. N-Track verwandelt deinen Computer in ein Multi-Track-Programm. Die zweite wichtige Person ist Produzent Michael Wagener, der mir gelehrt hat, Musik aus der Sicht eines Produzenten zu sehen. Er hat einige Demos der Scheibe gehört und gab mir viele wertvolle Anregungen, alles aus dem Sound herauszuholen. Er nennt es einen transparenten Sound, den man als Musiker so eigentlich gar nicht wahrnimmt. Er hat mir gezeigt, Musik anders zu hören. Und zu guter Letzt auch Bob Shuster, der mir viel bezüglich der Unterschiede zwischen Analog- und Digital-Aufnahmen gezeigt hat. Unterm Strich sollte die Scheibe so viel wie möglich Live-Feeling einfangen. Lange lebe Van Halen´s "Women And Children First".
Den Haupteinfluß für die Platte sieht S.A. in verschiedenen Abschnitten seines Lebens...
Ein Grund, weshalb jede meiner Platten anders klingt, ist, daß ich zu jeder Aufnahmezeit an einem anderen Punkt in meinem Leben stehe. "Stovepipe" ist wesentlich feindseliger als die Musik, für die ich eigentlich bekannt bin. Rocky, einer meiner Mitmusiker, ging durch eine harte Scheidung und dem Sorgerechtsstreit für sein Kind, ich hatte beschissene Job-Situationen seit ich bei den Erwachsenen mitspiele. Es war nie leicht für mich, Geld zu verdienen. All diese Dinge fließen emotional in die Scheibe mit ein. Musikalisch habe ich aber immer noch die gleichen Einflüsse: New Wave of British Heavy Metal, also Saxon, Raven, Tank, Fist und Motörhead, gemischt mit dem Punk der frühen `80er und Rock´n´Roll-Legenden wie Ted Nugent, Eddie Cochran, Blue Cheer,..... aber ich mag auch die deutschen Metal Bands, wie Primal Fear und Gamma Ray supergern, bricht der Amerikaner eine Lanze für die deutsche Heavy-Fraktion. Die für ihn bisher wichtigste Zeit sieht S.A, zwischen 1986 und 1992.
Damals hatte ich die Chance, vieles zu erleben und unter Bands zu sein in einer Fülle, die den meisten Musikern nie möglich ist. 1985 habe ich für ein Fanzine namens "Kicks Ass" geschrieben und dann wurde ich Herausgeber bei einer wöchentlichen New Yorker Unterhaltungszeitung. Meine Erfahrung davon, innerhalb der Szene zeigte mir, daß wie das Musikbusiness wirklich ist: Enttäuschend, aber akzeptabel. Ich war eine zeitlang Roadie bei Thor und habe auch mit Manowar so meine Erfahrungen gemacht. 1988 - 1989 zeigte mir den Weg, wie erfolgreiche Bands arbeiten. Und darum finde ich auch, daß Manowar eine der größten Bands überhaupt sind. Nicht nur wegen dem, was von CD und der Bühne kennt, sondern wegen der ganze Arbeit, die die Band hineinsteckt. Arbeit, die die normalen Leute niemals sehen werden. Ich spielte während dieser Zeit eine Menge Opening-Gigs für große Bands und letztendlich hat mir die Erfahrung, die ich bei Studioarbeiten von 1989 bis 1992 machte (Propain mit Billy Milano, Dream Theater, Raven, Stone), einiges gezeigt. Ebenso auch die Tatsache, wieviele regionale Bands es trotz vieler Bemühungen nie geschafft haben. Und hier eine kleine Exklusivmeldung: Ich habe angefangen ein Buch zu schreiben, mit all meinen Erfahrungen: Als Journalist, Roadie und als Sound Engineer. Es wird einfach "Rock And Roll" heißen. Und sollte ich mal groß rauskommen, wird auch das Buch das Licht der Welt erblicken. Ungefähr sechs bis acht Monate nach dem großen Schlag.
Und rückt im nächsten Atemzug gleich damit heraus, daß er absolut überrascht ist, wenn jemand seine Musik mag.
Ich erwarte das nicht. Ich bin echt positiv überrascht, wenn ich höre, daß jemand meine Musik gerne hört. Das ist so, weil ich Musik für niemanden außer für mich selbst mache. Es schmeichelt mir sehr, wenn ich sehe, daß die Mucke ankommt. Das einzige Ziel, das ich bei dieser Scheibe hatte, war, die bestmögliche Aufnahmequalität abzuliefern.
Nach S.A.´s gibt es eine große Krux in der Musikszene: Zu wenig Fans, die sich engagieren und in diesem Business arbeiten - oder auch zuviele Leute im Biz, die keine wahren Fans sind.
Meiner Meinung nach wäre es wichtig, so viel wie möglich Hardcore-Fans in der Musikindustrie zu haben. Es gäbe mehr gute Entscheidungen, die nicht vom Geld dominiert werden. Die Musi selbst wäre auch echter. Wenn ich etwas ändern könnte, würde ich eine dreistündige, weltweite Metal-Fernseh-Show auf die Beine stellen. Es gäbe eine Music Directors-Garde von an die zwanzig Leuten und jeder hätte einen Song nach Wahl in der Show. Ein fan-gesteuertes Programm. Wär´ das nicht großartig?
Sicher. Nur leider scheitern erfahrungsgemäß ja schon die kleinsten Sachen auch an der Faulheit und dem mangelnden Engagement sogenannter Fans. Engagement ist Arbeit und dafür will man Geld. Und Hobby kann sowieso nicht zur Arbeit werden. Lassen wir das. Unter http://members.aol.com/saaback gibt es eine Menge News, auch anstehende Konzerte von S.A. werdet Ihr dort finden. Bestätigt ist bereits sein Auftritt beim Bang Your Head-Festival im nächsten Jahr. Und ansonsten.....
Hey Leute: Wenn man nach Musik sucht, die keine Scheiße präsentiert, nicht alternative angehaucht oder Nu Metal ist, dann laßt "Stovepipe" mal `ne Runde in Eurer Anlage drehen. Der nächste wichtige Punkt: 20 Mark!!! Zahlt ja nicht mehr für die CD, als Ihr müßt! Es macht mich krank, wieviel mehr Geld die Musikindustrie den Fans als nötig aus der Tasche zieht!!!
Nicht nur ein sehr guter Musiker mit einer tollen Metal-Scheibe im Gepäck, sondern auch ein offener Mensch, der aus seinen Ansichten keine Mördergrube macht und zudem mit vielen interessanten Gesprächsthemen und guten Ideen aufwartet.
Interview: Eva Marie Uebelhack