Helloween Split - Musste es so kommen?

Die History von Helloween ist ohne Frage eine recht interessante: Mitte der 80er als deutsche Anwtort auf Iron Maiden / Judas Priest gestartet, zeichnete sich die Band nicht nur für die absolut prägenden Alben "Keeper Of The Seven Keys - Part I / II" verantwortlich (welche ganze Garnisonen von Bands beeinflussten - darunter so illustere Act`s wie Edguy und HammerFall) , sondern gleichfalls für derbe Line-up Probleme, die seid der Anfangszeit zu Helloween fest dazu gehörten. Zunächst erwischte es Kai Hansen Ende der 80er (der daraufhin seine eigene Band Gamma Ray gründete) und 1993 - nachdem die Band sich selber mit rockig ausgerichteten Alben wie "Chameleon" (welches in meinen Augen trotzdem brilliant ist) - Ausnahmesänger Michael Kiske, der für viele heutzutage immer noch zu den besten Metal Sängern überhaupt gehört.

Tja, mit dem Quasi-Neuanfang 1994 schien es so, als ob Helloween nochmal die Kurve kriegen würden: Sänger Andi Deris und Drummer Uli Kusch brachten neuen Schwung in die Band, die ansonsten noch aus Roland Grapow (Gitarre), Markus Grosskopf (Bass) und Michael Weikath (Gitarre) bestand. Das `94er Werk "Master Of The Rings" zeigte die Band wieder deutlich heavier und die Richtung schien die richtige zu sein. Mit dem `96er Nachfolgealbum "The Time Of The Oath" schaffte man es sogar ein Album zusammenzustellen, welches (erstmals) qualitativ mit den alten Werken mithalten konnte, auch wenn es - logischerweise - musikalische Unterschiede gab, was sich alleine schon durch die völlig andere Stimme von Sänger Andi Deris erklären lässt. Trotzdem: Helloween konnten sich die Sympathien der alten Fans langsam wieder erspielen und die Zukunft sah rosig aus - zumindest war ich 1996 der Meinung das Helloween wieder da sind!

Diese Feude sollte allerdings nicht von langer Dauer sein: Das Livealbum "High Live" lassen wir mal aussen vor (hier gehen die Meinungen weit auseinander), aber schon die Soloaktivitäten von Gitarrist Roland Grapow ("The Four Seasons Of Life") und Sänger Andi Deris ("Come In From The Rain"), die beide parallel im Sommer `97 veröffentlicht wurden, ließen nichts gutes erahnen - zumindest das Andi Deris Album war zwar gutklassig, aber dies war nur der Anfang zahlreicher Sideprojekte der Bandmitglieder. So versuchten sich ein jeder aus der Band in anderen Projekten (Catch The Rainbow, Shockmachine) bzw. als Gastmusiker auf anderen Platten. Klaro, diese externen Aktivitäten mussten Einfluss auf die musikalische Qualität haben und schon das `98er Album "Better Than Raw" ließ die Klasse des Vorgängers "Time Of The Oath" vermissen und zählt - trotz einiger Ausnahmen - zu den schlechtesten Werken der Band. Auch über das `99er Coveralbum "Metal Jukebox" sollte man lieber den Mantel des Schweigens breiten, sind doch selbst viele Helloween Die-Hard Fans (der Verfasser dieser Zeilen eingeschlossen) damit mehr als nur unzufrieden....

Das die Band spätestens an dieser Stelle auf die Notbremse hätte treten müssen - sprich: alle externen Projekte canceln - war schon damals kein großes Geheimniss mehr. Umso unverständlicher, dass im Sommer `99 erst das zweite Soloalbum von Roland Grapow das Licht der Welt erblickte ("Kaleidoscope"), welches sträflich unterbewertet wurde und mir sehr gefallen hatte, und anschließen im Frühjahr 2000 noch Sänger Andi Deris mit "Done By Mirrors" nachziehen musste. Letzteres war allerdings ein Totalausfall und ließ für die Helloween Zukunft nichts positives erahnen....

Wie recht man hatte: Das nächste und nach wie vor aktuelle Helloween Album "The Dark Ride" (2000) war zwar einerseits eine Steigerrung im Vergleich zum Vorgänger, enthielt aber andererseits auch wieder einiges an Ausschusswaare - von einem Top Album kann in diesem Zusammenhang also beim besten Willen nicht gesprochen werden. Wie auch, entstanden die Songs doch in verschiedenen Studios (fast alle Bandmitglieder besitzen ein eigenes!) und wurden zwischen den Bandmitgliedern hin und her geschickt. Das da kein Überhammer rauskommt, dürfte auf der Hand liegen. Wesentlich angebrachter wäre es wohl gewesen, wenn die Band sich mal einige Monate irgendwo eingeschlossen hätte und dort Songs zusammen (!!) geschrieben hätte. Wie auch immer: Alleine dieser Umstand macht es doch mehr als deutlich, wie weit es bei Helloween inzwischen gekommen war - um ein richtig intaktes Bandgefüge handelte es sich augenscheinlich schon damals nicht mehr.

Und wo sind wir heute? Roland Grapow und Uli Kusch sind nicht mehr Bestandteil des seit 1994 existierenden und damit längsten Line-up`s in der Helloween History. Die Gründe sind sicherlich vielschichtig, wobei das Fass wahrscheinlich von der Tatsache eines weiteren Sideprojekts in Form eines Prog. Albums von Roland Grapow & Uli Kusch zusammen mit Symphony X Sänger Russel Allen zum Überlaufen gebracht wurde. Wie auch immer: Daran alleine lag es einfach nicht, zumal Roland Grapow immer noch derjenige in Helloween war, der sich auf den letzten Alben für die stärksten Songs verantwortlich zeichnete - ein Herr Weikath ist von Glanztaten wie zu den seligen "Keeper..." Zeiten genauso entfernt wie ein Herr Deris von traumhaft schönen Balladen, wie es sie noch auf "The Time Of The Oath" oder "Master Of The Rings" gab. Mutmaßung oder nicht: Ich persönlich mache mal wieder Michael Weikath`s bescheuerte Art dafür verantwortlich, warum die beiden letzendlich gehen mussten - mit diesem merkwürdigen Menschen gut auszukommen, fiele mir persönlich wahrscheinlich nicht leicht, aber in einem Bandgefüge ist es noch viel extremer. Ähnliche Spannungen verleiteten ja seinerzeit schon Michael Kiske (der sehr viel mehr Grips hat, als manch anderer....) zum Ausstieg und ich vermute, dass es im Jahr 2001 die selben Spannungen waren, die zum neuerlichen Line-up Problem führten. Wenn man dann auch noch hört, dass Uli Kusch niemals richtig in die Band integriert war und mit den Jungs sonst gar nix zu tun hatte, spricht ebenfalls nicht für ein intaktes Bandgefüge. Zwangsläufig musste es dann anscheinend so kommen - oder etwa nicht? Wie gesagt: Der Anfang vom Ende geht inzwischen 4 Jahre mit dem Release der ersten Soloplatten zurück, da die Combo seitdem nicht mehr viel auf die Reihe gekriegt hat. Folgerichtig lässt sich das Killeralbum "The Time Of The Oath" dann noch als positiver Ausrutscher bewerten, wo alle Bandmitglieder noch mit 100 Prozent bei der Sache waren....

Bleibt also eine Band aus drei Mitgliedern übrig, die ohne kreative Nachfolger wohl aufgeschmissen sein wird. Weitermachen wollen Helloween aber auf jeden Fall und es scheint genügend Fans zu geben, die das auch befürworten - ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ein Weitermachen nur dann Erfolg hat , wenn zum einen sämtliche Side- und Soloprojekte eingestellt werden und zum anderen die Band mal wieder zusammen arbeitet. Ich würde mir ein neues, gelungenes Helloween Album auf jeden Fall wünschen. Ein Album mit "Keeper..." Status wird es zwar nicht mehr geben, aber zumindest ein zweites "Time Of The Oath" könnte ich mir vorstellen. Bleibt nur zu hoffen, dass die neuen Members sorgfältig ausgewählt werden und nicht ebenfalls nach einigen Jahren mit Soloalben anfangen, die Band kontinuierlich wieder weiter nach unten zu ziehen....

Trotz alledem: "We have got the power - we are divine. We have the Guts to follow the sign!"

Pumpkin Metal Rulez!!

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